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Samstag den 21. September
1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Nachstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht.
Hanau am 18. September 1889.
Der Königliche Landrath
P. 5923 v. O ertzen.
Bekanntmachung.
Am 7. d. Mts., Nachmittags 121/* Uhr, ist im hiesigen Rechneigrabenweiher eine Kindesleiche gefunden worden.
Um Recherchen nach der Mutter des Kindes und Mittheilung aller derjenigen Wahrnehmungen, welche zur Ermittelung derselben führen könnten, event, um Bewirkung ihrer Festnahme und Nachricht wird ersucht.
Frankfurt a. M. den 12. September 1889.
Der Polizei-Präsident
__von Müffling.____________________
Dieust-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein goldener Ring mit röthlichem Stein.
Entlaufen: Ein großer gelber Dachshund. Ein weiß- und graugescheckter Windhund, beide m. Geschl.
___ Hanau am 21. September 1889. ______
t Die freisinnige Agitation gegen das Schweineeinfuhrverbot
scheint schon in die Brüche zu gehen. Vor Allem läßt sich gegen die Hand- grciflichen Beweise, daß die Vertheuerung des Schweinefleisches nicht der Grenzsperre zuzuschreiben ist, mit allgemeinen Schlagworten, wie „künstliche Fleischvertheucrung, Schädigung der Lebenshaltung des armen Mannes zu Gunsten junkerlicher, agrarisch-schutzzöllnerischer Interessen" nicht mehr aufkommen. Zunächst beweist eine Tabelle der Schweinefleischpreise während der letzten 24 Monate, daß schon vor dem Verbot der Einfuhr aus Rußland und Ungarn eine erhebliche Preissteigerung seit April d. I. vorhanden war, welche im Juli den Stand von 129 Pfennigen für das Kilogramm erreichte. Die Steigerung nahm nach Erlaß des Verbots noch zu, ob aber bloß wegen des Verbots, das muß sehr fraglich erscheinen, da eben eine ständige, von den Anfängen dieses Jahres ab datirende Vertheuerung zu bemerken war. Letztere erklärt sich hauptsächlich aus der vorjährigen Mißernte an Kartoffeln, in Folge deren die Kartoffelpreise in die Höhe gingen, was wieder die Landwirthe veranlaßte, die Kartoffeln zu verkaufen, statt sie zu verfüttern. Mastschweine wurden abgeschafft und auch das Zuchtmaterial wurde sehr eingeschränkt. Daraus entstand Schweinemaugel in diesem Jahre.
Beweis, wie gering der Einfluß des Einfuhrverbots aus die Flerschprerse ist, führt ein Großviehhändler in der „Kreuzzeitung" Folgendes “n: «Im Jahre 1887 war die Kartoffelernte im deutschen Reich bekanntlich ausgezeichnet. Jeder Landwirth suchte seine Kartoffeln so gut er konnte zu verwerthen. Da dieselben auf dem platten Lande den geringen Preis von nur 1—1,20 Mk. erzielten, so hielten die Kartoffelproduzenten cs für richtiger, ihre Kartoffeln als Schwcinemästung zu verwerthen. Dieser Umstand führte cs jedoch herbei, daß der Preis für Mastschweine vom Januar bis August 1888 nur 24—29 Mk. für den Centner lebend Gewicht hoch war. Während dieser Zeit hat die Sperre gegen Rußland auch bestanden. Ebenso wurde die Schweineeinfuhr gegen Dänemark verboten, weil dieselbe die Klauenseuche auf den Hamburger Viehhof eingeschleppt hatte und dadurch der Export von Hamburg nach England für einheimisches Vieh seitens Englands untersagt wurde."
Daß sich die gegenwärtigen hohen Preise noch längere Zeit halten werden, rst höchst unwahrscheinlich, weil die Kartoffelpreise herabgehen und die in Aussicht stehende gute Kartoffelernte die Schweinezüchter bereits veranlaßt hat, reichlich Zuchtmaterial anzuschaffen. Für ungarische Schweine bewegen sich die Preise bereits wieder abwärts, was durch folgende Mittheilung der in Ratibor erscheinenden „Oberschlesischen Presse" vom 12. d. M. bestätigt wird: „Es sind gestern und heute im hiesigen Schlachthofe für den Centner lebenden Gewichts ungarischer Schweine nur noch 40 Mark gezahlt worden. Dieser Preisrückgang hängt jedenfalls mit der Oeffnung des Beuthener Schlachthauses zum Abschlachten ungarischer Schweine, wohl aber auch mit dem Umstande zusammen, daß die Händler des steinbrucher Depots, welches 130 000 bis 160 000 Schweine angesammelt hat, die
Verkaufspreise nicht erhöhen können, weil die Bakonier-Schweine „über die Zeit" gemästet sind und die Händler Gefahr laufen, Verluste durch Ersticken der Thiere zu erleiden. Ein hiesiger Händler hat in den Vcrschlägen des Schlachthauses seit Dienstag noch rund 100 Bakonier stehen; er wartet auf auswärtige Käufer, die sich ja allerdings auch aus Schweidnitz, Glatz, Breslau, Liegnitz rc. einfinden werden." Daraus geht zugleich hervor, daß die freisinnigen Klagen über die Fleischnoth des armen Mannes in den Grenzgebieten politischer Humbug sind. Da, wo die Händler auf auswärtige Käufer warten müssen, kann von Schweinenoth keine Rede sein.
Wo wirkliche Schweinenoth besteht, wie im Kreise Hoyerswerda, da haben Seuche und Rothlauf ungezählte Schweine dahingcrafft. Solchen Mißstand zu hindern, sind Maßregeln gegen die Seuchen-Einschleppung gerade am Platze. Und bei dem Einfuhrverbot handelt es sich nicht blos um die deutsche Schweinezucht, sondern um die Viehzucht überhaupt. So sagt die Zeitung „Der Lândwirth" : „Die Rindvieh- und Schafzucht soll endlich einmal von den lästigen, drückenden und immer ganz unvorbereitet ihr angelegten Fesseln befreit werden, die ihr alle drei Jahre mindestens zweimal die durch Schweine eingeführte Maul- und Klauenseuche bereitet. England, unser Hauptabsatzland für Fettvieh, schließt in ganz berechtigtem Erhaltungstrieb seine Häfen gegen verseuchte Länder ab und erreicht dadurch einen verhältnißmäßig gesunden Stand seiner Viehherden, die ihm mehr am Herzen liegen als die Deutschlands. Wie segensreich auch für Deutschland derartige Absperrungen gegen verseuchte Länder und ein strenges Einschreiten gegen die Seuche im eigenen Lande gewirkt haben, beweist die immer seltener auftretende Lungenscuche und die kaum noch gefürchtete Rinderpest. Man möge sich doch klar^machen, wie das Nationalvermögen geschädigt wird, wenn Hunderte von Stücken Rindvieh todtgeschlagen und verscharrt werden und wie groß der Verlust der Landwirthe ist, wenn durch eine Heerde Trciberschweine einige hundert Gehöfte mit Klauenseuche heim- gesucht werden. Jeder Geschäftsverkehr muß dann auf diesen Gehöften stocken, keine Arbeitsochsen dürfen über die Gcmeindegrenze, kein Mastvieh kann verkauft werden, bis der Kreisthierarzt die Sperre aufhebt. Allein der Verlust an Milch und durch der Seuche folgendes Verkalben kann bedeutende Summen verschlingen, und wenn der Fleischer und Händler den Termin der Mastviehabnahme nicht innezuhalten braucht und das Vieh vier bis sechs Wochen länger gemästet werden muß, ohne daß es in seinem krankhaften Zustande fetter wird — da kräht kein Hahn danach; aber wenn jetzt einzelne Händler und Fleischer bei Liefcrungsübcrnahmen Geld verlieren, weil sie die Schweine etwas theurer als sonst bezahlen müssen, da wird natürlich an die große Glocke geschlagen."
Es ist nicht sowohl Kurzsichtigkeit, als die Sucht, politische Aufregung bei den „Konsumenten" hervorzurufen, was die freisinnige Presse Zweck und Wirkung des Einfuhrverbots verkennen läßt. Die Verbraucher von Schweinenfleisch werden den Spektakel vergessen, wenn der kurze Uebergang überwunden ist und die Fleischpreise wieder hcrabgegangcn sind, die Produzenten aber, darunter viele Kleinbauern und ländliche Arbeiter, sollten das der heimischen Viehzucht bewiesene Uebelwollen doch im Gedächtniß behalten.
Tagesschau.
Berlin, 20. September. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute früh 6 V* Uhr vom Jagdschloß Springe nach Benstorf, stiegen dort zu Pferde und wohnten dem Manöver des VII. gegen däs X Armee-Korps bei. Nach Beendigung desselben begaben Sich Se. Majestät von Knoppenbrügge nach dem Jagdschloß Springe zurück.
Berlin, 20. September. Der „R.- u. Sl.-A." meldet: Der Kaiser bewilligte für die Verunglückten in Antwerpen 10 000 Fr cs.
Berlin, 20. September. S. M. Kreuzerkorvette „Irene", unter dem Befehl Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Heinrich, ist, wie „W. T.
meldet, gestern in Gibraltar eingetroffcn. Prinz Heinrich ging unter Salutschüssen der Geschütze an Land, wurde von einer Ehrenwache empfangen und machte dem Kommandanten einen Besuch.
Berlin, 19. September. Die „Frankfurter Zeitung" ist mit der Weimarischen Bank in Streit gerathen. Die Bank veröffentlichte aus diesem Anlaß eine Anzeige, in welcher sie Jedem, den es interessire, ein interessantes Schriftstück über die „Frankfurter Zeitung" zur Verfügung stellte. Die „Westfälische Reform" hat sich dieses Schriftstück kommen lassen und veröffentlicht dasselbe.