gasungsmaterials. Der Verkauf in Hanau gestaltete sich in diesem Jahre bedeutend besser als früher, weil das Publikum infolge Unterweisung von Seiten der Direktion sich überzeugen ließ, daß Koke in amerikanischen Re- gulirfüllöfen ebenso gut brennen wie die zur Zeit so theueren Anthracit- kohlen.
Referent bemerkt noch, daß in der Sitzung der Gaskommission in der über die Verwendung des Ueberschusses Beschluß gefaßt wurde, auch beschlossen sei, in der Knaben-und Mädchen-Volksschule s. g. Schulbäder einzurichten und daß hierfür 2500 Mk. bewilligt seien.
Herr Una ergreift hierauf das Wort zu einer kritischen Betrachtung der vorgetragenen Verhältnisse des Gaswerks, worauf der Herr Oberbürgermeister seiner Befriedigung Ausdruck gibt, daß die von ihm in's Werk gesetzte Reform des Gaswerks so gute Früchte getragen habe.
Hierauf wurde der Beschluß verlesen, nach welchem die Gaskommission mit 3 gegen 2 Stimmen den Gas preis vom 1. Oktober d. I. ab von 20 au f 19 Pfg. pro cbm. herabgesetzt hat. Herr Una erklärte hierzu, daß dies seine Wünsche nicht ganz befriedige, da er die Herabsetzung auf 18 Pfg. gewünscht hätte. Jedoch wolle er in Hinsicht auf das ja unleugbar verthenerte Vergasungsmaterial sich bis zum Schluß des Etatsjahrs zufrieden geben.
Der Herr Oberbürgermeister erklärte hiergegen, daß Hanau sich jetzt des billigsten Gases von allen Städten Deutschlands erfreue und eine weitere Herabsetzung aus wirthschaftlichen Gründen unmöglich sei. Anlehnend an den Herrn Vorredner erklärte Herr Lucan, Mitglied der Gaskommission, daß er nach genauer Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse nicht in der Lage gewesen sei in der Gaskommission für eine Herabsetzung des, Gaspreises zu stimmen, hingegen bäte er, wie dies heute zur Sprache gebracht worden sei, an dem ja allerdings sehr billigen Preis _ anjMotorengas nicht zu rütteln, weil dadurch die Interessen vieler kleiner Geschäftsleute bedroht würden. Die Debatte wird hierauf geschlossen und die Herabsetzung des Leuchtgaspreises von 20 auf 19 Pfg. einstimmig angenommen.
Der Alignementsplan des Schwindefort, worin auch die geplaute Ver- bindung des Auheimerwegs mit der Leipzigerstraße enthalten, wird, verändert, nochmals aufgelegt.
Zum Schluß beklagte Herr Luca n das vorzeitige Auslöschen der Laternen aus dem Wege vom Ostbahnhof bis zur Ehrensäule und die dadurch hervorgerufene große Unsicherheit des Weges. Der Herr Oberbürgermeister wird dieserhalb vorstellig werden.
Gerüchte. Seit einiger Zeit durchschwirreu Gerüchte die hiesige Stadt, wonach unser Bataillon von Hanau weg- und zwei andere Infanterie- bataillone hierher verlegt werden sollten. Wir haben Erkundigungen hierüber eingezogen und erfahren, daß maßgebender Stelle von einem Wechsel bis jetzt nichts bekannt ist.
Wasserleitung. Für das nach Wassermesser zur Berechnung kommende Wasser ist, wie uns mitgetheilt wird, ein Rabatttarif festgestellt worden, nach dem sich der Preis bis auf Weiteres folgendermaßen berech net: Bei einem jährlichen Verbrauch bis zu 500 cbm pro cbm 20 Pfg., von 500—1000 cbm 16 Pfg. d. h. 20 pCt. Rabatt, von 1000—4000 cbm 15 Pfg. d. h. 25 pCt. Rabatt, von 4000—7000 cbm 14 Pfg. d. h. 30 pCt. Rabatt, von 7000—10 000 cbm 13 Pfg. d. 6. 3 5 pCt. Rabatt, über 10 000 cbm 12 Pfg. d. h. 40 pCt. Rabatt.
Postbeamtenlausbahn. Die in den Blättern wiederholt gegebenen Anregungen zum Eintritt in die untere Postbeamtenlanfbahn haben zwar einen vermehrten Zugang zur letzteren bewirkt; derselbe ist indeß noch keineswegs hinreichend, um den durch die stetig fortschreitende Entwickelung des Post- und Telegraphenwesens bedingten starken Bedarf an Beamten vollständig zu decken. Gegenwärtig besteht sogar wieder Mangel an Beamten. Es wird daher von Neuem darauf aufmerksam gemacht, daß im niederen Postfach solche junge Leute, welche mehrere Jahre eine höhere Schule (Gymnasium, Realschule oder höhere Bürgerschule) mit Erfolg besucht haben und sich dem höheren Studium nicht widmen wollen, Platz finden. Die Meldungen zum Eintritt in den Postdienst als Postgehilfen haben durch Vermittelung der Postämter, in deren Bezirk die Wohnorte der Bewerber- liegen, zu erfolgen. Ueber die Annahmebedingungen, sowie über die Be- soldungs- und Beförderungsverhältnisse geben alle Postämter Auskunft.
Konzert. Wie aus dem Juseratentheil ersichtlich konzertirt heute Abend in der „Großen Krone" das Piston- ü-Cornet - Quatett der Familie Spindler aus London. Die vorzüglichen Leistungen dieser Gesellschaft sind noch aus ihrem vorjährigen hiesigen Auftreten tu guter Erinnerung und machen wir deshalb Musikfreunde auch an dieser Stelle auf das heutige Konzert aufmerksam.
Bienenzüchter Verein. Von den 300 in Stadt- und Landkreis Hanau verkauften Loosen der mit der Fuldaer Bienenzüchter-Versamm- lung verbundenen Lotterie haben folgende Nummern gewonnen: 2602 2610 2612 2624 2632 2638 2639 2640 2643 2652 2654 2664 2666
2671 2674 2675 2680 2686 2688 2689 2703 2704 2706 2710 2716 2718 2726 2729 2733 2734 2737 2739 2744 2751 2755 2756
2759 2760 2771 2773 2778 2789 2799 2810 2815 2822 2824
2828 2834 2838 2842 2854 2858 2859 2860 2861 2865 2866
2867 2872 2877 2886 2896 2899. — Auf die beiden fettgedruckten Ziffern fielen Hauptpreise.
Professor Böning. Wie bereits bemerkt finden morgen in der „Centralhalle" die erste der beabsichtigten drei Vorstellungen des Herrn Professor Böning aus Dresden statt. Bezüglich dessen Auftretens in Karlsruhe schreibt die „Bad. Landesztg." folgendes: „Der Zauberkünstler Herr Professor Böning aus Dresden gab in dem hiesigen Theater eine Vorstellung in der modernen Magie, welche außerordentlich zahlreich besucht war und wobei man in dem vollständig besetzten ersten Range die allerhöchsten Herrschaften und eine Menge anderer hochgestellter Personen erblickte. Herr Professor Böning gehört zu den Ersten in seinem Fache und hat das vor Bellachini voraus, daß er sehr viel Abwechselung in seinen Vorstellungen bringt, wie z. B. mit Elektrizität ausgeführte Nummern, welche sehr überraschen, Bauchrednerei, in welcher er sehr Ergötzliches leistet, und endlich ganz herrlich ausgeführte sog. Geistererscheinungen rc."
Hohes Alter. Morgen feiert der älteste Mann in Hanau, Herr Herz Appel, seinen 91. Geburtstag in verhältnißmäßig rüstigem Zustande.
Für heute. „Zur großen Krone" : Abends 8 Uhr Konzert der Familie Spindler aus London. — Zwangloser Hom. Verein: Abends 9 Uhr in Beck's Brauerei: Praktische Belehrungen. — Ebenfalls Abends 9 Uhr: Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
Frankfurt a. M., 24. Juli. Gestern Nachmittag 3^2 Uhr kamen zwei Burschen mit einer Dachleiter, welche sich für Dachdecker ausgaben, in das Büttel'sche Haus in der Sandgasfe und benahmen sich so, als ob sie an dem Dache etwas zu arbeiten hätten. Niemand ahnte, daß man es mit geriebenen Spitzbuben zu thun hatte, welche diese Manipulationen nur zum Deckmantel ihres verbrecherischen Vorhabens ausführten. Die Pseudo-Dachdecker brachen in die Wohnung eines Schuhmachers ein und entwendeten dessen beste Habseligkeiten, worauf sie sich wieder entfernten. Die Leiter, welche sie bei Dachdecker Grieb in Sachsenhausen gestohlen hatten, ließen sie zurück. - (G.-A.)
Frankfurt a. M., 25. Juli. Der Sonderausschuß der Stadtverordneten für die Oberbürgermeisterwahl hat absolute Geheimhaltung seiner Verhandlungen beschlossen. Die im Publikum zirkulirenden Namen von Kandidaten werden als Erfindung bezeichnet. — Vorgestern ging von hier eine größere Sendung Aepfelwein in Flaschen nach Peking an einen dortigen Architekten ab, der vor Jahren in Frankfurt beim Eisenbahnbau beschäftigt war. Bei seiner ersten Bestellung, die er vor drei Jahren gemacht, ließ er sich auch Aepfelkerne mitschicken, von welchen er jetzt schreibt, daß sie fast sämmtlich angegangen und er bereits ca. 160 junge Aepfel- bäumchen besitze, die gärtnerisch behandelt würden. (Fr. N.)
Gieße»», 23. Juli. Eine aufregende Szene spielte sich gestern Abend im Oswaldsgarten dahier ab, wo eine zahlreiche Zuschauermenge der Produktion des Schnellläufers Dibbels beiwohnte. Ein Mann aus dem Publikum nämlich, ein hiesiger Ofenputzer, sprang in den abgegrenzten Raum und begann neben dem Artisten herzulaufen. Anfangs hielt man das für Scherz, auch dann noch, als der Mann dem Schnellläufer die Peitsche entriß. Als er jedoch die Aufforderung zu deren Herausgabe mit Ziehen des Messers und Androhen von Gewaltthaten beantwortete, als er auch gegen einen einschreitenden Polizeibeamten das Messer zückte, da war es klar, daß der Unglückliche plötzlich wahnsinnig geworden war. Nunmehr suchte man ihn tu Gewalt zu bekommen, er entwich aber und sprang auf einen an der Straße haltenden Fleischerwagen, wo er sich eines gronen Schlachtmessers bemächtigte und dasselbe gegen Jeden, der sich ihm näherte, schwang. Erst der vereinten Anstrengung einer größeren Anzahl Männer gelang es, ihn zu entwaffnen und nach der Polizeiwache zu bringen.
Gieße»». An der am 28. d. M. stattsindenden Einweihung der neuen Kliniken und des Liebig-Denkmals wird der Großherzog Theil nehmen. Die Eröffnung der neuen Kliniken geschieht mit einem Festakt im Auditorium der medizinischen Klinik. Sodann fährt der Großherzog nach dem alten Rathhause zur Besichtigung der vom Historischen Verein veranstalteten Ausstellung alter Gießener Bilder und Denkwürdigkeiten. Um die Mittagstunde findet in der Ostanlage nach einer Festrede des Geheimraths Prof, v. Hofmann aus Berlin die Enthüllung des Liebig-Denkmals statt. Auf 2 Uhr ist ein Festmahl der Stadt für ihre Ehrengäste in den Räumen des Gesellschaftsvereins und auf 8 Uhr Abends. ein Festkommers in Steins Garten, veranstaltet von der Universität, angesetzt. (K. Z.)
Rüdesheim, 23. Juli. Am 25. d. M. wird in Scheuerlenhof bei Niederbronn im Elsaß dem am 25. Juli 1870 auf einem verwegenen Patrouillenrilte auf französischem Boden. gefallenen badischen Dragoner- lieutenant v. Winsloe ein Denkmal errichtet. Zu dieser Gedenkfeier ist heute von hier aus ein aus Eichenblättern des Niederwaldes gefertigter Kranz abgesandt worden, dessen Schleife die Widmung trägt: „Dem ersten Helden von 1870 widmen diesen Eichenkranz vom Niederwalde die Kriegerund Militärkameradschaft und deren Freunde zu Rüdesheim am Rhein." (Rh. K.)
Usingens 23. Juli. Seit heute wird hier Korn geschnitten; die Körner liefern einen besseren Ertrag, als man ursprünglich geglaubt hat; der Ertrag an Stroh ist bedeutend. (Rh. K.)
yf»> Fortsetzung des lokalen Theils in der Beilage. *Äg