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t Kaiser Wilhelms Nordlandsfahrt.

Zum zweiten Male hat Kaiser Wilhelm eine Erholungsreise nach dem hohen Norden angetreten. Auf dieser Reise hat er bereits einen zwei­tägigen Besuch dem dänischen Königspaar abgestattet, und in Christiania wird er vier Tage lang Gast des schwedischen Königspaares sein.

Mit Genugthuung begrüßt cs das deutsche Volk, daß sich von Neuem freundschaftliche Beziehungen zu dem dänischen Königshause angeknüpft haben, welche Jahre lang durch geschichtliche Ereignisse eine Unterbrechung erfahren hatten. Wie die Auseinandersetzung, zu welcher Preußen und Oesterreich gezwungen waren, schließlich jede Möglichkeit eines Streites beigelegt hat, und seitdem die herzlichste Freundschaft zwischen dem deutschen Reiche und Oesterreich eingekehrt und festbegründet worden ist, so darf man hoffen, daß auch der alte Streit und Hader, welcher Preußen und Dänemark entzweiten, nach den Ereignissen, welche für die Begründung des Reichs nothwendig waren, nicht wiederkehren werden, und daß nunmehr die Bahn frei geworden ist für die Pflege sreundnachbarlicher Gefühle. Kaiser Wilhelm hat das Seine dazu gethan, um dem dänischen Volke die Rückkehr zu versöhnlicher Stimmung zu erleichtern, und wenn man die Stimmen der Blätter liest, welche den Kaiser bei seiner Ankunft auf dänischem Boden begrüßten, muß man anerkennen, daß er sich bereits dort Vieler Herzen gewonnen hat. Mit aufrichtiger Sympathie haben sie ihn willkommen geheißen und offen bekundet, daß seine bisherige Regierungsthätigkeit ihnen Bewunderung ab­genöthigt hat. Viel hat hierzu auch des Kaisers Initiative in der Arbeiter- | schutz-Konferenz beigetragen; die dänischen Delegirten haben die in Berlin gewonnenen guten Eindrücke weiter verbreitet und gewiß manche irrige Vorstellungen berichtigt, die bis vor Kurzem dort noch über Deutschland und seinen Kaiser verbreitet waren. Sein Aufenthalt am dänischen Kö­nigshofe wird in derselben Richtung noch weiter gewirkt haben, so daß man hoffen darf, die Reise des Kaisers werde für beide Länder von segensreichen Folgen begleitet sein.

In Christiania gedenken das Königspaar und die norwegische Be­völkerung unserem Kaiser einen glänzenden Empfang zu bereiten. Unser Kaiser erscheint als Freund des Königs und als Bewunderer der nordischen Natur, die auf ihn schon im vorigen Jahre einen so tiefen Eindruck ge- - macht hat. So wird auch dieser Aufenthalt das unablässige Streben des Kaisers, der Friedensarbeit seines Volkes immer neue Bürgschaften der Dauer und der Sicherheit zu verschaffen, einen weiteren Schritt dem Ziele näher führen.

Aber wir wissen, daß die Reisen des Kaisers in das Ausland nicht nur das Ziel der Befestigung freundschaftlicher Beziehungen mit anderen Mächten verfolgen. In seiner Rede, welche er am 5. März auf dem brandenburgischen Provinzial-Landtag gehalten, hat er sich offen über ihre Nützlichkeit ausgesprochen. Gerade jetzt, wo er mit einem Geschwader von k Neuem die nordischen Gewässer befährt, werden uns diese Worte von Neuem ins Gedächtniß zurückgerufen.

Bei Meinen Reisen sagte er habe Ich nicht allein den Zweck verfolgt, fremde Länder und Staatseinrichtungen kennen zu lernen und mit den Herrschern benachbarter Reiche freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, sondern diese Reisen haben für Mich den hohen Werth gehabt, daß Ich entrückt dem Parteigetriebe des Tages die heimischen Verhältnisse aus der Ferne beobachten und in Ruhe einer Prüfung unterziehen konnte. Wer ; jemals einsam auf hoher See, auf der Schiffsbrücke stehend, nur Gottes I Sternenhimmel über sich, Einkehr in sich selbst gehalten hat/ der wird den - Werth einer solchen Fahrt nicht verkennen. Manchem von Meinen Lands­leuten möchte Ich wünschen, solche Stunden zu erleben, in denen der

Mensch sich Rechenschaft ablegen kann über das, was er erstrebt und was er geleistet hat."

So weiß das Volk, daß Kaiser Wilhelm auch jetzt wieder, die Sorge für das Vaterland im Herzen, sich Rechenschaft ablegen wird über das, was er erstrebt und was er geleistet hat. Ein Fürst, der es mit seiner Aufgabe so ernst nimmt, kann von solchen Reisen und von solchen Selbst­betrachtungen nur Förderliches für sich und sein Land mitbringen. Des­halb wenden sich Aller Gedanken dieser neuen Nordlaudsfahrt zu mit dem Wunsche, daß der Kaiser von den Eindrücken der Reise gestärkt zurück­kommen und alsdann wie bisher so auch in Zukunft die Wege finden werde, auf denen er sein Volk glücklich zu machen im Stande ist.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Frankfurt a. M., 3. Juli. Zu einer Rekonvaleszentenanstalt für Mitglieder der hiesigen Ortskrankenkasse ist die vorerst erforderliche Summe von M. 100 000 fast ganz gezeichnet worden. Bekanntlich hat das Komitee für diesen Preis das Hildebrand'sche Institut in Neuenhain käuflich erworben. Es ist also Aussicht vorhanden, daß das geplante Unter­nehmen bald seine Thätigkeit wird beginnen können. Die Friseure von Frankfurt haben beschlossen, vom 6. Juli ab ihre Geschäftslokalitäten um 2 Uhr, die Barbiere um 4 Uhr an Sonn- und Festtagen zu schließen. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 4. Juli. Gestern Morgen wurde durch den Fischer Würges sen. unterhalb der Gevermühle auf der Sachsenhäuser Seite die mit einem grauen Anzug bekleidete Leiche eines unbekannten jungen Mannes geländet. In einem Kastenbad unterhalb der Untermainbrâcke verstarb gestern früh im Wasser in Folge eines Schlaganfalls ein Geschäfts­reisender in ungefährem Alter von 45 Jahren. Nächsten Montag sollen von dem hiesigen Verein für Ferienkolonien ca. 800 Kinder, Mädchen und Knaben, nach auswärts befördert werden, und zwar 500 Kinder nach Oberhessen, in den Odenwald und in den Taunus, die übrigen 300 nach Ortschaften bei Frankfurt. (Fr. N.)

Wiesbaden, 3. Juli. Gegenüber der Meldung Berliner Blätter, daß das Befinden des Erbprinzen von Meiningen nach wie vor zu wünschen übrig lasse, und daß der Patient jeder geistigen Anstrengung entzogen sei und auch keinerlei Besuche empfange, kann derRh. Kur." aus bester Quelle mittheilen, daß sich der Zustand des Prinzen während seines hiesigen achttägigen Aufenthaltes bereits thatsächlich wesentlich gebessert hat, und daß Herr Dr. Mezger nach dem bisherigen Verlaufe der Kur die vollständige Wiederherstellung des Patienten in ganz bestimmte Aussicht gestellt hat. Der Prinz hat auch wiederholt Besuche höherer Offiziere, u. a. aus Mainz, empfangen und macht fast täglich größere Fußpartien in die Umgebung Wiesbadens. Demnächst gedenkt er auch seine Spazierritte wieder aufzu­nehmen, zu welchem Zwecke er sich eines seiner Reitpferde hierher kommen läßt.

Babenhausen, 2. Juli. In vorletzter Nacht ereignete sich bei Beförderung eines von Ostpreußen kommenden und nach Ludwigsburg be­stimmten Militärextrazuges bei der Station Eberbach ein bedauerlicher Unglücksfall, indem ein Wagenwärter aus Hanau beim Reguliren der Nothleine während des Ueberschreitens eines Wagens herabstürzte und be­wußtlos vom Platze getragen werden mußte. (O. Z.)

Aus Rheinhessen, 3. Juli. Der Gastwirth Jakob von Weinols­heim, der, wie mitgetheilt, einen Mordversuch auf seine Frau unternommen, hat sich, nach demG.-A.", durch Ertränken im Rhein der Verfolgung entzogen.

Smangsuerlleigeniiig.

Hana u. Das im Grundbuche von Kesselstadt, Band VI, Artikel 338, auf den Namen

1. der Wittwe des Bierbrauers Wilhelm Reh­feld, Katharina geb. Pannot,

2. des Juweliers Friedrich Rehfeld.

3. des Goldarbeiters Christian Rehfeld,

4. des Bäckers Karl Rehfeld,

5. der Wittwe des Bierbrauers Johann Ludwig Kaiser, Susanne geb. Rehfeld,

6. des Gastwirlhs Jean Wilhelm Rehfeld,

: 7. der ledigen Emma Rehfeld,

8. der ledigen Susanna Maria Rehfeld,

3. der Firma I. L. Kaiser Söhne, sämmtlich zu Hanau, eingetragene Grundstück:

Kartenblatt K Nr. 270 a Acker die Stein- ritsche,

soll auf Antrag der Wittwe des Bierbrauers Wi lhelm Rehfeld, Katharina geb. Pannot zu

Inserate.

Hanau, zum Zwecke der Auseinandersetzung unter den Miteigenthümern

am 21. August 1890, Vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht an Gerichts­stelle Marktplatz Nr. 18, Zimmer Nr. 8, zwangs­weise versteigert werden.

Das Grundstück ist mit 11,22 M. Reinertrag und einer Fläche von 0,21,22 Hektar zur Grund­steuer veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte Abschrift des Grundbuchartikels, etwaige Abschätzungen und andere das Grundstück betreffende Nachweisungen, sowie besondere Kausbe­dingungen können in der Gerichtsschreiberei, Zimmer Nr. 9, eingesehen werden.

Diejenigen, welche das Eigenthum des Grund­stücks beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in Bezug auf dm Anspruch an die Stelle des Grundstücks tritt.!

I Das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags wird

am 21. August 1890, Mittags 12 Uhr,

an Gerichtsstelle verkündet werden. 7066

Hanau den 25. Juni 1890.

Königliches Amtsgericht, Amtsgericht IT. gez. Rhiel.

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I Off. ü. K. 10 a. d. Erp. d. Bl. 6822