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Erscheint täglich mit Ausnahme der G«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Dienstag den 17. September
1889.
Betanntmachurrgen Kömgl. LandrathSumtS.
Der Herr Regierungs-Präsident hat auf ein im Verlage der C. ®. Röthe'schen Buchhandlung zu Graudenz kürzlich erschienenes Buch von Otto Richter, „Praktischer Leitfaden für die ausführenden Vollstreckungsorgane der Preußischen Verwaltung, insbesondere für Polizei-Exekutiv- Beamte, eigentliche Vollziehungsbeamte, Amtsdiener und Gemeindediener", aufmerksam gemacht.
Das kleine Werk ist geeignet, dem in manchen Kreisen hervorgetretenen Mangel einer Instruktion für die Ortspolizeidiener in den kleineren Städten und ländlichen Ortschaften abzuhelfen; seine Anschaffung wird deshalb den Herren Bürgermeistern empfohlen.
Bestellungen auf das Buch werden hier entgegengenommen.
Hanau am 14. September 1889.
Der Königliche Landrath
V. 5942 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein goldener Ring mit Stein. Vor Monaten ein kleiner (anscheinend goldener) Ring; Empfangnahme bei Herrn Gutsvorsteher Matthes zu Pulverfabrik. Eine Mappe, enthaltend mehrere Hefte mit der Aufschrift „Meier Schuster". Ein Damen-Regenschirm (unter dem Rathhaus stehen geblieben). Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein schwarzer Regenschirm. Eine Peitsche. Einige Stück Cigarren. Ein Kindertaschentuch.
Hanau am 17. September 1889.
Krundstücksverpachtung.
Die nachverzeichneten in der Gemarkung von Kesselstadt belegenen Domanialgrundstücke, als:
Karte Lit. L. Nr. 65 = 8 a 51 qm Holz am Kunstgraben,
„ „ „ „ 66a = 7 „ 32 „ „ daselbst,
„ „ „ „ 76a = 4 „ 77 „ „ im Wahlgraben,
zusammen 20 a 60 qm, sollen anderweit vom Jahre 1890 ab auf zwölf Jahre öffentlich aufs Meistgebot verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf
Freitag, den LOter» dieses Monats,
Vormittags 11 Uhr,
in die Gastwirthschaft „zum Schwan" in Kesselstadt anberaumt, wozu Pachtbewerber eingeladen werden.
Hanau am 12. September 1889.
Der Königliche Domainen-Rentmeister
Tagesschau.
Berlin, 16. Septbr. Se. Majestät der König haben Allergnä- digst geruht dem Regierungs-Präsidenten Grafen Wilhelm von Biâmarck- Schönhäusen zu Hannover den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub zu verleihen.
' L t d^sin, 16. Sept. Der „Post" wird von guter Seite besttäigt, daß die Eröffnung des Reichstages am 22. Okt. erfolgt.
„ 16- Septbr. S. M. Kreuzer „Sperber", Kommandant Korvetten-Kapitan Foß, ist am 14. September er. in Gibraltar eingetroffen und beabsichtigt am 23. dess. Mts. die Weiterreise fortzusetzen.
,. ®Je »5 3- schreibt: Der Zeitpunkt, in dem der Entwurf eines ^erlichen Gesetzbuches an den Bundesrath und Reichstag kommen wird, - H k ^ ^"^ noch nicht absehen. Es müssen noch einige Ergänzungâ- werden und das Ganze wird wohl auch, nachdem die Wissenschaft und Kritik tzch m gründlicher Weise geäußert hat, einer erneuten Prustrng unterzogen werden, ehe dazu geschritten wird, den Ent- wur; zum Gesetz zu erheben. Darüber mögen noch mehrere Jahre hin- gehen Aber die Ueberzeugung befestigt sich doch in immer weiterdn Kreien, daß das Werk nicht scheitern darf und daß, wenn es jetzt nicht zu Stande kommt wir aus Jahrzehnte hinaus, vielleicht für immer auf ein cinheit- Uches bürgerliches Recht verzichten müssen. Und diese Verantwortung wird ■ Niemand übernehmen wollen, auch wenn er manche Bedenken amen den
vorliegenden Entwurf hat. a J
Hannover, 15. September. Die „F. R." schreiben: Heute Nachmittag begaben sich der Kaiser, die Kaiserin, der Großfürst-Thronfolger und die anderen fürstlichen Gäste nachdem kleinen Bult, wo vier Pferderennen von den Offizieren des 10. Armeekorps stattfanden. Den Ehrenpreis des Kaisers gewann Lieutenant Pieschel's „Calamity." — Der Kaiser hat die Prinzessin Albrecht zum Chef des ersten Hannoverschen Infanterie- Regiments Nr. 74 ernannt. — Bei dem heutigen, von den Provinzialständen dem Kaiser gegebenen Diner, zu dem 260 Einladungen ergangen waren, saßen der Großfürst-Thronfolger und der Prinz Georg von Sachsen zur Rechten der Kaiserin, zur Linken der Kaiser, Prinzessin Albrecht, der Großherzog von Hessen und Prinz Wilhelm von Württemberg. Den Majestäten gegenüber hatten der Botschafter Graf Münster, der Oberpräsi- dent von Bennigsen und General der Infanterie von Caprivi ihre Plätze. Der Kaiser trug die Uniform seines hannoverschen Ulanenregiments Nr. 13. Nach den ersten Gängen begrüßte der Landtagsmarschall Graf Münster das Kaiserpaar in folger Weise:
Ew. Majestät! Es gereicht mir zur großen Freude, Namens des hannoverschen Provinziallandtages Ew. Majestät hier begrüßen und bewillkommnen zu dürfen. Wir danken Ew. Majestät für die Ehre, die Sie uns heute erweisen, wir danken unserer hochverehrten Kaiserin dafür, daß sie bei dem ersten Besuche unseres Kaisers in dieser Provinz hat theilnehmen wollen an dem Empfange der Stadt und an diesem Essen. Daß Ew. Majestät in der Uniform eines hannoverschen Regiments als Chef desselben heute unter uns erschienen sind, hat uns alle sehr erfreut, und die Auszeichnung, welche Ew. Majestät diesem braven Regimente haben zu Theil werden lassen, betrachten wir als eine Auszeichnung der Provinz. Wir Hannoveraner sind stets von alter Zeit her gute Unterthanen, gute Soldaten und gute Patrioten gewesen. Unser Vaterland ist größer geworden, und wir wissen sehr gut, daß unsere Pflichten für unsern Kaiserlichen und Königlichen Herrn und für das Deutsche Reich größere geworden sind. Ew. Majestät werden, wenn sie diese Provinz verlassen, dieselbe mit der Ueberzeugung verlassen, daß wir Hannoveraner treu dem Rufe unseres Kaiserlichen Herrn folgen, fei es im Frieden oder — was. Gott noch lange verhüten wolle — im Kriege. Seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser und König, und Ihre Majestät, unsere Kaiserin und Königin, sie leben hoch!
Die stürmischen Hochs waren kaum verhallt, als der Kaiser mit folgenden Worten dankte:
Meine Herren! Ich danke Ihnen von Herzen für die Worte, die Sie durch den Herrn Grafen zu Münster an Mich gerichtet haben und für die freundliche Einladung des Hannoverschen Provinziallandtages. Es ist Mir und Meiner Gemahlin eine große Freude gewesen, diese Einladung annehmen zu können und diese Stunde unter Ihnen zu verweilen. Wir hörten vorhin das Faktum erwähnen, daß Ich heute zum ersten Male die Uniform Meines 13. Ulanen-Regiments, eines hannoverschen Regiments, trage. Ich erachte in diesem Regimente alle Kardinaltugenden verkörpert, felsenfeste KönigStreue, Adel der Gesinnung, edle Denkweise, opferfreudigen Patriotismus, Festhalten an dem einmal Ergriffenen. Auf diese Gesinnung der Provinz Hannover trinke ich, wie bereits mein seliger Herr Großvater es im Jahre 1874 aus diesem Pokale gethan hat. Die Provinz Hannover lebe hoch! hoch! hoch!
Springe, 16. September. Der Kaiser hatte sich heute früh mit dem Großfürsten-Thronfolger über Wcttbergen hierher begeben, stieg hier zu Pferde, übernahm persönlich das Kommando über die aus 8 Regimentern, 2 Batterien und einem Pionierdetachement bestehende Kavalleriedivision und ging mit ihr in forcirtem Marsch in südlicher Richtung vor. Der Großfürst-Thronfolger begab sich zu seinem Husarenregiment, das zum gegnerischen Korps gehörte. — Die heutige große Uebung diente dem Aufklärungsdienst, der, unterstützt durch Artillerie, in ausgedehnter Weise zur Geltung kam. Um 1 Uhr schloß das Manöver bei Koppenbrügge, alsdann erfolgte die Kritik durch deu Grafen Waldersee. Der Kaiser und der Großfürst-Thronfolger fuhren im Wagen nach dem Jagdschlöße zu Springe, wo das Hauptquartier bei den Uebungen ist. Morgen sollen Kavallcricattaken zur Ausführung kommen. ' (Fr. N.)
Sondershausen, 15. September. (K. A.) Fürst Günther von Schwarzburg-Sondershausen ist heute Abend 9 Uhr 25 Min. in seinem 88. Jahre gestorben. (Geboren den 24. September 1801 übernahm der Verstorbene 1835 die Regierung in Folge Verzichtleistung seines Vaters. Aus seiner ersten Ehe mit der Prinzessin Marie von Schwarzburg-