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Nr. 214.
Freitag den 13. September
1889.
künde und der katholischen Theologie gegenwärtig die durchschnittliche Bedarfszahl nahezu um das Doppelte, theilweise sogar darüber hinaus übersteigen. Besonders bemerkenswerth ist auch der Nachweis der Lexis'schen Tabelle, daß, während das evangelische Deutschland seinen Durchschnittsbedarf an Theologie-Studirenden gegenwärtig mehr als zweifach deckt, das katholische seinen Bedarf nicht einmal erreicht, sondern dahinter zurückbleibt, obwohl auf evangelischer Seite doch nicht diejenigen Stipendien, Anstalten und Hülfsmittel aller Art vorhanden sind, welche den Bischöfen zur Verfügung stehen. Dabei ist zu bedenken, daß ein sehr bedeutender Prozentsatz der aus der kathotischen Landbevölkerung hervorgehenden Studirenden sich schon aus Sparsamkeitsgründen der Theologie zuwendet.
Die „Nordd. Allg. Z." bringt folgende Mittheilungen : Der St. Petersburger Herold berichtet unterm 9. ds.: Beim deutschen Botschafter in Petersburg, General v. Schweinitz, fand in diesen Tagen ein Diner statt, auf welchem sich unter andern Gästen der Kommandeur des Wyborg- schen Infante ie-Regiments des Kaisers Wilhelm I1., Oberst Zerpitzki, die Stabsoffiziere des Regiments und der Regimentsadjutant befanden. Der Botschafter brachte beim Diner einen Toast auf das Wohl des Kaisers in russischer Sprache aus, welchen Oberst Zerpitzki mit einem Toast auf den Kaiser Wilhelm erwiderte. Der Kommandeur des Wyborgscheu Infanterieregiments hat die Einladung erhalten, den diesjährigen Herbstmanövern der preußischen Armee beizuwohnen.
Das zur Centrnmspnrtei gehörende Mitglied des Abgeordnetenhauses, Eickenscheidt, Vertreter für Borken-Recklinghausen, hat sein Mandat niedergelegt.
Minden, 12. Sept. Bei dem heutigen Korpsmanöver wurde der markirte Feind infolge des von dem Kaiser auf dem Manöverfeld ertheilten Befehls von dem Generallieutenant v. Wittich geführt. Bei der großen Kavallerie-Attacke, die mit besonderer Bravour geritten wurde, zeichnete sich namentlich das Kürassier-Regiment v. Seydlitz (Magdeburgisches Nr. 7) aus, bei welchem der Reichskanzler Fürst v. Bismarck â la suite geführt wird. Um 12 Uhr war das Manöver beendet, worauf der Kaiser nach der Stadt zurückkehrte. — Der Kaiser hat für die Armen der Stadt 1000 M. gespendet. — Dein Oberbürgermeister Bleek wurde das Recht verliehen, die goldene Amtskette zu tragen. (K. Z.)
Minden, 12. September. Der Kaiser ist heute Abend um 8 Uhr unter Glockengeläute und brausenden Hochrufen der Bevölkerung von hier nach Hannover abgereist. In den Straßen bildeten Vereine und Schulen Spalier. Auf dem Bahnhof waren die Generalität und die Spitzen der Behörden anwesend, von denen sich der Kaiser huldvollst verabschiedete. (F.N.)
Hannover, 12. Septeinber. Der Kaiser ist ' heute Abend nach 8 Uhr hier eingetroffen. Derselbe wurde auf dem Bahnhöfe von der Kaiserin erwartet und von dem Oberpräsidenten v. Bennigsen, dem General von Caprivi und dem Stadtdirektor empfangen. Nach Abschreiten der Ehrenkompagnie fuhr das Kaiserpaar im offenen Vierspänner unter einer Ulaneneskorte durch die prachtvolle Feststraße nach dem Residcnzschloß. Bei dem Triumphbogen am Eingang der Bahnhofstraße hatten die städtischen Kollegien Aufstellung genommen; der Stadtdirektor bot den Majestäten den Willkommengruß der Stadt als den Ausdruck treuester Hingebung und innigster Freude und werde sich dieser Willkommengruß nicht nur in der Feststraße, sondern überall in der ganzen Stadt wiederholen, derselbe sei nicht nur eine leere Huldigung des Mundes, sondern entstamme den treuen Herzen, die gewillt seien, zu dem Kaiserpaar zu stehen in guten und in bösen Tagen. Der Kaiser dankte dem Redner huldvollst. In der Feststraße bildeten die Korporationen, Vereine und Schulen Spalier, dahinter stand gedrängt Kopf an Kops die große Menge, welche das Kaiserpaar unausgesetzt mit brausenden Hochrufen begrüßte. (F. N.)
Kiel, 11. Sept. Das gestern im großen Wriedtschen Lokale den heimkehrenden Mannschaften des „Eber" und der „Olga" von Stadt und Bürgerschaft gegebene Fest verlief in glänzendster Weise und bei einer Be- theiligyng, wie sie in Kiel wohl noch nicht vorgekommen sein dürfte. Tausende von Bürgern mußten umkehren, da das Lokal zur angesetzten Er- öffnuugsstunde bereits überfüllt war.
Kiel, 12. Septbr. Der kommandirende Admiral, Vize-Admiral Freiherr von der Goltz, hat heute früh eine Jnspizirung S. M. Kreuzer- Korvette „Olga" abgehalten.
Kiel, 12. September. Die „F. N." schreiben: Der Großfürst- Thronfolger ist auf der Jacht „Zarewna" um 3V< Uhr Nachmittags hier
Bekanntmachungen König!. Landrathsawts.
Die Hafer-Ankäufe bei dem Königlichen Proviant-Amt zu Bockenheim sollen in nächster Zeit beginnen und soviel als möglich durch direkten Handel mit den Produzenten bewirkt werden.
Ueber die Qualitäts-Ansprüche und die je nach den Handels-Konjunkturen zu gewährenden Preise ist das Amt stets bereit, spezielle Auskunft mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn Seitens der Produzenten bemusterte Offerten vorgelegt werden.
Hanau am 11. September 1889.
Der Königliche Landrath
M. 3909 v. Oertz en.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Vom Wasenmeister heute eingefangen: ein schwarz-weißer Hund mit gelben Extremitäten.
Gefunden: Eine schwarze lederne beschlagene Reisetasche mit Griffen und Inhalt. Ein weißes Armband. Ein Hundemaulkorb. Ein Hundemaulkorb mit Nr. 615. Ein Kinderschuh. Ein farbiges Kindertaschentuch. Ein Herrnhut. Eine Kappe von dunkelgestreiftem Zeug. Eine notarielle Urkunde, ausgestellt in Köln, mit der Unterschrift „Jean Jenior", Weilerswist.
Entlaufen: Ein Rattenpinscher mit gestutzten Ohren, m. Geschl. Hanau am 13. September 1889.
Tagesschau.
Berlin, 12. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern Nachmittag die Vorträge des Ober-Hof- und Hausmarschalls und ' des Chefs des Civilkabinets, empfingen den Abgesandten Sr. Majestät des Königs der Niederlande, General-Lieutenant Verspyck, und nahmen dann am Paradediner Theil. Abends fand Zapfenstreich des Musikkorps des 7. Armeekorps statt. Heute begaben Sich Se. Majestät zu Pferde in das Manövergelände bei Minden.
Ihre Majestät die Kaiserin ist heute Nachmittag 3 Uhr 50 Min. von Potsdam nach Hannover abgereist.
Berlin, 12. Septbr. S. M. Kreuzer „Möwe", Kommandant Korvetten-Kapitän Riedel, ist am 14. September er. in Port Said eingetroffen und wird am 14. desselben Monats die Heimreise über Malta fortsetzen.
Berlin, 12. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." legt in einem längeren Artikel die Nothwendigkeit des Schweine-Einsuhrverbotes dar, um die infolge der allgemeinen Vieh-Einfuhrverbote Englands, Frankreichs und Belgiens verloren gegangenen Absatzgebiete baldigst wiederzugewinnen. Diesem allgemeinen Interesse gegenüber, welches die Schließung der Ostgrenze gebieterisch fordere, müßten die Sonderinteressen zurücktreten. Die Preissteigerung des Schweinfleisches und anderer Lebensmittel sei nicht durch das Einfuhrverbot, sondern durch die Händlerkreise herbeigeführt, welche die Grenzsperre zum Anlasse genommen hätten, die Preise künstlich zu steigern. Die inländische Produktion reiche vollständig aus, den einheimischen Bedarf zu decken; es gelte nur, sich im Innern des Reiches neue Bezugsquellen zu eröffnen.
Berlin, 12. Sept. Der Afrikareisende R. Fricke, ein geborener Berliner, welcher kürzlich mit dem Schiffe „Man zu", Kapitän Stemme, e^1 •1 in Hamburg angekommen war, ist jetzt, nach der „K. Z." m Berlin emgetroffen, um hier an zuständiger Stelle Bericht zu erstatten und außerdem seine interessanten Sammlungen in Castans Panoptikum unterzubringen. Fricke, welcher jetzt 39 Jahre alt ist, hat vor 14 Jahren W "ach Afrita begeben, wo er in den ersten Jahren Karawanen begleitete, sodann fcer ägyptischen Armee wurde, später Gordon und Dr. Peters sich anschloß und in der letzten Zeit für deutsche Interessen thätig 'ar. Trotz der vielen ausgestandenen Strapazen erfreut der Reisende sich vortrefflichen Gesundheit. Otto Ehlers traf Fricke bei der Heimreise, che Tage dauerte, in Mekka. Am Freitag wird Herr Fricke eine »lenz beim Reichskanzler in Friedrichsruh haben.
, ®je ' " schreibt: Die Ueberfüllung der gelehrten Berufe
ist letzthin vielfach nach verschiedenen Richtungen erörtert worden. Eine kurz ich erschienene, in der Presse erwähnte Denkschrift von Prof. Lexis weist nach, daß die Studirenden aller Fächer mit Ausnahme der Zahnheil- '