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Erscheint täglich mit Ausnahme der S«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 199.

Dienstag den 27. August

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Amtliches.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine defekte goldene Brache. Ein Kinderschuh von Glanzleder.

Zugeflogen: Eine s. g. Lachtaube.

Zugelaufen: Ein silbergrauer Doggenhuud m. Geschl.

Vom Wasenmeister am 26. d. M. eingefangen: ein schwarzer Hund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.

Entlaufen: Ein kleiner getieaerter Hund, auf dem Rücken abge­schabt, m. Geschl.

Hanau am 27. August 1889.

Tagesschau.

Berlin, 26. August. Se. Majestät der König haben Allergnä- digst geruht Sr. Kaiserlich Königlichen Hoheit deni Erzherzoge Franz Ferdi­nand von Oesterreich - Este, â la suite des Ulanen - Regiments Graf zu Dohna (Ostpreußischen) Nr. 8, den Schwarzen Adler-Orden zu verleihen.

Berlin, 26. August. Die Auswechselung der Ratifikations-Urkun­den zu der zwischen dem Reich und dem Freistaat Salvador abgeschlossenen Konvention vom 12. Januar v. I., betreffend die Weitergeltung des zwischen den beiden Ländern bestandenen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrages, hat am 22. d. M. zu Guatemala stattgefunden.

Berlin, 26. Äuglest. Kaiser Wilhelm arbeitete im Laufe der Vor- nnd Nachmittagsstundeu allein und erledigte Regierungsgeschäfte. Heute Vormittag um 11 Uhr gedachte er den Vortrag des Chefs des geheimen Zivilkabinets entgegen zu nehmen imb den Korrespondenzsekretär Geh. Re­gierungsrath Mießner zu einer Besprechung zu empfangen.^-- Gestern Vormittag statteten Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold den Majestäten im Neuen Palais einen Besuch ab und nahmen darauf auch an der Früh­stückstafel theil. Heute früh hat sich der Kaiser zu einer Pürschjagd nach rem Wildpark begeben, von welcher er gegen 10 Uhr zurückkehrte. Von 1 Uhr ab arbeitete er mit dem Ches des Zivilkabinets. Der Kaiser wird ich am 28. ds. früh von der Wildparkstation ans mittelst Sonderzuges mch Küstrin begeben, um den daselbst stattfindenden Festungsmanövern bei- uwohnen. Dem Vernehmen nach werden die Prinzen, von Schloß Wil- «elmshöhe bei Kassel zurückkehrend, übermorgen im Neuen Palais eintreffen, woselbst gegenwärtig nur der jüngste, Prinz Oskar, anwesend ist. (K. Z.)

Berlin, 26. August. Laut einer Verfügung des Ministers des Tinern ist in einem Spezialfalle im Hinblick auf die ausdrückliche Vor- hrift unter Nr. 12 des Sparkassen-Reglements vom 12. Dezember 1838 as Verlangen der Aufsichtsbehörde, die Gesainmteinlage eines Sparers auf fein bestimmtes Maximum zu beschränken, oder der Sparkasse die Verpflich­tung aufznerlegen, für die über eine gewisse Summe hinausgehenden Ein­lagen ein pupillarische Sicherheit gewährendes Papier für Rechnung des Interessenten anzutaufen, als berechtigt anzuerkennen; es ist demgemäß auch im Allgemeinen bei den Kreissparkassen, insbesondere in der Rheinprovinz, an der Aufnahme einer diesbezüglichen Bestimmung in die Statuten neuer- dings fcstgehalten worden.

Berlin, 26. August. S. M. Schiffsjungen - SchulschiffNixe", Kommandant Kapitän zur See Büchsel, ist am 23. August in Gothenburg eingetroffen und beabsichtigt am 9. September er. von dort wieder in See zu gehen. S. M. KreuzerMöwe", Kommandant Korvetten- Kapitän Riedel, ist am 24. August in Aden eingetroffen und beabsichtigt am 31. August die Heimreise fortzusetzen.

Bezüglich der Landgemeittdeordnnng sind, wie bekannt, im Ministerium des Innern sehr umfassende Vorarbeiten angeordnet worden. Dieselben sind jedoch wie derNat.-Z." geschrieben wird, bis jetzt über die allerersten Einleitungen noch nicht hinausgediehen und auch von vornherein gar nicht dazu angethan erachtet worden, um schon für die nächste Session des Landtages zu greifbaren Resultaten zu führen.

Die Mittheilung, daß der vom Vulkan für den Norddeutschen Lloyd erbaute ReichspostdampferWilhelm II." die Rhede von Lwine- munde verlassen habe, um nach Bremerhaven zu dampfen und dann die deutsche Schnelldampfer fahrt nach Austr alien zu eröffnen, begrüßt dieWes. Ztg." in einem längerem Artikel, in welchem sie das Streben des Nord­deutschen Lloyd preist, den Wettbewerb mit den englischen und französischen Linien nach Australien aufzunehmen. Die deutsche Handelsmarine besitzt

heute in demKaiser Wilhelm II." einen für die Tropenfahrt und die Passagierfahrt überhaupt derartig eingerichteten und mit einer solchen Schnelligkeit versehenen Dampfer, daß dadurch die vorhandenen Schiffe der englischen Gesellschaften einen Wettbewerb nicht aufrecht erhalten werden können.

Neisse. Ueber ein seltsames Ereigniß wird derV. Z." berichtet. Gestern, Mittwoch, Nachmittags 1'/- Uhr, bewegte sich von Stübendorf aus ein Leichenzug nach dem Pfarrorte Schwammelwitz. Die Arbeiterin Anna Mattner, eine in hohen Jahren stehende Person, welche am Montag gestorben war, sollte in Schwammelwitz beerdigt werden. Der Sarg stand auf einem zweispännigen Wagen. Neben dem Sarge gingen sechs Träger- aus Stübendorf, Nachbarn der Verstorbenen. Nachdem der Leichenzug sich eine Zeitlang fortbewegt hatte, hörten die Träger ein Geräusch im Sarge, gleich einem Kratzen. Der Zug hielt. Man öffnete den Sargedeckel und fand die Frau mit offenen Augen im Sarge liegen; an der rechten Seite, an der Stelle, wo die Hand das Bein berührte, fand man die Sterbe­kleider zerrissen und eine etwas blickende wunde Stelle; die Frau bewegte den Arm. Davon überzeugten sich die Träger, die Verwandten unb alle Leidtragenden. Man legte den Deckel neben den Sarg und kehrte mit offenem Sarge nach Stübendorf zurück. Nachdem der Sarg vom Wagen gehoben war, wurde die Wiedererstandene ins Bett gebracht. Nach kurzer Zeit, als sie sich etwas erwärmt hatte, fing sie zu weinen an; sprechen konnte sie nicht. Donnerstag, früh 6'/, Uhr, erwachte sie, traut eine Tasse Kaffee und sprach:Wie war mir schlecht." Weiter konnte sie nichts herausbringen.

Bochum, 26. August. Die vom Katholikentag gewählten Vor­sitzenden nahmen die Wahl an. Hierauf wurde eine Adresse an den Papst verlesen, ebenso die Antwort desselben. Letztere betont, daß bei den Be- rathnngcn besonders das ins Wyc zu süssen sei, was der Freiheit ber Kirche dienlich sei, was zur Beseitigung der Nachstellungen, welche bei Ein­heit der Gläubigen bereitet würden, diene, und was zur Pflege der ^Giin tracht unter den Brüdern, zur Förderung des Ansehens der Vorsteher ber Kirchen fromme. (F. N.)

Kiel, 24. August. Als vor wenigen Tagen der erste Kutscher des Prinzen Heinrich einem Krebsleiden erlag, befahl der Prinz, daß ber Wittwe das volle Gehalt ihres verstorbenen Mannes als Pension ausbe­zahlt werde und ihre beiden Söhne auf seine Kosten die höhere Schule be­suchen sollen.

Metz, 26. August. Eine Zuschrift des Bezirks-Präsidenten an den Polizeidirektor spricht diesem wie dem gesummten Polizeipersonal in des Kaisers Namen die lobendste Anerkennung für die eifrige und taktvolle Pflichterfüllung während des Hierseins des Kaisers aus. (F. N.)

Bremen, 26. August. Die Rettungsstation Wangeroog der Deut­schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 26. August von der hier gestrandeten TjalkGerhardine", Kapitän Pollmann, mit Pe­troleum von Geestemünde nach Groningen bestimmt, 26 Personen durch das RettungsbootGroßherzogin Alice von Hessen" gerettet. Das Schiff ist verloren.

Leipzig, 24. Aug. DasLeipz. Tgbl." schreibt: Wie noch er­innerlich sein wird, hatte ein hiesiger Bürger, dessen Name verschwiegen bleiben soll, der Stadtgcmeinde Leipzig die Summe von 100,000 M. mit der Bestimmung letztwillig gestiftet, daß die Zinsen dieses Kapitals zunächst einem Verwandten znfallen, nach dessen Ableben aber bis zur Höhe eures Zehntels zur Vergrößerung des Kapitals znrückgelegt und im übrigen hülfs- bedürftigen Wittwen hiesiger Kaufleute, Prokuristen, Buchhalter oder Commis, welche längere Zeit in einem Hause dienten, gewährt werden sollen. Jener Verwandte des Stifters hat nun zu Gunsten der aus der Stiftung zu unterstützenden Wittwen in dankenswerther Weise auf die ihm zukommenden Zinsen verzichtet.

Leipzig, 25. Ang. Die heute stattgehabte Generalversammlung des Verbandes deutscher Handlungsgehülfen war zahlreich aus allen Theilen Deutschlands besucht. Die Versammlung genehmigte den Rechenschaftsbericht und die Verthciluug des Ueberschnffes, da:unter die starke Ausstattung ber Wittwen-, Waisen-, Altervelsorgungs- und Unterstützuugslassen den An­trägen des Vorstandes gemäß. Vertreten waren etwa 5000 Stimmen.

Apoldu. Ein trauriger Vorfall ereignete sich dieser Tage hier. Die junge Frau eines angesehenen Bürgers verweilte in den Abendstunden in ihren: Garten. Dabei gerieth ihr eine kleine Fliege in das Auge, was