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Nr. 300.

Dienstag den 24. Dezember

1889

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein karrirtes dreieckiges Halstuch. Ein Spazierstock. Ein Damen-Regenschirm. Ein Paar neue Kinderpantoffel. Ein Ueber- zieher.

Verloren: Eine goldene Vorstecknadel. Ein brauner Ueberzieher.

Ein Regenschirm.

Hanau am 24. Dezember 1889.

Gelobt sei Hhrist!

Du liebe, sel'ge Weihnachtszeit,

Du helle Weihnachtsfreude,

Du Lichterbaum voll Süßigkeit, Du Glück der kleinen Leute, Sei hochgepriesen, Heil'ger Christ, Daß du der Erde kommen bist.

Drückt, Menschenkind, dich auch ein Leid, Heut laß dein banges Zagen!

Der Herr der Welten und der Zeit, Der heil'ge Christ, hilft tragen. Dazu hat Gott ihn hergesandt.

Er reicht auch freundlich dir die Hand.

Schau nur der Erdencngclschaar, Den Kindlein, in die Augen! Wie leuchten heut sie hell und klar! Was soll dein Gram da taugen? Auch du darfst, wie ein Kindlcin fein, Am Weihnachtsfeste fröhlich sein.

Denn Christkind stärkt der Müden Lauf Und tröstet die Gebeugten;

Es thut der Blinden Augen auf Mit seinem Glanz und Leuchten; Sein Licht ist größte Gotteskrast, Die aller Welt Erlösung schafft.

Ob Kreuz und Leid dich drücken mag, Der Heiland ist gekommen Und kommt am schönen Weihnachtstag Zu aller Heil und Frommen. Er hilft auch dir aus aller Noth Und steht dir bei im bitt'ren Tod.

Sein Licht durchbricht des Grabes Nacht, Ist Himmelstrost hieniedcn Und hat vom Himmel mitgebracht Auch dir des Vaters Frieden; Drum jauchze auch: Gelobt sei Christ, Der für uns alle kommen ist!

Kurt Muhn.

Zu Weihnachten.

1889.

Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! So lautete der Gesang der Engel am ersten Christabend und so wird der Hymnus der himmlischen Heerschaarcn ertönen, so lange sich die christliche Familie am Glanze der Weihnachtskerzen und der bunten Gaben, die Ambra und Myrrhen, Gold und Edelsteine, die Spende der heiligen drei Könige aus dem Mohrenlande, ersetzen, erfreut und die Güter des Heils, das die christliche Lehre bietet, im geistigen Leben der Völker, im Frieden auf Erden und im Wohlgefallen am Thun der Menschheit, im

Fortgange der Kultur und im Siege der Humanität sichtbar werden. Die Familie und ihr Leben, ja das ist's, worin sich der Urquell der himmlischen Freuden erneut und die Menschheit »erjüngt und nicht umsonst hat Gatt Martin Luther, dem Dichter der guten neuen Wcihnachtsmär' die kindliche Erklärung zum Anfang gesetzt:Vom Himmel hoch, da komm ich her!" Vom Kindlein Jesu, das hcut' von einer Jungfrau auserkoren geboren ist, von einem Kindlein zart und fein, das soll unsre Freud' und Wonne sein, geht die Religion und mit ihr die Familie und ihre Weihnachtsfreude aus und es ist der Herr Christ, unser Gott, der uns aus aller Noth führt: Er will der Heiland selber sein, von allen Sünden uns machen rein! Ja, das Heil ist erkoren, Christ ist geboren, und darum ertönt in Gottvertrauen und in Freuden und Leiden der alte Weihnachtsspruch: Ehre sei Gott in der Höhe!

Nach oben richten sich allzeit unsre Blicke, nach dem Höchsten! Das ist nächst Gott der Kaiser und das Herrscherhaus. Ach, auch sie prüft der Höchste, oft doppelt hart, denn die gewöhnlichen Sterblichen, denn nicht säumiger klopft der Tod an Königsburg und an der Kaiser Schloß. Freud' und Leid wechselt in Hütten und in Palästen, wie Tag und Nacht, Glück und Unglück treffen Hoch und Nieder, wie Regen und Sonnenschein. Wohl uns in Deutschland, daß die Tage des Bangens und des Schmerzes vorüber sind und das Land in Hoffnung und Freude aufathmet mit seinem Kaiserhause und der Weihnachtsfreude eine Stätte bereitet ist in den Häusern der Fürsten und der Familien, dort und im Volke. Zur guten Stunde kehrt der Kaiser und die Kaiserin zur Heimath wieder. Die Augen der Kinder glänzen in festlicher Erwartung des Weihnachtsfestes; bei allen Herrlichkeiten des sonnigen Italiens, bei allem Glanz des klassischen Griechenlands und allem Gepränge der Hochzeit in Athen, bei aller unbe­schreiblicher Schönheit der Fahrt auf dem Marmara-Meer und bei dem feenhaften, märchengleichen Zauber des Orients war doch das Herz des Kaisers und die Erinnerung der Kaiserin in der Heimath, die Elternliebe bei den blonden Kaisersöhnen, das Glück und das Denken bei der Familie. In der Heimath erwarten die Heimgekehrten die Liebe und die Treue, die Hoffnung und das reinste Glück, das keine Fremde zu ersetzen vermag und sei sie noch so bezaubernd und schön! Daheim, daheim zu Weihnachten das sind zwei herrliche Lieder aus des Knaben Wunderhorn und Her­zensklänge aus dem deutschen Familienschatz. Sie klingen schmetternd gleich Jubelfansaren, zumal der Kaiser seinem Volke ein köstliches Geschenk mit­bringt, denn Rosenöl von Schiras, glänzender denn Klingen von Damaskus und strahlender denn Brillanten aus dem Schatzkästlein des Großherrn: den in Athen und in Konstantinopel, in Monza und in Innsbruck, in Sofia und in Petersburg, in London und selbst in Paris verbürgten Weltfrieden, den zur Wahrheit gewordenen Weihnachtsruf der himmlischen Heerschaaren: Friede, Friede auf Erden!

Der Friedenslorbeer wird nach solchen Erfolgen in der europäischen Politik nun auch bald für den inneren Frieden Deutschlands gewunden werden können. Das Vertrauen auf den wiederaufblühenden Wohlstand ist so recht geeignet, den Arbeiter und den Arbeitgeber unter der alten Hohenzollern-Devise:Jedem das Seine!" auszusöhnen. IstGott mit uns", wer wollte wider uns sein? Der Deutsche fürchte Gott, sonst nichts auf dieser Welt, er thue Recht und scheue Niemand! So wolle denn Gott unsere gerechte Sache auch fürder führen und uns bewahren, das alte Reichsprogramm innezuhalten, daß unsere Kaiser bleiben Mehrer des deutschen Reiches, nicht in kriegerische Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung! Dann werden wir ein freudiges Weihnachten feiern und eingedenk sein und bleiben dem Wunsche und Rufe des Höchstenund den Mensch en ein Wohlgefallen!"

Tagesschau.

Berlin, 23. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind wieder hergestellt. Heute früh um 10 Uhr hörten Se. Majestät den Vor­trag des Zivilkabinets und um ll1^ Uhr denjenigen des Militärkabinets.

Berlin, 23. Dezbr. Se. Königliche Hoheit der Landgraf Alexan­der von Hessen hat Berlin wieder verlassen.

Berlin, 23. Dezbr. S. M. Schiffsjungen-SchulschiffAriadne", Kommandant zur See Claussen von Finck, ist am 21. Dezember in Bar-