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Hanauer Anzeiger.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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sa. 251.
Samstag den 26. Oktober
1889.
Beknnntmachnngen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878,
Aus Grund der W. 11 und 12 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878, betreffend die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, und des §. 1 der Verordnung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 23. Oktober 1878, wird die Nr. 118 des im Druck und Verlag von Adolf Geck in Offenburg erscheinenden „Südwestdeutschen Volksblattes, Offenburger Nachrichten", vom 9ten Oktober d. I., verboten.
Freiburg den 10. Oktober 1889.
Der Großherzogliche Landes-Kommissär für die Kreise Freiburg, Lörrach und Offenburg. Siegel.
Auf Grund der §§. 1 und 6 des Reichsgesctzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der in Magdeburg gegründete Verein „zur Förderung des Volkswohls und volks- thümlicher Wahlen" durch den Unterzeichneten von Landespolizciwegen verboten worden ist.
Magdeburg am 6. September 1889.
Der Königliche Regierungs-Präsident.
Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat den zu Dresden unter dem Namen: „Verein der Metallarbeiter allerBranchcn für Dresden und Umgegend" bestehenden Verein auf Grund von §. 1 Absatz 2 des Reichsgesctzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten.
Dresden am 10. Sevtcmber 1889,
Königlich sächsische Kreiâhuuplmuunsqusl. von KopPenfels.
Auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesctzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird das am 1. September d. I. in den Kreisen Beeskow-Storkow und Teltow verbreitete, eine Bezeichnung des Herausgebers und Druckers nicht enthaltende Flugblatt mit der Ueberschrift:
„Mitbürger! Kleine Leute!
Wähler des Reichstagswahlkreises
Teltow-Beeskow-Storkow!"
und mit dem Schlußsatz:
„Kandidaten der Sozialdemokratie!" hierdurch verboten.
Potsdam den 13. September 1889.
Der Regierungs-Präsident. Graf Hue de Grais.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamis.
Unter Bezugnahme auf die in Nr. 301 des Hanauer Anzeigers vom Jahre 1888 veröffentlichten Bestimmungen über Einfuhr von lebenden Pflanzen, Pflanzentheilen und Früchten nach Rußland, bringe ich zur Kenntniß der betreffenden Gewerbetreibenden, daß gemäß Anordnung der Kaiserlichen Russischen Regierung die Einfuhr nach Rußland bei Erfüllung der erwähnten Bedingungen nunmehr auch über daS Zollamt Sosnowici erfolgen kann.
Hanau am 25. Oktober 1889.
Der Königliche Landrath.
Y. 7111 I. V.: Baabe.
Iakob Adam zu Eichen in «n Stelle des verstorbenen Christoph Laubach als Ortsschätzer widerruflich bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 22. Oktober 1889.
Der Königliche Landrath.
V. 7128__I. V.: Baabe.___
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Auf der Straße von Rüdigheim nach Marköbel eine fast neue graue Pferdedecke; Empfangnahme bei dem Landwirth Peter Uhrig, ledig, zu Rüdigheim.
Hanau am 26. Oktober 1889.
Für den am 17. November 1871 geborenen Karl August Heinrich Johann Konrad Ludwig Nolde von hier ist behufs Auswanderung nach Amerika um Entlassung aus dem Staatsverband nachgesucht.
Hanau am 24. Oktober 1889.
Der Oberbürgermeister.
______________________I. V.: Heraeus.______________________
Zum 89. Geburtstag dis Grafen Moltke.
1800. 26. Oktober 1889.
Ein Mann, der für die Macht und Einheit Deutschlands so viel gethan hat wie der berühmte Schlachtendenker, Gencralfeldmarschall Graf Moltke, kann sich der Sympathie und Aufmerksamkeit des deutschen Volkes nicht entziehen. Es ist daher nur ein Tribut schuldiger Dankbarkeit, wenn wir heute daran erinnern, daß Gras Moltke am 26. Oktober seinen 89. Geburtstag feiert.
Es kann nicht unsere Aufgabe sein, bei dieser Gelegenheit aus den militärischen Lebensgang des Gefeierten hinzuweisen, denn nicht nur der Deutsche, der zu den höher stehenden Kreisen zählt, sondern auch derjenige, der den niederen Schichten des Volkes angehört, kennt die Geschichte Moltkes. Wohl aber steht es uns zu, eine Lehre für uns selbst aus dem Leben deS großen Mannes zu ziehen. Wenn wir betrachten, wie Moltke von einem Erfolge zum andern schritt, wie er in seinen jungen Jahren, die man wohl als Moltkes Wanderjahre bezeichnen kann, rastlos bemüht war, sich nach jeder Richtung hin weiter zu bilden, und wie er im Dienste des Sultans alles daran setzte, um den ihm gestellten Aufgaben gerecht zu ^D^ «bü^ mit ein«M^ &nn^H wir uns sagen, daß die bis zur Aufopferung gehende Pflichttreue des Grafen Moltke es ist, welche wir als die Urheberin seiner Erfolge ansehen müssen.
Der Dienst und seine Forderungen sind ihm jederzeit höher gegangen als die Bequemlichkeiten eines Privatlebens. Aber Moltke hat auch mit feiner Empfindung bei militärischen Operationen die völkergeschichtliche Nothwendigkeit derselben in's Auge gefaßt, er war nicht nur der Stratege, der Schlachten zu lenken wußte, sondern er war sich bewußt, einen Theil der Weltgeschichte zu entscheiden. Das ist's, was Moltke weit über die meisten berühmten Feldherren stellen wird.
Man hat im deutschen Reiche den Grafen Moltke immer „den Schweiger" genannt und es bildete sich daraus die Mythe, daß der greise Feldherr wenig oder gar nicht ergriffe. —
Welches Unrecht I Sprechen für diesen Mann nicht schon die Thaten so laut und eindringlich, daß wir bei Allem, was das Herz des Deutschen in den letzten Jahrzehnten erheben konnte, an ihn erinnert werden mußten. Und ist es in der That so, daß Graf Moltke wenig spricht, dann wird, wenn er einmal das Wort ergreift, dasselbe um so mächtiger in die Wag- schale fallen.
„Erst wägen, dann wagen!" So lautet die Devise seines Wappens und nach dieser Devise handelt er. Das was er einmal erwogen hat und für richtig erkannt hat, das wird gewagt.
Moltke ist, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, kein Schweiger. Er spricht, wie wir bei den verschiedensten Verhandlungen im Reichstage gesehen haben, mit Lebhaftigkeit und Ueberzeugung. Wer erinnerte sich nicht der denkwürdigen Rcichstagssitzung des norddeutschen Bundes im Jahre 1868, in der Moltke ausrief: „Welcher verständige Mensch würde nicht wünschen, daß die enormen Ausgaben, welche in ganz Europa sür Militärzwecke gemacht werden, für Friedenszwecke verwandt werden könnten? Auf dem Wege der internationalen Verhandlung wird dies nimmermehr zu Stande kommen. Der Krieg ist ja nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Ich sehe für den Zweck nur eine Möglichkeit, und das ist, daß im Herzen von Europa sich eine Macht bildet, die, ohne selbst eine erobernde zu sein, so stark ist, daß sic ihren Nachbarn den Krieg verbieten kann. Ebendeswegen glaube ich, daß, wenn dieses segensreiche Werk jemals zu Stande kommen soll, es von Deutschland aus gehen wird, aber erst dann, wenn Deutschland stark genug ist, das heißt, wenn es geeinigt fein wird!"