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Nr. 293

Montag den 16. Dezember

1889

Diemst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Am 9. d. Mts. auf dem Ostbahnhofe zu Frankfurt a/M. eine Kriegsdenkmünze von 1870/71. Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen und Konsummarken.

Verloren: Am 14. d. Mts. ein Portemonnaie mit Silber durch- wirkt, goldenem Bügel und 7 M. Inhalt.

Hanau am 16. Dezember 1889.

Tagesschau.

Kaiser Wilhelm ist nach beendeter Jagd um 6 Uhr 23 Minuten Abends mit seinen Jagdgästen von Springe wieder in Hannover einge­troffen. Nach einem kurzen Aufenthalt, währenddessen der Kaiser den Wagen nicht verließ, erfolgte die Weiterfahrt nach Potsdam. Die Gesamt- streckc des in Springe erlegten Wildes beträgt 235 Stück Schwarzwild, 29 Stück Rothwild und 21 Stück Damwild.

Berlin, 14. Dezbr. (K. Z.) In seiner gestrigen Vorlesung in der Klinik sprach Professor Leyden über die Influenza und ihr Wesen. Nach seiner Angabe ist augenblicklich mehr als ein Drittel der Bevölkerung erkrankt. Die Influenza sei vielleicht auf die nämliche Ursache wie das im Orient herrschende Danghfieber zurückzuführen. Die neueste Nummer der Klinischen Wochenschrift bemerkt, das Auftreten der Seuche in Berlin sei nicht mehr abzuleugnen, die wahre Ausbreitung aber schwere zu ermitteln.

Berlin, 14. Dezember. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung stellt die bisher über das Schicksal Dr. Peters' eingegangen Nachrichten zusammen und kommt zu dem Schluß, daß man weitere Bestätigungen abwarten müsse, ehe der Untergang der Expedition als zweifellos erscheinen könne.

Berlin, 14. Dezember. Hier ist der reiche Rentner Pallasch auf offener Straße ermordet worden. Der Thäter, ein vielbestrafter Verbrecher, wurde dazu von andern angcstiftet. Sie sind alle dingfest gemacht.

Ein amerikanisches Zeugniß für deutsche Energie auf wirth- schaftlich-industriellem Gebiet liegt in einem Bericht des amerikanischen Kon­suls in Mannheim über den Ausfuhrhandel Deutschlands in Droguen und Chemikalien vor. Es heißt darin nach derAllg. Corr.":Die Deutschen arbeiten mit unaufhörlicher Energie, um die Herrschaft über diesen nutzen­bringenden und wichtigen Handelszweig zu erlangen. Zeit, Geld und Manneskraft werden gespendet in stets wiederholten Anstrengungen, Andere zu schlagen und neue Entdeckungen zu sichern. In Mannheim und den benachbarten Städten ist eine große Anzahl geschickter Chemiker beständig mit Produziren und Experimentiren beschäftigt. Die Goldgruben eines Eldora­dos oder die Silberminen Colorados sind nicht reicher in dem Erträgniß von Reichthum, als die Laboratorien dieser Etablissements. Ihre Destillir- kolben liefern mehr Reichthum, als die Zauberer des Mittelalters aus den ihrigen zu erlangen sich träumen ließen."

Kiel, 13. Dezbr. Briefsendungen sind zu richten für S. M. Kreuzer-FregatteLeipzig" und das Kommando des Kreuzergeschwaders, Geschwaderchef Kontre - Admiral Deinhard: bis 20. Dezeniber nach Port Said über Brindisi, vom 21. bis 27. Dezember nach Aden über Brindisi, vom 28. Dezember bis 3. Januar künftigen Jahres nach Colombo (Insel Ceylon) über Brindisi, vom 4. bis 10. Januar 1890 nach Singapoie über Marseille und vom 11. Januar 1890 bis auf weiteres nach Hong­kong.

^aatbrülfett, 14. Dezember. DerSaarbrücken Zeitung" znfolgc erließ Bcrghauptmann Braffert an die Berginspektionen 1 bis 10 als Kommissar des Ministers der öffentlichen Arbeiten eine Bekanntmachung dahingehend, daß diejenigen Bergleute, welche wegen unbotmäßigen Verhal­tens während der Arbeiterbewegung dieses Jahr auf Grund der Arbeits­ordnung von der Bergarbeit auf den königlichen Gruben bei Saarbrücken durch Ablegung oder Kündigung entfernt worden sind, im Wege der Gnade unter der bestimmten Erwartung einer künftig untadelhaften Führung zur Bergarbeit wieder angenommen werden sollen, falls dieselben binnen 8 Tagen um Wiederanlegung bei der Berginspektion nachsuchen.

Eßen, 15. Dezbr. (Fr. Jl.) Die heute von etwa 3000 Berg­leuten besuchte Versammlung beschloß, mit Rücksicht auf die dankbar auzn- erkennende Unterstützung der Staatsbehörden und mit Rücksicht darauf, daß erst das Resultat der gemachten Versprechungen ab gewartet werden müsse,

von einem Streik abzusehen und eine friedliche Haltung zu bewahren. Das gestern gewählte Ueberwachungs-Komitee wurde ausdrücklich anerkannt.

München, 14. Dezbr. Der Minister - Präsident Freiherr v. Lutz ist an der Grippe erkrankt. Rach dem heute früh ausgegebenen Bericht ist die Krankheit noch nicht im Rückgänge begriffen; die Nacht hatte einen leid­lichen Verlauf.

Wien, 14. Dezember. Kardinal Ganglbaur ist heute Mittags ein Uhr gestorben.

Pest, 14. Dezember. Ein im Oberhause heute verlesene Zuschrift des Ministerpräsidenten Tisza theilt mit, daß der Kaiser die Verzichtleistung des Erzherzogs Johann auf Rang und Titel genehmigte. Die Mittheilung wurde zur Kenntniß genommen und her. Erzherzog aus der Mitgliederliste gestrichen.

Rom, 14. Dezbr. Der Betrag, welchen die Stadt Rom nöthig hat, um Ende des Monats ihren Verpflichtungen nachzukommen, beziffert sich auf 1 600 000 Lire. Infolge des Ucbereinkommens des Bürgermeisters und Crispis wird die Regierung diese Summe der Gemeinde zur Verfü­gung stellen als Abschlagszahlung auf den Betrag, welchen erstere der Stadt für die Ueberlassung des Grundstückes des alten Schlachthauses schuldet.

Paris. Die Agentur Havas theilt den Blättern folgende Note mit:Seit einiger Zeit veröffentlichen mehrere Blätter Auskünfte über unsere Kriegsrüstung und namentlich über die Sitzung des Oberkriegsraths, die zum Glück größtentheils ungenau sind. Allein gewisse Einzelheiten könnten den Interessen der National- Vertheidigung schaden. Der Kriegs­minister appellirt an den Patriotisnius der Presse, auf daß diese fortan Veröffentlichungen dieser Art unterlasse. Alles, was auf die Kriegsrüstung, den Mobilmachungsplan, die Vertheilung der neuen Waffen, die Zusammen­setzung der Pulver und explodirbaren Stoffe, auf die Befestigungsarbeiten Bezug hat, mnß strenges Geheimniß bleiben."

Paris, 14. Dezbr. Der bekannte Finanzier Graf Abraham Ca- mondo ist gestorben.

London, 14. Dezember. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Zanzibar vom heutigen Tage zeigt sich langsam Besserung in dem Befinden Emin Paschas ; die ungünstigen Symptome verschwieden nach und nach, der Husten ist immer noch sehr heftig, doch kann sich der Kranke mit mehr Leichtigkeit und weniger Schmerzen bewegen.

Sofia, 15. Dezbr. Gestern ist zwischen der bulgarischen Regie­rung und der Waffenfabrik Steyr der Vertrag über die Lieferung von 60 000 Gewehren nach dem 8 Millimetcr-Manulicher-System unterzeichnet worden. Die Lieferung soll innerhalb 15 Monaten erfolgen.

London, 13. Dezember. Der Castle-DampferHawarden-Castle" ist ans der Ausreise gestern in Capetown angekommen.

Bremen, 13. Dezember. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Rhein" ist vorgestern in Baltimore eingetroffen.

Neiv-Nork, 14. Dezbr. Der PostdampferRhynland" von der Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier auge­kommen.

New -Kork, 14. Dezember. Der DampferEngland" von der National - Dampfschiffs - Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist gestern hier eingetroffen.

Aus Stadt, Provinz und Mugeaeud.

Die Weihnachts-Ansstellnug des Kunst-Vereins.

Die zweite Ausstellung des Kunst-Vereins nach seiner Neuorganisation ist der ersten zum mindesten ebenbürtig, ja wir möchten sagen, daß sie die erste Ausstellung übertrifft durch einige ganz hervorragende Werke. Es sind dieses zwei große Historienbilder, derVerbindung für historische Kunst" gehörig:Johanna Stegen, die Heldin von Lüneburg", von Ludwig Her- terich und Konrad Weigand'sRaubritter Schittensamen".

Herterich'sJohanna Stegen" ist einer Schilderung aus jener großen Zeit vollkommen würdig; nicht nur durch feine Charakierisirung und großartige Auffassung des Gegenstandes, sondern auch durch eine weiche und doch breite Malweise sich auszeichueud ist die reizvoll gelungene Heldin eines der bedeutendsten neuern Bilder ans der vaterländischen Geschichte. ^Jn den Kämpfen, welche im Frühling 1813 in Norddeutschland gegen die Franzosen geführt wurden, aber leider zumeist unglücklich endeten/ bildeten