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Hanauer Anzeiger.
Jugteich Arntttches @>rgan für StaöL- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der ÄE- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 210.
Montag den 9. September
1889.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Auf dem Gehöfte des Ackermanns Heinrich Viehmann in Bruchköbel ist unter dem Viehbestände die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 7. September 1889.
Der Königliche Landrath.
V. 5913 I. V.: Baabe.
Die auf einigen Gehöften der Gemeinde Großkrotzenburg ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Hanau am 7. September 1889.
Der Königliche Landrath.
V. 5923 I. V.: Baabe.______
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Milchkanne. Eine Wagenliese. Ein gestreiftes Nachthemd und ein Stückchen Leinwand. Eine Leine. Ein goldener Kinderohrring.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein grauer Hund m. Geschl. Ein schwarzgrauer Hund mit gelben Pfoten, w. Geschl.
Zugelaufen: Ein kleiner junger gelber Hund w. Geschl. Ein schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichen, mit einem Stück Kette um den Hals.
Hanau am 9. September 1889.
Tagesschau.
Bertin, 7. Sept. Kaiser Wilhelm wird bis gum 10. September am sächsischen Hofe verbleiben und sich alsdann, soweit bis jetzt bestimmt, um 12 Uhr Mittags von Lommatsch aus mittels Sonderzuges nach Min- dè!l begeben, woselbst die Ankunft Abends 7 Uhr erfolgen wird. Der Kaiser wird in Minden bis zum 12. ds. Abends verbleiben und sich dann von dort mittels Sonderzuges nach Hannover begeben, woselbst er Abends 8 Uhr ankommen wird. Zn Hannover beabsichtigt der Kaiser, nach der „K. 3-", bis zum 16. September Aufenthalt zu nehmen. Die Kaiserin hat heute Mittag die Rückreise nach Berlin angetreten, vorher besuchte dieselbe die Gemäldegallerie.
Berlin, 7. Sept. Der Botschafter Graf Hatzfeldt ist gestern hier eingetroffen und reiste heute früh zum Reichskanzler nach Friedrichsruh. — Der „Post" zufolge steht der Tag der Abreise des kaiserlichen Paares nach Italien im Oktober noch nicht ganz fest, die Bestimmung darüber hängt von Umständen ab, die noch nicht zu übersehen sind.
Berlin, 7. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Zeitungsmeldungen über den bevorstehenden Rücktritt des Finanzministers von Scholz als müßige Erfindungen. Derselbe sei augenleidend und habe zur Herstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub angetreten, von seinem Rücktritte sei in amtlichen Kreisen nichts bekannt.
Danzig, 7. September. Auf dem sechsten Vereinstag des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke erstattete Pastor Hirsch (Lintorf) Bericht über die segensreiche Wirksamkeit der Trinkerheilanstalten. Die Versammlung nahm einige leitende Grundsätze für die Verwaltung folger Anstalten au und sprach sich dahin aus, daß die gesetzliche Regelung der Frage, namentlich die vom Zuristentage empfohlene Entmündigung der Gewohnheitstrinker, wünschenswerth sei.
^ Kiel. Briefsendungen für S. M. Kreuzer-Korvette „Olga" sind s aus weiteres nach Kiel zu richten. Das Schiff, welches vor Samoa mit den Elementen große Kämpfe zu bestehen hatte und nur mit vieler Muhe gerettet werden konnte, wird'iu diesen Tagen in Kiel eintreffen.
£ M^bürgern wird ein würdiger Empfang der Offiziere und Mâuujchlifteii der „Olga" vorbereitet lind es findet zu dein Behufe infolge öffentlicher Einladung eine Versammlung heute Abend statt.
Ki^t, 7 September. Die abgelösten Mannschaften des „Adler" und „Eber sind heute Nachmittag hier eingetroffen. Prinz Heinrich hielt nach den „^. N. eine Ansprache an sie: Es sei den öseimkehrenden vergönnt gewesen, in hervorragender Weise und in herrlichem Maße ihre Pflicht im Auslande zu erfüllen; sie hätten sich als brave Söhne des Vaterlandes, als Deutsche von rechtem Schrot und Korn gezeigt, und nicht allein im blutigen Kampfe, sondern auch im Kampf gegen die Elemente die Treue bis in den Tod bewahrt. Er halte sich für berechtigt, die
Kameraden vom „Eber" und „Adler" im Namen des Kaisers, der oft mit ihm von ihnen gesprochen habe, welcher jeden wahrhaft tapferen Mann wie seinen Sohn liebe, zu bewillkommnen.
Kiel. Der von S. M. Kreuzer „Adler" in Apia verbliebene Theil der geretteten Mannschaften ist auf der Heimreise nach Antwerpen eingetroffen und wird morgen hier erwartet. — Die Nachricht von dem Untergang des in Kiel beheimatheten, der hiesigen Rhederei H. Diedrichsen zugehörigen Dampfers „Mimi" im nördlichen Eismeer bestätigt sich nach allen bisherigen telegraphischen Nachforschungen seitens der Rhederei nicht. Man hält die Flaschenpost für einen losen Streich. (K. Z.)
Dresden, 7. September. An dem heute Nachmittags im königlichen Schlosse stattgehabteu Diner nahmen außer den allerhöchsten und höchsten Herrschaften und deren Gefolge die fremdherrlichen Offiziere, der Ehrendienst, die Generalität und die in der Parade gestandenen Stabsoffiziere Theil.
Dresden, 7. Sept. Der Kaiser und der König von Sachsen haben sich heute Früh 7 Uhr bei regnerischem Wetter nach Ostrau begeben, um den südlich von Oschatz stattsindenden Manövern gegen einen markirten Feind beizuwohnen. Heute Nachmittag findet im hiesigen Residenzschlosse ein größeres Essen statt, zu welchem 250 Einladungen ergangen sind.
Dresden, 7. Sept. Die Kaiserin hat heute Mittag die Rückreise nach Berlin angetreten. Vorher besuchte dieselbe die Gemäldegallerie.
Dresden, 8. September. Der Kaiser und die anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten fuhren, nach dem „F. I.", heute Vormittag 8Us Uhr, auf den Wege von lebhaften Hochrufen begrüßt, zum Bahnhöfe, um sich nach Oschatz und von da zu Wagen nach Kleinforst zu begeben und an bem dort stattfindenden Feldgottesdienste der Manövertruppen Theil zu nehmen. König Albert von Sachsen wohnte dem Gottesdienste in der katholischen Hofkirche bei. — Der Kaiser hat sich nach beendigtem Feldgöttesdienst auf der Eisenbahn von Oschatz nach Coswig und sodann mittels Wagens nach der Moritzburg begeben, woselbst König Albert bereits eingetroffen war, um mit dem Kaiser eine Pürschjagd abzuhalten. Nach der Jagd findet ein Diner von 14 Gedecken statt, an welchem außer dem Kaiser und den Mitgliedern der Königlichen Familie die hier anwesenden Fürstlichkeiten theilnehmen.
Bremen, 7. September. Ein Telegramm aus Tromsoe meldet: Die von der Bremenser geographischen Gesellschaft zu zoologischen Forschungen nach dem Eismeere entsandten Reisenden Kückenthal und Walter sind mit erfreulichen Resultaten in Tromsoe wieder eingetroffen. (Rh. K.)
Wien, 7. Sept. Die Czechenblütter bedauern das Scheiden des Statthalters Kraus, der nach der „Politik" eine längere Reise antreten und später in Wien seinen Wohnsitz nehmen wird. Thun werde sogleich sein Amt antreten und vielleicht schon Dienstag den Kaiser in Leitomischl begrüßen. Narodni Listy hoffen, mit Thun werde sich handeln und auskommen lassen, als Föderalist und Anhänger des Staatsrechts sei er den Zungczechen nicht bis an die äußerste Spitze unsympathisch. Die Wiener Deutschliberalen sehen in Thun den Krönungsstatthalter. Als Schwiegersohn des czechischeu Fürsten Karl Schwarzenberg habe er am Scheitern der Kompromißverhandluugen den Hauptantheil. Die Offiziöser bezeichnen ihn als konservativ, aber nicht national. (K. Z.)
Brüssel. Eine für die belgischen Arbeitsverhältnisse sehr wichtige Umgestaltung vollzieht sich gegenwärtig. Um die Streitigkeiten zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern in gütlicher Weise auszugleichen, waren gewerbliche Schiedsgerichte, denen Mitglieder beider Parteien angehörten, eingesetzt, aber sie sanden, da das Wahlrecht den arbeitenden Klassen sehr beschränkt war, wenig Anklang. Im Ganzen hatte Belgien nur 25 Schiedsgerichte, die aber trotz ihrer geringen Zahl Erfreuliches leisteten; haben sie doch im Jahre 1888 von 4333 Streitsachen 3074 gütlich geregelt. Jetzt tritt ein neues Gesetz in Kraft, welches den Arbeitern volles Wahlrecht verleiht. Jeder 25 Jahre alte, ein Jahr im Bezirke ansässige Arbeiter, welcher 4 Jahre sein Handwerk ausgeübt hat, ist Wähler; jeder 30 Jahre alte Wähler kann als Mitglied in das Schiedsgericht gewählt werden. Die ganze Arbeiterpartei wird sich, bent „Hamb. Corr." zufolge, an diesen, alle 3 Jahre stattfindenden Wahler, betheiligen, und so werden in allen größeren industriellen Orten nunmehr Schiedsgerichte entstehen, welche die zahlreichen Streitigkeiten zwischen Patronen und Arbeitern in gütlicher Weise schlichten werden — ein bedeutsamer Fortschritt in den Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit.
Antwerpen, 7. Sept. Die Behauptung, der Provinzialausschuß