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Nr. 265.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mittwoch den 13. November

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Die 2 (palt. Zeile

20 Psg.

DieSixaktigeZeile 30 Psg

1889

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Zahnbürste. Ein Regenschirm. Ein Paar schwarze Stauchen nebst Schlüssel; Empfangnahme beim Milchkutscher zu Bruderdiebacher-Hof.

Verloren: Ein dreireihiges Korallenkettchen.

Entlaufen: Ein dunkelgestreifter Doggenhund mit weißem Hals und 4 weißen Pfoten, w. Geschl.

Hanau am 13. November 1889.

t Die Kriminalität.

Die jährlichen statistischen Erhebungen über die von deutschen Ge­richten wegen Verbrechen und Vergehen Verurteilten gelten mit Recht als ein Barometer der öffentlichen Rechtlichkeit und Tugend. Seit einer Reihe von Jahren wird nun die wenig erfreuliche Beobachtung gemacht, daß die Verbrechen und Vergehen gegen den Staat, die öffentliche Ordnung, die Religion und die Person sich in steigender Progression bewegen: Die Ver­brechen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion haben vom Jahre 1882, wo 51 623 Verurtheilungen erfolgten, bis auf 62 348 im Jahre 1887 zugenommen, und die Verbrechen gegen die Person haben sich von 107 398 im Jahre 1882 bis auf 137 745 im Jahre 1887 vermehrt. Das ist ein Zeichen der zunehmenden Verwilderung und des ungesetzlichen Sinnes, welcher die Obrigkeit, die Religion und die Rechte der Mitmenschen außer Acht läßt. Insbesondere nahm die Rohheit der Gesinnung, welche sich in Körperverletzungen und Gewaltthätigkeiten offenbart, in erschreckender Weise zu: Die gefährlichen Körperverletzungen vermehrten sich von 38 291 im Jahre 1882 auf 53 759 im Jahre 1887.

Dagegen bewegte sich die Zahl der Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen, welche sich aus der wirthschaftlichen Noth erklären, schon seit dem Jahre 1882 in absteigender Richtung: damals wurden 169 334 verurtheilt, im Jahre 1887 dagegen 154 652. Dieser Rückgang läßt darauf schließen, daß sich die wirthschaftlichen Verhältnisse im Allgemeinen gebessert und dazu beigetragen haben, die Zahl der Diebstähle zu vermindern.

Jetzt liegt nun eine statistische Übersicht für 1888 vor: diese weist einen weiteren Rückgang der Verbrechen gegen das Vermögen auf und be­kundet erfreulicherweise zum ersten Male seit einer langen Reihe von Jahren einen Rückgang der Verbrechen auch gegen Staat, öffentliche Ord­nung, Religion und gegen die Person.

Um von letzteren zuerst zu reden, so hat sich die Zahl der Verbrechen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion von 62 348 im Jahre 1887 auf 61806 im Jahre 1888, die Zahl der Verbrechen gegen die Person von 137 745 auf 134 670 vermindert; der Hausfriedensbruch nahm von 15 969 aus 14 851; Gewalt und Drohungen gegen Beamte von 13 447 auf 12 387, der Meineid von 867 auf 797 ab. Die Beleidigungen verminderten sich von 44 084 auf 42 959, die einfache Körperverletzung von 19 202 auf 18 374, die gefährliche Körperverletzung von 55 821 auf 55 223, der Mord von 142 auf 117 Fälle.

Man wird freilich hieraus noch nicht allzuweit gehende Schlüsse ziehen können, da hierzu erst die Erfahrung mehrerer Jähre erforderlich ist. Immerhin darf es als ein charakteristisches Anzeichen aufgefaßt werden, daß während bei all diesen Verbrechen und Vergehen fast ausnahmslos eine fortwährende und regelmäßige Steigerung zu beobachten gewesen ist, nun­mehr fast überall in gleichem Maße ein Rückgang eingetreten ist. Vielleicht darf man diese Erscheinung darauf zurückführen, daß das ereignißreiche Jahr 1888 in Etwas die Zügellosigkeit der niederen Leidenschaften gemildert und das Bewußtsein für Ordnung und Gesetzlichkeit im Allgemeinen etwas verschärft hat; freilich zeigt jenes Jahr gerade eine Zunahme der Ver- urtheilung wegen Majestätsbeleidigung (von 540 im Jahre 1887 auf 552).

Der weitere Rückgang der Verbrechen gegen das Vermögen sie haben sich von 154 745 im Jahre 1887 auf 152 652 vermindert be­stätigt vollkommen die Richtigkeit der in den Vorjahren zu Tage getretenen Auffassung von der Verbesserung der wirthschaftlichen Verhältnisse und ge­währt volle Berechtigung zu der Auffassung, daß auch das Jahr 1888 sich im Ganzen gesunder wirthschaftlicher Verhältnisse erfreut (ab Nichts kann besser die Grundlosigkeit der Klagen der Opposition über den Rückgang

dieser Verhältnisse beweisen, als eben jene deutlich genug sprechende That­sache.

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 12. Novbr. In der heutigen (13.) Plenarsitzung des Reichstags wurde in die zweite Berathung des Etats für 1890/91 eingetreten. Beim Etat des Reichstags wurden einige Wünsche geschäftlicher Natur vorgebracht. Beim Etat des Reichs­kanzlers und der Reichskanzlei erklärte der Staatssekretär des Innern Staats- ministcr Dr. v. Bötticher auf Anregung des Abg. Richter (dfr.), daß das Urtheil der Jury über die Platzfrage des Nationaldenkmals für den hoch­seligen Kaiser Wilhelm dem Reichstage vorgelegt werden werde, daß aber die schließliche Entscheidung über diese Angelegenheit selbstredend bei den ge­setzgebenden Faktoren des Reichs liege. Auf die Ausführungen des Abg. Boeckel (fraktionslos) über Mißstände bei den Abzahlungsgeschäften erwidert der Herr Staatssekretär des Innern, daß die Reichsregierung auf Abhilfe der Umstände bedacht sei, daß aber ein Vorgehen auf diesem Gebiete nicht leicht sei, weil derartige Geschäfte zum Theil einem wirklichen Bedürfnisse der kleinen Leute entsprächen. Abg. Richter (dfr.) wünscht Aufschluß darüber, wie der Reichskanzler über die neulich angeregte Frage eines be­sonderen Reichssinanzmisters denke. Staatssekretär des Innern Staats­minister Dr. v. Boetticher erwidert, daß er die Ansicht des Herrn Reichs­kanzlers über die Frage nicht kenne, daß aber der Bundesrath keine Ver­anlassung gehabt habe, auf eine gelegentliche Aeußerung eines Abgeordneten hin sich mit einem Gegenstände zu beschäftigen, der eine Verfassungsän- derung involvire. Beim Etat der Reichs-Justizverwaltung gingen ver­schiedene Redner auf den Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuchs ein; im Allgemeinen erklärte man sich indeß darüber befriedigt, daß das große Werk so weit gediehen sei. Der Staatssekretär des Reichs-Jnstizamts v. Oehlschläger erklärte, daß die Vollendung des Werks wohl nicht mehr so lange ausstehen würde, als man vielfach annehme, ein bestimmter Zeit­punkt lasse sich heute indessen nicht angeben. Die zahlreichen Kundgebungen aus allen Kreisen, welche der Entwurf hervorgerufen habe, seien ein er­freulicher Beweis für die Antheilnahme des ganzen Volkes an dem Zustande­kommen des Werkes.

Bei dem Etat des Reichsamts des Innern ging Abg. Lingens (Zentr.) auf die Berichte und die Stellung der Fabrikinspektoren ein. Abg. Frohme (Soz.) hält das Koalitionsrecht der Arbeiter gefährdet, wirft den Fabrik­inspektoren vor, nur den Interessen der Arbeitgeber zu dienen. Staats­sekretair des Innern Staatsminister Dr. v. Boetticher erklärt dem gegen­über, daß ihm nichts übrig bleiben werde als ein Votum des Hauses darü­ber einzuholen, in welcher Weise die Vorlegung dieser Berichte eigentlich erfolgen solle, und weist die Angriffe zurück, welche der Vorredner gegen die Fabrikinspektoren erhoben hatte. Thatsächlich geschähe zum Schutze der Arbeiter fortdauernd immer mehr. Das Koalitionsrecht werde non Nie­mandem angegriffen, aber durch die sozialdemokratische Agitation und Presse werde planmäßig das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbei­tern gestört. Die weiteren Bemerkungen des Abg. Frohme widerlegt der Herr Staatsminister Dr. v. Boetticher als jeden Beweises ermangelnd. Nachdem noch der Abg. Dr. v. Frege (deutschkons.) darauf hingewiesen hatte, daß eine Besserung der Lebenslage der Arbeiter sich allgemein be­merkbar mache, und daß die Behauptung des Abg. Frohnie bezüglich Sach­sens durchaus unbegründet, wurde die Berathung um 50« Uhr vertagt. Nächste Sitzung morgen Nachmittag 1 Uhr (Initiativanträge).

Berlin, 12. Nvobr. DemR. u. St.-A." ist aus Venedig, vom heutigen Tage, folgende Meldung zugegangen: Das Kaiserliche deutsche Ge­schwader ist im Hafen von Malamocco angekommen und setzt alsbald seine Fahrt nach Venedig fort. Die Mitglieder der städtischen Behörden sowie zahlreiche Vereine hatten sich mit Musikkorps an Bord um 100s Uhr auf zehn Dampfern zur Begrüßung Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin nach Malamocco begeben.

Berlin, 12. Novbr. Die Budgetkonimission hat bezüglich des Etats der Verwaltung der Eisenbahnen beschlossen, die fortdauernden Ausgaben in der Centralverwaltung (Titel 1 bis 12) und in der Betriebsverwaltung (Titel 13 bis 27) sämmtlich mit den bei einzelnen Titeln in Ansatz ge