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im letzten dreijährigen Durchschnitt jährlich 5600 M., Ziffern, welche mit einem Schlage die Lage besser erhellen als langathmigc Ausführungen.

(K. Z.)

Dresden, 21. November. Die zweite Kammer nahm mit 45 gegen 24 Stimmen den Gesetzentwurf an wegen Umwandlung der 4prozentigen Staatsanleihen von 1852 bis 1868, sowie der 4prozentischen Staatsschuld­scheine von 1867 und 1869 in 3l sprozentige Staatsschuldscheine beziehentlich Tilgung der ersteren und Aufnahme einer 3prozentigen Renten-Anleihe.

Gera, 20. Nov. In unseren Vororten Cuba und Untermhaus erkrankten in voriger Woche kurz nach einander 25 Personen in Folge des Genusses von Rindfleisch, welches von tinent dortigen Fleischer gekauft war. Wie sich jetzt hcrausgcstellt hat, stammte das Fleisch von einem blutarmen Ochsen und war des besseren Aussehens halber stark mit Anilin gefärbt worden. Ein zweijähriges Kind ist inzwischen der Vergiftung erlegen.

(M. N. N.)

Amsterdam, 19. November. Vor etwa acht Tagen entleibte sich ein Artillerist in Arnheim dadurch, daß er eine Kanone mit einer Granate lud und sich von derselben in Stücke reißen ließ. Einige Splitter schlugen in einen in der Nähe befindlichen, mit Granaten gefüllten Munitions­wagen, dessen Inhalt sich ebenfalls entzündete. Eine Menge von Fenster­scheiben in den umliegenden Gebäuden wurden zertrümmert und man darf noch von Glück sagen, daß keine Menschenleben der Katastrophe zum Opfer gefallen sind. Kaum 1000 Meter von dem Artilleripark, wo sich das Er- eigniß abspielte, liegt ein Vorrath Pulver, der hinreichen würde, um die ganze Stadt in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Wie im vor­gestrigen Staatsblatt zu lesen steht, sind vom Kriegsministerium strenge Weisungen ergangen, um einer Wiederholung derartiger Fülle vorzubeugen, aber cs ist jcdensalls traurig, daß immer zuerst das Unglück bereits ein- getrossen sein muß, ehe man sich zur Ergreifung der nöthigen Maßregeln aufrafft. Ueberdics hat der Bürgermeister mit dem Gemeinderath bei der Regierung die nöthige Beschwerde eingereicht. (K. Z.)

Wie«, 21 November. Der brasilianische Gesandte theilte gestern dem Grafen Kalnoky amtlich die Proklamirung der Republik Brasilien mit und verständigte denselben, daß die brasilianische Regierung nach erfolgter Wahl eines Präsidenten mit einem Rundschreiben wegen Anerkennung der Republik an die Mächte herantreten werde. Der russische Thronfolger trifft im strengsten Inkognito morgen früh hier ein, steigt in russischen Botschafts-Hotel ab und reist Mittags nach Petersburg weiter. (Fr. N.)

Florenz, 20. Novbr. Die Nationalbank beschloß, von morgen ab den Wechseldiskont, sowie den Lombardzinsfuß um 1 pCt. zu erhöhen.

Paris, 21. November. Im heutigen Ministerath theilte der Marinemiuister Barbcy mit, daß er zum eventuellen Schutz der französischen Staatsangehörigen in Brasilien ein Kriegsschiff dorthin entsende. Der Unterstaatssckretär für die Kolonien, Etienne, kündigte die Bildung einer Gesellschaft an, welche den Bau dringend nothwendiger Eisenbahnen im Kougostaate studire; er theilte ferner dem Ministerrath die Reklamationen französischer Kaufleute mit, welche Beschwerde darüber führen, daß aus­ländische Waaren in den Kolonien eingeführt werden, nachdem sie Frank­reich passirt haben. Die Beschwerden betonen die Nothwendigkeit der Bei­bringung von Ursprungszeugnissen solcher Waaren. Der Ministerrath be­auftragte den Finanzniinister mit dem Studium der Angelegenheit. (Fr. N.)

Pacis, 21. Nov. Eine offizielle Verkündigung verbietet die Einfuhr und Durchfuhr von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen ans Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn für Frankreich.

Der in Nancy erscheinendeProgrcs de l'Est" erzählt die folgen­den erheiternden Fälle, die darthun, daß selbst französische Staatsbürger vor der Spionenriecherei ihrer Landsleute nicht sicher sind. Am 10. ds. wurde der Staatsanwalt von Toul als preußischer Spion verhaftet, weil er auf einem Spaziergang in der Nähe des Forts Villey le See ein Stück Papier entfaltet hatte. Er wurde von allen Seiten umstellt, selbst von den Nebenforts, die telegraphisch benachrichtigt waren, kamen die Männer, an der Spitze ein berittener Genie-Offizier. Die Entschuldigung des Staats­anwalts, er sei der procureur de la répubiique in Toul, gilt nichts, er wird mitgenommen, und erst der brave Bürgermeister von Pierre, der ihn persönlich kannte, gab den Anlaß, daß der Herr Staatsanwalt wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Ani 10. oder 12. ds. wurde Joseph August Merger gen. Roche aus Metz, französischer Unterthan, Sänger, Schau­spieler, Geschäftsreisender u. s. w., in Nancy mit großem Aufwand als Spion verhaftet; er soll bei einem Trinkgelage mit Unteroffizieren mit seinen Beziehungen zur deutschen Behörde geprahlt haben.

London, 19. November. Zur Erinnerung an den Deutschen Kaiser Friedrich hat der Prinz von Wales eine vom Bildhauer Sir Edgar Böhm gefertigte Marmortafel mit einem Medaillon-Bildniß des verewigten Fürsten in der Kirche von Sandringham, Norfolk, anbringen lassen.

Petersburg, 21. Nov. Bei der gestrigen Jubelfeier der Artillerie sagte der Kaiser, er hoffe, daß die Artillerie sich auf dem Schlachtfeldc wie bisher auszeichnen werde, und fügte hinzu:Gebe Gott, daß dies nicht bald geschehe, es bewahre uns der Herr vor dieser schweren Prüfung." (Rh.K.)

Sofia, 20. November. Bei dem aus Anlaß der Gedenkfeier der Schlacht bei Slivnitza abgehaltenen Frühstück brachte Fürst Ferdinand einen Trinkspruch auf den Fürsten Alexander aus, denHelden von Slivnitza."

Konstantinopel, 21. November. DieFr. N." schreiben: Der Sultan ließ zum Andenken an den Besuch des deutschen Kaiserpaares eine goldene Medaille prägen, welche auf der einen Seite das türkische Wappen und auf der anderen das deutsche Wappen mit einer Erinnerungsschrift an den Besuch trägt. Vorläufig sind nur drei Medaillen geprägt, welche für den Sultan, den Kaiser und die Kaiserin bestimmt sind. Dieselben befinden sich in kunstvoll gearbeiteten Etuis.

Washington, 21. November. Den KriegsschiffenTalapoosa" undRichmond" wurde befohlen, unter dem Kommando des Admirals Gillis nach Brasilien abzugehen.

Rio de Janeiro, 21. November. Die provisorische Regierung verfügte die Einführung des allgemeinen Stimmrechts.

Zu den Ereignissen in Brasilien bemerkt derSchw. Merkur": Ob die Republik fernerhin ohne Bürgerkrieg sich befestigen oder ob ein Rückschlag erfolgen und ob die republikanische Staatsform im Staude sein wird, das ungeheure Reich zusammenzuhalten, sei eS als einheitliche, sei es als föderative Republik, das sind Fragen die erst der weitere Verlauf be­antworten kann. Für jetzt ist die immerhin denkwürdige Thatsache zu ver­zeichnen, daß die einzige Erbmonarchie, die noch jenseits des Ozeans be­standen hatte, verschwunden ist. Ob die Brasilianer unter der Herrschaft der Generale und Parlamentarier, die jetzt das Heft in Händen haben, glücklicher sein werden als unter dem Szepter Dom Petro's, das ist ihre Sache. Es gab eine Zeit, da die politischen Kämpfe der lateinischen Staaten in Amerika bei uns ein ungemeines Interesse erregten, ja eine gewisse Rückwirkung auf die politische Bewegung in Europa ausübten. Diese Zeit ist aber längst vorbei. Unsere Theilnahme beschränkt sich auf den Wunsch, daß dem Lande, das eine lange Reihe von Jahren friedlichen Fortschritts und Gedeihens hinter sich hat, eine Aera der Zerrüttung und des Bürgerkrieges erspart bleiben möge."

China. Nach Berichten aus China ist durch die Ueberschwemmung des Sjantsekiang eine schreckliche Katastrophe erfolgt. Der Fluß trat am 11. Oktober auf eine Strecke von hundert Meilen aus seinen Ufern; mehr als tausend Personen ertranken, etwa fünfzehntausend sind ohne Unterkunft unb ohne Lebensmittel. Einige Häfen wurden weggerissen ; die Ernte ist total vernichtet.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Zeichen-Akademie. Das Schulgeld für den Unterricht in Kgl. Zeichen-Akademie während der Monate Oktober bis zum Schluß dieses Jahres ist bis spätestens im Laufe des nächsten Dienstag (26. Nov.), bei Meidung von Unannehmlichkeiten, an die Akademiekasse zu zahlen.

Landwirthschaftlicher Kreisverein Hanau. Zn der mor­gen Nachmittag 2 Uhr im Gasthause zumgoldnen Löwen" hier stattfin­dende Versammlung ist eine für den Landwirth sehr wichtige und belehrende Tagesordnung ausgestellt und dürfte deshalb deren Besuch sehr zu em­pfehlen sein. Unter anderem soll eine Versicherung gegen Verluste im Schweinebeftande angestrcbt werden, weiter wird über die von dem Vereine beschafften und in diesem Jahre ausgepflanzten verschiedenen neuen Kar­toffelsorten berichtet, die demnächst auch zur Ausstellung gelangen sollen, und über Beschaffung von Simmenthaler Original-Zuchtvieh Beschluß ge­faßt 2C.

Gauvortuvnecsiunde. Nächsten Sonntag Nachmittags 3 Uhr findet in Offenbach und Hanau unter Leitung der Gauturnwarte H a r t- Hanau und Henkel- Offenbach die letzte diesjährige Gauvorturnerstunde des Verbandes Offenbach-Hanau statt.

Verstorben. Vergangene Nacht verstarb plötzlich eine stadtbe­kannte, beliebte, sich allgemeinster Achtung erfreuende Persönlichkeit, Herr Friedrich Walther. Der Verstorbene gehörte eine lange Reihe von Jahren unserer städtischen Körperschaft an; hier wirkte er jederzeit und mit großem Verständniß, wenn es galt etwas zur Verschönerung der Stadt beizutragen, war überhaupt der Schöpfer mancher schönen städtischen An­lage, wie er überhaupt stets sich bereit finden ließ eine gemeinnützige Sache zu unterstützen. Walther bekleidete auch eine Reihe von Jahren die Stelle eines stellvertretenden Vorsitzenden im hiesigen Verschönerungs­verein und erst in der vergangenen Dienstag stattgefundenen Generalver­sammlung dieses Vereins fiel die Wahl wieder einstimmig auf ihn. In genanntem Vereine zeigte er sich ebenfalls durch seine praktische Anregungen jederzeit als sehr werthvolles Vorstandsmitglied. R. i. p.

Zur Wasserversorgung. Soeben werden in der Altstadt die Nivellcmentsarbciten behufs Herstellung der Wasserleitung vorgenommen.

Für Labenbesiyer. Die gefrorenen Fensterscheiben verursachen den Geschäftsleuten während der Winterszeit immer viel Kopfschmerzen. Wir theilen deshalb ein Mittel, die gefrorenen Fensterscheiben sofort klar zu machen, hier mit. Dies gelingt, wenn man etwa eine Hand voll Koch­salz oder Alaun in einem halben Liter warmen Wassers auflöst und mit­telst eines großen Borstenpinsels die gefrorenen Scheiben mit der Flüssig­keit bestreicht. Das Eis verschwindet sofort. Bei sehr heftigem Froste so­gleich abzutrocknen.

Hessenland. Inhalt der Nummer 22 desHessenlandes":Sehn­sucht nach der Heimath", Gedicht von R. Ritter;Der Name Hessen und das Chattenland sowie die Gebietsentwickelung der Landgrafschaft", Vor-