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Nr. 197. Samstag den 24. August 1889.
Amtliches.
Dietch-Nachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Eine Rolle weißes Häkelgarn. Ein Packen, enthaltend
2 Nachtjacken und 1 Unterrock. Eine Bettvorlage von Rehfell. Ein brauner Strohhut.
Zugelaufen: Ein glatthaariges Hündchen, weiß mit gelben Flecken.
Hanau am 24. August 1889.
Tagesschau.
Berlin, 23. August. Bei dem Diner, welches zu Ehren Ihrer Kaiserlichen Majestäten am Mittwoch bei dem Statthalter in Elsaß-Lothringen stattfand, brachte der Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst folgenden Trinkspruch aus:
„Gestatten mir Ew. Majestäten, Allerhöchstdiesclben im Namen des Reichslandes ehrfurchtsvollst und herzlichst begrüßen und dieses Glas auf das Wohl Ew. Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin erheben zu dürfen.^ Meine Herren, ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin, Sie leben hoch! — hoch! — hoch!"
Hierauf erwiderten Se. Majestät der Kaiser und König:
„Ich erlaube Mir einige Worte des Dankes im Namen der Kaiserin und in Meinem Namen an Ew. Durchlaucht zu richten für den so überaus herzlichen Empfang im Reichslande. Es ist das dritte Mal, daß Ich bereits in Straßburg weile, und heimelt mich die Stadt in jeder Beziehung an. Ich trinke auf das Wohl der Reichslande, der Stadt Straßburg, des Statthalters und Seiner Gattin. Sie leben hoch! — hoch! — hoch!"
Berlin, 23. August. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt zur Ergänzung ihrer Artikel übea die Emin-Expedition Folgendes: In der Möglichkeit, die für die Emin-Expedition verfügbaren Kräfte für die deutsche Sansibarküste zu verwenden, lag für die Regierung die Veranlassung, das Unternehmen nicht zu entmuthigen. Durch das Ausscheiden Wißmann's sei der Glaube an der Ausführbarkeit der Expedition wesentlich abgeschwächt worden. Wißmann war geneigt, anzunchmen, daß die für die Nilexpedition gewonnenen Kräfte seinem Feldzuge sich anschließen würden. Da Dr. Peters selbstständig vorging, war die Aussicht, daß die Expedition dem deutschen Schutzgebiete nützen könne, geschwunden. Es blieb nur die Möglichkeit übrig, daß das deutsche Privatunternehmen zu Ergebnissen führen könnte, welche die auswärtige Reichspolitik nicht zu schützen vermöchte.
Dem Besuche Ihrer Kaiserlichen Majestäten in den Reichslanden widmen die elsaß-lothringischen Blätter, festliche Betrachtungen. So schreibt die „Landeszeitnng für Elsaß-Lothringen" : „Ein echter Hohenzoller ist es, den die alte Reichshauptstadt heute mit dankbarem und freudigem Stolze begrüßt. Zu Ihm, dem Kaiser, blicken wir auf als dem starken und milden Fürsten, der Zuflucht der Schwachen, dem Horte der Gerechtigkeit ; als dem gewaltigen Kriegsherrn, dessen starkes Schwert dem Reiche und Europa den Frieden sichert. Kaiser Wilhelm kommt nicht allein. An der Seite des Kaiserlichen Herrn hält Ihre Majestät die Kaiserin ihren Einzug in Straßburg. Mit lebhaftem Dankgefühl empfindet es die Bevölkerung, daß der Kaiser die erlauchte Gemahlin iu unsere Mitte führt und der Stadt Gelegenheit giebt, auch Ihr freudige Huldigung zu bereiten. Denn das deutsche Volk verehrt in der Kaiserin Augusta Viktoria nicht nur die Lebensgefährtin des geliebten Kaisers; die liebenswürdige Erscheinung der erlauchten Frau hat die Herzen gewonnen durch die Milde und Güte, mit welcher die Kaiserin allen Werken christlicher Barmherzigkeit Zhre mächtige Förderung angedeihen läßt, durch den zarten Sinn, mit welchem Sie, wie Ihr hoher Gemahl, die Pflege alles Guten und Schönen unter eren Schutz nimmt. Und was gerade dem deutschen Herzen mit um höchsten steht von allen Gaben, die dem Menschen beschieden, ein glück- liches und gedeihliches Familienleben, wo könnten wir auch dafür eine schönere Verwirklichung finden als in der fröhlichen Schaar prinzlicher Sprößlinge, die das erlaubte Kaiserpaar umgibt, der Eltern Freude, des Reiches Hoffnung und Gewähr? Wie die ganze Nation in unbegrenzter Hingebung steht zu ihren, Kaiser, dem treuen Fürsten eines treuen Volkes, zu der Kaiserin, dem Ideale einer deutschen Frau, so huldigt Elsaß-Lothringen den kaiserlichen Majestäten in Vertrauen und Liebe, und wenn die Glocken des Münsters ihre ehrwürdige Stimme zur Begrüßung erhebeben, wenn der
eherne Mund der Geschütze sein donnerndes Willkommen sendet, dann einen sich die Bewohner Straßburgs und des Reichslandes mit Dank, mit Stolz, mit Freude, mit Hoffnung in dem Rufe: Gott schütze und erhalte unsern Kaiser, Gott segne unsere Kaiserin und das ganze Kaiserliche Haus!"
Zur Eröffnung der Reichstags-Sesston theilt die „Kreuzzeitung" mit, daß den Reichsämtern die Weisung zugegangcn sei, die bezüglichen Arbeiten zu beschleunigen, damit die Session möglichst früh eröffnet werden kann. Für die Session sei nur wenig Stoff in Aussicht genommen; zunächst seien vier Vorlagen in Sicht, nämlich der Etat 1890/91, der Ersatz für das Sozialisten-Gcsetz, die schon angekündigte Novelle zum Kranken- kassen-Gesetze und die Regelung der Bankfrage aus Anlaß des Ablaufes des Privilegiums der Reichsbank im Nächsten Jahre. Andere Gesetzentwürfe würden dem Reichstage wahrscheinlich nicht mehr vorgelegt werden.
Zum Reichskommissar in Neu-Guinea ist Regierungsrath Rose aus Höxter ernannt worden, wo derselbe zuletzt als Spezialkommissar thätig war. Derselbe ist, wie wir der „Post" entnehmen, 34 Jahre alt, unver- heirathet, Premierlieutenant der Reserve und von kräftiger Gesundheit. Nachdem er im Jahre 1881 das Examen als Gerichtsassessor bestanden hatte, trat er im folgenden Jahre zur landwirtschaftlichen Verwaltung über, der er bis jetzt angehört.
Natibor, 22. Aug. Die „K. Z." schreibt: Ein großer Prozeß wird sich demnächst vor der hiesigen Strafkammer abspielen. Dieser Tage ist 66 Agenten und deren Helfershelfern, von denen sich ein Theil schon seit Jahresfrist in Haft befindet, die Anklageschrift, welche, in polnischer Sprache abgefaßt, nicht weniger als 200 Druckseiten in Großformat umfaßt, zugestellt worden. Die Angeklagten sind dunkle Ehrenmänner, die mit Personen, die sie zur Auswanderung theils durch allerlei Vorspiegelungen, theils durch List und Gewalt zu bewegen wußten, einen wahren Handel schmutzigster Art getrieben haben, wie denn auch in den beschlagnahmten 189 Briefen und 146 Telegrammen nur von Waaren, der Fahl ihrer Stücke, ihrer Brauchbarkeit u. s. w. gesprochen wird. Die garize Gegend wartet hier mit fieberhafter Spannung auf diese Verhandlungen, welche mehr als eine Woche in Anspruch nehmen werden, da außer den beschlagnahmten Schriftstücken die Aussagen von nicht weniger als 439 auswärtigen Zeugen verlesen und 377 Zeugen verhört werden müssen. Der Prozeß wird sicherlich manchem Auswanderungslustigen die Augen öffnen.
Ratzeburg,(Herzogthum Lauenburg), 23. Aug. Der hier wohnhafte Geheime Regierungsrath v. Moltke, Bruder des Feldmarschalls, ist gestorben. (K. Z.)
Stratzburg, 23. August. Das Kaiserpaar ist heute früh nm S1/« Uhr unter Glockengeläute des Münsters und erneuten enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung nach Metz abgereist.
Stratzburg, 23. Aug. (K. Z.) Die Abreise des Kaiserpaares nach Metz gab nochmals zu einer außerordentlich wirkungsvollen Volkskund- gebung Gelegenheit. Nachdem der Kaiser sich von der Familie des Statthalters und vom Bürgermeister Back, dem er nochmals huldvollst für die Aufnahme gedankt, verabschiedet hatte und einsteigen wollte, drängte sich die Volksmenge vom Bahnhofsplatz durch die Empfangshalle über die Treppen durch bis zum Wartesteig und stand Kopf an Kopf in zehn- und zwölffachen Reihen am Kaiserzug herum, immer aufs neue Hoch! und Hurrah ' rufend. Gerade diese unvorbereitete, aus der Macht der allgemeinen Begeisterung heraus erfolgende Huldigung schien dem Herrscherpaar aufrichtige und herzliche Freude zu bereiten. Die Kaiserin trat" nickend und grüßend an ein Fenster des Salonwagens, der Kaiser an ein anderes und schaute lächelnd aus die Menge, legte die Hand an den Helm und winkte grüßend. Noch einmal richtete der Kaiser und die Kaiserin huldvolle Worte an den Bürgermeister Back ; dann gab die Kaiserin nochmals aus dem Wagen heraus der Fürstin die Hand und verweilte mit ihr im Gespräch bis der Zug sich in Bewegung setzte. Der Kaiser rief vor der Abfahrt den Polizeidirektor Feichter zu sich, schüttelte ihm die Hand und beglückwünschte ihn dazu, daß die Straßburger Polizei trotz des unbeschreiblichen Menschengewühls mit Ruhe rücksichtsvoll den Verkehr bewältigt und die Ordnung anfrecht erhalten habe. Als Zeichen seiner Huld hat der Kaiser dem Bürgermeister Back die große goldene Ämtskette verliehen. Den Armen der Stadt Straßburg wurden vom Kaiserpaar dreitausend Mark gespendet. Der Beigeordnete Hochapfel erhielt den Kronenorden 3. Klasse, Gemeinde- rath Jakob Klein den Rothen Adlerorden, der städtische Obergärtner Kuntz den Kronenorden 4. Klasse, Victor Neßler, der Komponist der Oper „Der