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Nr. 298,
Samstag den 21. Dezember
1889
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Die Herren Standesbeamten werden hierdurch veranlaßt, die Standesamts-Register, sowohl Haupt- wie Nebenregister für das Jahr 1889 mit dem 31. Dezember d. Js., spätestens aber am 1. Januar k. Js. unmittelbar hinter der letzten Eintragung abzuschließen und die Nebenregister mir demnächst bis bestimmt zum 10. Januar k. Js. einzureichen.
Die im neuen Jahre zur Anzeige gelangenden Geburts- und Sterbefälle und Eheschließungen sind schon in die Standes-Register pro 1890 einzutragen.
Hanau am 17. Dezember 1889.
Der Königliche Landrath
A. 1957__v. Oertzen.____
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein junger gelber getiegerter Hund w. Geschl.; Empfangnahme bei Johannes Schrott I. zu Niederdorfelden.
Gefunden: Ein Muff (in einem Laden liegen geblieben). Ein dunkler Handschuh (linker).
Hanau am 21. Dezember 1889.
Tagesschau.
Berlin, 20. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind " nach einer guten Nacht heute Vormittag fieberfrei und werden Nachmittag für einige Stunden das Bett verlassen.
Berkin, 20. Dezbr. S. M. Kreuzer-Fregatte „Leipzig", Kommandant Kapitän zur See Plüddemann, (Flaggschiff des Kreuzer-Geschwaders), mit dem Geschwader-Chef Kontre-Admiral Deinhard an Bord, ist am 19. Dezember in Malta eingetroffen und beabsichtigt am 22. wieder in See zu gehen. — S. M. Kreuzer-Korvette „Irene", Kommandant Kapitän z. S. Prinz Heinrich von Preußen Königliche Hoheit, ist am 19. Dezember in Korfu eingetroffen und beabsichtigt am 28. nach Port Said in See zu gehen. — S. M. Schiffsjungen-Schulschiff „Ariadne", Kommandant Kapitän zur See Claussen von Finck, ist am 18. Dezember in Trinidad angekommen und hat am 19. die Weiterreise fortgesetzt.
Berlin, 20. Dez. Der „Nordd. KUg. Ztg." zufolge sind Berichte des Hauptmanns Frantzois aus dem südwestafrikanischen Schutzgebiete eingetroffen, welche bis zum 11. November reichen. Es werden darin keinerlei Befürchtungen über bevorstehende Angriffe der Eingeborenen oder eine Bedrohung deutschen Lebens und Eigenthums erwähnt und es scheine sich sonach zu bestätigen, daß die unlängst von deutschen Blättern gebrachten Schilderungen über die gefährliche Lage Frantzoiâ' und seiner Polizeitruppe übertrieben waren. Die befestigte Station Tsaobis werde schon jetzt von schutzsuchenden Eingeborenen als Zufluchtsort betrachtet. Neuerlich hätten sich in der Nähe von Tsaobis über 100 Familien von Berg-Damaras und Bastards niedergelassen.
Berlin, 19. Dez. Ein großer historischer Festzug wird anläßlich des zehnten deutschen Schützenfestes, das im nächsten Jahre hier stattfindet, einem Lokalberichterstatter zufolge geplant. Die Veranstaltung desselben ? haben auf Ersuchen der „Verein Berliner Künstler" übernommen.
Berlin, 20. Dezember. In der vergangenen Nacht brach in der Straßburgenstraße 57 ein großes Schadenfeuer aus, wodurch die Fabriken von Liefeldt, Krause und Ohlschläger, sowie die Dampfschncidcmühle und die Nudelläger von Wollkopf u. Komp, vollständig cingeäschert wurden. Mehrere hundert Arbeiter find arbeitslos. (Fr. N.)
Elberfeld, 20. Dezember. Der Staatsanwalt beantragte gegen 82 Angeklagte Gefängnißstrafcn von einem Monat bis zu 21/» Jahren; gegen die Abgeordneten Bebel 15 Monate, Harm und Grillenberger je 1 Jahr, Schuhmacher 6 Monate, gegen fünf Freisprechung. Bei den Strafen von 1 Jahr und^ mehr soll sofortige Verhaftung eintreten. (K. Z.)
Saarbrücken, 20. Dezember. Auf den Gruben Heinitz und den * Zechen König, Kohlwald und Maybach, ist heute alles, auf Camphausen, Dudweiler, Louisenthal, Sulzbach und Altcmvald sind abermals mehr Bergleute als tags vorher angefahren. In Friedrichsthal fehlen 20 Mann, in 1 Jägersfreude einer, in Jhsdors-Schwalbach 210, in Reden 800, 'in Jtzcn- 1
plitz 140, in von der Heydt 400. Die vollständige Beendigung des Streiks darf, nach dem „RH. K.", voraussichtlich in der nächsten Woche erwartet werden.
Hamburg, 20. Dezember. Die für Hauptmann v. Franyols in Sudwestafrika bestimmte Verstärkung von 41 Mann, wahre Hünengestalten, ging soeben auf dem Dampfer Lulu Bohlen nach Sandwichhafen ab.
Schwerin, 20. Dezember. Das Befinden des Großhcrzogs ist, wie aus Caunes gemeldet wird, besser, wenn auch schwankend.
Karlsruhe, 19. Dezbr. Sr. Großherzoglichen Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Baden ist an seinem gestrigen Geburtstage ein herzliches Glückwunsch-Telegramm Sr. Majestät des Kaisers zugegangen, welches dem Prinzen zugleich mittheilte, daß er von Sr. Majestät, in Erinneruug an die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1870, an denen der Prinz ruhmvollen Antheil genommen, â la suite des ersten Garde-Feld-Artillerie-Regi- ments gestellt worden sei, welchem Regimente der Prinz früher angehört hat.
Pest, 20. Dezember. Das deutsche Theater ist durch ein Nachmittags 31/» Uhr im Innern des Hauses ausgebrochenes Feuer trotz rascher Hilfe und angestrengter Löscharbeiten vollständig in Asche gelegt. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Kein Menschenverlust. Von den Theater- rcqnisitcn ist nichts gerettet. Das Feuer ergriff schließlich die Nachbarhäuser, wo der Brand noch fortdauert. — Der Brand des deutschen Theaters dauert fort und dürfte vor morgen Mittag nicht gelöscht werden. Die Nachbarhäuser sind sämmtlich gerettet. (Fr. N.)
Prag, 20. Dezember. (K. Z.) Bei der Immatrikulation an der czechischen Universität hielt der Rector eine Ansprache, in welcher er die Studentenschaft vor den Schmeichlern warnte, welche dieselbe auf Abwege führen wollen.
Bern, 19. Dez. Der Bundesrath hat den zur internationalen Reblaus-Konvention gehörenden Staaten Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Portugal und Serbien angezeigt, daß die am 15. April 1889 in Bern unterzeichnete Zusatzerklärung zur Konvention am 1. Januar 1890 in sämmtlichen Vertragsstaaten in Kraft tritt. (Fr. I.)
Brüssel, 20. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Antisklaverei- Kongresses theilte der Präsident desselben mit, daß der Sultan von Zanzibar den Vertreter für Großbritannien Sir John Kirk und den Vertreter für Belgien Generaldirektor Dr. Arendt zu Bevollmächtigten Zanzibars auf dem Kongreß ernannt habe. Der Kongreß vertagte sich hierauf bis zum 18. Januar. (K. Z.)
Rom, 19. Dezbr. Nach hier eingetroffener Meldung ist in dem Steinkohlendepot der Schiffswerft auf Maddalena, in welchem sich 40 000 Tonnen Kohlen befinden, eine Feuersbrunst ausgebrochen. Marinesoldaten, Arbeiter und Sträflinge sind mit den Löscharbeiten beschäftigt, die voraussichtlich aber eine ganze Reihe von Tagen in Anspruch nehmen dürften. Das Wetter ist ruhig.
Madrid, 20. Dezbr. Der Minister-Präsident Sagasta, der Minister des Auswärtigen, Vega de Armijo und der Präsident der Deputirten- kammer Martinez sind an der Influenza erkrankt. Im Ganzen sind hier gegen 20 000 Erkrankungen an der Influenza vorgekommen. Mehrere Schulen sind geschlossen.
Paris, 20. Dezember. Da die Grippe jetzt bösartiger auf tritt, hat der Kriegsminister beschlossen, die Zöglinge der Militärschule von St. Cyr, wo 500 Erkrankungen vorgekommen sind, bis zum 13. Januar in Urlaub zu schicken. Auch die Neujahrsscricn der Polytechnischen Schule sollen ausgedehnt werden. Die Kammer genehmigte gestern die Aufhebung des Art. 7 des Gesetzes vom 17. Juli 1889 über den Stempel auf Eisenbahnempfangsscheinen bei der nicht beschleunigten Güterbeförderung.
Toulon, 20. Dezember. Das Submarineschiff Gymnotc setzt seine unterseeischen Probefahrten fort. Gestern durchkreutzte dasselbe die hiesige Reede nach allen Richtungen hin und vermied dabei nicht nur Ketten, Bojen und Ankergründe, sondern fuhr auch unter den Panzerschiffen hinweg. Die außerordentliche Leichtigkeit, mit welcher die Umschau ermöglicht ist, gestattet, nach der „K. Z.", dem Befehlshaber in weiten Umkreise alles auf dem Meere wahrzunehmen, abgleich das Schiff selbst sich in einer gewissen Tiefe bewegt.