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Nr. 304. . Dienstag den 31. Dezember
1889
Aöonnements-Kinladung.
Mit dem 1. Januar 1890 beginnt ein ncncs Abonnement auf den „Hanauer Anzeiger", zugleich amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Derselbe bringt täglich die amtlichen Bekanntmachungen für den Stadt- und Landkreis Hanau, hält seinen Leserkreis stets bezügl. der Wichtigsten politischen und Tagesereignisse auf dem Laufenden, bietet Kurs- und Marktberichte, kirchliche, lokale und provinzielle Nachrichten, Auszüge aus den Verhandlungen des Reichs- und Landtags, aus denen des Provinziallandtags, die Protokolle der Sitzungen der Handelskammer sowie des Gemeinde- Ausschusses, Fremdenliste, ferner Geschäfts- und Privat- Anzeigen. Das Unterhaltungsblatt enthält neben spannenden Erzählungen reiches Mannigfaltige.
Zur Veröffentlichung von Inseraten jeder Art eignet sich der „Hananer Anzeiger" seiner starken Verbreitung halber ganz besonders und kostet die ispaltige Zeile nur 10 Pf.
Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal und nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.
Nicht gekündigte Abonnements gelten als stillschweigend erneuert.
Neu zutretende Abonnenten erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung ab bis Anfang des Quartals unentgeltlich.
Die Expedition des Hanauer Anzeigers.
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Da es in den Vorjahren noch vorgekommen ist, daß während der Neujahrsnacht geschossen wurde, so weise ich darauf hin, daß dies nicht nur nach den §§. 367 pos. 8 und 368 pos. 7 des Strafgesetzbuches bestraft wird, sondern außerdem nach dem im Hanauer Anzeiger Nr. 228 ds. I. enthaltenen Erlasse des Königlichen Ministeriums vom 26. September 1889 erhöhte Strafe zur Folge hat.
Hanau am 30. Dezember 1889.
Der Königliche Landrath
v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Vom Wasenmeister am 30. d. Mts. ein gefangen: Ein schwarzer Spitz m. Geschl.
Zugelaufen: Ein gelber Doggenhund m. Geschl.
Gefunden: Ein Henkelkorb (auf der Post stehen geblieben). Ein Petschaft. Ein schwarzer Damenhandschuh.
Verloren: Ein Paar goldene Ohrringe mit rothen Steinen. Ein Portemonnaie mit ca. 15 Mark Inhalt auf dem Wege vom Marktplatz Nr. 20 bis zur Frankfurterstraße; dem Wiederbringer 3 M. Belohnung.
Hanau am 31. Dezember 1889.
t Europa im Jahre 1889.
Charakteristisch für die Lage der auswärtigen Politik ist das Jahr 1889 dadurch, daß es im Gegensatz zu seinen Vorgängern — soweit wir aus den allgemein bekannt gewordenen Thatsachen zu schließen vermögen — »on einer eigentlichen, ungünstig zu deutenden Bewegung auf diplomatischem Gebiet fast völlig freigeblieben ist, daß vielmehr das Dreigestirn des Friedensbundes, ungetrübt von drohenden Wolken, mit leuchtender Klarheit dem politischen Himmel ganz Europas einen vorwiegend freundlichen und beruhigenden Charakter gegeben hat.
Das äußere Kennzeichen hierfür waren die Gegenbesuche, welche König Humbert und Kaiser Franz Josef unserem Kaiser in Berlin abstatteten und welche der Welt von Neuem die Herzlichkeit der Beziehungen der drei großen Zentralmächte vor die Augen führten. Die friedliche Be
deutung dieser Besuche wurde noch erhöht einerseits durch den Besuch, den Kaiser Wilhelm der Königin von England machte und wobei er zum Ehrenadmiral der englischen Flotte ernannt wurde, und anderseits durch die mehrtägige Anwesenheit des Kaisers Alexander in Berlin, bei welcher Gelegenheit die althergebrachten freundschaftlichen Gefühle beider Monarchen gegenseitig erneuert wurden. Wenn wir hieran «nknüpfend, noch auf die Reisen des Kaisers nach Athen und Konstantinopel, sowie auf die Begegnungen Hinweisen, welche Kaiser Wilhelm auf der Hin- und Rückfahrt mit dem Könige Humbert und dem Kaiser Franz Josef gehabt hat, so sprechen alle diese Thatsachen deutlich genug für die bessere Gestaltung der Weltlage, wie sie in der That seit Jahren nicht in demselben Grade vorhanden gewesen ist.
Das Schwergewicht der hiermit verbundenen Eindrücke verdrängte auch alsbald die im Frühjahr auftauchenden Gerüchte von dem Versuche Frankreichs, sich dem Papst für die Wiederherstellung feinet weltlichen Macht zur Verfügung zu stellen, einem Versuche, welcher seine Spitze zunächst gegen Italien, sodann gegen den Dreibund gerichtet haben würde. Sei es nun, daß diese einzelne Wolke nur in der Phantasie einzelner Zeitungen beruhte oder an sich nicht im Stande war, das Sonnenlicht des Dreibundes zu verdunkeln, — kurz sic verschwand alsbald und zwar schon deshalb, weil die Franzosen in diesem Jahre der Revolutionsfeier sich für ganz andere Dinge interessirten. Ihre Weltausstellung sollte alles Andere in den Schatten stellen. Wenn dies freilich auch thatsächlich nicht der Fall war, so hat sie doch das Gute gehabt, die Phantasie des unruhigen Volkes von der Beschäftigung mit den Welthändeln fernzuhaltei. Im Innern hat Frankreich, wenigstens in gewisser Beziehung, einen großen Regenerations- prozeß, der gleichfalls nicht wenig dazu beitrug, es von der gefährlichen Bahn des Chauvinismus in Etwas abznlcnken, durchgemacht. Nach dem Sturz des Ministeriums Floqnet zu Ende Februar, welcher darauf znrück- zuführen ist, daß das Ministerium dem Drängen der Boulangisten auf Verfassungsänderung eine Konzession machte, erbleichte das Gestirn Boulangers, der schon auf dem Gipfel seiner Triumphe angekommen zu sein schien. Das Ministerium Tirard ging mit einer auffallenden und bemer- kcnswerthcn Energie gegen ihn und seine Helfershelfer vor; Boulanger wurde der Prozeß wegen Hochvcrraths gemacht, er flüchtete, wurde verur- theilt und geächtet, und jetzt scheint ei seine Rolle vollständig ausgespielt zu haben, nachdem auch die Neuwahlen zur Kammer deutlich dafür Zeugniß abgelegt haben, daß der Boulangismus — vorläufig wenigstens — im Lande nicht genug Rückhalt findet. Boulangisten und Monarchisten sind bei den Wahlen in der Minderheit geblieben; die Republikaner verfügen, wenn sie zusammenhalten, über eine Majorität von 365 gegen 211 Stimmen. Dies garantirt vorläufig wenigstens dafür, daß innere Umwälzungen zunächst nicht zu befürchten sind. In der Militärfrage haben sich indeß die Parteien, wie immer, einmütig bewiesen und ein neues Militärgesetz zu Stande gebracht, welches die Wehrkraft des Landes abermals erheblich erhöht hat.
In Italien hat das Ministerium Cnspi nach einer wegen finanzieller Verhältnisse entstandenen Krisis immer mehr festen Fuß gefaßt, fo daß cs den Beweis der inneren Stärke Italiens durch Beilegung des Zollkriegs gegen Frankreich geben konnte. Oesterreich-Ungarn hat den schmerzlichen Verlust des Kronprinzen Rudolf zu erleiden gehabt und bei dieser Gelegenheit neue Beweise der Liebe und Anhänglichkeit an sein Kaiserhaus gegeben. England hat endlich neue Anstrengungen zur Vervollkommnung seiner Wehrkraft gemacht und sich dabei offenbar in der Richtung der Sympathien mit den Friedensbestrebungen des Dreibundes bewegt, was indeß Gladstone und den Liberalismus zu neuem Kampfe gegen das Ministerium Salisbury ermuntert hat. Auf der Balkanhalbinsel sind mancherlei Schwierigkeiten bisher glücklich überwunden worden: Die Abdankung des Königs Milan von Serbien hat glücklicherweise in den politischen Verhältnissen des Landes keine allzu tief einschneidenden Veränderungen hervorgerufen, in Bulgarien „regiert" Prinz Ferdinand weiter, die bulgarische Frage befindet sich, noch ungelöst, aber ohne die Gefahr baldiger Verwickelung, in der Schwebe, in Rumänien hat das von panslavistischen Synipathien getragene Kabinet Catargis einem konservativen Ministerium unter Mano Platz gemacht, nachdem die Thronfolge geregelt worden. Zu dem von verschiedenen Seiten angeregten Balkanbund