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Nr. 297.
Freitag den 20. Dezember
1889
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Am 19. d. Mts. vom Wasenmeister ein gefangen: Ein schwarzer Hofhund sowie ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, beide m. Geschl.
Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher mit weißer Brust, m. Geschl.
Zugeflogen: Ein rissclköpfiger Täuber (deutscher Kröpfer).
Gefunden: Ein goldener Hemdenknopf. Ein Schulbuch „Physik" mit der Inschrift „Brückner".
Verloren: Ein goldenes Armband. Ein Sparkassenbuch, auf den Namen „Hugo Jung heun" lautend.
Entlaufen: Ein dunkelbrauner dänischer Doggenhund m. Geschl., auf den Namen „Nero" hörend.
Hanau am 20. Dezember 1889.
Tagesschau.
Berlin, 19. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute um 10 Uhr Vormittags den Vortrag des Kriegs-Ministers und von IO8/* Uhr ab denjenigen des Chefs des Militärkabinets. Wegen einer leichten Erkältung haben Se. Majestät die für heute Mittag beabsichtigte Abreise zur Jagd nach Hummelshain aufgegeben.
Berlin, 18. Dez. Landgraf Alexander von Hessen stattete im . Laufe des heutigen Vormittags einigen Mitgliedern der königlichen Familie Besuche ab und begab sich dann Nachmittags 12'/, Uhr nach Potsdam, um die kaiserlichen Majestäten im Neuen Palais zu begrüßen und einer Einladung Ihrer Majestäten zur Mittagstafel zu folgen. Nach Aufhebung der Tafel kehrte der Landgraf von Potsdam nach Berlin zurück. (Rh. K.) Berlin, 19. Dezember. Die „Nordd. Allg." hört, daß ein Unwohlsein den Kaiser zum Aufgeben der Reise nach Hummelshain veranlaßte, obgleich der Extrazug am Bahnhof zu Potsdam bereit stand und alle Jagdgäste schon versammelt waren, darunter auch der Generalarzt Leuthold. Dieser fuhr mit den übrigen Herren nach Berlin zurück, was ein Beweis dafür ist, daß die Indisposition des Kaisers von keinerlei Bedenken ist.
Berlin, 19. Dezbr. S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandan; Kapitän-Lieutenant Ascher, ist am 17. d. Mts. in Ningpo eingetroffen und beabsichtigt am 20. nach Amoy in See zu gehen.
Berlin, 19. Dezember. Der Vorsteher-Stellvertreter Langerhans eröffnete die heutige Stadtverordnetensitzung, wozu die Stadtverordneten in Amtstracht erschienen, mit einer Ansprache, worin er auf die im Sitzungssaale nunmehr ausgestellten lebensgroßen Marmorbüsten der Kaiser Wilhelm und Friedrich hinwies, die Tugenden und Verdienste beider Kaiser in warmen Worten hervorhob, ihrer Theilnahme an der Entwickelung Berlins rühmend gedachte, an das feste Band gegenseitiger Liebe und Treue, welche Fürst und Volk umschlinge, erinnerte und mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser- Wilhelm II. schloß. Die sozialistischen Stadtverordneten waren der Sitzung ferngeblieben. (Fr. N.)
Wie der „Post" zufolge bestimmt verlautet, wird nach dem bevorstehenden Abgänge eines Vizeadmirals der jetzige Geschwaderchef, Kontre- admiral Deinhard, an Bord S. M. Kreuzer-fregatte „Leipzig", zum Vizeadmiral befördert werden und demzufolge der älteste Kapitän z. S. in die freiwerdende Kontreadmiralstelle rücken. Geschwaderchef Kontreadmiral Deinhard befindet sich z. Z. mit der Kreuzerfregatte „Leipzig" auf der Reise nach Ostasien und wird nach Ankunft in Hongkong die Jnspizirung der auf. der ostasiatischen Station befindlichen Schiffe vornehmen. Nach Beendigung wird die Ablösung des Admirals Deinhard durch einen anderen Offizier, als welcher der Kontreadmiral Schröder genannt wird, erfolgen.
Zu der Gefangennahme und Erschießung Buschiri's bemerkt die „National-Zeitung" : „Die Hinrichtung des Araber-Häuptlings rechtfertigt sich vollkommen durch die zahlreichen Grausamkeiten, - welche er begangen; es sei nur daran erinnert, daß er Negern, welche zu den Deutschen gehalten, die Hände abhacken ließ und sie so zu Wißmann schickte, daß er bei. dem Ueberfall von Mpwapwa den gefangen genommenen Nielsen abschlachtete, mehrere Missionare ermorden ließ rc. Die Hinrichtung, des von den Negern so gefürchteten Arabers wird unter diesen, wie unter seinen arabischen Stammesgenossen weithin einen tiefen Eindruck machen. Man darf
hoffen, daß es nunmehr auch mit den letzten Zuckungen des Aufstandes zu Ende sein wird."
Bxeslau, 29. Dezember. Auf der Grube „Zentrum" in Karsten find, nach den „Fr. N." heute früh sämmtliche Schlepper angcfahren; der Ausstand ist damit beendet.
Saarbrücken, 19. Dezember. Auf der Grube „Maybach" fehlten heute Morgen 50, auf der Grube „Friedrichsthal" einige, auf „Von der Heydt" 440 Arbeiter, auf „Reden" sind etwa 50, auf „Jtzenplitz" 250, auf „Schwalbach" 200 Mann nicht ungefähren, auf „Louisenthal" 1257. Auf „Dudweiler" und „Camphausen" sind heute mehr Leute angefahren als gestern. Auf „Jägersfreude" streiken nur 4, auf „Sulzbach" 14, auf „Alteuwald" 2/s, auf „Kreuzgraben" ^s der unterirdischen Belegschaft.
Aachen, 19. Dezember. Von neun wohlhabenden Fruchthändlern und Kaufleuten aus Geilenkirchen und Umgegend, welche angeklagt waren wegen Bandenschmuggels, Beihülfe und Zollhinterziehung für 190 000 kg Getreide, verurtheilte, nach der (K. Z.), die Strafkammer einen wegen Anstiftung zu 3000 Mk., dreimouatlichem Gefängniß und den Kosten; die übrigen wurden freigesprochen.
Görlitz. Die vom Afrikaforscher Hauptmann Kund aus dem Dorfe Zonn im Kamernn-Hinterlande hierhergebrachten beiden Negerknaben, Lukenje und Demba, welche im Alter von 9 und 10 Jahren stehen, haben in der untersten Klasse der hiesigen höheren Bürgerschule Aufnahme gefunden und machen hier zufriedenstellende Fortschritte. Sie besuchen auch den Handfertigkeitsunterricht und zeichnen sich in demselben durch einen hervorragend praktischen Sinn aus. Die deutsche Sprache beherrschen sie bereits in einem den Unterricht und die Unterweisung ermöglichenden Maße.
Neubreisach, 18. Dez. Die hiesige Unteroffizier Vorschule zählte nach dem „Rh. K." im vorigen Jahre 31 Elsaß-Lothringer; gegenwärtig beträgt die Zahl derselben bereits 47. Für das nächste Jahr sind weitere Anmeldungen vorgemcrkt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß durch die genannte Anstalt mancher junge Mann, der sonst in Frankreich ein Unterkommen gesucht hätte, der deutschen Armee zugeführt wird.
Cuxhaven, 19. Dezbr. Der holländische Dampfer „Leerdam" auf der Fahrt von Amsterdam nach Buenos - Ayres kollidirte Sonnlag Nacht mit dem englischen Dampfer „Gaw Quan Sia", welcher von Japan nach Hamburg fuhr, beim ■ Nordhinder; beide Dampfer sanken. Der französische Dampfer „Emma", auf der Fahrt von Havre nach Hamburg, brachte heute sämmtliche Passagiere, etwa 400, und je 25 Mann der Mannschaft der beiden gesunkenen Dampfer hierher.
Eisenach, 19. Dez. Das Landgericht verurtheilte den Einbrecher Klotzbach wegen acht schwerer und sieben einfacher Diebstähle zu sieben Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und Polizei-Aufsicht.
Stuttgart, 19. Dezember. Die Abordnung der vier Jubclregimen- ter wurde gestern vom Königspaar empfangen und zur Tafel gezogen, woran sämmtliche Mitglieder der Königsfamilie theilnahmen. Der König trank auf das Wohl seiner beiden Regimenter, erkannte deren Tüchtigkeit an und sprach die Hoffnung aus, daß sie dieselbe auch künftig bewähren würden. Aehnlich toastete die Königin auf ihre beiden Regimenter. Namens der vier Regimenter dankte Prinz Wilhelm, er brachte sodann ein Hoch auf den König und die Königin aus, welches mit Begeisterung ausgenommen wurde. (K. Z.)
Bern, 19. Dez. Der Ständerath genehmigte einstimmig in der Generalabstimmung den Fusionsvertrag zwischen der Jura-Beru-Luzern- Bahn und den Schweizer Westbahuen. Der Vertrag tritt am 1. Januar 1890 in Kraft.
Turin, 19. Dez. Die der Gesellschaft Grattoni gehörigen Mühlen in Collegro sind Nachts abgebrannt. Der Schaden beträgt zwei' Millionen; Menschenvcrlustc sind nicht zu beklagen. (Rh. K.)
Paris, 18. Dez. In der Seine-Präfektur wurde heute Morgen der Direktor der Departementalangelegenheiten Roux von seinem früheren Sekretär Regat durch drei Revolverschüsse getödtet. Regat wurde sofort verhaftet und erklärte, er habe Roux getödtet, weil dieser die Schuld an seinem ganzen Familienelend gewesen sei. Roux und Regat standen sich sehr nahe und ersterer hatte letzteren in jeder Weise gefördert. Man hält den Mörder für geisteskrank, wahrscheinlich hat er Verfolgungswahnsinn.
Rouen, 19. Dez. Auf einem im Hafen liegenden Schiffe, das