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Nr. 168.
Dienstag den 22. Juli
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Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Nachstehender Steckbrief wird mit dem Ersuchen veröffentlicht, den rc. Kircher nach erfolgter Festnahme vorführen lassen zu wollen.
Hanau am 19. Juli 1890.
Der Königliche Landrath
P. 4981 v. Oertzen.
Steckbrief.
Gegen den Arbeiter Johann Kircher, geboren am 12. Dezember 1858 zu Bruchköbel, im Kreise Hanau, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Ergreifung, unter Angabe des Aktenzeichens 8. II. 1442/90), hierher Mittheilung zu machen.
Bremen, 15. Juli 1890.
Der Staatsanwalt.
J. V.: Seibert.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein weiß und schwarz gefleckter Jagdhund m. Geschl.; abzuholen bei Metzger Amseln Katz zu Marköbel.
Verloren: Ein Hundegeschirr am 16. ds. Mts.
Vom Wasenmeister am 21. ds. Mts. eingefangen: Ein kl. grau und weiß gescheckter Hund m. Geschl.
Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Eine Hundemarke Nr. 537/90. Eine silberne Cylinderuhr; abzuholen Haingasfe 26 bei Auffarth.
Hanau am 22. Juli 1890.
Tagesschau.
Berlin, 21. Juli. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge gilt es als wahrscheinlich, daß die Kaiserin beim Besuche am russischen Hofe den Kaiser begleitet; unrichtig sei die Nachricht, der Staatssekretär Marschall begleite, den Kaiser nach England.
Berlin, 21. Juli. Der Kaiserliche Botschafter am russischen Hofe, von Schweinitz, ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub nach St. Petersburg zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.
Berlin, 21. Juli. S. M. Kreuzer „Sperber", Kommandant: Korvciten-Kapitän Foß, ist am 15. Juli von Sydney in See gegangen.
Berlin, 21. Juli. Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" meldet aus Helgoland, 18. Juli: Eine ungewöhnlich stark besuchte Volksversammlung beschloß, die Helgoländer sollten durch den Gouverneur eine Adresse an die Königin von England absenden mit dankender Verabschiedung in dem Augenblicke, da die Helgoländer mit dem ihnen stammverwandten Volke wieder vereinigt werden sollen. Die Adresse wurde sofort sehr zahlreich unterschrieben und dem Gouverneur übergeben.
Kiel, 19. Juli. Für S. M. Dacht Hohenzollern sind Briefsendungen bis auf weiteres nach Wilhelmshaven, für S. M. Aviso Jagd nach Kiel zu richten. S. M. Schiffsjungenschulschiff Luise ist in Saßnitz eingelaufen.
Kiel, 21. Juli. (K. Z.) Der französische Admiral Planche berührte gestern auf der Reise nach Stockholm Kiel. Derselbe hat sich hier weder aufgehalten noch die hiesigen Marine-Anlagen besichtigt.
Braunschweig, 20. Juli. Gestern _ wurden hier bei einem Einbruchsdiebstahl etwa 130 Uhren, darunter 45 goldene, gestohlen. Da die Diebe wahrscheinlich versuchen werden, die Uhren auswärts zu verwerthen, so sei zur Vorsicht ermahnt.
München, 20. Juli. Die Nachricht von der Ernennung des Pro- sessors Dr. Schönfelder zum Erzbischof von Bamberg ist die „Allg. Ztg." ermächtigt als unrichtig zu bezeichnen. Es sei in dieser Beziehung noch keine Entscheidung getroffen; auch dürfte, dem genannten Blatt zufolge, wohl noch ein Zeitraum von sechs Wochen darüber vergehen, ehe auf Grund
der mit dem päpstlichen Stuhle zu pflegenden Verhandlungen eine formelle Entscheidung möglich sein werde.
Pola, 21. Juli. Das österreichische Geschwader, welches bestimmt ist, die deutschen Nord- und Ostseehäfen zu besuchen, ist heute von hier ausgelaufen. (Rh. K.)
Molde, 21. Juli. Gestern Abend fand an Bord der Hohenzollern ein Essen mit Prinz Heinrich und den Admiralen Deinhard und Schröder statt. Heute unternimmt der Kaiser mit Gefolge eine größere Partie nach Romsdal. ’ (Köln. Ztg.)
Brüssel, 21. Juli. Das Nationalfest anläßlich des 25. Jahrestages der Thronbesteigung König Leopold's II. und des 60. Jahrestages der nationalen Unabhängigkeit nahm, wie der „Reichsanz." berichtet, gestern bei ungeheurer Betheiligung von Nah und Fern seinen Anfang. Um 2 Uhr Nachmittags wurden in Gegenwart der Behörden auf dem Square du Petit-Sablon acht Marmor-Statuen berühmter Männer des 16. Jahrhunderts unter großem Enthusiasmus der Bevölkerung enthüllt. Alsdann fand der große historische Festzug statt, in welchem auf fünf Festwagen in zahlreichen Gruppen die Kämpfe der vereinigten Provinzen gegen die spanische Gewaltherrschaft dargestellt waren.
Paris, 21. Juli. Die Possibilisten hielten gestern eine Versammlung ab, in welcher sie gegen die Verurtheilung der Nihilisten protestirten. Mehrere Deputirte und Munizipalräthe wohnten der Versammlung bei.
Paris, 20. Juli. Nach einer Mittheilung des „Temps" sollen in der Nähe der Orkneys-Inseln 13 französische Fischerboote mit 51 Mann in Folge des Sturmwetters zu Grunde gegangen sein.
London, 20. Juli. Der Erfinder Paul Giffard legte am 17. d. M. dem Kriegsminister Stanhope sein von ihm konstruirtes Gewehr vor. Der anwesende General Alderson wurde, wie die „Allg. Corr." schreibt, von den großen Vorzügen der Waffe, welche den Schuß fast lautlos abfeuert, keinen Rauch gibt und nicht stößt, so überzeugt, daß noch weitere Versuche im Beisein von Offizieren unternommen werden sollen.
London, 20. Juni. Der Friedenskongreß hielt gestern seine letzte Sitzung, in welcher Beschlüsse gefaßt wurden zu grinsten der Bildung von internationalen Schiedsgerichten, der Ausarbeitung eines Völkerrechts-Codex und der Neutralisirung von Kleinstaaten seitens der Großmächte. Gleichzeitig wurde der Entwurf der Adresse gemacht, welche den Häuptern civilisirter Staaten mittelst Abordnungen überreicht werden soll. Nach einem Hinweise auf die Uebel des Krieges wird darin die Nothwendigkeit eines europäischen Schiedsgerichts betont. Schließlich wurde eine Resolution zu gunste« der Bildung einer Föderation sämmtlicher Friedensgesellschaften in Europa und Amerika angenommen.
London, 21. Juli. Kaiser Wilhelm wird, wie die „Köln. Ztg" schreibt, am 2. August mit der Hohenzollern in Comes erwartet, er verbleibt bis zum 7. August als Gast der Königin in Osborne, besucht dann Edinburg und besichtigt die Forth - Brücke. Der Kaiser wird schwerlich nach London kommen, der Besuch hat einen privaten Charakter, Staatsprunk wird nicht entfaltet.
London, 21. Juli. (Fr. N.) Bei der heutigen Parade des zweiten Bataillons der Gardegrenadiere hielt der Herzog von Cambridge eine Ansprache, in welcher er sein Bedauern darüber ausdrückte, daß das Bataillon die Uniform geschändet habe. Darauf wurde das Urtheil des Kriegsgerichts verlesen. Drei Mann wurden zu zweijährigem, zwei Mann zu achtzehnmonatlichem Gefängnisse verurtheilt. Zwei Verurtheilte rissen die Medaillen von der Brust und warfen dieselben zu Boden.
Petersburg, 21. Juli. Aus Finnland schreibt man uns, daß der durch seine rücksichtslose Russisizirungsarbeit in den baltischen Provinzen bekannte livländische Gouverneur, Generallieutenant Sinowjew, zur Zeit dortselbst weilt. Man vermuthet, daß er, nachdem ihm sein livländisches Zerstörungswerk zum großen Theil gelungen, für ähnliche Arbeit in Finnland ausersehen worden ist. (K. 3 )
Konstantinopel, 21. Juli. Der von tscherkessischen Stäubern gefangene österreichische Jngenier Gerson ist nunmehr ebenso wie schon früher sein Genosse Mejor frcigelassen worden.
Gibraltar, 21. Juli. Die königliche Dacht „Viktoria und Albert" ist mit der Kaiserin Friedrich, begleitet von dem britischen Kreuzer „Mel- pomene", heute, Vormittags um 10 Uhr, hier eingetroffen. (Rh. K.)