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Erscheint täglich mit Ausnahme der S«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 202.

Freitag den 30. August

1889.

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3ten l. Mts. wird auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom Allsten Februar 1870 und auf Grund des §. 107 des Zuständigkcitsge- setzes vom 1. August 1883 weiter an geordnet, daß die Jagd auf Fasanen- Hennen am Ilten September d. J. ihren Anfang nimmt.

Cassel am 24. August 1889.

Namens des Bezirks-Ausschusses: ______________________Der Vorsitzende.______________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein vierreihiges Korallenarmband mit goldenem Schlöß- t chen; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Gefunden: Am 22. ds. Mts. auf der Straße von Mittelbuchen nach Bruchköbel ein grauer Filzhut; Empfangnahme bei Ackermann Johannes Kolb zu Mittelbuchen.

Entlaufen: Vier Hähne.

Zugelaufen: Ein Hahn.

Hanau am 30. August 1889.

300 Mark Belohnung.

Gestern Vormittag gegen 7 Uhr ist der Techniker Hermann Karl August Elsner aus Glatz, dahier Oppenheimerstraße Nr. 34 wohnhaft gewesen, in einer Schneise des hiesigen Stadtwaldes zwischen dem Louisa- Park und dem Oberforsthause erstochen und beraubt aufgefunden worden. Der Ermordete hat Sonntag Nachmittag 5 Uhr seine Wohnung verlassen, um einen Spaziergang in den Wald zu unternehmen. Nach dieser Zeit muß somit die That verübt worden sein.

Geraubt sind, soweit bis jetzt ermittelt werden konnte: Eine ältere Werne Taschenuhr mit silberner Panzerkette, ein dunkles ledernes Klapp- portemonnaie mit Geld, ein schwarzer Regenschirm mit braunem Stock und schwarzem Horngriff, ein schwarzledernes Cigarrenetui mit Stahlbügel, ein Bund größerer und kleinerer Schlüssel.

Ich bitte, jeden Umstand, welcher irgendwie geeignet sein könnte, auf die Spur des Thäters zu führen, mir ungesäumt mittheilen zu wollen, und sichere Demjenigen, welcher durch seine Mittheilungen zur Ueberführung des Thäters wesentlich beiträgt, hierdurch eine Belohnung von vorläufig Drei­hundert Mark zu.

Frankfurt a. M., den 27. August 1889.

X Der Polizei-Präsident.

/ von Müffling._______________

Tagesschau.

Kaiser Wilhelm traf 3 Uhr 20 Minuten Nachmittags auf der Station Wildpark ein und begab sich nach dem Neuen Palais.

Berlin, 29. August. Die vier ältesten Söhne Ihrer Majestäten Les Kaisers und der Kaiserin sind, wie der „R. u. St.-A." meldet, gestern Abend 83/a Uhr wohlbehalten auf der Wildparkstation eingetroffen und von Ihrer Majestät der Kaiserin daselbst empfangen worden. Ihre Majestät und die Prinzen wurden von dem zahlreichen Publikum, das sich auf der Wildparkstation angesammelt hatte, mit brausenden Hochrufen begrüßt.

Berlin, 29. Aug. S. M. Kanonenboot „Hyäne", Kommandant Kapitänlicutenant Zeye, ist am 28. ds. in San Paolo de Loanda einge- trvffen und beabsichtigt, am 29. wieder in See zu gehen. S. M. Fahr- Zkug „Loreley", Kommandant Korvettenkapitän v. Henck, ist am 28. ds. ? @ala$ eingetroffen und beabsichtigt, am 3. September wieder in See zu gehen.

Berlin, 29. August. Der „Kreuzzeitung" zufolge ist bei der Kund scheu Expedition an Stelle des verstorbenen Lieutenants Tappenbeck der ffremierlieutenant Morgen vom Infanterie-Regiment Nr. 63 getreten. Derselbe begibt sich bereits morgen nach Hamburg und am 1. September mit einem Woermann-Dampfer nach Westafrika.

_ Berlin, 29. August. Die „Nordd. Allgcm. Ztg." hält die Jden- tlstzlrung der Emin-Pascha-Unternehmungen mit der" Reichskolonialpolitik für unzutreffend. Beide ständen zu einander im Gegensatz. Die Emin- Expedition könne nach der Trennung von, ja wegen der Konkurrenz mit der Wißmann'schen Expedition die Aufgabe der deutschen Kolonialinteressen nur schädigen, während es doch gelte, alle Kräste auf die Wiedergewinnung, |

Sicherstellung und Melioration des bisherigen Besitzes zu kouzentriren. Die Emin - Expedition habe, statt mit der Regierung und der Ostafrikanischen Gesellschaft gemeinsame Sache zu machen für die Pazifizirung des deutschen Küstenlandes, ihre Gelder unb Truppen für ein Unternehmen verwandt, das eine Zersplitterung der Kräfte bedeute. Es sei an der durch die Re­gierung und den Reichstag festgesetzten Kolonialpolitik und der Nothwendig­keit festzuhalten, daß der Reichskanzler die auswärtige Politik leite, nicht der Vorsitzende des Emin-Pascha-Komitces. (F. N.)

Ueber das Voischttlwescn schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." am Schluffe eines längeren Leitartikels über die höheren Schulen: Das Vor- schulwesen ist überhaupt nur in denjenigen Gemeinden ein Bedürfniß, in welchen eine geeignete Vorbildung für die Sexta der höheren Anstalten nicht gewonnen werden kann. Deshalb dürfte sich die Abschaffung der ' Vorschule in vielen Städten rechtfertigen lassen, zumal da schon durch die Vorschule vielfach dem übermäßigen Zudrauge zu den Gymnasien der Weg geebnet wird, und da die Volksschulverhältnissc in den Städten sich un­leugbar gebessert haben.

Ueber die Brieftauben im Dienste des Kaisers bei den Kaiser­manövern des 3. und 9. Armeekorps wird berichtet, daß bereits 72 Brief­taubenvereine, darunter zwei aus Hamburg, je 2 Paar Tauben nach dem Jagdschlösse Springe bei Hannover, wo der Kaiser während der Tage vom 18. bis 21. September sein Hauptquartier aufzuschlagen gedenkt, entsendet haben. Nach Verständigung des Präsidenten der deutschen Brieftanben- Vereine, Herrn von Alten-Linden, mit dem Hosmarschallamte und dem Generalstab werden die Tauben mit den Depeschen des Kaisers am hei­mathlichen Schlage von den Züchtern, vertrauenswürdigen Personen, selbst erwartet und dann die Nachrichten, je nach Maßgabe der darin bezeichneten Bestimmungsorte, den Reichstelegraphenämtern überantwortet.

Königsberg i. Pr., 29. August. Der heute geschlossene allge­meine Vereinstag deutscher Genossenschaften wählte Freiburg im Breisgau als Ort für den nächstjährigen Vereinstag.

Vietz, 29. August. Kaiser Wilhelm kehrte, nach dem „Rh. K.", gestern Abeird ans dem Jagdrevier nach dem Bahnhöfe zurück, über­nachtete dort im Salonwagen und fuhr heute nm 8 Uhr wieder zur Pürsch- jagd nach Dolgensee.

Kiel, 29. August. Der frühere Oberpräsident von Schleswig- Holstein Freiherr Angust von Ende ist gestorben.

Bochum, 29. Aug. (K. Z.) Der Katholikentag wählte einstimmig München zum nächsten Versammlungsorte. Für den Fall, daß sich Schwierig- keiten erheben sollten, die Versammlung daselbst abzuhalten, ist der Kom­missar Fürst Löwenstein ermächtigt worden, eine andere Stadt zu bestimmen. Vorgeschlagen wurden dafür Mainz, Danzig, Coblenz und Köln.

Dresden, 28. August. Die achtzehnte Versammlung deutscher Forstmänner wurde heute in Anwesenheit des Königs Albert eröffnet. Ministerialrath Ganghofer-München und Landforstmeister Witzleben wurden zu Vorsitzenden gewählt. Es sind zweihuudcrtsechzehn Forstleute erschienen. Der König wohnte drei Stunden lang der Sitzung bei.

Aus Thüringen, 28. Aug. An der Berliner Börse und dieser nach in einigen Zeitungen ist wieder einmal von einer Verstaatlichung der Werrabahn und insbesondere davon die Rede gewesen, daß Preußen ein Kaufangebot gemacht habe, daß hierbei aber der noch bestehende Antbeil Bayerns an der Strecke Coburg-Lichtenfels hindernd in den Weg trete. Die ganze Nachricht darf als unbegründet bezeichnet werden. Preußen hat kein Ankaufgebot für die Wcrrabahn gestellt und wird überhaupt ein solches nicht stellen. Die Sachlage ist vielniehr die, daß die preußische Regierung die Frage einer Verstaatlichung der Werrabahn erst dann in Betracht zieht, wenn die an derselben beseitigten Staaten und die zuständige Vertretung der Aktionäre die Veräußerung beantragen. Das ist aber bislang noch nicht geschehen und ist zunächst auch nicht in Aussicht. Der in Betracht kommende Antheil Bayern würde mit etwas über 800,000 Mk. leicht be­friedigt sein. (K. Z.)

Karlsruhe, 28. Aug. Das hiesige königliche Proviantamt benach­richtigt die Landwirthe, daß cs nm mehr mit dem Ankäufe des Roggens und Hafers au§ der eben beendeten Ernte beginne. Das betr. Proviant­amt ersucht um unmittelbare Angebote, und ist zu jeder Auskunft in seinen Diensträumen, Kriegstraße 116, gern bereit. Heu und Stroh werden eben­falls in bekannter Weise angenommen. Diese Bekanntmachung bringt das großh. Bezirksamt mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß es sich bei der obigen Maßnahme weniger um Abschluß größerer Lieferungsverträge