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Kugteich Amtliches ^rgcm für Stcröt- unâ Lcrrrökveis Acrncru.
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Nr. 250.
Freitag dm 25. Oktober
1889.
Amtliches.
Bekanntmachungen ans Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nicht periodische Druckschrift: „Sozialdemokratisches Liederbuch." Zwölfte Auflage. Hottingen-Zürich. Verlag der Genossenschafts-Buchhandlung. 1888, — sammt dem Anhänge: „Deklamationen" nach §. 11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landespolizeiwegen verboten worden ist.
Berlin den 5. Oktober 1889.
Der Königliche Polizei-Präsident.
Freiherr von Richthofen.
DieNft-Nachrichten KuS dem Kreise.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 24 M. 5 Pf. Ein Portemonnaie mit 4 M. Ein s. g. Mangtuch. Eine Korallenkette mit goldenem Schloß; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Entlaufen: Ein dänischer Doggenhund mit weißer Brust und weißen Pfoten, m. Geschl.
Zugelaufen: Ein getiegerter Doggenhund m. Geschl. mit geschnittenen Ohren und Ruthe; Empfangnahme bei Kaufmann Bach zu Langendiebach.
Hanau am 25. Oktober 18ö9. — ——
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 24. Okt. Zn der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die Wahl der Präsidenten und Schriftführer vorgenommen. Bei der Wahl des ersten Präsidenten wurde Herr v. Levetzaw mit 209 von 210 gültigen Stimmen (216 waren im -Ganzen abgegeben) gewählt. Derselbe nahm die Wahl mit dankenden WoUen an. Zum ersten Vizepräsidenten wurde mit 129 von 147 gültigen Stimmen der bisherige erste Vizepräsident Abg. Dr. Buhl, zum zweiten Vizepräsidenten mit 164 von 168 gültigen Stimmen der bisherige zweite Vizepräsident Abg. Frhr. v. Unruhe-Bomst ebenfalls wiedergewählt. In dem bisherigen Präsidium des Hauses ist also keine Veränderung cinge- treten. Die acht Schriftführer wurden durch Zuruf gewählt und die früheren Quästoren wiederum zu dem Amte berufen. Damit ist das Haus konstituirt. Der Präsident wird Se. Majestät dem Kaiser die verfassungsmäßig vorgeschriebene Anzeige machen. Der Staatssekretär des Innern, Staatsminister Dr. von Boetticher theilte mit, der er Anordnungen treffen werde, um den Mitgliedern des Hauses, soweit es zur Zeit noch thunlich, die Berücksichtigung der Entwürfe für das Denkmal des hochseligen Kaisers Wilhelm zu ermöglichen. — Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Sitzung gegen 4 Uhr geschlossen und die nächste auf Dienstag den 29. Oktober Nachmittags 1 Uhr anberaumt. Tagesordnung : erste Lesung des Etats in Verbindung mit dem Anleihegesetz, sowie der Novelle zum Reichs-Militärgesetz vom 2. Mai 1874.
Berlin, 23. Okt. Das Gefolge der Majestäten auf der Reise nach Athen und Konstantinopel hat wegen Beschränktheit der Räumlichkeiten auf den deutschen Schiffen auf einen eigenen Dampfer nntergebracht werden müssen, der für diese Reise vom Hofe gemiethet ist. Auf dem Panzer „Kaiser" hat nur ein General-Adjutant Sr. Majestät, ein Flügel-Adjutant und der Chef des Marinekabinets untergebracht werden können; die Kaiserin hat auf der „Hohenzollern" nur zwei Damen und zwei Herren ihrer nächsten Umgebung bei sich. Das ganze übrige Gefolge, an der Spitze Graf Bismarck, Herr v. Liebenau und Herr v. Lucanus, sind in Brindisi auf dem gemietheten Dampfer eingeschifft worden und von dort heute Morgen nach Patras gefahren. Es ist möglich, daß sie auf der Hinfahrt auf Korfu einen, kurzen Aufenthalt machen werden. Zu Patras besteigen sie den Zug, der sie nach Athen bringt. Der Dampfer fährt von Patras nach Athen uni Kap Matapau herum und nimmt dort die Herren des Gefolges zur ■ Weiterfahrt nach Konstantinopel auf, die gemeinschaftlich mit der Dacht
„Hohenzollern" und dem Kaiser gemacht werden wird. Ueber die Rückfahrt sind bestimmte Anordnungen noch nicht getroffen.
Berlin, 23. Okt. Prinz Heinrich hat, wie die „Lombarden" meldet, zwei Stunden in der Villa Zino zu San Remo verweilt. Der Prinz erschien in Begleitung eines deutschen Admirals und eines Adjutanten. Tief bewegt durchschritt er die theilweise umgebanten Räume, in denen sein verewigter Vater so schwer gelitten hat. Man sah ihn thränenden Auges herauskommen. Mehrere Erinnerungen an Kaiser Friedrich, die ihm der Thorwächter überreichte, nahm er dankend mit. Bevor er San Remo ne; ließ, gab er, der „K. Z." zufolge, 1000 Lire für die Armen der Stadt zur sofortiger Vertheilung.
Berlin, 24. Oktbr. Die Kaiserin Augusta gedenkt der „Nord. Allg. Ztg." zufolge noch bis zum 5. November in Baden - Baden zu verbleiben, sich darauf nach Koblenz zu begeben und Anfang Dezember nach Berlin zurückzukehren. — Prinz Friedrich Leopold hat sich von hier zur Jagd nach Jbeuhorst begeben.
Berlin, 24. Oktbr. Dem Bundesrath ist der Eutwurf zum Bc- soldungs- und Pensions-Etat der Reichsbankbeamten mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbank-Direktoriums für das Jahr 1890 zur Beschlußnahme vorgelegt worden.
Berlin, 24. Oktober. Der „Post" zufolge hat der Bundesrath in seiner heutigen Sitzung das Sozialistengesetz unverändert nach der Vorlage angenommen.
Die deutsche Thronrede hat aus die Pariser Börse günstig gewirkt, den Verzeichneru der Tagesgeschichte aber bereitet sie offenbar Beklemmungen, weil sie in ihr den Ansatz zu der hämischen Verkleinerungskritik, mit welcher derartige deutsche Kundgebungen hier behandelt sein wollen, nicht zu finden vermögen. Man wählt deshalb, da es auf ein Mehr oder Weniger an Gewissenlosigkeit nicht ankonimt, die bequeme Taktik, die friedlichen Versicherungen des deutschen Kaisers in Zweifel zu ziehen. „Temps" findet sie banal und durch häufige Wiederholung abgenutzt, sie seien nur das Vorwort zu neuen Kreditforderungen, und „Motin" liest aus der Thronrede nur das- Bestreben heraus, deu adsucbcuorm Rc.chstag noch nach Kräften auSzupresse». Ein Schreiber in der „Libertö", der wahrscheinlich nie den Fuß über die Grenze gesetzt, schließt seine Betrachtungen folgendermaßen: „Deutschland ist im wahren Sinne des Wortes eine Kaserne, ein Waffenhaus, ein Wald von Bajonetten; es rüstet als ob es keine Bundesgenossen hätte, als ob es einst einem Bunde von ganz Europa die Spitze zu bieten hätte. Und dieser Bund besteht in der That, aber gegen uns ist er gelichtet; Deutschland ist seine Seele und leitet ihn, dasselbe Deutschland, das vom Frieden redet, die eine Hand am Degen- knauf, die andere auf einer Krupp'schen Kanone." (K. Z.)
Hirschberg i. Schles. In Arnsdorf hiesigen Kreises wurde dieser Tage ein Denkmal für Kaiser Friedrich enthüllt, welches von den Soldaten der Pfarre Arnsdorf gestiftet worden ist. Die etwa neun Fuß hohe Figur des kaiserlichen Herrn ist von Gladenbach in Berlin bezogen und aus Zinkguß (bronzirt) hergestellt. Sie zeigt die ritterliche Gestalt in Kürassier- uuiform, angethan mit bem Kronungsmautel. Die Rechte hält den Feldmarschallstab und die Linke stützt sich auf das Schwert. Unterbau und Sockel lieferte Bildhauer Stahlberg von hier.
Metz. Der Paßzwang hat, wie man der „Rh. W. Ztg." schreibt, neben der guten Eigenschaft, daß die Hetzapostel von jenseits der Vogesen in Elsaß-Lothringen fern gehalten werden uub die bestehenden Verhältnisse sich ruhig entwickeln können, noch den Vortheil gezeitigt, daß jetzt verschiedene größere Besitzungen und Ländereien von nach Frankreich Verzogenen, denen die Herüberkunft bedeutend erschwert ist, zum Verkaufe angeboten und von Deutschen erworben werden: sicherlich ein wichtiger Faktor in der deutschen Kolonisation von Elsaß-Lothringen.
München, 24. Oktbr. Im Finanz - Ausschuß bezeichnete der Minister-Präsident Dr. Freiherr v. Lutz heute anläßlich der Etatsberathung, bei der Position der Königlichen Eivilliste den Krankheitszustand Sr. Majestät des Königs Otto als unverändert. König Otto sei sich, nach dem Urtheile der Aerzte, seines Zustandes unbewußt. Der König sehe hager und blaß aus und sei bartlos, die Nahrungsaufnahme unregelmäßig. Die Zeitungsmeldung von dem Herabfallen des Plafondlustres bestätige sich, indeß sei der baulidje Zustand des Schlosses nunmehr ein drirchaus guter.