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Nr. 292,
Samstag den 14, Dezember
1889
Amtliches.
Bekanntmachung.
Am 1. Oktober 1889 sind im Reichspostgebiet neue Postwerth- zeichen eingeführt. Die neuen Marken unterscheiden sich von den jetzt gültigen im Wesentlichen dadurch, daß der ihnen aufgedruckte Reichsadler und die Reichskrone der durch den Allerhöchsten Erlaß vom 6. Dezember 1888 festgestellten Form entsprechend abgeändert worden sind.
Was die Farbe der neuen Werthzeichen betrifft, so werden die Marken zu 3 Pf. in braun, zu 5 Pf. in grün , zu 25 Pf. in orange und zu 50 Pf. in rothbraun hergestellt, während bei den Marken zu 10 Pf. und 20 Pf., wie bisher, die rothe bz. blaue Farbe zur Verwendung kommen wird.
Durch die Einführung der neuen Werthzeichen wird auch eine Neuausgabe der gestempelten Briefumschläge und Streifbänder, sowie der gestempelten Formulare zu Postkarten, Postanweisungen u. s. w. bedingt. Entsprechend der veränderten Farbe der neuen Marken zu 3 Pf. und 5 Pf., erhalten die Streifbänder einen Aufdruck in brauner, die Postkarten für den inneren Verkehr einen Aufdruck in grüner Farbe. Außerdem kommt bei dem Aufdruck der bezeichneten Postkarten die deutsche anstatt der lateinischen Schrift in Anwendung.
Mit der Ausgabe der neuen Werthzeichen bz. einer Gattung derselben an das Publikum dürfen die Verkehrsanstalten erst dann beginnen, wenn die vorhandenen Bestände an alten Werthzeichen derselben Gattung verkauft sein werden. Die Bestimmung des Zeitpunktes, von welchem ab die jetzigen Freimarken rc. ihre Gültigkeit verlieren, wird später erfolgen.
Berlin W., 1. November 1889.
Der Staatssekrctair des Reichs-Postamts, vo n Stephan.
Bekanntmachung.
Die Weihnachtssendungen betreffend.
Das Reichs-Postamt richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtsversendungen bald zu Beginnen, damit die Packetmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet.
Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten 2C. sind nicht zu benutzen. Die Aufschrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Packet gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post-Packetadressen für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Bestimmungsorts muß stes rechts groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämmtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zutreffendenfalls also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Vermerk der Eilbestellung u. s. w., damit im Falle des Verlustes der Begleitadresse das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO u. s. w.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete f r a n k i r t aufgeliefert werden. Das Porto für Packete ohne angegebenen Werth nach Orten des Deutschen Reichs-Postgebiets beträgt bis zum Gewicht von 5 Kilogramm: 25 Pf. auf Entfernungen bis 10 Meilen, 50 Pf. auf weitere Entfernungen.
Berlin W., 1. Dezember 1889.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
In Vertretung: Sachse.
Dierrft-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein grün- und rothseidenes Halstuch; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Gefunden: Eine gelbe Pferdedecke mit Streifen. Eine Taschenuhr. Ein Päckchen mit Kinderspielzeug (in der Hausflur der höheren Töchterschule). Eine braune gestrickte Herrenwcste.
Hanau am 14. Dezember 1889.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 13. Dezbr. Auf der Tagesordnung der heutigen (37.) Plenarsitzung des Reichstages stand die zweite Berathung der den Befähigungsnachweis betreffenden Anträge. — Die konservativen Antragsteller hatten zu ihren Hauptanträgcn, welche mit denen des Zentrums übereinstimmen, Eventualanträge eingebracht, die int Wesentlichen in der Richtung der Anträge der Reichspartei liegen. Die heutige Debatte war keine tiefgehende ; im Laufe derselben brachte Abg. Rickert (deutschfreis.) einen Vertagungsantrag ein und bezweifelte zugleich vor der Abstimmung die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Namensaufruf ergab indeß die Anwesenheit von 200 Mitgliedern; das Haus war als« beschlußfähig. Es wurde dann alsbald ein Schlußantrag angenommen. Demnächst wurden die Hauptanträge Ackermann-Aichbichler (dcutschkons. bezw. Zentr.) in allen ihren Theilen unverändert angenommen. Damit war die Tagesordnung erledigt. — Der Präsident wünschte den Herren ein fröhliches Fest und gutes Neujahr und gab der Hoffnung Ausdruck, daß in der ersten Sitzung des neuen Jahres die Herren recht zahlreich versammelt sein würden. — Schluß der Sitzung nach 2 Uhr. — Nächste Sitzung Mittwoch den 8. Januar, Nachmittags 1 Uhr (Etat der Marineverwaltung).
Berlin, 13. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind, wie der „R. u. St.-A." aus Potsdam meldet, heute Morgen 9 Uhr von der Wildparkstation über Magdeburg nach Springe abgereist.
Berlin, 12. Dezbr. Der Minister des Innern hat alle Polizeibehörden im Kohlenrevier angewiesen, eine öffenliche Bekanntmachung zu erlassen, in der die Arbeiter darauf hingewiesen werden, daß nach dem jüngsten Reichsgerichtserkenntnisse die öffentliche Aufforderung zum Vertragsbruch, also zur sofortigen Arbeitsniederlegung, strafbar ist, und in der die Arbeiter ermahnt werden, ihre Vertragspflichten strengstens innezuhalten.
Berlin, 13. Dezember. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wird die Leitung der ersten Unterrichtsabtheilung im Kultusministerium (höheres Schulwesen) von Neujahr ab der bisherige Direktor der zweiten Abtheilung de la Croix übernehmen und an dessen Stelle der neu ernannte Ministerialdirektor Kügler treten.
Berlin, 13. Dezbr. S. M. Kanonenboot „Hyäne", Kommandant Kapitän-Lieutenant Freiherr v. Sohlern, ist am 12 Dezember in San Thomä eingetroffen und beabchsichtigt am 16. dcss. Mts. wieder in See zu gehen.
Berlin, 12. Dezember. Die hiesige Universität ist durch Testament in den Besitz des Vermögens des hier verstorbenen Geh. Obermedizinalraths Professor Dr. Joh. Christ. Jüngken gelangt. Seit dessen Tod befanden sich zwei Schwestern im Nießbrauch. Diese sind nnn gleichfalls gestorben. Die Schenkung hat einen Werth von rund einer halbe» Million. In erster Reihe sollen Söhne von Universttätsprofessoren und höhern Staatsbeamten mit Unterstützung von 900 bis 1800 Mk. jährlich berücksichtigt werden.
Halle, 13. Dez. Das Testament Ricbecks wurde heute eröffnet. Den weitaus größten Theil seines Vermögens hat der Verstorbene, welchen, wie wir seinerzeit mittheilten, auf einer Reise nm die Welt der Tod ereilte, der Stadt Halle vermacht, darunter mehrere Rittergüter; das Wohnhaus erhielt die Familie von Mörs hier, Legate erhielten die Freunde. (Fr. I.)
Hannover, 13. Dezember. Kaiser Wilhelm ist, nach den „Fr. N.", heute Mittag 1 Uhr hier eingetroffen, in Begleitung des Grafen Waldersee, des Grafen Herbert Bismarck, des Ministers v. Lucius rc. Es fand hier kein Empfang statt. Der Kaiser begab sich, lebhaft begrüßt, durch die beflaggten Straßen mit dem Grafen Waldersee nach dem Kasino des Königs-Ulanen Regiments, um einer Einladung des Offtzierkorps des genannten Regiments zum Frühstück zu folgen. — Bei dem Frühstück im Kasino trank der Kaiser auf das Wohl des Königs-Ulanen Regimets, welches stolz sein könne, durch die glänzenden Attaquen in den Jahren 1870 — 71 die Aufmerksamkeit auf das Uebergewicht der Lanzen gelenkt