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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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DieSfpaltigeZeile 30 Pfg

Nr. 161.

Freitag den 8. November

1889

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des H. 12 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie wird hier­durch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Nr. 43 des XL Jahr­gangs derNeuen Tischlerzeitung", verantwortlicher Redakteur Richard Müller, Hamburg, Herausgeber W. Gramm, Hamburg, Druck von I. H. W. Dietz in Hamburg, nach §. 11 des gedachten Gesetzes Seitens der unterzeichneten Landes-Polizeibehörde verboten worden ist.

Hamburg den 28. Oktober 1889.

Die Polizeibehörde. Senator Hachmann, Dr.

Bekanntmachung.

Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs.

Von der im Kursbüreau des Reichs-Postamts bearbeiteten neuen Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs sind jetzt die Blätter XV, XVII und XVIII erschienen. Blatt XV enthält die an die Provinz Schlesien im Osten angrenzenden Theile von Rußland und Oester­reich-Ungarn. Die Blätter XVII und XVIII umfassen den südlichen Theil von Baiern und Württemberg, sowie die angrenzenden Theile von Oester­reich-Ungarn und der Schweiz.

Die Blätter können im Wege des Buchhandels zum Preise von 2 M. für das unausgemalte Blatt und 2 M. 25 Pf. für jedes Blatt mit farbiger Angabe der Grenzen von dem Verleger der Karten, dem Berliner Lithographischen Institut von Julius Moser (Berlin W., Potsdamerstraße 110) bezogen werden.

Berlin W., 26. Oktober 1889.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.

In Vertretung:

. Sachse.

Bekanntmachung.

Am 1. Oktober 1889 sind im Rcichspostgebiet neue Postwerth- zeichen eingeführt. Die neuen Marken unterscheiden sich von den jetzt gültigen im Wesentlichen dadurch, daß der ihnen aufgedruckte Reichs­adler und die Reichskrone der durch den Allerhöchsten Er­laß vom 6. Dezember 1888 festgcstellten Form entsprechend abgeändert worden sind.

Was die Farbe der neuen Werthzeichen betrifft, so werden die Marken zu 3 Pf. in braun, zu 5 Pf. in grün , zu 25 Pf. in orange und zu 50 Pf. in rothbraun hergestellt, während bei den Marken zu 10 Pf. und 20 Pf., wie bisher, die rothe bz. blaue Farbe zur Verwendung kommen wird.

Durch die Einführung der neuen Werthzeichen wird auch eine Neu­ausgabe der gestempelten Briefumschläge und Streifbänder, sowie der ge­stempelten Formulare zu Postkarten, Postanweisungen u. s. w. bedingt. Entsprechend der veränderten Farbe der neuen Marken zu 3 Pf. und 5 Pf., erhalten die Streifbänder einen Aufdruck in brauner, die Postkarten für den inneren Verkehr einen Aufdruck in grüner Farbe. Außerdem kommt bei dem Aufdruck der bezeichneten Paarten die deutsche anstatt der lateinischen Schrift in Anwendung.

Mit der Ausgabe der neuen Werthzeichen bz. einer Gattung derselben an das Publikum dürfen die Verkehrsanstalten erst dann beginnen, wenn die vorhandenen Bestände an alten Werthzeichen derselben Gattung verkauft sein werden. Die Bestimmung des Zeitpunktes, von welchem ab die jetzigen Freimarken rc. ihre Gültigkeit verlieren, wird später erfolgen.

Berlin W., 1. November 1889.

Der Staatssekrctair des Reichs-Postamts, von Stephan.

tVertheuerungspolittk."

Wirtschaftliche Erscheinungen lassen sich nie nach mathematischen Formeln berechnen, denn sie sind das Produkt verschiedener gegen einander wirkender Kräfte." Man sollte kaum denken, daß ein Freisinniger und Freihändler so einsichtsvoll ist, eine solche Wahrheit anzuerkennen und aus­

zusprechen. Und doch hat dies sogar Herr Eugen Richter in der letzten Budgetdebatte gethan. Hiermit hat er sich aber offenbar in einen direkten Widerspruch mit der sonstigen Gepflogenheit der Freihändler gesetzt. Haben diese nicht vor zehn Jahren ganz genau den Verfall und Untergang der deutschen Industrie als Folge der Schutzzollpolitik prophezeit? Haben sie . nicht von den Getreidezöllen sich die erschrecklichsten Wirkungen versprochen?

Aber man irrt, wenn man die einsichtsvolle Bemerkung des Herrn Richter als ein Zeichen der Ein- und Umkehr ansehen wollte. Nicht nur daß trotzdem und alledem nach wie vor von Freisinnigen und Freihändlern und so auch von ihm selbst frischweg nach mathematischen Formeln oder sogar nur nach politischen Dogmen die künftigen wirthschaftlichen Erschei­nungen berechnet werden, es wird auch von ihnen in Verbindung mit den Sozialdemokraten der Versuch gemacht, die Erscheinungen der Gegenwart als eine Bestätigung ihrer früheren falschen mathematischen oder politischen Berechnung auszulegen und einen Sturm gegen die schutzzöllnerischc Ver- thcuerungspolitik heraufzubeschwören.

Wenn man sich in den Berechnungen der Zukunft täuscht, so wird man leicht Absolution erhalten. Wenn man es aber unternimmt, ein ver­kehrtes Bild von der Gegenwart zu entwerfen und ein £ für ein U zu machen, so kann man nicht mehr auf die Zubilligung mildernder Umstände Anspruch machen. Die Freisinnigen und Sozialdemokraten werden jeden­falls von dem Richter wir meinen das deutsche Volk bei den Wahlen nicht freigesprochen werden ob ihrer verkehrten Darstellung von den Wir­kungen der Schutzzollpolitik, mit welcher sie unter der Anklage derVer- theuerungspolitik" im Reichstage den Wahlseldzug begonnen haben. Denn die Thatsachen widersprechen ihnen.

Insbesondere hat die Opposition die gegenwärtig höheren Getreide­preise wie ein gutes Omen für ihre eigene Sache begrüßt. Der September­preis für Weizen betrug im Durchschnitt 188,02 M. pro Tonne sür Berlin, für Roggen 158,46 M. Die Preise sind in der That erheblich höher als die vorjährigen Durchschnittspreise, welche 172,2 M. bezw. 134,5 M. be­trugen, ja für 1886 ist sogar ein Durchschnittspreis von 151,3 M. für Weizen, und für 1887 ein Durchschnittspreis von 120,9 M. in den Statistischen Jahrbüchern" verzeichnet. Aber jene Preise waren so niedrig, daß im dringendsten Interesse der Landwirthschaft eine baldige Aufbesserung durch Erhöhung der Zölle geboten war. Diese letzte Erhöhung, welche mit Beginn des Jahres 1888 in Kraft trat, hat, wie man sagen kann, in Etwas ihre Schuldigkeit gethan: Der Landmann braucht wenigsteus nicht mehr beim Verkauf seiner Produkte zuzusetzen. Aber die vorhin erwähnten Septemberpreise dürfen nicht als eine ungerechtfertigte und schädliche Wir­kung der Zollpolitik überhaupt hingcstellt werden. Denn sie bleiben noch weit hinter den Preisen zurück, welche vor Einführung der Getreidczölle im Jahre 1880 Henschten. Im Jahre 1879 kostete der Weizen 196 M., im Jahre 1878: 202 M.; 1877: 230; 1876: 210; 1875: 196; 1874: 240; 1873: 264; 1872: 242; 1871: 234; 1870: 204; 1869: 194; 1868: 250; 1867: 258; 1866: 196, und erst im Jahre 1865 finden wir einen Preis, nämlich 163 M., welcher niedriger ist, als der diesjährige Septemberpreis. Mit dem Roggen verhält cs sich ziemlich ebenso, 18671870 und 187177 war der Preis erheblich höher, in den Jahren 18541856 bewegte er sich sogar zwischen 208 und 213 M.

So stand es in der Freihandelsära. Wenn die Opposition die gegenwärtigen Getreidepreise als für den kleinen Mann unerschwinglich hinstellt, so ist das ein Verfahren, für welches uns der parlamentarische Ausdruck fehlt. Mit derVertheuerungspolitik" ist es jedenfalls Schwindel.

NR. Daß die deutsche Industrie

und insbesondere die wichtigsten Zweige derselben für die Versorgung des heimischen Marktes reichliche und gewinnreiche Beschäftigung finden, ist ohne Zweifel eine überaus schätzenswerte Erscheinung. Dies gilt insbesondere auch von der Rückwirkung aus die Verhältnisse, der Arbeiter. Reichliche Betriebsgelegenheit und erhöhter Arbeitsverdienst sind deren naturgemäße Folge, welche allerdings wenigstens zunächst je nach der Betheiligung des Industriezweiges an der Befriedigung des erhöhten Bedarfes sich abstuft. Diese Rückwirkung ist um so erwünschter, als die erhebliche Verbesserung des Arbeitsverdienstes die gleichzeitig eingetretene Erhöhung der Preise wichtiger Lebensbedürfnisse im Durchschnitt mehr als ausgleicht. Unter