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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Samstag öen 12. Oktober

1889.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß zum Besten des Fonds für den Neubau einer evangelischen Kirche zu Fulda eine einmalige Samm- luug freiwilliger Beiträge bei den evangelischen Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau bis zum Ende k. I. durch polizeilich legitimirte Kollektanten abgehalten werden darf.

Cassel am 27. September 1889.

Der Regierungs-Präsident. I. B.: Schwarzenberg.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Montag den 14» d. M. wird mit der Umpflasterung eines Theils der Hanau-Fulda-Vacha'cr Straße längs der hiesigen Gasfabrik begonnen werden, in Folge dessen eine Sperrung dieser Straßenstrecke für 14 Tage nöthig ist.

Hanau am 12. Oktober 1889.

Der Königliche Landrath.

V. 6859 I. V.: Baabe.

Tagesschau.

Setlitt, 11. Oktober. DerR.- u. St.-A." schreibt: Se. Maje­stät der Kaiser von Rußland sind heute früh um 10 Uhr in Berlin ein- getroffen, um den Besuch zu erwidern, welchen Se. Majestät der Kaiser und König im vorigen Jahre Allerhöchstdcmsclben abgestattet hatten. Der Hohe Gast der Kaiserlichen Majestäten ist in der Hauptstadt des Deutschen Reiches mit der Ehrerbietung begrüßt worden, welche dem Herrscher eines großen, seit langem mit Preußen und Deutschland in friedlichem Verhältniß lebenden, mächtiges Reichs gebührt und welche den zwischen den beiden Monarchen bestehenden, von ihren Vätern überkommenen freundlichen Be­ziehungen entspricht. Mit den Kaiserlichen Majestäten vereinigt sich das deutsche Volk in dem Wunsche, daß der Hohe Besuch beiden Nationen zum Heil und Segen gereichen möge.

Punkt 10 Uhr lief aus der etwa 15 Wagen bestehende Kaiserliche Sonderzug in die Bahnhofshalle ein. Die Kapelle des 1. Garde-Regi­ments intonirte die russische Nationalhymne, und die Fahne senkte sich, während Se. Majestät der Kaiser von Rußland dem Zug entstieg. Beide Kaiserliche Majestäten begrüßten Sich in herzlicher Weise mit Umarmung und Kuß. Se. Majestät der Kaiser von Rußland trug die Uniform Seines Garde-Grenadierregiments mit dem Bande des Schwarzen Adler- Ordens; Kaiser Alexander sah sehr wohl und heiter aus. Nachdem die Fürstlichkeiten vorgestellt und die Begrüßung mit dem Fürsten Reichskanzler und der Generalität vorüber war, schritten die Majestäten die Front der Ehren-Kompagnie ab und ließen sie alsdann in Sektionskolonne vorbei- defiliren.; während des Vorbeimarsches stand Se. Majestät der Kaiser von Rußland zwischen Se. Majestät dem Kaiser und Könige und Sr. König­lichen Hoheit dem Prinzen Albrecht. Nach dem Vorbeimarsch begaben Sich Ihre Majestäten, gefolgt von dem Großfürsten Georg und dem Prin­zen Albrecht, denen wiederum die übrigen Fürstlichkeiten sich anschlossen, den Bahnsteigs entlang zu den bereit stehenden offenen Wagen und fuhren, leb­haft begrüßt von der hinter dem Militärspalier stehenden Volksmenge, zum Palais der russichen Botschaft. Auf dem Königspltz sandten die Geschütze der Garde-Artillerie ihren ehernen Gruß herüber.

Berlin, 11. Oktober. Kaiser Alexander kehrte um 2V» Uhr von den Besuchen bei den Mitgliedern des Königshauses nach der Botschaft zurück. Er zog sich dann auf einige Zeit zurück. Im Laufe des Nachmittags gaben die Prinzen, Minister und Würdenträger ihre Karten ab und schrieben sich in die auf der Botschaft ausgelegten Listen ein. Kurz vor 4*/, Uhr fuhr der Reichskanzler in der Gardelandwehruniform mit dem blauen Band des Andreasordens vor uud begab sich zum Kaiser Alexander, wo er längere Zeit verblieb. Der Reichskanzler verweilte eine Stunde und zwanzig Minuten bei dem russischen Kaiser. Bet seinem Weggang gab der Bot­schafter dem Reichskanzler bis zum Wagen das Geleite. An dem heutigen Galadiner, welches im Weißen Saale des Schlosses Abends 6 Uhr statt- findet, nehmen ungefähr 140 Personen theil. Die Tafelordnung ist die folgende: Neben Kaiser Alexander nehme» links die Kaiserin, Großfürst

Georg, Prinzessin Albrecht und Prinz Friedrich Karl von Hessen Platz; neben Kaiser Wilhelm rechts die Prinzessin Friedrich Karl, Prinz Friedrich Leopold, die Prinzessin von Meinigen und Prinz Albrecht; den beiden Kaisern gegenüber Fürst Bismarck, links davon Graf Woronzoff-Daschkoff, Generaloberst v. Pape, Generaladjutant Tscherewin, Fürst Hatzfeldt, der Botschafter Graf v. Schweinitz 2C.; rechts Graf Schuwaloff, Obcrkämmerer Graf Stolberg, Generaladjutant Richter, Fürst Pleß, Graf Kutusoff, Minister v. Bötticher ic. Im übrigen nehmen alle Staatsminister, die Generalität, die obersten Hofchargen, die Adjutanten und das Gefolge des Kaisers Alexander an dem Galadiner theil. (Fr. N.)

Berlin, 10. Oktober. Bei der heutigen Galatafel zu Ehren des Zaren brachte, wie dieFr. N." melden, Kaiser Wilhelm folgenden Trink­spruch aus: Ich trinke auf das Wohl meines verehrten Freundes und Gastes, Seiner Majestät des Kaisers von Rußland, und auf die Dauer der zwischen unseren Häusern seit mehr als hundert Jahren bestehenden Freundschaft, welche ich als ein von meinen Vorfahren überkommenes Erb­theil zu pflegen entschlossen bin. Kaiser Alexander dankte in französischer Sprache für die freundlichen Gefühle des Kaisers Wilhelm und trank auf das Wohl Ihrer Majestäten. Herauf trank der Zar dem Rcichskauzler zu, welcher sich erhob, stehend das Glas leerte und sich tief verbeugte. Daraus trank Kaiser Wilhelm dem Botschafter Schuwaloff zu, der gleichfalls stehend das Glas leerte und sich tief verbeugte.

Berlin, 11. Oktober. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge findet morgen zu Ehren des Kaisers von Rußland ein Diner bei der Kaiserin Friedrich statt, jedoch nur im Familienkreise.

Berlin, 11. Oktober. DerKreuzzeitung" zufolge find heute früh auf besonderen Befehl der Königin von England aus Kiel die Admirale des zur Zeit dort ankernden englischen Geschwaders, Baird, Harley und Fracay hier eingetroffen, um dem Kaiser Wilhelm ihre Huldigung darzu- bringen. Bei der Anwesenheit des Kaisers von Rußland erscheine dies, so fügt das genannte Blatt hinzu, nicht ohne politischen Hintergrund.

Berlin, 11. Oktober. Das neue Sozialistengesetz liegt nach dem Rh. K." noch nicht dem Staatsministerium vor, es befindet sich vielmehr noch in der Vorbcrathung der einschlägigen Ressorts, welche die Vorlage auszuarbeiten haben.

Berlin, 10. Oktober. Bei dem gestrigen Festmahle in der Aus­stellung für Unfallverhütrng hat der Chef des Generalstabes, Graf von Waldcrsee, eine Tischrede gehalten, deren authentischer Wortlaut sich also darstellt: Wenn ich hier das Wort ergreife, so geschieht es als Vertreter der bewaffneten Macht; die Beziehungen von Armee und Marine zur Aus­stellung sind sehr zahlreiche, ich erwähne nur das hochwichtige Eisenbahn- wcsen, die Telegraphie und das Sauitätswesen, den Schiffsbau und alles, was mit dem Seewesen zusammenhängt. Wenn auf diesem Gebiete die Unfälle vermieden werden, so ist die Kriegsführung mittelbar und un­mittelbar wesentlich verstärkt. Namens der Armee und Marine spreche ich den Dank der bewaffneten Macht de» Veranstaltern der Ausstellung für die Pflege der Beziehungen zum Militär, zu den Kriegsrüstungen aus. Wenn ich von Kriegsrüstungen spreche, so ist eS nicht meine Absicht, eine kriegerischr Rede zu halten, im Gegentheil, ich will friedlichen Gedanken Ausdruck geben; ich halte die Ausstellung für eine Arbeit des Friedens im weitesten Sinne, ich glaube, daß, wenn die Bestrebungen der Unter­nehmer der Ausstelluug Gemeingut aller Nationen werden sollten, der schlimmste aller Unfälle, welche die gebildete Welt betreffen können, der Krieg, verhütet ist. (Beifall.) Meine Herren, ich trinke darauf, daß die Ausstellung in ihren Bestrebungen und Wirkungen dazu beitragen möge, den Frieden zu erhalten und bitte Sie, mit mir einznstimnien in den Ruf: die Ausstellung lebe hoch!

Kiel, 11. Oktober. (K. Z.) Die russischen JachtenDershawa" undZarcwna" sind nach Kopenhagen zurückgekehrt. Die deutschen Marine-Offiziere gaben ihren englischen Kameraden heute in den Prunk- räumen der Marine-Akademie ein Ballfest.

Kiel, 10. Oktober. Für S. M. FahrzeugLoreley" sind Brief­sendungen wie folgt zu richten: Bis 15. Oktober nach Konstantinopel über Breslau, vom 16. bis 23. Oktober nach Piräeus über München Brindisi, vom 26. Oktober bis ans weiteres nach Konstantinopel.

Ludwigslust, 11. Oktober. Am Sonntag wird dem Besuche des