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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Samstag eu 23 November

1889

DieNst-Nschrichten aus dem Kreise.

Abhanden gekommen: Auf dem Wege von Jügesheim bis Hanau eine Schrotleiter. Eine Leiter (auf dem Mcßplatz).

Verloren: Eine Fangspitze für einen Blitzableiter; dem Wieder­bringer eine Belohnung.

Gefunden: Ein Hammer.

Hanau am 23. November 1889.

t Verpachtung forstsiskalischer Grundstücke an * Waldarbeiter.

Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten hat unterm 31. Oktober 1889 an sämmtliche Königliche Regierungen mit Ausschluß derjenigen zu Aurich und Sigmaringen folgende Verfügung erlassen: „Durch die Verfügung vom 7. Oktober 1873 sind die Königlichen Regie­rungen ermächtigt worden, an Waldarbeiter forstfiskalifche Acker- und Wiesenländereien zu mäßigen Preisen bezw. zum Grundsteuer-Reinerträge zu verpachten. Inzwischen ist in vielen Bezirken das Bestreben der Forst­verwaltung, sich einen tüchtigen Stamm von Waldarbeitern, namentlich auch der jüngeren Altersklassen zu sichern, noch dringender hervorgetreten, als früher. Dazu kommt, daß es auch in sozialpolitischer Beziehung als erwünscht bezeichnet werden muß, eine Zahl von zuverlässigen Waldarbeitern durch Gewährung dauernder Pachtungen an ihren Wohnsitz zu fesseln und ihnen das Verbleiben daselbst vortheilhaft und zusagend erscheinen zu lassen. Es empfiehlt sich deshalb, mit der Verpachtung forstsiskalischer Grundstücke an Waldarbeiter unter möglichst günstigen Bedingungen in erweitertem Umfange vorzugehen, die Pachtdauer zu verlängern und erforderlichen Falls das Pachtgeld selbst unter den Grundsteuer-Reinertrag herabzusetzen. Es ist zwar bisher schon Regel gewesen, das Pachtverhältnitz, wenn nicht zwingende Gründe entgegenstanden, bei seinem Ablaufe zu verlängern. Die Königliche Regierung wolle jedoch erwägen, ob es sich nicht empfiehlt, die Absicht der Forstverwaltung in den Pachtverträgen, jedoch ohne Uebernahme einer bindenden Verpflichtung, zum Ausdruck zu bringen. Aus dem Um­stande, daß es bisher möglich gewesen ist, die betreffenden Grundstücke zu höheren Preisen zu verpachten, würde ein Hinderniß der Herabsetzung des Pachtgeldes nicht ohne Weiteres zu entnehmen sein. Ebensowenig erachte ich den Einwand als durchschlagend, daß die Arbeiter durch derartige Pacht­flächen veranlaßt werden könnten, ihre Arbeitskraft mehr diesen, als der fiskalischen Waldarbeit zuzuwcnden, und bin vielmehr der Meinung, daß die beiderseitigen Interessen sich unter angemessenem Entgegenkommen sehr wohl vereinigen lassen.

Sollten die zur Verpachtung verfügbaren Grundstücke nicht ausreichen, um gleichzeitig dem Bedürfnisse der Waldarbeiter und der bisherigen ander­weiten Pächter zu genügen, so ist zu erwägen, ob nicht durch Melioration von Bruchflächen oder in sonstiger Weise die erforderlichen Pachtflächen gewonnen werden können."

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstuge. Berlin, 22. Novbr. Auf der Tagesordnung der heutigen (21.) Plenarsitzung stand der Etat des Aus­wärtigen Amts, dessen unverkürzte Bewilligung die Budgetkommission bean­tragt. — Abg. Richter (deutschfreis.) stellt die Anfrage, ob die in diesem Sommer verbreiteten Gerüchte, daß die friedliche Politik des Reichskanzlers von dem Chef des Generalstabes durchkreuzt werde, auf Wahrheit beruhen. — Kriegsminister v. Verdy du Vernois, zufällig im Hause anwesend, kennzeichnete diese Gerüchte als Mythen und frivole, die ganze Armee be­leidigende Erfindungen. — Staatssekretär des Acußern Staatsminister Graf v Bismarck schloß sich den Ausführungen des Herrn Kriegsministers voll­ständig an. Se. Majestät der Kaiser leite die auswärtige Politik und nehme dabei nur den Rath der dazu berufenen Organe entgegen. — Eine lange Debatte, an welcher sich außer dem Herrn Sraatssckretär Grafen v. Bismarck die Abgg. Windthorst (Zentr.), Richter (deutschfreis.), Kmmmachcr, Dr. v. Frege (deutschkons.), Rickert (deutschfreis.), Dr. Woermann (nat.- y Dr. Bamberger (deutschfreis.) beteiligten, knüpfte sich an den ™ 2 und 3, die Mehrforderung für die Verwaltung der Kolonialange­legenheiten enthalten. In der Diskussion kamen besonders die Wünsche auf

Anwendung des Art. 6 der Kongo Akte, die geringe Betheiligung des Ka­pitals an den Kolouialbestrebungen, im klebrigen so ziemlich alle das Ko­lonisationsgebiet betreffenden Fragen zur Erörterung. Schließlich wurden die betreffenden Titel mit sehr großer Mehrheit genehmigt. — In dem fol­genden Kapitel (Gesandschaft, Konsulate rc.l sprach beim Titel „Gesandt­schaft zu Bern" Abg. Dr. Baumbach (dfr.) den Wunsch nach Erneuerung des Niederlassungsvertiages mit der Schweiz aus und ging auf den be­kannten Fall Wohlgemuth des Näheren ein. — Staatssekretär des Aus­wärtigen, Staatsminister Graf v. Bismarck erklärt, daß er den Vorredner beruhigen könne. Bei den Verhandlungen mit der Schweiz hätte man dies­seits lediglich den Zweck verfolgt, die Bundesgenossenschaft der Schweiz für den Kampf gegen die Umsturzbcstrebungen der Sozialdemokratie zu gewin- nen. Unsere Beziehungen zur Schweiz seien die besten. Der Fall Wohl­gemuth sei abgethan! — Abg. Singer (Soz.-Dem.) war von der Erklä­rung des Herrn Staatssekretärs nicht befriedigt. Als ein Schlußantrag eingebracht wurde, bezweifelte Abg. Richter (deutschfreis.) die Beschlußfähig­keit des Hauses. Der erforderlich werdende Namensaufruf ergab die An­wesenheit von nur 152 Mitgliedern. Das Haus war also nicht beschluß­fähig, die Verhandlungen mußten abgebrochen werden. Schluß der Sitzung gegen 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 25. November, 1 Uhr Nachmit­tags. (Initiativanträge, betr. den Arbeitsschutz).

Berlin, 22. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König haben Allerhöckistsich gestern Abend um 6 Uhr zur Jagd nach Letzlingen begeben.

Berlin, 22. November. Der Reichskanzler hat, nach den „Fr. N.", der Hamburg - Amerikanischen Packetsahrt- Aktiengesellschaft die Erlaubniß ertheilt, dem 40. transatlantischen Dampfer ihrer Flotte seinen Namen zu geben. Der „Fürst Bismark" wird das größte und voraussichtlich schnellste Schiff der deutschen Handelsmarine sein; er wird mit einem Küstenaufwande von 50» Millionen Mark beim „Vulkan" in Stettin erbaut und ist für den Hamburg-New Porker Schnelldampfer-Passagierdienst der Packetfahrt- Gesellschaft bestimmt.

Berlin, 22. November. Der Bundesrath beschloß in seiner gestrigen Sitzung, dem vom Reichstage angenommenen Antrag Benda auf Errichtung eines Reichszolltmifamls keine Folge zu geben. — Ein dem Bundesrathe und Reichstag zugegangenes Weißbuch enthält die Instruktion des Reichs­kanzlers an den 'Reichskommissar Puttkamer in Togo betr. die Feststellung der thatsächlichen Unterlagen für die Beschwerden der deutschen Handeshäuser gegenüber der Royal Niger Company, die Beschwerden selbst, sowie einen eingehenden Bericht Puttkamers, endlich eine aus Grund desselben an die britische Regierung gerichtete Note des Reichskanzlers. — Die Budget­kommission genehmigte heute Kapitel 24 der dauernden Ausgaben des Heer­etats (Geldverpflegung). Die Subkommission nahm eine vertrauliche Er­klärung des Kriegsministers entgegen. (Fr. N.)

Berlin, 22. Novbr. Ueber den Plan zur Niederlegung der Schloß­freiheit behufs Errichtung des Standbildes Kaiser Wilhelms I. wird be­richtet, ein Konsortium, bestehend aus der Deutschen Bank, Diskonto-Gesell­schaft, Handelsgesellschaft und Darmstädter Bank, habe sich das Vorkaufs­recht auf die Häuser au der Schloßfreiheit gesichert und gedenke das Geld für die Niederlegung durch eine Lotterie aufzubringen. Nach diesen: Plane sollen für 40 Millionen Mark Loose ausgegeben werden, auf welche Ge­winne von 30 Millionen entfallen, sodaß zur Niederlegung 10 Millionen freibleiben. (K. Z.)

Berlin, 22. Novbr. Das Uebungsgeschwader, bestehend aus S. M. Panzerschiffen „Kaiser", „Deutschland", „Preußen" und „Friedrich der Große", Geschwader - Chef Kontre - Admiral Hollmann, ist am 20. ; November in Pola eingetroffen und beabsichtigt am 23. wieder in See zu gehen. — S. M. Kreuzer - Korvette „Irene", Kommandant Kapitän zur See Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, ist am 21. November in Corfu eingetroffen und beabsichtigt am 9. Dezember di Reise fortzu­setzen. 1

Essen, 22. November. Die Grubenverwaltungen des Esserer Reviers haben auf den kundgegebenen Wunsch der hier abgehaltenen Berg­arbeiterversammlung, die gemaßregelten Arbeiter wieder anzustellen, der „Rheinisch-Westfäleschen Zeitung" zufolge, erwidert, daß nach dem Streik Arbeiter nur wegen ungebührlichen Verhaltens entlassen worden wären, die