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Hamner Anzeiger.
Kugteich Amtliches $rgcm für Stcröt- unö Lanökveis Kcrncru.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Torm- und Feiertage, mit belletristtscher Beilage.
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Nr. 205.
Dienstag den 3. September
1889.
Amtliches.
DieKst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Eine junge Ziege. Ein brauner Dachshund mit gelben und weißen Abzeichen, m. Geschl.
Gefunden: Am 31. v. Mts. auf dem Neustädter Marktplatz ein gelbes Armband. Eine Denkmünze.
Hanau am 3. September 1889.
Tagesschau.
Berlin, 2. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König reisten heute am frühen Morgen in das Manöverterrain des Garde-Corps in der Lausitz.
Berlin, 2. September. (K. Z.) Der deutsche Botschafter am englischen Hofe wird hier erwartet und sich während seines Urlaubs auch zu dem Fürsten Bismarck nach Friedrichsruh begeben.
1 Berlin, 2. Sept. Die „Post" schreibt: Wie man uns von sonst gut unterrichteter Seite mittheilt, steht der Rücktritt des Finanzminister v. Scholz zum Oktober nunmehr bestimmt bevor. Herr v. Scholz weilt seit SIpfang Juli auf seiner bei Constanz belegenen Besitzung und kehrt, wie wir bereits vor einiger Zeit melden konnten, vorläufig nicht hierher zurück. Ueber einen Nachfolger des Ministers v. Scholz ist bis jetzt noch nicht verhandelt worden; alle von andern Blättern gebrachten Nachrichten, daß mit dem Staatssekretär des Reichsschatzamts v. Maltzahn-Gültz darüber verhandelt worden sei, sind irrig.
Berlin, 2, September. (K. Z.) Die Bemühungen betheiligter t ^reis- und Gemeindebehörden, die Aushebung des Schweine-Einfuhrverbots zu ermöglichen, werden in umfassendster Weise fortgesetzt. Zu den schrift- r klchen Gesuchen gesellt sich vielfach die Abordnung betheiligter städtischer Behörden. Die Borstellungen werden unter Hinweis auf die vielfachen Nothstände, welche das Verbot im Gefolge hat, erläutert. Es sind erneute Erhebungen angestellt und Erwägungen im Gange, welche wohl ein milderes Verfahren für die nächste Zeit in Aussicht stellen.
Die Post von dem am 27. Juli aus Shanghai abgegangenen Reichs- Postdampfer „Dresden" ist in Brindisi eingetroffen und gelangt für Berlin voraussichtlich am 3. d. M. zur Ausgabe.
Elberfeld, 2. September. Ein junger Fabrikarbeiter legte, wie die „K. Z." schreibt, mit einem Revolver im Scherz auf seine Mutter an, als im selben Augenblick auch schon ein Schuß krachte und die unglückliche Frau, in den Unterleib getroffen, zusammenbrach. Der leichtfertige Schütze » wurde sofort verhaftet.
Görlitz, 2. Sept. (K. Z.) Die Oppelner Regierung gestattete telegraphisch die Einfuhr und die Weiterbeförderung mehrerer an der Grenze liegenden Waggons lebender Schweine. Weitere Milderungen des Einfuhrverbots stehen bevor.
Kiel. S. M. Kreuzer „Sperber" wird am 4. September von Kiel aus die Reise nach der Südsee antreten, auf der Ausreise läuft das Schiff voraussichtlich Gibraltar und Port Said an und weiter geht die Fahrt durch den Suezkanal nach Aden. — S. M. Torpedoschnlschiff „Blücher" ist heute zu der bis Ende September währenden Uebungsrcise in See gegangen. — Für S. M. Kreuzer „Möwe" sind Briefsendungen zu richten: bis 3. September nach Port Said über Brindisi, bis 18. Sep- tember nach Gibraltar über Madrid, vom 19. September bis auf weiteres nach Plymouth.
Leipzig, 1. Sept. Heute Nachmittag bewegte sich ein endloser Kinderfestzug in welchem man 6000 kleine Weltbürger zählte, nach dem
. ®^5' 2. .Sept. Unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung
<.^l^mütfteit Stadt erfolgte heute in Gegenwart der städtischen Behörden die Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. Der Reichs- tagsabgeordnete^Henning hielt die Festrede, Bürgermeister Eidel übernahm das Denkmal Namens der Stadt. sFr. N.)
, Wien, 1 Sept. Das neue Exerzier-Reglement für die Infanterie, sowie die abgeanderte Schießinstruktion werden, dem „Prag. Abdbl." zu- svlge, am September erscheinen und am 1. Oktober in Kraft treten. Die diesjährige Uebungsreise des Generalftabes vom 8. bis 21. September das östliche Bosnien zum Ziele.
Gmunden, 1. Sept. Der Feldzeugmeister Graf Huge ist heute Vormittag gestorben. |
Been, 2. Sept. Es sollen Anhaltspunkte vorliegen, daß die Angabe des Graveurs Nicolet, das anarchistische Manifest verfaßt zu haben, trotz des eigenen sogenannten Geständnisses falsch ist.
Stockholm, 2. Sept. In der heutigen Sitzung dB Orientalisten- kongrcsses entledigten sich die ausländischen Delegirten, worunter die Professoren Dillmann und Schröder aus Berlin, Pertsch aus ^otha und Ahl- wordt aus Greifswald, der ihnen aufgetragenen Begrüßungen an den König und den Kongreß. Abends wohnen die Kongreßmitglieder einer Festlichkeit bei, welche der König im Schloß Drottningholm veranstaltet.
Poris, 1. Sept. Das XIX. Siöcle behauptet, Boulanger werde sich in der Woche vor den Wahlen hier dem Gerichte stellen.
London, 2. Sept. Die Vereinigung der Rheeder verlangte von den Direktoren der Dockgesellschaften das Recht, ihre eigenen Arbeiter für die Beladung und Entladung der Schiffe verwenden zu dürfen. Den Direktoren wurde eine 24stündige Bedenkzeit gewährt. Die Rheeder wollen versuchen, sich mit den Streikenden auseiu anderzusetzen, falls ihre Forderung zugestanden wird. — Die Eigenthümer der Einlade- und Ausladequais an der Themse nahmen einstimmig eine Resolution an, worin die von den Dockdirektoren den Arbeitern genialsten Vorschläge als gerecht und billig bezeichnet und die Streikenden aufgefordert werden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Dockdirektoren beschlossen, wegen der von Burns und Tillet geführten drohenden Sprache mit den Streiführern nicht weiter zu verhandeln. 3000 streikende Schneider bewegten sich heute iu geordnetem Zuge durch die City.
London, 2. Sept. Gestern Nachmittag fand im Hyde Park ein großes Meeting der strikenden Dockarbeiter statt, welchem ca. 150 000 Personen beiwohnten. Burns und andere Leiter des Strikes hielten Reden, worin sie den festen Beschluß der Dockarbeiter betonten, den Strike weiterzuführen, bis ihre Forderungen von den Direktoren bewilligt seien. Es wurde unter den Anwesenden eine beträchtliche Geldsumme zu Gunsten der Strikenden gesammelt; die Ruhe wurde nirgends gestört.
London, 31. August. Der Castle-Dampfer „Warwick Castle" ist auf der Ausreise gestern in Capetown eingetroffen.
Bremen, 31. August. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Bayern" ist vorgestern in Singapore eingetroffen.
Hamburg, 1. Septbr. Der Postdampser „Allemanilia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern in Havana eingetroffen.
Trièst, 1- Septbr. Der Lloyddampfer „Hungaria" ist heute Abend aus Konstantinopel hier eingetroffen.
KM^ Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -MW
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Kommers. Die Festrede, welche Herr Oberbürgermeister Westerburg auf dem vergangenen Samstag in der „Centralhalle" stattgehabten Kommers zur Sedanfeier gehalten, hat folgenden Wortlaut:
Hochverehrte Festgenossen!
Eine schöne patriotische Sitte läßt uns in Hanau alljährlich den Sedantag festlich begehen. Diese Feier, zu welcher der heutige Abend nur das Vorspiel bildet, ist ein Beweis für die ächt patriotische Gesinnung, die in Hanau alle Schichten und alle Klassen der Bevölkerung ohne Unterschied des Ranges oder des Besitzes mit gleicher Wärme durchdringt. Die Jahre kommen und gehen, in dem feiernden Kreise vermissen wir alljährlich und besonders auch dieses Jahr mit schmerzlicher Wehmuth frühere liebe Festgenoffen, aber der Sedantag selbst bleibt ewig jung. Sein Andenken kann nicht veralten, so lange noch die Erinnerung an die heilige Zeit von 1870 und an die Begründung des Deutschen Reiches im deutschen Herzen lebt, so lange überhaupt Deutsche stolz und dankbar sich ihres Namens bewußt sind. Denn, meine Herren, hierin liegt ja die ganze und auch die einzige Bedentung des Sedantages. Wir feiern nicht in chauvinistischer Eitelkeit immer und immer wieder die eine siegreiche Schlacht als solche, denn Gott sei Dank hätten wir dann im Kalender gar zu viele Tage als Festtage roth anzustreichen, an denen unter den siegenden preußischen Fahnen seit dem großen Kurfürsten bis auf unsere Tage herab für Alldeutschland glänzende Lorbeeren errungen worden sind. Wir feiern auch nicht in verspottender Rachsucht oder Schadenfreude die Niederlage und das Unglück unserer westlichen Nachbarn, denn wir haben ihnen ihren frevelhaften Angriff von damals längst verziehen und wollen mit ihnen gerne in Frieden leben, falls sie nur vernünftig sind und uns in Ruhe lassen.