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Nr. 294.
Dienstag den 17. Dezember
1889
Amtliches.
BEkünutmschungeN Königl. Landrathsamts.
Die nachstehende Polizeiverordnung vom 4. Dezember 1876 bezw. vom 30. Dezember 1879 wird hiermit in Erinnerung gebracht:
§. 1. Jeder Besitzer oder Verwalter eines privaten oder öffentlichen Gebäudes hat, soweit die Hofraithe mit Einschluß der Höfe und Gärten an Straßen oder öffentlichen Plätzen liegt, den Bürgersteig nach jedem Schneefall sorgfältig vom Schnee reinigen und bei eingetretenem Glatteis in seiner ganzen Breite mit Sand, Asche oder einem anderen geeigneten Material bestreuen zu lassen.
An Kreuzstraßen müssen die Ucbergänge über die Fahrbahn in der Breite von 1,25 Meter (4 Fuß) von den anstoßenden Hausbesitzern resp. Hausverwaltern ebenfalls bestreut werden.
Entsteht das Glatteis zwischen 7 Uhr Morgens und 8 Uhr Abends, so muß sogleich, längstens mit Ablauf der ersten Stunde nachher, entsteht es aber in der Nacht, in der ersten Stunde mit Tagesanbruch gestreut sein.
§. 2. Hinsichtlich der öffentlichen Plätze und der darüber gehenden Wege liegt die Verbindlichkeit des Bestreuens bei Glatteis derjenigen Behörde ob, welche für Reinigung dieser Plätze zu sorgen hat.
Jngleichen haben diejenigen Behörden, denen die Unterhaltung der öffentlichen Brunnen obliegt, so oft als nöthig vor denselben aufeiscn und streuen zu lassen.
§. 3. Bei eintretendem Thauwettcr haben die Hausbesitzer resp, die Hausverwalter das Eis in den Floßrinnen und vor den Häusern aushaucn und baldthunlichst abfahren zu lassen; das Eis darf nicht auf die Fahrbahn der Straße geworfen resp, dort abgelagert werden. Aus dem Innern der Hofraithen darf kein Schnee oder Eis auf die Straße getragen werden, es sei denn, daß gleichzeitig das Abfahren desselben erfolgt. Str. bis zu 9 M.
Hanau am 14. Dezember 1889.
Der Königliche Landrath
P. 8129 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine farbige Tischdecke. Ein weißer feiner Glacehandschuh (linker).
Verloren: Ein goldenes Armband. Eine Brille mit Futteral. Ein städtisches Sparkassenbuch. Ein kleines Portemonnaie mit Konsum- marken.
Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein schwarzer Schäferhund m. Geschl.
Entlaufen: Ein weißer Pinscher mit braunen Abzeichen, spitzen Ohren, w. Geschl.
Hanau am 17. Dezember 1889.
t Auflehnung in der freisinnigen Partei.
Ein Mitglied der freisinnigen Reichstags-Fraktion, das allerdings das Mandat nicht wieder annehmcn will, der Vertreter von Bremen, Professor Bulle, hat den Muth gehabt, der in der Partei bestehenden Unzufriedenheit über gewisse Führer auf dem Parteitag in Oldenberg Worte zu leihen. Herr Bulle erklärte, seine Partei habe „Fehler gemacht nach verschiedenen Richtungen": „Bei allem großen Jubel, der uns erfüllte, als wir das deutsche Reich gewonnen, als wir die Neugestaltung unserer politischen Verhältnisse endlich verwirklicht sahen, ist bei uns doch nach und nach eine gewisse Stille eingetreten, wir haben die nationale Idee, ohne sie bei uils schwächer werden zu lassen (?), doch nicht immer mit dem Nachdruck nach außen hin hervorgehoben, wie es gegenüber dem einfachen und schlichten Mann, der sein Gefühl auch ausgesprochen wissen will, am Platze ist. Insofern gebe ich also zu, daß unsere Gegner manchmal Recht gehabt haben, wenn sie sagen, wir stellten unsere Verhältnisse zu sehr vom verbitterten Standpunkt dar. Unsere Gesinnung ist das nicht, aber so wie sie sich manchmal ausdrückte, haben unsere Gegner scheinbar Recht bekommen. (Ruf Eugen Richter.) Unsere Polemik im Parlament und Presse — dies kann ich nach meinem persönlichen Gefühl nicht leugnen — überschreitet manchmal das Maß desjenigen, was ei gentlich davon gestattet sein sollte. Sie überschreitet die rein
sachlichen Grenzen und geht über zu persönlichen Angriffen." Zum Schluß deutete Herr Bulle an, daß cs das beste sei, eine neue Partei" als Mittelding zwischen Freisinn und Nationalliberalen, also eine neue Sezession, zu bilden. Darauf möchten wir wenig geben; das Bemerkenswertheste bleibt, daß ein freisinniger Reichstagsabgeordneter solche immerhin noch sehr bescheidenen Wahrheiten gegen den „Höchstkommandircnden" verlauten läßt.
t Ueber Zweck und Erfolg der Stanleyschen Expedition findet sich in dem letzterschienenen Heft der Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde folgende Stelle:
Das eigentliche Ziel der Stanleyschen Expedition, dem gegenüber die Befreiung Emins erst in zweiter Linie in Betracht kam, die Sicherung der oberen Nilgebiete für die Englisch-Ostafrikanischc Kompagnie, ist zunächst nicht erreicht und somit die Mission Stanleys als gescheitert zu erachten. Verschiedene Gründe scheinen hierzu beigetragen zu haben. Das Ausbleiben der Karawane unter Barttelot (dieser war in einem befestigten Lager am Aruwimi zurückgelassen worden und fand durch Meuterer während Stanleys Abwesenheit den Tod) mußte entschieden das Ansehen Stanleys bei den egyptischen Truppen Emins schädigen. Nicht befremden kann es daher, daß die Soldaten Emins Stanley für einen Abenteurer hielten, dem zu folgen ihnen verderblich schien. So kam cs, daß das Eintreffen Stanleys am oberen Nil ohne die Möglichkeit einer größeren Machtentfaltung die Wirkung haben mußte, die man am wenigsten erwartet hatte: die gänzliche Unbotmäßigkeit der egyptischen Truppen und eine völlige Zerrüttung der bis dahin immer noch einigermaßen haltbaren Position Emins. Als dann Stanley selbst die armseligen Reste der Barttelotschen Truppe vom Aruwimi herbeigeführt hatte, waren die Kräfte seiner Expedition so geschwächt, daß er es weder unternehmen konnte, den widerspenstigen Theil der Truppen Emins mit Gewalt zum Gehorsam zurückzuführen, noch auch in Gemeinschaft mit Emin die den bequemsten Weg zur Ostküste am Nordufer des Viktoria-Sees vorbei nach Mombas versperrenden Ncgerrciche über den Haufen zu werfen. Vielleicht hat sich Emin mit dem für ihn so charakteristischen Pflichtgefühl auch geweigert, die ihm unterstellten Gebiete dem Khedive zu entfremden und selbst in die Dienste der Ostafrikanischeu Kompagnie zu treten, wozu ihn zu bewegen Stanley gekommen war. So hat denn zwar Stanley sein ausgesprochenes Ziel, Emin mit der Zivilisation wieder in Verbindung zu bringen, erreicht; durch eine höhst eigenthümliche Verkettung von Zufällen und Verhältnissen ist er aber davon abgehalten worden, seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen und die Wünsche und Absichten des Emin Relies-Kommittee zu verwirklichen, nämlich die Angliederung der Aequatorialprovinzen an die englische Jnteresscnphäre der äquatorialen ostafrikanischen Küste.
Tagesschau.
Berlin, 16. Dezbr. Sc. Majestät der König haben Allergnädizst geruht dem Dr. Emin Pascha, zur Zeit in Bagamoyo, den Königlichen Kronen-Orden zweiter Klasse mit dem Stern zu verleihen.
Berlin, 16. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie der „R. u. St.-A." meldet, in Neugattersleben gestern Nachmittag um 5 Uhr mit kleinem Gefolge, in dem sich der Minister des Königlichen Hauses von Wedell befand, ein und wurden auf dem festlich geschmückten Bahnhöfe von dem Kammerherrn von Alvensleben empfangen. In offenem Vierspänner fuhren Se. Majestät direkt nach der Kirche zur Taufe der Tochter des Herrn von Alvensleben und nach vollzogenem Taufakte nach dem Schlosse. Ucberall wurden Se. Majestät von der zahlreich herbeigeströmten Menschenmenge enthusiastisch begrüßt.
Berlin, 15. Dezember. In diesen Tagen ist der Landsitz des Reichskanzlers, Friedrichsruhe, der Zielpunkt einer Reihe von Besuchen geworden. Nachdem im Laufe der vergangenen Woche der Staatssekretär des Reichs-Justizamts, Herr von Oehlschläger, Gast des Fürsten v. Bismarck gewesen ist, ist gestern der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst von Hohenlohe, nach dort gereist, und morgen wird der bekannte frühere Beamte der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, Lieutcnannt Giese, welcher erst vor einigen Tagen vom Kaiser empfangen und zur Frühstückstafel gc-