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Dienstag oen 12. November
1889
Amtliches.
BekänntM^chuNgeN Königl. Landrathsamis.
Eduard Niedenthal 2r zu Oberrodenbach ist an Stelle des verstorbenen Martin Peter als Ortsschätzer-Stellvertreter für die Abschätzung von Gebäulichkeiten und Baugrundstücken in Oberrodenbach auf Widerruf bestellt und in Pflicht genommen worden. Unter Bezugnahme auf das in Nr. 54 des Kreisblattes vom 1. März 1886 veröffentlichte Nameusver- zeichniß der Ortsschätzer und deren Stellvertreter wird solches hiermit bekannt gegeben.
Hanau am 4. November 1889.
Der Königliche Landrath
V. 7149 v. Oertzen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorstcher des hiesigen Kreises, in deren Bezirken Fabriken vorhanden sind, welche jugendliche Arbeiter beschäftigen, haben die bezügl. Nachweisungen bis spätestens zum 1. Dezember d. I. einzureichen, bei Meidung kostenpflichtiger Abholung, event, ist Vakat- Anzeige zu erstatten.
Hanau am 9. November 1889.
Der Königliche Landrath
P. 7281 v. Oertzen.
DieNst-NKchrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein katholisches Gebetbuch in französ. Sprache. Ein Buch, Heimathskundc von Hessen-Nassau und dem Fürstenthum Waldeck. Ein weißes Taschentuch mit Spitzen.
Zugelaufen: Am 5. ds. Mts. am Bruchköbler Bahnhof ein schwarzer Jagdhund mit weißer Brust, m. Geschl.; Empfangnahme beim Nebenbürgermeister G o p zu Butterstädterhöfe.
Verloren: Ein goldener Ring.
Hanau am 12. November 1889.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 11. Novbr. In der heutigen (12.) Plenarsitzung des Reichstags kam zunächst der von den Abgg. Rickert und deutschfreisinnigcn Genossen eingebrachte Gesetzentwurf betr. Abänderung der Militär-Strafgerichtsordnung, wonach verabschieden Offiziere (nicht die Offiziere z. D.) der Militärgerichtsbarkeit nicht unterworfen sein sollen, zur Berathung und wurde in zweiter Lesung mit erheblicher Majorität angenommen. Hierauf begründete der Abg. Rickert (dfr.) die Resolution betr. Vorlegung des Entwurfs einer Militärstrafprozeßordnung, indem er namentlich darauf hinwies, daß die Nothwendigkeit einer Reform von allen Seiten längst anerkannt sei, auch eine dahin zielende Vorlage schon im Jahre 1876 seitens der verbündeten Regierungen in Aussicht gestellt worden sei. Nachdem noch der Abg. Groeber (Ztr.) sich für den Antrag ausgesprochen hatte, erklärte sich der Abg. Fieser (nat.-lib-) mit dem ersten Theil des Antrags zwar einverstanden, beantragte aber den zweiten Theil desselben, wonach die Militärgerichtsbarkeit im Frieden auf Dienstvergehen der Militärpersonen beschränkt sein soll, zu verwerfen, weil es nicht angängig sei, die Militärpersonen zwei verschiedenen Autoritäten zu unterstellen. Hierauf wurde in getrennter Abstimmung der erste Theil des Antrages angenommen, der zweite abgelehnt. Darauf kam der ebenfalls von freisinniger Seite gestellte Antrag betr. den Schutz der Wahlfreiheit zur Verhandlung. Nachdem Abg. Rickert (dfr.) den Antrag begründet, erklärt sich auch Abg. Singer (Soz.) für denselben, wenn er sich auch keinen wirksamen Erfolg versprach. Abg. Müller-Marienwerder (Rp.) wies dagegen nach, daß der Antrag ungerechtfertigt und zwecklos sei und beantragte eine motivirte Tagesordnung. — Der badische Bundesbevollmächtigte Frhr. v. Marschall wies die Angriffe, welche der Abg. Rickert gegen die badische Regierung wegen Handhabung des Sozialistengesetzes bei Gelegenheit der Wahlagitation in Offenburg gerichtet hatte, bestimmt zurück. Nachdem sich darauf der Abg. Fieser (nat.-lib.) im Sinne der Ausführungen des Abg. Müller ausgesprochen hatte, und der Abg. Träger (dfr.) für den Antrag ein getreten war, wobei er erklärte, daß man nicht eher sich beruhigen dürfe, als bis die Regierung aufhöre, die „Wahlmache" als einen
Theil der Regierungskunst zu betrachten, wurde ein Vertagungsantrag abgelehnt; ein Schlußantrag dagegen genügend unterstützt. Inzwischen bezweifelte der deutschfreisinnige Abg. Schmidt (Elberfeld) die Beschlußfähigkeit deS Hauses. Der Namensaufruf ergab auch die Anwesenheit von nur 108 Mitgliedern. Das Haus war also nicht beschlußfähig. Schluß der Sitzung 5-/4 Uhr — Nächste Sitzung Dienstag den 12. Nov., Nachmittags 1 Uhr. (Zweite Berathung des Etats).
Berlin, 11. Nvobr. Nach einem Erlaß des Kriegs-Ministers vom 21. Oktober hat Se. Majestät der Kaiser und König Bestimmungen über die Allerhöchstdemselben sowie anderen Fürstlichen Personen bei Reisen tn den preußischen Staaten Seitens der Militärbehörden zu erweisenden Ehrenbezeugungen zu genehmigen geruht. Die Bestimmungen werden den Kommando-Behörden rc. demnächst in derselben Anzahl von Abdrucken zugehen, wie dies nach dem Druckvorschriften-Etat hinsichtlich der Garnison- dienst- Vorschrift festgesetzt worden, wie denn überhaupt die Bestimmungen als Anlage 2 der letzterwähnten Vorschrift zu betrachten sind.
Berlin, 11. Novbr. S. M. Yacht „Hohenzollern", Kommandant Kapitän zur See v. Arnim, sowie das Uebungsgeschwader, bestehend aus S. M. Panzerschiffen „Kaiser" (Flaggschiff), „Deutschland", „Preußen , „Friedrich der Große", S. M. Kreuzer - Korvette „Irene und S. M. Aviso „Wacht", Geschwader-Chef Kontre-Adniiral Hollmann, sind am 10. November d. J. von Corfu in See gegangen. — S. M. Kreuzer-Korvette „Carola", Kommandant Korvetten - Kapitän Valette, ist am 10. November d. J. von Janzibar nach Bombay in See gegangen.
Berlin, 10. Novbr. (K. Z.) Es ist zweifellos, daß der Reichstag in dieser Session seit der Präsidentenwahl nicht wieder in beschlußfähiger Anzahl zusammen war; wenn sich die Abgeordnete nicht bald entschließen, ihrer Pflicht gemäß ihre Plätze im Reichstage einzunchmen und für die Beschlußfähigkeit zu sorgen, so wird dies, ganz abgesehen von der Verzögerung der Berathung, zu höchst unliebsamen Zuständen führen. Die Linke ist entschlossen, bei jeder Gelegenheit, wo ihren Anträgen von der Rechten Schwierigkeiten bereitet werden, die Auszählung des Hauses zu beantragen. Hoffentlich werden die bevorstehenden wichtigen Etatsbcrathun- gen vor besetztern Bänken stattfinden.
Berlin, 10. Nov. Hundert amerikanische Schützen, welche zum nächstjährigen deutschen Bundesschießen hierher kommen wollen, haben bereits im „Kaiserhof" Quartier bestellt. Gleichzeitig haben sic Vorschläge für ein pomphaftes Bankett erbeten, das sie daselbst für 300 Personen zu geben beabsichtigen. Sie gehen anscheinend ganz sicher, beim schon jetzt find aus ihren Wunsch Entwürfe von Speisekarten an sie hinübergesandt worden. Den Kern des Besuches werden die New-Yorker Independent-Schützen bilden, die unter ihrem Kapitän I. J. Dicst vor vier Jahren ein großes Fest m Bingen veranstalteten. (W
Breslau, 10. November. Der heute hier abgehaltene soziaüstflchc Parteitag für Schlesien beschloß, zum ersten Wahlgange in allen schlesischen Wahlkreisen, wo Aussichten auf Stimmen vorhanden sind, eigene Kandidaten aufzustcllen, bei de« Stichwahlen aber nur dort zu stimmen, wo Sozialisten in engere Wahl kommen. Jeder Kompromiß wird ausgeschlossen. Der freisinnigen Partei wurde offene Absage geleistet.
Danzig, 11. November. Heute Nachmittag strandete bei Neufahr der Schwedische Schooner „Marie" mit einer Koaksladung von Lübeck kommend. Die aus 5 Mann bestehende Besatzung wurde durch Neusährer Fischer gerettet. (9r-
Nordhausen, 10. Nov. Eine Anzahl Kunden eines hiesigen Barbiers und Friseurs sind, nach der „K. Z." durch Uebertrazung von Ansteckungsstoff mittels Rasirmessers von bösartigem Ausschlag befallen werden. Die Polizeiverwaltung hat nun auf Grund eines Gutachtens des Krcisphysikus den Friseuren und Barbieren unserer Stadt bei Strafe auf- gegeben, ihre Instrumente nach dem Gebrauch jedesmal sofort (mit Karbol oder Kreolin) gehörig zu desinfiziren.
Lehrte, 10. Nov. Der seit 14 Jahren in Burgdorf wohnende Gendarm Schanz wurde von dem Polizeidicner Steinhoff auf offener Straße mit scharfer Waffe angegriffen und durch Säbelhiebe am Kopfe lebensgefährlich verletzt. Der Verletzte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, ist nach Hannover ins Militärlazarett gebracht worden.