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Nr. 157.

Mittwoch den 9. Juli

1890

Amtliches.

Warnung.

In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie- Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterie- plan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinnabzüge für sich ausbedingen.

Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseernenerung und auf Ge- win uz ah lung.

Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loosantheilschein-Ver- käufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch ver­fahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine aus­geben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder indem endlich sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.

Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren UmschriftKoen. Pr. Gen. Lotterie-Direktion" tragen.

ZurUnterscheidung zwischen den sich alsLotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft alsLotterie- Einnahmen" oderLotterie-Komtor" bezeichnenden Pri- vatverkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein alsKönigliche Lotterie-Einnahmen" oder Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.

Berlin am 8. Juli 1882.

Königliche General-Lotterie-Direktion.

Dammas. Liliental.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Zum Zwecke der von dem Herrn Stempel-Fiskal in Aussicht ge­nommenen Stempel-Revision ersuche ich die Herren Bürgermeister

1) die bisher der Stempel-Revision noch nicht unterzogenen Rechnungen und Beläge der Gemeinden aus den Jahren 1888/89 und 1889'90;

2) alle sonstigen in dem gedachten Zeitraum in Verwaltung des Ge­meindevermögens aufgenommenen, den Rechnungsbelägen nicht ein­verleibten Verhandlungen binnen 8 Tagen hierher einzureichen, mögen diese Verhandlungen nach Ansicht der Ortsvorstände stempelpflichtig sein oder nicht.

Als solche Verhandlungen werden insbesondere bezeichnet diejenigen über den Verkauf von Holz, Lohe, von Gras, von Heu, von Grummet, von Streu und Obst; über Verpachtung der Gemeinde-Gebäude, Aecker und Wiesen, der Fischerei, der Jagd, des Fleischhellers, der Verbrauchsabgabe von Bier und Branntwein, über das Halten des Zuchtviehes, über Ver­pflegung armer Personen, über Verdingung von Arbeiten zur Unterhaltung der Straßen, Wege und Brücken, über den Bau von Gemeinde-Gebäuden, Schulen oder Kirchen, über Annahme von Holzhauern und zwar alle diese Verhandlungen ohne Rücksicht auf das Geldobjekt und auf die Form, in welcher dieselben ausgenommen sind.

Sollten dergleichen Verhandlungen sich in den Beschluß-Protokollbüchern befinden, so sind diese letzteren entweder zur Einsicht vorzulegen oder Ab­schriften der betreffenden Verhandlungen einzusenden.

Ich ersuche die Herren Ortsvorstände um recht gewissenhafte und vollständige Vorlegung der bezeichneten Verhandlungen, um dem Herrn Stempelsiskal auf diese Weise die sofortige und vollständige bezw. endgültige Revision zu. ermöglichen.

Hanau am 5. Juli 1890.

Der Königliche Landrath

V. 4518 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 8. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten gestern den Bootsexerzitien der Flotte im Hafen von Christiansand an und verließen das Schiff nicht. Heute um 10 Uhr Vormittags wollten Se. Majestät in See gehen und-hoffen morgen Nachmittag in Bergen einzu­treffen.

Berlin, 8. Juli. DerReichsanzeiger" theilt über den weiteren Reiseplan Kaiser Wilhelm's mit, daß der Kaiser zunächst in Bergen Halt machen, alsdann in verschiedene Fjords einlaufen werde, an deren Ende es jedesmal die Landung zu wählen gedenke. Speziell sei eine Landtour von Elde nach Gutwangen über Toswangen in Anssicht genommen. Weiter nördlich als nach Molde und Moldefjord über Aalesund beabsichtigt der Kaiser nicht zu gehen. Von Molde aus seien verschiedene Landpartien geplant, auf manche lohnende Partie wolle der Kaiser in Rücksicht auf die Heimath verzichten, da die zu erledigenden Regierungsgeschäfte ein längeres Fernbleiben nicht wünschenswert erscheinen lassen.

Berlin, 8. Juli. DasMilitär-Wochenblatt" veröffentlicht die Ernennung des K onprinzen von Dänemark zum Chef des 2. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 14.

Berlin, 8. Juli. Der Bundesrath hielt heute seine voraussichtlich letzte Sitzung vor der Vertagung. Seitens des Reichstages sind noch über­mittelt die Beschlüsse zu dem Antrag der verbündeten Regierungen wegen Errichtung eines Ratisnaldenkmals sür Kaiser Wilhelm I., ferner zu der Uebersicht der Reichsausgaben und -Einnahmen für das Etatsjahr 1888/89, endlich zu dem Antrag des Abgeordneten Rintelen wegen des gerichtlichen Zustellungswesens. Davon stehen auf der Tagesordnung ein Antrag der Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, wo­nach das amtliche Waarenverzeichniß zum Zolltarif, das statistische Waaren- verzeichniß und das Verzeichnis; der Massengüter, auf welche die Bestimmung im §. 11 des Gesetzes vom 20. Juli 1879 über die Statistik des Waa- renverkehrs Anwendung findet, in einer Reihe von Punkten Abänderungen erfahren soll, welche zum 1. September d. J. in Kraft zu treten haben. Es folgen dann mündliche Ausschitßberichtc über eine lange Reihe von Ein­gaben und mündlicher Bericht des Rechnungsausschusses über den Bericht der Reichsschuldenkommissiön u. s. ro (Köln. Z.)

Berlin, 8. Juli. S. M. NachtHohenzollern", Kommandant Kapitän zur See v. Arnim, wird am 8. ds. von Christiansand wieder in See gehen. S. M. AvisoJagd", Kommandant Kapitänlieutenant Jachmann, ist am 8. ds. in Bergen eingetroffen.

Berlin, 8. Juli. DieNordd. Allgem. Ztg." erfährt aus den Gerüchten betreffs der Absicht des Majors v. Wißmann, seinen Abschied zu nehmen, von unterrichteter Seite, daß Wißmann in Folge des Aufent­halts in Afrika wirklich krank und der Erholung dringend bedürftig sei. Von der Anbringung eines Abschiedsgesuches ist an amtlicher Stelle nichts bekannt.

Fürst Bismarck's Reise nach England ist ausgeschoben, nicht auf- gegebeu. Nach einer Mittheilung in derDaily News" wird dieselbe nach der Rückkehr des Kaisers aus England stattsinden. Wie der Kaiser wird der Exkanzler auch Schottland besuchen. In einem Briefe an einen eng­lischen Freund schreibt er:Ich will das Haidekraut in voller Blüthe sehen".

Der netteste Bericht des bayerischen Konsuls in Hamburg betont, daß Hamburg in Bezug auf den bayerischen Export seitens der bayerischen Geschäftswelt noch viel zu wenig benutzt werde. Er redet daher energisch einer Erweiterung der Vertretung bayerischer Firmen in Hamburg das Wort. Es fehle nur an den richtigen Offerten für die Hamburger Welt­exporthäuser. Eine vorübergehnde oder bleibende Ausstellung der bayerischen Industrie in Hamburg empfiehlt er nicht. Er hält es allein für richtig, die kaufmännische Vertretung in ganz neuer Art umzugestalten und vor allem zu erweitern. In Bezug auf Kamerun und Togo wud gesagt, daß sich hier gar bald der Uebergang vom einfachen Küstenhandel zum nutzenbringenden Plantagenbau vollziehen werde. Ueber die ostafrikanischen Entwickelungen äußert sich der Konsul sehr hoffnungsreich.

Friedrichsruhe, 8. Juli. Heute Mittag traf eine Deputation der Newyork-Jndependentschützen, vom Oberförster Lange nach dem Schlosse