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Zum 2. September.

Zum Gedächtniß des Begründers der deutschen Einheit" hat Kaiser Wilhelm II. vor wenigen Tagen auf der Esplanade zu Metz den Grund­stein für das dort zu errichtende Denkmal unseres großen Kaisers gelegt. Als ein ehernes Grenzzeichen, als ein würdiges Hoheitszeichen des Deutschen Reiches soll das Denkmal dort aufgerichtet werden, gestiftet von dankbaren Herzen, geformt und geweiht von dankbaren Händen. Jedem Deutschen heilige Erinnerungen umgeben jene Stätte und wer je in friedlichen Tagen die Schlachtfelder um Metz durchmessen, fühlt sich dort inmitten ihrer zahl­reichen Grabstätten von dein gewaltigen Ernste einer ewig großen Zeit um­rauscht. Glänzender, weil politisch bedeutsamer, leuchtet der Tag von Sedan in unserer Geschichte, aber die drei schweren Augusttage der Schlachten um Metz, die opfervollen Monate der Belagerung mit der schließlichen Uebergabe, sind militärisch ungleich größer, weil sie die Eigenschaften des deutschen Sol­daten : die todesmuthige Hingebung, das Ausharren unter allen Verhält- nissen, die unerschütterliche Disziplin in den schönsten und großartigsten Beispielen zur Geltung brachten. Ohne die heldenmüthigen Kämpfe vom 16. und 18. August hätte es wohl keinen Tag von Sedan gegeben, und wenn die große Siegeskunde vom 1. und 2. September im ganzen Deutsch­land einen Jubelsturm höchster Begeisterung entfesselte, so ging die Bot­schaft:Metz ist über" wie eine Erlösung durch das Vaterland.

Aber mit Recht wird der zweite September der nationale Gedenktag des großen Krieges bleiben. Bei Sedan fochten zum ersten Male die süd- und norddeutschen Truppen vereint unter König Wilhelms Augen und un- i mittelbarem Oberbefehl, und als die weiße Fahne über Sedan flatterte, als die Nachricht von dem Großen, das sich zugetragen, das weite Blachfeld d ucheilte, da vereinigte sich der stürmische Jubelruf der Preußen und der -' Ipern, der Sachsen und der Württemberger in der Begrüßung dieses deutschen Sieges. Rund um Sedan stand Alldeutschland. Schnlter an Schulter wie nie zuvor, die Sieger von Wörth neben denen von St. Privat, an ihrer Spitze den Bundesfeldherr im Silberhaar, der vor wenigen Wochen beim Auszuge dem deutschen Volke Treue um Treue gelobt hatte. Alldeutschland war Zeuge der Waffenstreckung des Kaisers Napoleon, der Wasfenstreckung seines Heeres, des gemeinsam erkämpften Erfolges ver­einter Kraft.

Für unser deutsches Volk ist der Tag von Sedan die große Lehre der Geschichte.Einst mächtig, groß und geehrt, weil einig und von starken Händen geleitet, sank das Deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern in Zerrissenheit und Ohnmacht. Des Ansehens im Rathe der Völker, des Einstusses auf die eigenen Geschicke beraubt, ward Deutschland zum Spielball in den Händen fremder Mächte, für welche es das Blut seiner Kinder, die Schlachtfelder und die Kanipfpreise hergab." . Diese ernste Mahnung hatte König Wilhelm bei der Eröffnung des ersten Reichstages des norddeutschen Bundes den um ihn versammelten Ver­tretern der deutschen Regierungen und der deutschen Stämme, wie sie in jener Versammlung vereinigt waren, zugerufen. Drei Jahre später und Deutschland war wiedermächtig, groß und geehrt, weil einig und von starken Händen geleitet", es hatte das Blut seiner Kinder nur sür sich selbst in Anspruch genommen und. dem fremden Bedroher die Schlachtfelder und den Kampfpreis vorgezeichnet.

So stellt in der Geschichte unseres deutschen Landes und Volkes der Tag von Sedan das große versöhnende Moment dar. Was Deutschland Jahrhunderte hindurch an Unbill und Vergewaltigung erduldet und ge­tragen, was es selbst durch die opferreichen Anstrengungen der Befreiungs­kriege nicht zu beseitigen vermocht hatte bei Sedan brach es die so lang und vergeblich ersehnte Frucht. Möge in unserem Volke niemals das- Be­wußtsein erlöschen, daß es zu seinen Zielen nur durch seine Einigkeit, durch das treue und hingebungsvolle Zusammenhalten der Fürsten und Stämme gelangen konnte und daß nur die gleiche Einigkeit und Treue das Er­rungene zu bewahren vermag. Möge das verfassungsmäßige Band, welches heute die deutschen Stämme zu ungeahnter Größe und Macht verbindet und das seine Festigkeit bereits in ernsten Augenblicken erprobt hat, für alle Zeit von dem Geiste durchdrungen bleiben, welcher am 2. September 1870 bei Sedan die siegreichen Kämpfer und in der Heimath das von freudiger Dankbarkeit bewegte Volk erfüllte.

Tagesschau.

Berlin, 31. August. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men heute die Vorträge des Ober-Hof- und Hausmarschalls und des Chefs des Generalstabes der Armee entgegen.

Berlin, 31. Aug. Großfürst Michael Michaelowitsch von Rußland, welcher vorgestern aus Petersburg hier eintraf, ist gestern nach Mecklen­burg weitergereist.

Berlin, 31. Aug. Seitens der Reichspostverwaltung wird dauernd über die Unzahl der unbestellbaren Briefe geklagt. Die Zahl derselben be­lief sich im Jahre 1887 auf mehr als eine Viertelmillion, womit ein Porto­verlust von 25,000 M. verknüpft ist. Diesem Uebelstande würde abge­holfen werden, wenn die Absender ihre Adresse auf den Briefumschlag schrieben.

Mit Recht greift sich dieBerl. Ztg." die Reklame eines Ber­liner Kohlenhändlers heraus, welcher dieser Tage der Redaktion eine Preis­

liste zusaudte, die auf dem Titelblatt das Bild Kaiser Friedrichs mit der UnterschriftDer Antisemitismus ist eine Schande für die Nation" zeigt. Der Preisliste ist ein Begleitschreiben beigefügt, in welchem es heißt:Ich erlaube mir, Ihnen mit meiner Preisliste den Mann in Erinnerung zu bringen, der nicht nur auf dem Throne, sondern auch im Reiche des freien Gedankens ein Fürst war, frei von Vorurtheilen in Religion und Politik und beherrscht nur von den edlen Gefühlen wahrer Humanität. Echt und ohne Trug, wie sein Herz und sein Wort war, ist die Waare, die diese Preisliste bietet, und das Maß, mit dem sie gegeben wird." Ein scham­loserer Mißbrauch des Andenkens Kaiser Friedrichs, als ihn diese Leistung aufweist, läßt sich kaum denken. (Voss. Ztg.)

Oberpräsident a. D. Freiherr von Ende, dessen Tod bereits gemeldet wurde, war von 1862 bis 1870 Polizei-Präsident in Breslau. Seine persönliche Beliebtheit bewirkte es, daß ihm bei seinem Scheiden aus dieser Thätigkeit die Stadt Breslau das Ehrenbürgerrecht verlieh. Von Breslau aus ging Herr von Ende als Regierungs-Vizepräsident nach Schleswig, 1873 als Regierungs-Präsident nach Düsseldorf, 1876 als Oberpräsident von Hessen-Nassau nach Cassel, 1887 nahm er seinen Abschied.

Kiel, 30. Aug. S. M. KadettenschulschiffNiobe" ist gestern in Zoppot eingetroffen und wird von dort voraussichtlich am 9. September wieder in See gehen.

Wilhelmshafen, 31. Aug. Der Chef der Manöverflotte Vice- Admiral v. Kall holte seine Flagge während der Flaggenparade an Bord derBaden" nieder, wodurch die Auflösung der Manöverflotte erfolgte. Die PanzerschiffeBaden,"Sachsen,"Oldenburg," gehen noch heute nach Kiel in See. (K. 3 )

Sontgemünd, 1. Sept. Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, ist in Begleitung der Unterstaatssekretäre von Lchraut und von Kocller heute Vormittag 10 Uhr zur Eröffnung der landwirth- schaftlichen Ausstellung für den Bezirk Lothringen hier eingetroffen. Die Stadt war reich beflaggt, die Feuerwehr und die Vereine mit Musikkapellen bildeten Spalier. Der Bürgermeister Dr. Freudenberg bewillkommnete den Statthalter und hielt eine Ansprache an denselben. Unter Glockengeläute und dem Hurrahrufen der Bevölkerung begab sich der Statthalter nach der Kreisdirektion, wo die Vorstellung der Behörden, der Geistlichkeiten und anderer Notabilitäten stattfand. (Fr. I.)

Pest, 31. Aug. Von amtlicher Seite wird die Meldung der Blätter, in Zinkendorf und Hegykö im Oedenburger Komitate seien zwei Cholera­fälle vorgekommen, und in ersterem Orte sei ein Bauer unter Symptomen der Cholera gestorben, als vollständig unbegründet erklärt.

Czernotvitz, 31. Aug. Nach einer Meldung hiesiger Blätter ist infolge Regenwetters der Pruth ausgetreten. Der Norden und Nordosten der Stadt ist überschwemmt. Auch der Czeremocz und die Suczawa sind ausgetreten.

Bern, 31. Aug. Der Graveur Albert Nikolet in Chaux-de-Fonds, welcher sich als Verfasser des Manifestes der Schweizer Anarchisten bekannt hat, ist verhaftet worden.

Rom, 31. Aug. DerKapitan Fracaffa" glaubt zu wissen, daß in der gestern bei Crispi stattgehabten Besprechung endgültige Maßnahmen festgestellt worden seien, welche geeignet wären, die der Escompte-Bank und der Banca Triberina drohende Krisis abzuwenden und die Ausführung des Bauten-Programms von Rom zu sichern.

Paris, 31. Aug. Das Manifest des Grafen von Paris macht kein besonderes Aufsehen. Man hält dasselbe im allgemeinen für ungeschickt abgefaßt und wirft ihm besonders vor, daß es sich allzusehr auf den Kle- rikalismus stütze und daß es nicht offen mit dem Boulangismus gebrochen habe. Daß das Manifest einen großen Eindruck auf die Wähler machen werde, glaubt niemand. Die boulangistischen Blätter sind unzufrieden, weil der Graf ihre Partei nicht erwähnt hat; sie erklären jedoch, daß sie ihn unterstützen wollen, weil er der jetzigen Regierung den Krieg angesagt habe. Die royalistischen Blatter billigen selbstverständlich den Aufruf; sogar die Gazette de France" undLe Monde" die bisher mit der Politik des Grafen von Paris nicht einverstanden waren, stehen auf seiner Seite, weil er die Royalisten ermahnt, vor allem für die Beibehaltung ihrer bisherigen Deputirtensitze einzugestehen.

London, 31. August, früh. In einer gestern stattgehabten Konfe­renz von Werftenbesitzern, Schiffsrhedern und Kaufleuten, der auch Ver­treter der strikenden Dockarbeiter beiwohnten, wurde ein Abkommen für die Wiederaufnahme der Arbeit entworfen. Dasselbe gesteht die Forde­rungen der Arbeiter im Wesentlichen zu. Das Abkommen wurde gestern Abend dem Ausschuß der Strikenden unterbreitet und von demselben erör­tert. Der Ausschuß wird heute seine Entscheidung bekannt geben. Im Falle der Annahme des Abkommens würde der Strike insofern beendet sein, als die Arbeit nicht in den Docks, sondern in den Werften wieder ausge­nommen wird. Den Dockgesellschaften wird es freigestellt werden, sich an dem Abkommen zu betheiligen. ' '

London, 1. Sept. Der Generalausschuß der streikenden Dock­arbeiter hat das Manifest, welches im Falle der Nichtannahme der For­derungen der Dockarbeiter einen allgemeinen Streik empfiehlt, zurückgezogen und richtet nun an die Gewerkvereine Englands und des Auslandes das Ersuchen, finanzielle Unterstützungen für die Streikenden beizusteuern.