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Freitag den 18. Oktober

1889.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamis.

Der Pfarrer extr. Schneider zu Hofbieber ist zum Gehülfen des Pfarrers Köhler zu Rüdigheim vom 1. dss. Mts. an auftragsweise bestellt worden.

Hanau am 14. Oktober 1889.

Der Königliche Landrath

V. 6974 v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Konrad Kester in Bergen ist zum Vieh- und Fleischbcschauer der Gemeinde Bergen-Enkheim bestellt und in Pflichten genommen worden.

Hanau am 17. Oktober 1889.

Verloren: Heute Morgen auf dem hiesigen Ostbahnhofe ein Porte­monnaie mit 320 M. in Papier und Gold. Ein Diamant in Herzform; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Nachen (auf der Kinzig abhanden gekommen).

Hanau am 18. Oktober 1889.

t Wahlbetrachtungen.

In der vergangenen Woche fand in einem Sächsischen Reichstags­wahlkreise (Oschatz-Wurzen) eine Ersatzwahl statt, bei welcher allerdings der Kartellkandidat, wie früher, als Sieger hervorging, aber doch gegen die Wahl vom 21. Februar 1887 mit einem erheblichen Verluste von Stimmen. -Srine Gegner, die Freisinnigen, hatten dagegen diesmal 3000 Stimmen mehr wie damals aufzuweisen, während die sozialdemokratische Stimmenzahl von 3 832 auf 2 277 zurückging.

In derselben Zeit fanden die Wahlmänner-Wahlen zum Landtage im Großherzogthum Baden statt. Nach den bisherigen Ermittelungen werden sie der nationalliberalen Partei eine Einbuße von etwa sieben Mandaten bringen, von denen sechs dem Centrum, eins den Demokraten zufallen wird.

Diese Vorgänge haben in der gegnerischen Presse zu Kundgebungen der Freude und der Genugthuung, in der nationalen Presse zu Bcschönigungs- versuchen geführt. Erstere erblickt in dem Rückgang der Kartellstimmen in Oschatz-Wurzen sowie in den Verlusten der Nationalliberalen in Baden den Beginn einer Morgenröthe für ihre eigene Sache, obwohl gerade die Ein­buße, welche dort die Bundesgenossen der Freisinnigen, die Sozialdemokraten, betroffen hat, nicht sehr ermuthigcnd für sie sein kann, und obwohl in Baden fast ausschließlich das katholische Centrum und nicht also der Freisinn der Gewinner ist. Die nationale Presse sieht zwar mit Recht in dem Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen i« Oschatz-Wurzen ein günstiges Symptom des beginnenden Rückgangs der Sozialdemokratie über­haupt, sie sucht sich aber über den Verlust der Kartellstimmen und die Steigerung der freisinnigen Stimmenzahl wieder mit der Erklärung der außerordentlichen Rührigkeit der letzteren sowie damit zu trösten, daß ein Theil der Sozialdemokratie diesmal sofort für den freisinnigen Bundesge­nossen eingetreten ist. Die Verluste in Baden werden auf die außerordent­liche Rührigkeit des Ultramontanismus und der Geistlichkeit zurückgeführt, und es wird so gethan, als ob gegen solche Mächte nichts anzufangen, die Einbuße der Nationalliberalen also vollständig erklärlich sei.

Wir möchten uns vor Allem gegen die Beschönigungsversuche und gegen die darin zu Tage tretende Siegesgewißheit wenden. Mit den Wahlen ut es eine eigene Sache. Als die Rcichstagswahlcn im Jahre 1881 voll- äogen TOüTben, dachte Niemand an die Möglichkeit eines Aufschwungs der Opposition, die dann bis zum Jahre 1887 den Reichstag beherrschte. Der Grund des damaligen Umschwungs lag wesentlich darin, daß die Wähler vor ©re neue Idee einer Sozialrcform gestellt waren und sie noch nicht verdauen und verstehen konnten; er lag vor Allem aber darin, daß die nationalen Parteien gegen einander mit Mißtrauen erfüllt waren und sich noch nicht zu gemeinsamer Ndwehr zusammengcthan hatten. Das wurde aber erst später, als es in gewissem Sinne schon zu spät war, erkannt. Die oben erwähnten Wahlereignissc sollten deßhalb als eine rechtzeitige Mahnung beherzigt werden, daß die nationalen Parteien nicht wieder in die Fehler verfallen, die sie in die angedeuteten ungünstigen Verhältnisse versetzt

hatten, damit nicht etwa die bevorstehenden Rcichstagswahlcn dieselben Er­scheinungen zu Tage fördern.

Es ist zu hoffen, daß die nationalen Parteien sich nicht in Sicherheit wiegen lassen, sondern mit aller Kraft vorgehen, eine weit größere Rührig­keit wie bisher entwickeln, und vor Allem zugleich sich fest und geschlossen um die von den Gegnern bekämpfte Fahne des Kartells schaarcn.

Tagesschau.

Berlin, 17. Oktober. Heute Vormittag um 8 Uhr machten Se. Majestät der Kaiser und König einen Spazierritt, nahmen um 10 Uhr den Vortrag des Kriegsministers, demnächst den des Chefs des Militär- kabinets entgegen und empfingen um 12 Uhr den Staatsminister Dr. von Boetticher. Um 12 Uhr 54 Minuten begaben Sich beide Majestäten mit Sonderzug nach Berlin zur Frühstückstafel bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich.

Berlin, 17. Okt. Kaiser Wilhelm hat, nach derK. Z.", heute Nachmittag der Kaiserin Friedrich seinen Abschiedsbesuch abgestattet und gedenkt heute Abend um 11 Uhr mittelst Sonderzuges die Reise nach Mailand über München und den Brenner anzutreten.

Berlin, 16. Oktober. In unseren diplomatischen Kreisen wird hervorgehoben, daß der Zar bei seiner jüngsten Anwesenheit in Berlin aus seiner gewohnten Zurückhaltung und Schweigsamkeit herausgetreten sei und allen den Eindruck gemacht habe, daß er sich in Berlin sehr wohl gefühlt hat. Die Mehrzahl der hier beglaubigten Botschafter und Gesandten ist dem Zaren bei Gelegenheit der Prunkvorstellung am Freitag Abend im Opernhause vorgestellt worden; er hat sich mit der Mehrzahl äußerst freundlich unterhalten, insbesondere hat er den Doyen des diplomatischen Corps, den italienischen Botschafter Grafen Launay, der in früherer Zeit wiederholt in diplomatischer Sendung in Rußland gewesen ist, u. a. dem Zaren den Annunciaten-Orden überbracht und die Thronbesteigung König Humberts angezeigt hat, durch eine längere Unterredung ausgezeichnet.

(K. Z.)

Berlin, 17. Oktober. Die Freigebigkeit des Kaisers Alexander III. hat namentlich auch die Armen Berlins reich bedachl. Der Kaiser hat dem Magistrat die Summe von 10 000 Mk. für dieselben überwiesen. Das Alexander-Regiment beschenkte er dieses Mal ganz außerordentlich reich. Zur Bewirthung der Mannschaften während des Jubiläumstages waren aus der kaiserlichen Privatschatulle rund 1200 Thaler angewiesen worden. Dank dieser Freigebigkeit kam auf je drei Mann ein Achtel Bier, fünf Zigarren und eine Mark baar. Am Abend erhielt jeder Soldat noch fünf Biermarken. Die durch die St. Annenmedaille ausgezeichneten Feldwebel erhielten jeder noch 20 Mk.

Berlin, 17. Oktober. Der Bundesrath stimmte heute den Aus­schußberichten, betreffend die Etatsentwürfe der Verwaltungen des Reichs Heeres und der Marine zum Reichshaushältsetat 1890/91, zu. (Fr. N.)

Berlin, 17. Oktober. S. M. KreuzerMöve", Kommandant Korvetten-Kapitän Riedel, ist am 16. d. M. in Kiel eingetroffen. S. M. Kreuzer-FregatteLeipzig", Kommandant Kapitän zur See Plüdde- mann, mit dem Geschwaderchef Contre-Admiral Deinhard an Bord, ist am 16. Oktober in Zanzibar eingetroffen und beabsichtigt, am 17. d. M. die Reise fortzusetzen.

Danzig, 17. Oktober. Die russische DachtDershawa" mit Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland an Bord, ist heute Morgen um 8s/< Uhr auf der Rhede von Neufahrwasser eingetroffen. Die Dacht lief kurz vor 10 Uhr in den Hafen ein und legte an der Seemole fest. Die Kaiserin bestieg ein Ruderboot, fuhr auf diesem bis zu der Haltestelle des Hofzugcs und wurde daselbst vom Kaiser empfangen und in den Salon­wagen geleitet, wo um 11 Uhr das Frühstück eingenommen wurde. Mittags um 11^/i Uhr verließen Ihre Majestäten in dem Hofzuge Neu­fahrwasser und setzten die Rückreise über Danzig-Dirschau fort. Die Dershawa", welche die Kaiserflagge niedergeholt hatte, verblieb vorläufig im Hafen.

Kiel, 17. Oktober. Das englische Kanalgeschwader ist heute Vor­mittag 10 Uhr nach Karlskrona in See gegangen und kehrt von dort direkt nach Portsmouth zurück, wo die Ankunft am 29. ds. Mts. er­folgen soll.