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Beilage zu Nr 214 des Hanauer Anzeiger.

NR. Die Steigerung der Lebensmittelpreise.

Gerade unsere Zeit ist recht dazu angethan, den Arbeitern völlige Klarheit über die Bedeutung, welche eine gedeihliche Entwickelung der Ver­hältnisse der heimischen Produktion, vor allem unsere Industrie im weitesten Sinne des Wortes, für ihre eigene wirthschaftliche Lage hat und um wie viel erheblicher diese für sie ist, als die wechselnde Gestaltung des Ver­brauches, beizubringen. Denn die jetzt wahrnehmbare wesentliche Besserung der Arbeitsverhältnisse nach den verschiedensten Richtungen, vor allen die Erhöhung der Löhne und die Verkürzung der Arbeitszeit, ist doch nur die Folge der stark aufsteigendeu Bewegung in den wichtigsten Zweigen des deutschen Erwerbslebens, bei der damit zusammenhängenden gesteigerten Nachfrage nach Waare und Arbeitskraft. Ohne diese verstärkte Nachfrage wäre es unmöglich gewesen, jene erhebliche Besserung der Arbeitsverhältnisse, welche nach geringen Anfängen im Verlaufe des letzten Sommers einge­treten ist, herbeizuführen. Diese aber ist erheblich. Man berechnet z. B., daß die Kohlenarbeiter trotz der verkürzten Arbeitszeit jetzt rund 20 pCt. mehr verdienen als sonst. Das wiegt den Preisaufschlag mehrfach auf, welcher inzwischen vorübergehend bei wichtigen Lebensbedürfnissen eingetreten ist. Wenn z. B. der Roggen im Großhandelspreise um etwa 10 Prozent anfgeschlagen ist, so wird dadurch zwar der Preis des Brotes um etwas erhöht bezw. das für einen bestimmten Preis gekaufte Quantum Brot etwas geschmälert, aber noch weitaus nicht um 10 Prozent, weil bei dem Brot­preise noch andere Faktoren, vor Allem die Kosten der Prozesse, welche dazu gehören, um aus Roggen Brot zu machen, Mahlen, Backen rc. be­stimmend sind, als der Großhandelspreis des Roggens, bei diesem aber ein entsprechender Preisaufschlag nicht eingetreten ist. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß Dank der Lohnerhöhung der Arbeiter trotz der Er­höhung der Roggenpreise jetzt einen geringeren Bruchtheil seines Arbeits­einkommens zur Beschaffung von Brot aufzuwenden hat als im vorigen Jahre. Aehnlich liegt die Sache beim Fleisch, wo nicht aus besonderen Gründen vorübergehend Ausnahmepreise eingetreten sind, wie in den ober­schlesischen Industrie- und Montandistrikten.

Dazu kommt noch der bereits einmal an dieser Stelle erwähnte Um­stand, daß die unter günstigen Produktionsverhältnissen erzielten Ver­besserungen der Arbeitsverhöltnisse wenigstens theilweise die Konjunktur über­

dauern, wie dies die Erfahrung der letzten Jahrzehnte unwiderleglich beweist, während schon die nächste Ernte die heutigen Getreide- und Fleischpreise wieder auf den vorjährigen Stand bringen kann. So sind es gerade die Arbeiter, deren Wohl und Wehe am meisten von dem Gedeihen der deutschen Produktion abhängt. In ihrem Interesse gerade liegt also ganz besonders' die Aufrechterhaltung der bestehenden Wirthschaftspolitik, deren Hauptbe­deutung ja gerade darin besteht, daß sie in erster Linie auf Förderung der heimischen Gütererzeugung bedacht ist.

Aus Stadè, Provinz und Umgegend.

Frankfurt a. M., 12. September. Wie bekannt, ist eine Er­weiterung der Mainkanalanlage geplant, durch welche es ermöglicht werden soll, ganze Schleppzüge ohne Trennung durch die Schleußen zu befördern und ferner mit den tiefstgehenden Rheinschisfen direkt ohne Umladen in den Frankfurter Hafen zu gelangen. Projekte und Voranschläge hierfür sind bis in's Detail aufgestellt und es ist auch demMainz. Tgb." zufolge bereits die baupolizeiliche Erlaubniß durch die hessische Verwaltungsbehörde erfolgt, so daß in Kürze mit der Ausführung der Arbeiten begonnen werden wird. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 13. September. Bei einem vor Wochen in Konkurs gerathenen Schneidermeister, welcher ein Magazin in der Fgasse besaß, machte dessen Schwester eine Forderung von 2000 Mark geltend und ließ daraushin aus dem Waarenbestand einen Werth von 5000 Mar? mit Beschlag belegen. Die übrigen Gläubiger haben hiergegen Einsprache erhoben,' erklären die ganze Forderung für fingirt und wollen den Beweis erbringen, daß die Schwester vermögenslos gewesen sei. Gelingt dieser Beweis, dann dürfte die Angelegenheit noch ein unangenehmes Nachspiel vor dem Strafrichter erhalten. Im Stadtwalde, an den Kaisertannen, wurde gestern früh die schon mehrere Tage alte Leiche eines unbekannten, der Kleidnng nach den sogenannten besseren Ständen angehörigen Mannes im Alter von etwa 40 Jahren gefunden. Der Mann hatte sich mittelst eines Revolvers in den Mund geschossen und anscheinend dadurch sofort getödtet. Die Wäsche trug die Anfangsbuchstaben J. R.; in der Geldbörse befanden sich 67 Mark baares Geld. (Fr. N.)

Inserate.

Nachstehend werden die Verwaltungsergebnisse der drei kommunalständischen Leihanstalten des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Cassel vom Jahre 1888 veröffentlicht.

Cassel, den 29. August 1889.

9267 Der Landes-Direktor in Hessen: E. von Hundelshausen.

w

Gegenstand.

-Anstalt

Cassel

Fulda

Haua«

Hauptfonds

Reserve­fonds

Ueberhaupt

Hauptfonds

Reserve­fonds

Ueberhaupt

â

L

J

1

I. A k t i v a.

Ansgeliehene Kapitalien gegen die hypothekarische Sicherheit bezw. gegen Schuldscheine von Gemeinden rc. . . .

2215419

94

2215419

94

2308838

94

2308838

94

2

In auf den Inhaber lautenden Werthpapieren angelegten

Kapitalien..............

86750

85

1692139

02

587730

42

2279869

44

935716 20

722775

83

1658492

03

3

Erworbenes bezw. wieder veräußertes Grundvermögen . .

15647 81

15647

81

4

Auf Pfänder ausgeliehene Kapitalien.......

105030

44612

15

44612

15

122713 50

122713

50

5

Zinsenrückstände..............

7379

18

7379

18

.

6

Kassenbestand ..............

5476

63

76982

83

76982

83

12012.38

-

12012

38

Hauptbetrag I. Aktiva .

197257

48

4036533

12

587730

42

4624263

54

3394928,83

7 22775 83

4117704

66

7

II. Passiv a.

Gegen ausgegebene Obligationen angelegte Kapitalien . .

.

4028214

77

_

4028214

77

3388240

3388240

8

Nicht erhobene Zinsen re............

.

4412

91

4412

91

4637 95

4637

95

9

Sonstige Ausgabe-Rückstände..........

1132

38

3905

44

3905

44

2050,88

2050

88

10

Ueberzahlung . . /............

6886

22

6886

22

1476 30

1476

30

Hauptbetrag II. Passiva .

1132 38

4036533

12

6886

22

4043419

34

3394928,83

1476 30

3396405

13

Verglichen, ergibt sich Vermögen .

196125 10

580844

20

721299

53

gegen 1887 .

193679 94

567273

12

701703

80

Dasselbe hat sich vermehrt um .

244516

13571

08

:

19595

73

£&HW 91it^^t^t*<t*t^«> (Gehör- und Halsleiden) r Heilanstalt von ©r. WELLER zu Dresden. Gegen 50 000 Kranke behandelt, über 300 Staarblinde geheilt, »r. WELLEB ist Montag den

16. September früh von 7'/all Uhr in Hanau (zum Adler) zu sprechen. (Künstl. Augen.) 9259