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Nr. 154.
Samstag den 5. Juli
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Die Durchschnittsmarktpreise zu Johanni d. J. werden nachstehend
zuk öffentlichen Kenntniß gebracht.
1) Weizen......
. â 100 Kilogramm
22
Mk.
08
Pf.
ff ......
. „ 1 Hektoliter
17
ff
86
ff
i 2) Roggen......
. „ 100 Kilogramm
17
ff
51
ff
. „ 1 Hektoliter
13
ff
07
ff
3) Gerste......
. „ 100 Kilogramm
19
ff
89
ff
ff .....
. „ 1 Hektoliter
13
ff
12
ff
4) Hafer ......
. „ 100 Kilogramm 18
ff
27
ff
ff ......
. „ 1 Hektoliter
8
ff
18
ff
5) Kartoffeln, ordinäre . .
. „ 100 Kilogramm
3
ff
28
ff
6) „ englische . .
. „ 100
7
ff
60
ff
7) Welschkmn.....
. „ 100
14
ff
10
ff
8) Heu.......
. „ 50 „
3
ff
03
ff
9) Roggenstroh ....
- 50 „
2
ff
86
ff
10) Gerstenstroh ....
. „ 50 „
2
ff
08
ff
1 11) Haferstroh ....
- „ 50
2
ff
30
ff
12) Buchenscheitholz . . .
. „ 1 Raummeter
8
ff
10
ff
13) Eichenscheitholz . . .
1
• ff x ff
6
u
80
ff
14) Tannenscheitholz . . .
• 11 1 „
5
ff
68
ff
Hanau am 1. Juli 1890.
Der Königliche Landrath
P. 4548 v.
Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein weiß und grau gesteckter Hund m. Geschl.; Empfangnahme bei Glaser Johannes Mank el zu Wachenbuchen.
Gefunden: Ein Paar graue Kinderhandschuhe. Ein Regenschirm.
Vom Wasenmeister eingcfangen: Ein schwarzgrauer Hofhund und rin brauner Jagdhund, beide m. Geschl.
Entlaufen: Ein gelber Doggenhund m. Geschl., auf den Namen „Schöckel" hörend.
Verloren: Ein Packet Kleiderstoffe.
Hanau am 5. Juli 1890.
Tagesschau.
Berlin, 4. Juli. Ueber den Aufenthalt Sr. Majestät des Kaisers und Königs in Christiania meldet der „Reichsanz." weiter: Donnerstag Nachmittag gaben die in Christiania ansässigen Deutschen zu Ehren der Offiziere der deutschen Flotte und des Kaiserlichen Gefolges im Saale des „Logcbygningen" ein großartiges Fest. Ein Theil der Festlichkeiten wurde aus den für diesen Zweck vom Kriegsministerium zur Verfügung gestellten oberen Wällen der Festung veranstaltet. Das Fest verlief in glänzender Weise. Den ersten Toast brachte der deutsche Generalkousul Freiherr von Oertzen auf Ihre Majestäten den Kaiser Wilhelm und den König Oskar aus. Sodann toasteten Kaufmann Koeltzow auf die deutsche Marine und Vize - Admiral Deinhardt auf die Kameradschaft in der deutschen und norwegischen Flotte, ferner ein Mitglied des deutschen Komitees, Boy, auf den norwegischen Staats-Minister Stang. Nachdem noch verschiedene andere Trinksprüche ausgcbracht worden, toastete Contre-Admiral Schröder auf die norwegische Marine, worauf der Chef des Departements der Landesvertheidigung Oberst Hoff auf ewige Freuudschaft zwischen den norwegischen und deutschen Land- und Seetruppen trank. Namens der anwesenden Vertreter der deutschen Presse sprach der Korrespondent des „Deutschen Reichsanz." de Grahl den Dank für die ihnen bereitete außerordentlich liebenswürdige Aufnahme aus und trank Angesichts der Einigkeit Deutschlands auf dessen Brudervolk in Norwegen.
Friedrichsruh, 4. Juli. Die in Hamburg konzertirende Kapelle des bäurischen Infanterie-Regimentes „Fürst Wrede" brachte gestern dem Fürsten Bismarck eine Morgenmusik. Dem Publikum war dabei der Eintritt in den Park gestattet. Nachdem ein Hoch auf den Fürsten und die Fürstin ausgebracht worden war, erschien der Fürst unter dem Publikum
und brachte ei« Hoch auf den Prinzregenten von Baiern aus. Hieraus fand eine Bewirthung der Musiker mit Bier statt. (RH. K.)
Düsseldorf, 3. Juli. Der hier verstorbene Landgerichtsdirektor a. D. Oskar Aders hat die Stadt Düsseldorf als Universalerbin eingesetzt und bestimmt, daß die Hälfte seines bedeutenden Vermögens dazu verwandt werden soll, unbemittelten talentvollen jungen Leuten höhere Ausbildung zu ermöglichen; die andere Hälfte soll zur Errichtung von Wohnungen für würdige Familien geringerer Stände verwandt werden. Die Satzungen für die Studienstiftung sind bereits festgestellt; nunmehr sind auch diejenigen für die Wohnungsstiftung aufgestellt und von der Stadtverordnetenversammlung gut geheißen worden. Die Stiftung soll die Bezeichnung „Aders'sche Wohnungsstiftung" führen. Es besteht, sobald die landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Erbschaft ertheilt ist, die Absicht, Baugrundstücke und Gebäude an verschiedenen Stellen der Stadt anzukaufen und nicht alles an einer Stelle zusammenzulcgen; das Erwerben ganzer Häuser und Komplexe soll nicht ausgeschlossen sein.
Erfurt. Die „Köln. Ztg." schreibt: Ohne den zehnstündigen oder gar achtstündigen Normalarbeitstag kann der Arbeiter nicht bestehen, so lautet eine der hauptsächlichsten Forderungen des sozialdemokratischen Katechismus. Wohlgemerkt, die Führer der Sozialdemokratie, Cigarrenhändler, Schriftsteller, Restaurateure u. dgl., sind es, welche diese Forderung bei jeder sich ihnen darbietenden Gelegenheit mit dem größten Nachdrucke wiederholen; die Arbeiter selbst, für die der Segen des Normalarbeitstages erstritten werden soll, sind über den Zwang, den man ihnen aufznlegen versucht, anderer Meinung. Den Besitzern einer hiesigen Lampen- sabrik war zu Ohren gekommen, daß unter ihrem Personal der Wunsch nach dem zehnstündigen Arbeitstag erwacht sei, und sie beschlossen deshalb, sich durch eine Umfrage über die Verbreitung dieses Wunsches zu vergewissern. Es wurde eine Liste ausgelegt, in welche die Anhänger des zehnstündigen Arbeitstages ihre Namen einzeichnen sollten. Obschon aber die Firma in der dieser Liste beigefügten Ansprache erklärte, daß sie sich ernstlich mit dem Gedanken der Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit trage, unterzeichneten von den mehr als 300 Arbeitern kaum 30, auch eine beredter Beweis für die Wahrheit der Behauptung der sozialdemokratischen Führerschaft von der Dringlichkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit.
Görlitz, 4. Juli. (K. Z.) Im nahen Horkan sind zwei heftige Erdstöße unter donnerähnlichem Getöse verspürt worden.
Bauzen, 4. Juli. Das Gerüst und der Thurm der Marienkirche sind eingestürzt. Zahlreiche Arbeiter wurden verletzt, theilweise schwer.
Hamburg, 4. Juli. Die „Hamburger Nachrichten" bezeichnen die Kaiserslauterner Kandidatur des Fürsten Bismarck als gegenstandslos. Der Fürst beabsichtige nicht, das angetragene Mandat anzunchmen. Bismarck werde nur im Reichstage erscheinen, wenn die Sicherheit vorliege, mit der jetzigen Reichsregierung nicht in eine prinzipielle Oppositionsstellung zu gerathen. Dann werde er ein nationalliberales Mandat gern annehmen. Eine Reise Bismarcks nach England werde trotz der ehrenvollen Einladungen nicht stattfinden. Der Fürst werde nach einer Badereise voraussichtlich ver- schiedcuc Exkursionen in Deutschland unternehmen.
Speyer. Der 19. September 1890 ist, nach der „Elbfld. Ztg.", nunmehr endgültig als der Tag festgestellt, an welchem vor den Vertretern der gejammten evangelischen Kirche Deutschlands das große Dankeswerk, die Oedächtuißkirchc in Speyer begonnen werden soll. In Speyer sind bereits die ersten Schritte gethan, um eine würdige Feier des Tages zu ermöglichen. Diese protestantischen Bürger der Stadt, die bereis durch reiche Geldbeiträge ihre Opferwilligkeit an den Tag gelegt haben, sind auch jetzt bereit, Zeit und Kräftr der Sache zu weihen.
Christiania, 4. Juli. Kaiser Wilhelm und König Oskar begaben sich heute mittelst Sonderzuges nach Sandviken, woselbst eine prächtige Ehrenpforte mit Jagd- und Fischereisymbolcn errichtet war. Ein Musikkorps spielte die Nationalhymne. Von da bcgabeN-sich die Majestäten zu Wagen nach Ringerike und per Danipfer nach Skjaerdalen, wo sie ein Sonderzug ewartete und nach Hoenefos führte. Um 31/« Uhr erfolgte die Ankunft in Hoenefos. Am Bahnhof waren die Spitzen der Behörden erschienen. Weiß gekleidete Mädchen streuten Blumen, und die zahllos herbeigeströmte Bevölkerung begrüßte die Majestäten mit stürmischem Jubel. Die Stadt war prachtvoll geschmückt. Um 4’/a Uhr wurde das Diner