an unser königliches Haus einen wohlthuenden Trost. — Das Antwort- schreiben des Prinzen “'sagt, daß unter den vielen Beweisen inniger Theilnahme, welche auläßlich jenes Anschlages auf sein Leben allerseits ihm zu Theil geworden, die herzlichen Worte, welche der Ständische Ausschuß Namens der Vertretung des gesammten württembergischen Volkes an ihn gerichtet habe, ihn mit tiefer Rührung erfüllen. Er sage dafür seinen tiefgefühlten Dank. (Fr. N.)
Stuttgart, 28. Oktober. In der Nähe derselben Stelle der Bahn Vaihingen-Stuttgart, wo jüngst das Eisenbahnunglück eingetreten war, ist heute Mittag die Lokomotive des Personenzuges entgleist. In Folge dessen sind zwar keine Verletzungen von Menschen, dagegen Beschädigungen an dem Wagenmaterial und am Bahnkörper vorgekommen. (Rh. K.)
In der protestantischen Kirchenbibliothek zu Neustadt a. Aisch wurden, dem „Chemnitz. Tagebl." zufolge, mehrere werthvolle eigenhändige Briese von Luther und Melanchthon gefunden, die, um sie dem Publikum zugäuglich zu machen, dem Germanischen Museum in Nürnberg übergeben wurden.
Wien, 28. Oktober. Die Blätter melden, nach den „Fr. N.": Der Staats-Eisenbahnrath nahm mit überwiegender Majorität den Antrag Ruß auf Herabsetzung der Personentarife beziehungsweise Einführung des Zonentarifs an. Der Handelsminister erklärte, dieser Beschluß werde sorgfältigst geprüft werden, namentlich mit Rücksicht auf die Staatsfinanzen, um das nur mühsam errungene Gleichgewicht nicht zu stören. Der Minister fügte hinzu, die Zeitungsnachrichten von dem Budgetüberschuß des Jahres 1890 in der angegebenen so namhaften Höhe beruhten auf argen Uebertreibungen.
Äthen, 28. Oktober. (K. Z.) Bei der gestrigen Galatafel brachte der Kaiser den Trinkspruch auf die griechischen Majestäten, das griechische Volk und die königliche Hauptstadt aus, welche Ihm und der Kaiserin einen so glänzenden, herzlichen Empfang bereiteten. Er schätze sich glücklich, daß seine Schwester Griechenland angehören werde, und sei überzeugt, daß sie in dem erlauchten griechischen Königspaarc zweite Eltern finden und daß sie vom griechischen Volke mit Liebe ausgenommen werde. Brausende Hurrahs folgten dem hierauf ausgebrachten Hoch. Sodann brachte der König von Griechenland einen Trinkspruch auf die Kaiserin Friedrich aus. Der König von Griechenland verlieh dem Prinzen Heinrich von Preußen, dem Herzog von Mecklenburg und dem Staatssekretär Grafen Herbert Bismarck das Großkreuz des Erlöser-Ordens. — Morgen findet bei dem deutschen Gesandten Lemaistre ein Frühstück statt, an welchem der Kaiser theilnimmt.
Athen, 28. Okt. Nach langsamer Rundfahrt durch die Stadt begaben sich die Neuvermählten, deren Wagen von Kavallerie geleitet wurde, in den Palast des Kronprinzen. In einem zweiten Wagen folgte der Hofstaat. Am Palast empfing sie der König. Alle drei erschienen auf dem Balkon, die Kronprinzessin öffnete selbst das Schloß der Balkonthür. Stürmischer Volkâjubel empfing sie. Heute Abend beeinträchtigte heftiger Wind die Beleuchtung. Vor dem Schloß sind zwei 30 Meter hohe Thürme mit 6000 Lampen aufgebaut. Auf den Straßen wogt eine fröhliche, festfrohe Menge, namentlich viele Provinziale in ihren Nationaltrachten. Allgemein bespricht man das liebliche Aussehen und das bezaubernde Benehmen der Kronprinzessin und das herrliche Gelingen der Festtage, wie solche Griechenland seit dem Alterthum nicht erlebt habe. — Der Kaiser dürfte auf der Rückreise von Konstantinopel nach Venedig, Troja und den Peloponnes besuchen. Nach Konstantinopel begleiten ihn wahrscheinlich nur ein Aviso und das Kaiserschifi, die übrige Flotte würde außerhalb der Dardanellen seine Rückkehr erwarten. Das kaiserliche Gefolge folgt mit dem Lloyddampfer „Danzig" nach Konstantinopel. Der Ministerpräsident Trikupis erhielt das Großkreuz des Rothen Adlerordens, Minister Dra- gumis und der Gesandte Lemaistre die erste Klasse desselben Ordens. Beim gestrigen Prunkmahl wurden drei unpolitische Trinksprüche gehalten. König Georg sprach in französischer Sprache auf das Brautpaar und die Gäste. Der^Kaiser antwortete in deutscher Sprache und feierte die neue Familie, die Schwester, Griechenland und den König und schloß mit einem griechischen Hochrufe, was stürmisch ausgenommen wurde. (K. Z.)
Athen, 28. Oktober. Im Königsschlosse fand heute von 10Vs bis 1 Uhr die Zeremonie des Handkusses statt. Die gejammte Generalität, die höheren Offiziere und die Damen der vornehmen Gesellschaft defilirten im Thronsaale vor dem Kronprinzen Konstantin und seiner Gemahlin, deren Hände sie küßten. (Fr. N.)
Pirèins, 28. Oktober. Der Prinz von Wales reiste heute Nachmittag um 1 Uhr unter Kanonensalut und dem Paradiren aller Kriegsschiffe ab. Die Kaiserin Friedrich war anwesend.
Bern, 28. Oktober. In der gestrigen Jahresversammlung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei wurde die Aufstellung ausgesprochen sozialdemokratischer Kandidaturen zu den Nationalrathswahlen, wo dies immer nur möglich sei, beschlossen; ferner die Bekämpfung jeder weiteren Ausdehnung der politischen Polizei und die Ueberwachung des Verhaltens der Kantone gegenüber derselben.
Paris. Die in die neue Kammer gewählten Imperialisten haben folgendes autographirte Rundschreiben erhalten: Mein Herr! Die Sache der Volksnbstammung hatte von jeher in Ihnen einen warmen Vertheidiger.
Sie werden dieselbe fortan in der Kammer unterstützen, wie Sie es bisher im Wege der Presse thaten. Ich weiß, daß Sie zu denen gehören, deren Ueberzeugungen unerschütterlich sind. Seien Sie, mein Herr, meiner besten Gesinnung versichert. V. Napoleon. — Setzen wohl, so fragt der „Radikal", die Imperialisten dem ältesten Sohne Plon-Plons eine Jahresrente von 40 000 Franken aus, damit er so albernes Zeug aus Brüssel herüberschicke?
London, 28. Oktober. (K. Z.) Auläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten in Athen bringen die Morgenbläteer sympathische Artikel. Die „Morning-Post" meint, die Verbindung der beiden Länder werde nicht ermangeln, eine Rückwirkung auf die Orientfrage auszuüben. England werde es stets mit Genugthuung betrachten, wenn Deutschland einen mäßigenden und beschwichtigenden Einfluß auf Griechenland ausübe, weil dies zur Aufrechterhaltung des europäischen Friedens beitrage.
Breme«, 27. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hohenzollern" ist am 19. d. Mts. in Adelaide eingetrofscn.
Triest, 27. Oktober. Die Lloyddampser „Thalia" und „Urauo" sind aus Konstantinopel hier eingetroffen.
New-Nork, 27. Oktober. Der Dampfer „Erin" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist gestern hier eingetroffen.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
Hat der Käufer einer ihm von einem andern Orte übersendeten Waare die im Art. 347 Abs. 1 des Handelsgesetzbuches vorgeschriebene Untersuchung beim Empfange der Waare unterlassen, so verliert nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilseuats, vom 1. Dezember 1888, der Käufer dadurch nicht das ihm durch Art. 349 Abs. 1 Handelsgesetzbuches hinsichtlich der bei der sofortigen Untersuchung nicht erkennbaren Mängel eingeräumte sechsmonatliche Rügerecht. Die sechsmonatliche Rügefrist des Art. 349 des H.-G.-B. nach der Ablieferung der Waare an den Käufer ist uach dem erwähnten Urtheil des Reichsgerichts, nach Maßgabe des Art. 328, Abs. 1 Z. 2 (wonach die Frist mit demjenigen Tage des letzten Monats abläuft, welcher durch seine Zahl dem Tage der Waarenlieferung entspricht), und nicht nach den bezügl. landrechtlichen Bestimmungen zu berechnen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Erledigte Stellen im Bereiche des IL Armeekorps. Brilon, Magistrat, Polizeidiener, 900 Mk. jährlich. — Fulda, Postamt, Briefträger, 800 Mk. Gehalt und 108 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. — Mainz, Postamt, Briefträger und Postschaffner, je 800 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeldzuschuß.
Haltskollekte. In den nächsten Tagen wird bei den evangelischen Einwohnern unserer Stadt eine Hauskollekte für den Bau einer neuen evangelischen Kirche zu Fulda erhoben werden. Die alte mit dem Gymnastalgebäude dortselbst verbundene Kirche genügt schon lange bei der auf ca. 3000 Seelen angewachsenen Gemeinde den bescheidensten Ansprüchen nicht mehr. Deshalb wird schon seit mehr als 5 Jahren eifrig an der Beschaffung des nöthigen Baufonds gearbeitet. Möchten sich doch auch in Hanau recht viele willige Herzen und Hände finden, um der alten hessischen Bonifaziusstadt zu einem neuen evangelischen Gotteshause zu verhelfen! Die Gemeinde hat jährlich etwa 85 Konfirmanden und gehört keineswegs zu den begüterten. Deshalb gilt hier ganz besonders das Wort des Apostels Paulus Galater 6, V. 10: „Lasset uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen."
Reichsbanknebenstelle. Am 15. November d. I. wird in Vi essen eine Reichsbanknebenstelle eröffnet werden. Wechsel, welche nach dem 15. November fällig sind, werden von der Reichsbank zu denselben Bedingungen wie auf die übrigen Bankplütze angekauft.
Ermäßigung. Vom 1. nächsten Monats ab ist die Gebühr für Bestellung der Telegramme nach Landorten ohne Postverbindung von 60 auf 40 Pfennige ermäßigt.
Ersaßreserve-Uebung. Gestern haben die s. Z. zu einer zehn- bezw. sechswöchigen Ersatzreserve-Uebung eingezogene Herren Lehrer der hiesigen Schulen, wie wir hören 11 an der Zahl, wieder ihr Amt übernommen; die Vertretung derselben war angesichts des nicht herrschenden Ueber- fluffes an Lehrkräften immerhin mit Schwierigkeiten verknüpft.
Sumser. Ueber die vergangenen Samstag im „Saalbau zum Riesen" stattgehabte Abendunterhaltung des Gesangvereins „Sumser" lesen wir in der „Han. Z." folgendes: Einen prächtigen Erfolg hatte, wie wir hören, der Gesangverein „Sumser" mit einer Abendunterhaltung im „Riesen". Gediegene Chöre wechselten in bunter Reihe mit Solovorträgen ernsten und heiteren Inhaltes und gereichten die Leistungen dem Verein sowohl, wie dessen Dirigenten Herrn Lehrer Alt zu hoher Ehre. Bei dieser Gelegenheit wollen wir gerne anerkennen, daß es immer die Herren Lehrer in der Stadt und auf dem Lande bis in das kleinste Dorf hinein sind, welche durch ihr opferwilliges und meistens außerordentlich mühsames Wirken die Liebe zu Gesang und Musik in immer weitere Kreise tragen. Es ist dies auch eine Kulturmission, für die man deren Bannerträgern nicht genug danken kann.