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Nr. 234.

Montag den 7. Oktober

1889.

BekanntmÄchunsieu Königl. Landrathsamts.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises haben die­jenigen Personen, welche für das nächste Kalenderjahr Wandergewerbescheine zum Gewerbebetriebe im Umherziehen wünschen, mittelst ortsüblicher Be­kanntmachung aufzufordern, die deshalbigen Anträge und zwar wenn die­selben seither schon im Besitze eines solchen Scheines gewesen sind, unter Vorzeigung des zuletzt ertheilten, bei ihnen anzubringen, dieselben auch ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß alle, welche dieses unterlassen würden, sich die nachtheiligen Folgen, welche durch verspätete rechtzeitige Anmeldung entstehen könnten, selbst zuzuschreiben haben.

Die Anträge sind in die vorgeschriebene, im Waisenhause dahier zu empfangende Nachweisung resp. Signalcmentsverzeichniß einzutragen und gehörig vollzogen bis zum 1. November b. I. an mich einzureichen oder es ist berichtlich anzuzeigen, daß keine Anträge gestellt worden sind.

Hanau am 28. September 1889.

Der Königliche Landrath

v. O e rtz e n.

DieM-Nachrichten aus dem Kreise.

Am 6. ds. MtS. vom Wasenmeister eingefangen: Ein schwarzer Spitz mit gelben Abzeichen; desgl. am 7. d. M. ein schwarzer Spitz mit etwas weißen Vorderpfoten, beide m. Geschl.

Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Ein graues wollenes abgetragenes Frauenhalstuch. Auf der Post liegen geblieben: ein Taschenmesser und ein BuchSoden am Taunus, ein Rathgeber und Führer für Kurgäste, v. Dr, F. Großmann".

Verloren: Eine schwarze Schürze.

Hanau am 7. Oktober 1889.

Tagesschau.

Berlin, 5. Oktober. Heute Vormittag hörten Sc. Majestät der Kaiser und König von 9*/2 Uhr ab den Vortrag des Staatsministers von Goßler, von lO1^ Uhr ab denjenigen des Chefs des Generalstabes der Armee und arbeiteten von 11V» Uhr ab mit dem Chef des Militärkabinets, von 12Va Uhr ab mit dem Staats-Minister Grafen v. Bismarck.

Berlin, 5. Oktober. Heute Nachmittags 1 Uhr fand eine Sitzung des Staatsministeriums zum erstenmal in dem neuen Gebäude am Leip­ziger^ Platz statt. Gegenüber den Meldungen, wonach mehrere hundert Millionen zu Militärzwccken vom Reichstage verlangt werden, erfährt die Nationalzeitung" aus zuverlässiger Quelle, daß Geldforderungen von der­artiger oder überhaupt schwerwiegender Bedeutung nicht in Aussicht stehen.

(F. N.)

Berlin, 5. Oktober. Von dem Entwurf eines Reichshausaltsctats für 1890/91 sind dem Bundesrathe nunmehr auch die Etats für die Ver­waltung des Reichshceres, und zwar für das Königlich preußische, König­lich sächsische und Königlich württcmbcrgische Reichs-Militär-Kontingent, nebst einer Uebersicht der Etatsstärke des deutschen Heeres zugegangen. SSeiter ist dem Bundesrath die Uebersicht der Reichs-Ausgaben und Ein­nahmen für das Etatsjahr 1888/89 vorgelegt worden.

, Berlin, 5. Oktober. S. M. NachtHohenzollern", Kommandant Kapitän zur See von Arnim, ist am 4. Oktober in Gibraltar angenommen nnb beabsichtigt, am 6. Oktober wieder in See zu gehen. S. M. Kreuzer-KorvetteIrene", Kommandant Kapitän zur See Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, ist am 4. Oktober in Spezia eingetroffen und beabstchttgt, am 12. d. M. die Weiterreise fortzusetzen. S. M. KanonenbootIltis", Kommandant Kapitän-Lieutenant Ascher, beabsichtigt, am Oktober von Hiogo aus wieder in See zu gehen.

Berlin, 5. Oktober. Sämmtliche Blätter besprechen den gestrigen Artikel derKreuzzeitung" als ein Signal neuer Kämpfe und als aber­maligen Vorstoß des Deklaratenthums gegen den Reichskanzler.

^^e,Nat.-Ztg." schreibt: Es gehen jetzt wieder Mittheilungen durch die Presse, wonach oom Reichstag abermals mehrere hundert Millionen Mark zu militärischen Zwecken verlangt werden sollen. Schon die wider­spruchsvollen Angaben über die beabsichtigte Verwendung dieser Summen lassen erkennen, daß die Verbreiter solcher Gerüchte nichts Positives wissen.

Man spricht von der erforderlichen Beschaffung des rauchlosen Pulvers während dieses bereits vorhanden ist und die Kosten ans frühern Be­willigungen gedeckt sind. Auch von der angeblich erforderlichen Beschaffung von Bronze-Geschützen für das neue Pulver ist die Rede, während die An­sicht, daß die Gußstahlkanouen durch solche Geschütze ersetzt werden müßten, bereits widerlegt ist. Auch für strategische Bahnen werden Summen wie die angegebenen nicht erforderlich sein. Wir erfahren von zuverlässiger Seite, daß Geldforderungen von derartiger oder überhaupt von schwer ins Gewicht fallender Bedeutung nicht in Aussicht stehen.

DieNordd. Allg. Ztg." schließt ihre Erwiderung auf den gestrigen Artikel derKreuzztg." mit der folgenden Beantwortung der Frage der letztcrn, ob dieNordd. Allg. Ztg." das Recht habe, ihre altbewährte Königstreue zu bezweifeln: DieKreuzztg." ist wegen eines gehässigen, vom hochseligen Kaiser selbst als eine persönlich gegen ihn gerichtete Unschicklich­keit (Aus dem Leben Kaiser Wilhelms I., von Schneider, Bd. 1, S. 58) bezeichneten Auftretens gegen den Kaiser Wilhelm I. notorisch bis zu dessen Lebensende vom Angesicht dieses erlauchten Monarchen verbannt gewesen, und soeben erst hat Se. Majestäst unser regierender Herr in authentischster Weise erklären lassen, daß die Mittel, mit denen dieKreuzztg," das Kar­tell angreift, mit der Achtung vor der Allerhöchsten Person und vor unsern verfassungsmäßigen Institutionen nicht in Einklang zu bringen vermag.

Die Fraktionen werden nach den inzwischen stattgehabten Ver­änderungen in folgender Stärke in der nächsten Reichstagssessiou auftreten: Deutschkonservative 76, Reichspartei 38, Centrum 103, Nationalliberale 93, Deutschfreisinnige 35, Polen 13, Sozialdemokraten 11, Fraktionslose 25. Erledigt sind drei Wahlkreise (11. Sachsen, 7. Württemberge 2. Gum­binnen), von denen zwei bisher durch Mitglieder der Reichspartei, einer durch einen Deutschkonservativen vertreten war. DieKartellparteien" haben sonach immer noch ein genügendes Uebergewicht, zumal ihnen eine Anzahl derWilden" hinzugezählt werden muß.

Wenn auch der Tag der Ankunft des Zaren in Berlin aus bekannten Gründen in amtlichen Kreisen vor der Oeffentlichkeit geheim ge­halten wird, so deutet doch alles darauf hin, daß der Besuch endgültig in der nächsten Woche stattfinden wird. Die einzige Schwester des Zaren, die Herzogin von Edinburg, ist bereits mit ihrem Gatten zum Besuch des kaiserlichen Hofes aus Koburg eingetroffen und der russiche Hofzug wird voraussichtlich bereits heute Abeud hier anlangen, um zur Verfügung des Zaren zu stehen. Von anderer Seite wird uns, wie bereits erwähnt, der 10. ds. als Tag der Ankunft des Zaren bezeichnet.

Posen, 5. Oktober. Nach amtlichen Mittheilungen wurde bei dem Eisenbahnunfall auf der Station Laßwitz am 3. d. M. Abends ein Post­schaffner getödtet und sieben Bahnbeamte verletzt, aber kein Reisender be­schädigt; sechs Wagen, darunter der Postwagen, sind entgleist und theil- weise zertrümmert.

Erfurt, 6. Oktober. Wie dieF. Z." berichtet, gibt das Eisen- bahn-Betriebsamt zu Erfurt kund, daß der Verkehr zwischen Naumburg und Artern heute Vormittag 11 Uhr wieder ausgenommen worden sei.

Dresden, 5. Okt. Die 50jährige Jubelfeier bei Königlichen steno­graphischen Instituts wurde heute Vormittag in der Aula des Polytech­nikums durch einen Festaktus begangen, bei welchem der Geheiinraih Häpe die Begrüßungsansprache und der Professor Oppermann die Festrede hielten.

München, 5. Oktober. In der heutigen Sitzung der Abgcordnctene kammer legte der Staats-Minister Freiherr von Crailsheim die Forderung eines Kredits in Höhe von 5 6 716 200 M. für Neu-, Ergänzungs- und Erweiterungsbauten der bayerischen Bahnen vor, darunter 21 540 000 M. für Anlage von Doppelgeleisen. Die Gebühren-Novelle und die Malz­aufschlags-Novelle wurden besonderen Ausschüssen zur Vorberathung über­geben.

Stuttgart, 5. Oktober. Zur Besichtigung der Unglücksstättc und des Terrains, auf welchem die Eiscnbahnkatastrophc am 1. d. M. sich ab­spielte, haben sich nach derF. Z." ein Reichskommissär Emmerich aus Berlin, ferner Cajetan Banovits, Bahninspektor aus Pest und Eisenbahn­bauinspektor Daub aus Saarbrücken hier eiugcfundcn.

Mannheim, 6. Oktober. Die hiesige demokratische Partei beschloß nach demF. I." in ihrer gestrigen Sitzung, sich an der Landtagswahl nicht zu beteiligen.