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Nr. 195.
Donnerstag den 22. August
1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamis.
Der Georg Stübing hier ist als Vieh- und Fleischbeschauer beim .gen Schlachthof bestellt und eidlich verpflichtet worden.
Hanau am 18. Angust 1889.
Der Königliche Landrath
P. 5251 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Am 16. ds. Mts. auf der Straße von Hanau nach ^^.Lndiebach eine Rohrpeitsche; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Langendiebach. Ein Hundemaulkorb mit dem Zeichen Nr. 395. Eine Peitsche. Ein Zirkel.
Zugeflogen: Ein graues Täubchen mit Messingring um's Bein mit 2 Buchstaben und Datum.
Verloren: Eine goldene Broche mit weiß und rothen Steinen. Von Wilhelmsbad über die Schöne Aussicht bis Hanau ein silbernes Armband.
Hanau am 22. August 1889.
Trinkspruch und Erwiderung.
Berlin, 21. August. Bei dem vorgestrigen Galadiner in Karlsruhe brachte Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Baden folgende» Trinkspruch aus:
„Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät gestatten Mir, daß Ich die Gefühle des Dankes ausspreche, indem Ich Ew. Majestät den Dank sage dafür, daß Sie auf Allerhöchstihrem Wege nach den Reichslanden Uns als Deutscher Kaiser und König von Preußen den ersten Besuch zugedacht habe.:.
Durch Meinen Mund dankt Ihnen Mein ganzes Land für die Auszeichnung, die Uns dadurch zu Theil geworden ist. Und Ich darf wohl die Hoffnung aussprechen, daß Ew. Majestät Sich heute überzeugt haben, daß die Huldigung, die Ihnen die Vertreter aus allen Theilen des Landes, welche zugleich Angehörige der Armee sind, dargebracht haben, aus dem Tiefsten ihres Herzens hervorgeht; daß die alten Soldaten, welche mitgekämpft haben, um die Reichslande deutsch werden zu lassen, ihre Huldigung Ihnen darbringen durften mit dem Gefühl, wenn cs Noth thut, auch noch als Landsturm einzutreten für die Ehre des Reichs, für das Heil und das Wohl des Kaisers.
Ich spreche aber auch im Namen Meines Hauses und Meiner Familie Ew. Majestät Meinen Dank aus, daß Sie Uns mit diesem Besuch beehrt haben, daß Sie Mein väterliches Haus, das Haus Meiner Ahnen betreten haben, in welchem Unser hochseliger Kaiser, Allerhöchstihr Herr Großvater so oft und lange und gerne geweilt, und in welchem auch Ihr hochseliger Herr Vater Stunden der Freude und des Genusses zugebracht hat.
Ew. Majestät hier begrüßen zu dürfen an dieser Stätte ist ein besonderes Glück für Uns Alle und eine besondere Freude, welcher Ich dadurch Ausdruck gebe, daß Ich die Anwesenden bitte, mit Mir einzustimmen in d»a Ruf: Hoch und lange leben Ihre Kaiserlichen Majestäten, Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin und das ganze Kaiserliche Haus, - hoch! — hoch! — hoch!"
Hierauf erwiderten Se. Majestät der Kaiser und König:
„Ew. Königlichen Hoheit spreche Ich Meinen herzlichen Dank aus sür die^ freundlichen und lieben Worte, die Sie an Nèich gerichtet haben.
Ich danke von Herzen für den Empfang der Stadt Karlsruhe und für die Huldigung des Landes, die aus 18000 Jheer Landeskinder Mir entgegen geklungen ist.
3$ freue Mich unendlich, in diesen Mir wohlbekannten und von lieben Erinnerungen durchwehten Hallen wieder bei Ihnen weilen zu dürfen. Sic sind für^Mich voll Erinnerung nicht nur aus Meiner frühesten Kindheit, in der oft die angenehmsten Stunden, beinahe als Sohn des Hauses ausgenommen, hier habe zubringen dürfen; sie sind für Mich auch reich an schönen Erinnerungen aus der Zeit, da Ich in Gemeinschaft mit Meinem hochseligen Herrn Großvater und Meinem hochseligen Herrn Vater hier oft habe verweilen können.
Die Landeskinder, die Mir heute ihre Huldigung darbrachten und stramm vorbeimarschirten in der alten Disziplin, die sie sich früher im schönen Rock des Soldaten angegeignet hatten, sind diejenigen, welche bei der Einigung des Reiches mitgefochten haben, aber auch diejenigen, die nach
der Lage des Landes die ersten sein werden, um dem Reiche bcizuspringeu, wenn ihm Gefahr von außen drohen sollte.
Besonders aber freut es Mich, in Ew. Königlichen Hoheit denjenigen Fürsten begrüßen zu dürfen, der die ganze Zeit der Erhebung und Einigung des großen deutschen Vaterlandes in thätigster Weise mit durchlebt hat.
Niemand im ganzen Reiche und am allerwenigsten Ich, werden es vergessen, daß Wir in Ew. Königlichen Hoheit die Verkörperung des Reichseinheitsgedankens vor Uns sehen, und daß Ew. Königliche Hoheit der erste Deutsche gewesen, der das erste Hoch auf das neue Deutsche Reich ausgebracht hat.
Ich erhebe Mein Glas und fordere die Anwesenden auf, mit Mir auf das Wohl dieses Uns Allen theuern und hochverehrten Fürsten, des Großherzogs und Seiner hohen Gemahlin und Seines ganzen Hauses zu trinken.
Se. Königliche Hoheit der Großherzog, Ihre Königliche Hoheit die Frau Großherzogin und das ganze Großherzogliche Haus leben hoch! — hoch! — hoch!"__
Die Aufnahme unseres Kaiserpaares im Reichslande.
Wenn die begeisterte Aufnahme, welche zunächst König Humbert von Italien und soeben Kaiser Franz Joseph in der Hauptstadt des deutschen Reiches und zwar gleichmäßig in allen Schichten der Bevölkerung gefunden hat, den Beweis lieferte, daß das deutsche Volk mit seinem ganzen Herzen bei dem Dreibunde ist, und in vollem Umfange die bundesfreundlichen Gefühle theilt, welche die drei europäischen Zentralstaaten beseelen, so legt der begeisterte Empfang, welchen unser Kaiserpaar auf der Steife durch Süddeutschland bis in das Reichsland hinein gesunden hat, beredtes Zeugniß dafür ab, wie fest Kaiser und Reich, und insbesondere das Kaiserthmn der Hohenzollern in den Herzen des deutschen Volkes wurzeln. Wie jene populären Kundgebungen der in der Presse unserer östlichen Nachbaren vielfach vertretenen Auffassung, als ob der Dreibund ein Erzeugniß nach dem Muster der Kabinetspolitik früherer Tage sei und der festen Wurzel in dem Bewußtsein der Völker entbehre, den Boden nimmt, so zieht die enthusiastische Aufnahme Kaiser Wilhelms und seiner erlauchten Gemahlin jenseit des Mains und Rheins einen dicken Strich durch die bei unseren westlichen Nachbarn noch immer nicht überwundenen Spekulationen auf die Zerstörung der Einheit Deutschlands. Nach beiden Seiten kann die Beseitigung dieser trügerischen Phantasiegebilde nur im friedenfördernden Sinne wirken. Beide Nachbarn werden sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß ein kriegerischer Angriff nicht blos auf Deutschland selbst, sondern auch auf den Dreibund einen Volkskrieg int schärfsten Sinne des Wortes hervorrufen würde. Was das bedeutet, hat der eine unserer Nachbarn 1870/71 an seinem eigenen Leibe erfahren, der andere wenigstens in den Ergebnissen deutlich erkennen können. Die Erinnerung an jene Zeit wird nicht verfehlen, etwaigen kriegerischen Gelüsten eine heilsame Abkühlung zu Theil werden zu lassen. Das macht selbstredend die sorgfältigste Pflege unserer Wehrkraft nicht überflüssig. Mehr denn je gilt in unseren Zeiten der alte Spruch: Si vis pacem, para bellum ! Dem Dienste des Friedens weihen wir uns daher gerade dann am wirksamsten, wenn wir kriegerischen Uebungen mit Eifer obliegen.
Tagesschau.
Berlin, 21. Aug. (K. Z.) Ein kaiserlicher Erlaß bestimmt, daß die Feldwebel und Vizefeldwebel einschließlich der Vizefeldwebel des Beurlaubtenstandes sowie die im gleichen Range stehenden Stabshoboisten bezw. Stabshornisten und Zahlmcifteraspiranten bei denjenigen Truppen, bei welchen infolge der Ordre vom 22. März 1889 der Jnfanterie-Osfizierdegen neuen Modells zur Einführung gelangt ist, ebenfalls mit Infanterie Offizierdegen und Portepee neuen Modells zu bewaffnen sind. Die genannten Chargen haben den fraglichen Degen an einem weißen bezw. schwarzen Ueberschuallkoppel zu tragen.
Berlin, 21. August. Der Nachfolger des Geheimen Oberpostraths Krätke, Regierungsrath Rose, wird in den nächsten Tagen nach dem Schutzgebiet Nen-Guinea abreisen.
Der deutsche Reichspostdampfer Braunschweig ist am 21. August d. I. mit dem am 25. Juni d. I. von Apia abgegangenen Ablösuugs- transport, Führer Kapitäulieutenant v. Arend, bestehend ans Besatzungs- theilen a. S. M. K> enzer Adler und S. M. Kanonenboot Eber, sowie b. S. M. Kanonenboot Wolf, in Port Said angekommen.