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Nr. 285.

Freitag den 6. Dezember

1889

Amtliches.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Nachstehendes Ausschreiben wird hiermit veröffentlicht:

Hanau am 4. Dezember 1889.

Der Königl. Landrath.

P. 7895. J. V.: Baabe.

Ausschreiben.

Von hier flüchtig nach Verübung mehrerer Einbruchsdiebstähle:

1. Metzger Georg Peter Schupp aus Mannheim, 20 Jahre alt, 1,66 Mtr. groß, braunes Haar, dunkle Augen, längliches bartloses Gesicht, bekleidet mit dunklem Sackanzug, bräunlichem gestohlenem Kammgarn-Ueberzieher und schwarzem Filzhut,

2. Schneider Ludwig Scheuermann aus Falkengesäß, 22 Jahre alt, 1,68 Mtr. groß, schlank, blondes Haar u. Schnurr­bärtchen, gesundes Aussehen, bekleidet mit bräunlichem Sackrock und braunem Filzhut.

Um Fahndung, Festnahme und ev. Drahtnachricht wird ersucht. Frankfurt a. M., den 26. November 1889.

_____________Königl. Polizei-Präsidium.

Nachstehendes Ausschreiben wird hiermit veröffentlicht.

Hanau am 4. Dezember 1889.

Der Königl. Landrath.

P. 7913. J. V.: Baabe.

Ausschreiben.

Lampert, Johannes, von Nieder-Erlenbach, 58 Jahre alt, Kohlen­händler dahier, 1,66 Mtr. groß, untersetzt, graumelirte Haare (Glatze), in der rechten Backe ein Loch von einem Zahngeschwür herrührend ; trug dunk­len Sackrock, schwarz und weiß gestreifte Hose, weißleinenes Hemd, J. 8. gez., wird seit dem 11. d. Mts. vermißt.

Um Recherchen nach dem rc. Lampert und um ev. Nachricht wird ersucht.

Frankfurt a. M., den 27. November 1889.

Der Polizei-Präsident.

_________I. A.: Eckhardt.__

Die Herren Bürgermeister werden hierdurch veranlaßt, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen, welcher Erlös an Gemeindeobst im Jahre 1889 in die Gemeindekasse geflossen ist.

Hanau am 5. Dezember 1889.

Der Königliche Landrath

V. 8251____________________ v. O-rtz-n.__

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Jakob S t e u l von Niederdorfelden ist als Stellvertreter des Sach­verständigen zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen bestellt und verpflichtet worden. V. 8053.

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 5. Dezbr. In der heutigen (30.) Plenarsitzung des Reichstags regte bei der Berathung des Reichs-Eisenbahnetats der Abg. Henneberg (nat.-lib.) die Einführung einer einheitlichen Normalzeit an, welche auch vom Abg. Grafen Stolberg-Wer- mgerode (dkons.) namentlich im Hinblick auf die Bedeutung in militärischer Beziehung befürwortet wurde, beim Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) indessen mis einige Bedenken stieß, über die man aber hinwcgsehen könne, wenn ein Bedürfniß für militärische Zwecke vorhanden sei. — Abg. Richter (dfr.) begründete dann den Antrag: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in Anbetracht der Kohlentheurung alsbald eine Untersuchung darüber zu veranlassen, ob und in wieweit die Kohlentarife aus den deutschen Eisenbahnen den Vorschriften des Artikels 45 der Reichs- veifassung- entsprechen und ob nicht im Interesse der Industrie und der Landwirthschaft eine allgemeine Tarifermäßigung zur Erzielung der ver­fassungsmäßig vorgeschriebenen möglichsten Herabsetzung der Tarife geboten -ft, insbesondere auch durch eine Ausdehnung der Ausnahmetarife, ivelche

die höheren Tarife für die Kohleneinfuhr aus dem Auslande beseitigt und den Interessen der inländischen Kohlenkonsumenten gebührende Rechnung trägt. — Dieser Antrag veranlaßte eine lange Debatte, an welcher sich außer dem Bundesbevollmächtigten, Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Schulz, die Abgg. Richter, Schrader (dfr.), Frhr. v. Stumm (Rp.) Graf Stolberg-Wernigerode (dkons.), Dr. Hammacher (nat.-lib.) v. Wedell-Mäl- chow (dkons.) und . Grad (Els.-L.) betheiligten. Schließlich wurde auf An­trag des Abg. Schrader (dfr.) der Antrag einer Kommission von 14 Mit­gliedern zur Vorberathung überwiesen. — Beiin Etat für die Verwaltung der Eisenbahnen wünscht Abg. Lingens (Centr.) eine noch ausgedehntere Sonntagsruhe für die Eisenbahnbeamten, erkannte aber im Uebrigcn an, daß schon viel in dieser Hinsicht geschehen sei. Eine weitere Debatte knüpfte sich an diesen Etat nicht. — Schluß der Sitzung 41/* Uhr. Nächste Sitzung morgen, Mittags 12 Uhr. (Dritte Lesung der Novelle zum Bank- gesetz und Etat der Zölle und Verbrauchssteuern.)

Berlin, 5. Dez. Kaiser Wilhelm sandte nach dem „RH. K." dem Reichsbankpräsidenten von Dechend anläßlich seiner heutigen Jubelfeier fol­gendes Telegramm: „Zu dem heutigen Tage, an welchem Sie auf eine fünfundzwanzigjährige, an Erfolgen und Ehren reiche Thätigkeit als Leiter des Bankdirektoriums zurückblicken, kann Ich mir nicht versagen, Ihnen Meine besten Glück- und Segenswünsche auszusprechen." Nach den Gratu­lationen der Beamten der Bank überreichte der Zentralausschuß als Jubel- gabe etwa 30000 Mark zu einer Dechend-Stiftung zur Unterstützung hilfs­bedürftiger Reichsbankbeamten und deren Hinterbliebenen.

Berlin, 5. Dez. Wie der „Kreuzzeitung" aus Dessau gemeldet wird, erwiderte bei der gestrigen Hoftafel der Kaiser den Toast bei Her­zogs mit herzlichem Danke, wobei er betonte, Anhalt sei das Land, zu dem Brandenburg und Preußen die ältesten Beziehungen haben; hätte doch das Haus der Askanier glorreich die Mark regiert und dort den Grund gelegt, worauf die Hohenzollern weiterbauen können. Weiter feierte der Kaiser in ehrenden Worten das Andenken des Feldmarschalls Fürsten Leopold als des Lehrmeisters der preußischen Armee.

Berlin, 5. Dezember. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich ist mit den Prinzessinnen-Töchtern, Königlichen Hoheiten, an Bord der „Surprise" gestern in Neapel angekommen und von den Spitzen der Behörden empfangen worden.

Berlin, 4. Dez. Kaiserin Friedrich beabsichtigt, wie die „Post" hört, während des Monats Dezember in Neapel zu verbleiben.

Berlin, 5. Dez. Der Bundesrath stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Gesetzentwürfe wegen Errichtung und Unterhaltung einer Post- dampfschiff-Vcrbindung mit Ostafrika zu.

Berlin, 5. Dezember. Wie der Staatsminister Dr. v. Bötticher bereits in einer der letzten Reichstagssitzungen angczeigt hat, wird sich der Bundcsrath in nächster Zeit auch mit der Frage der Errichtung der Ver­sicherungsanstalten für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung zu beschäftigen haben. Nach dem Gesetze vom 22. Juni d. I. ist bekanntlich die Errich­tung dieser Versicherungsanstalten so geregelt, daß sie nach Bestimmung der Landesregierung für weitere Kommunalverbäude ihres Gebiets oder für das Gebiet des Bnndesstaats bezw. für mehrere Bundesstaaten zusammen erfolgt, daß sie indessen der Genehmigung des Bundesraths bedarf. Gegenwärtig dürften zwar noch nicht von sämmtlichen Bundesstaaten endgültige Beschlüsse in dieser Richtung vorliegen, indessen sind die fehlenden schon für die nächste Zeit zu erwarten. Was die bereits bekannt gegebenen Wünsche betrifft, so ist cs wohl sicher, daß Berlin eine eigene Versicherungsanstalt erhalten soll. Außerdem dürfte in Prenßen auf jede Provinz eine Versicherungsan­stalt entfallen, sodaß der größte Bundesstaat von diesen Anstalten 13 er­halten würde. Das Gebiet des ganzen Bundesstaates dürften wohl die Versicherungsanstalten von Sachsen, Württenberg, Baden, Hessen, Braun­schweig und Elsaß-Lothringen umfassen, während die thüringischen Staaten und die drei Hansestädte sich zur Errichtung vo« je einer Versicherungsan­stalt entschlossen haben. Insgesammt dürften die zu errichtenden Versicherungr- anstalten die Zahl 30 erreichen. Es ist übrigens begründete Aussicht vor­handen, daß die Anträge auf Errichtung dieser Anstalten von allen Seiten so gestellt werden, daß der Bundesrath nicht in die Lage gebracht wird, von der ihm für den Fall seiner Nichtgenehmigung durch § 42 des Jnvaliditäts-