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Nr. 190.

Freitag den 16. August

1689.

Bekanntmachungen König!. Landrathsawts.

Jmpfordnuu g

für die diesjährigen Impfungen in der Gemeinde Fechenheim:

1) Impfung am 22. August, Mittags 3 Uhr,

2) Wiederimpfung am 22. August, Mittags 4 Uhr,

3) Revision der Geimpften und Wiedergeimpften am 29. August, Mittags 3 Uhr.

Den Herrn Ortsvorstand mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäfts vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1886 Seite 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage III für die Ortspolizeibehörden gegebenen Vorschriften.

Hanau am 14. August 1889.

Der Königliche Landrath

A, 1359 v. Oertzen. ________ ___

Lieust-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Griffelkasten. Ein Hundemaulkorb mit dem Zeichen Nr. 381. Ein Kinderspielballen. Ein Kinderschuh. Ein Schild mit der Aufschrift Cigarren. Ein weißes Taschentuch. Ein schwarz- wollenes Frauenhaustuch.

Entlaufen: Drei Enten.

Verloren: Ein Hundemaulkorb.

Hanau am 16. August 1889.

Kaiser Franz Joseph in Berlin.

Berlin, 15. Aug. Heute Morgen um 9 Uhr wurde in der St. Hedwigskirche die von dem Kaiser von Oesterreich befohlene Messe zur Feier des Festes Mariä Himmelfahrt, welches die hiesige katholische Gemeinde erst am künftigen Sonntag begeht, abgehalten. Vor der Kirche hatte sich eine überaus große Menschenmenge versammelt. In dem linken Seitenportale, welches in reichstem Blumenschmuck prangte, harrte der Probst Jahnel, um­geben von der gesammten Pfarrgeistlichkeit, der Ankunft des Kaisers. Kurz vor 9 Uhr erschien vor dem Portal der Botschafter Graf Szechenyi mit dem gesammten Personal der Botschaft, alle Herren in bürgerlicher Kleidung (Gehrock). Bald darauf brachte eine Reihe von Hofwagen das gesammte militärische Gefolge des Kaisers und Punkt 9 Uhr erschien im offenen zweispännigen Hofwagen, dem ein Spitzenreiter voraufritt, von lautem Zubelruf begrüßt, der Kaiser Franz Joseph und in einem zweiten der Erz­herzog Ferdinand Franz, beide erlauchte Herren an der Seite eines preußi­schen Adjutanten. Der Kaiser trug die Uniform seines preußischen Kaiser Franz-Regiments, der Erzherzog die seines preußischen Ulanen-Regiments. Der Propst begrüßte am Eingang in die Kirche den Kaiser mit einer An­sprache und geleitete ihn in feierlichem Zuge unter Vorantritt der Chor­knaben in das Gotteshaus, welches in der blumenprächtigen Ausschmückung und in dem strahlenden Glanz der Kerzen auf den Kronleuchtern und am Hochaltar einen wunderbaren Anblick bot. Unter einem weihevollem Prä­ludium der Orgel nahmen der Kaiser und der Erzherzog zur Linken des Hochaltars, dicht neben einem großen vom Bischof Aßmann gestifteten Kan­delaber Platz. Dahinter stellte sich das militärische Gefolge auf, während der Botschafter und seine Begleiter zur Rechten des Hochaltars Platz fanden. Gleich darauf begann die stille Messe, deren einzelne Theile ein gemischter Chor a capella begleitete; der Kaiser und der Erzherzog knieeten während des ganzen Gottesdienstes. Nach beendigter Messe verweilte der Kaiser noch kurze Zeit in stillem Gebet und verließ dann, wiederum von der Geistlich­keit geleitet, mit seinem Gefolge die Kirche, um direkt nach dem Schlosse zu fahren; der Gottesdienst hatte etwa eine halbe Stunde gewährt. (K. Z.)

Berlin, 15. August. Die beiden Kaiser begaben sich heute, Nach­mittags 1 Uhr, nach der Kaserne' des Kaiser Franz-Grenadier-Regiments, nahmen dort die Parade über das Regiment ab und nahmen dann das Frühstück in dem festlich geschmückten Offizierskasino ein, wobei der Regi­ments-Kommandeur den Trinkspruch auf Kaiser Franz Josef ausbrachte und dabei die Hoffnung ausdrückte, daß der hohe Chef des Regiments die Ehre semes Besuches noch oft wiederholen möge. An dem Frühstück nahmen auch die Prinzen Heinrich und Albrecht von Preußen, Erzherzog Franz Ferdinand, Graf Moltke, Graf Waldersee, Graf Kalnoky, Graf Herbert Bismarck, der Kriegsminister und andere höhere Militärs Theil.' Der Reichskanzler wurde heute Mittags, nachdem er mit dem Grafen Kalnoky konferirt hatte, von dem Kaiser Franz Josef in längerer Audienz empfangen.

Beide Kaiser begaben sich nach dem Frühstücke bei dem Kaiser Franz- Regiment nach der Unfallverhütungs-Ausstellung. (Rh. K.)

Berlin, 15. August. Abends 6U, Uhr fand die Mittagstafel im königlichen Schlosse statt, an welchem die Majestäten, Prinzen und Fürstlich­keiten, sowie das gesanimte Gefolge und der Ehrendienst des Kaisers und des Erzherzogs von Oesterreich, die Mitglieder der österreichischen Botschaft, der Reichskanzler, Moltke, Minister Herbert von Bismarck, Waldersee und Andere theilnahmen. Moltke hatte sich vorher dem Kaiser von Oesterreich in der Uniform seines österreichischen Regiments vorgestellt. Die offizielle Verabschiedung am Bahnhöfe wird auf Wunsch des Kaisers Franz Josef unterbleiben. Der Kaiser von Oesterreich reiste heute Abends 9 Uhr vom Anhalter Bahnhof über Leipzig nach Ischl ab; eine offizielle Verab­schiedung mit militärischen Ehrenerweisungen war auf Wunsch des öster­reichischen Kaisers unterblieben. Derselbe trug die Uniform des Kaiser Franz Grenadier-Regiments, Kaiser Wilhelm ungarische Husaren-Uniform. Beide Monarchen fuhren gemeinsam im offenen Vierspänner zum Bahnhof, wo Erzherzog Franz sowie die Prinzen Heinrich und Albert letzterer in öster­reichischer Drogoneruniform mit den Offizieren des Ehrendienstes bereits anwesend waren. Die Verabschiedung der beiden Kaiser war eine äußerst herzliche, beide umarmten und küßten einander wiederholt; Kaiser Franz Josef verließ den bereits bestiegenen Waggon wieder, um Kaiser Wilhelm nochmals zu umarmen. Aus dem Wege nach dem Bahnhöfe und in dessen Umgebung standen dichtgedrängte Menschenmassen, welche beiden Monarchen mit immer erneuten Hoch- und Hurrahrufen huldigten. Nach der Abfahrt des Kaiserzuges verabschiedete sich Kaiser Wilhelm von dem auf dem Perron zurückgebliebenen Erzherzoge Franz sowie dem Minister Kalnoky und dem gesammten großen Gefolge des österreichischen Kaisers herzlichst, sprach mit jedem Einzelnen einige Worte und drückte Jedem die Hand. Darauf kehrte Kaiser Wilhelm in das königliche Schloß zurück. Der Erzherzog Franz und das Gefolge des österreichischen Kaisers traten um 9 Uhr 35 Minuten die Rückreise nach Prag respektive Wien an. Unter den zur Verabschiedung auf dem Bahnhose Anwesenden befanden sich auch Graf Herbert Bismarck und die Mitglieder der österreichischen Botschaft mit ihren Damen. Die Militairs trugen kleine Uniform, die Herren vom Zivil schwarzen Anzug.

Tagesschau.

Berlin, 15. August. Se. Majestät der Kaiser und König wohn­ten gestern mit Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, wie bereits ge­meldet, einer Truppenübung in der Gegend von Spandau bei. Am Nach­mittag besuchten beide Majestäten die Friedenskirche in Potsdam und nah­men nach einer Rundfahrt durch die dortigen Königlichen Gärten das Mittagessen bei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Augusta ein. Nach der um 8 Uhr Abends erfolgten Rückkehr empfingen Se. Majestät der Kaiser den Kaiserlichen Sektions-Chef von Szögyenyi in längerer Audienz.

Berlin, 15. August. Die abgelöste Besatzung S. M. Kreuzer- KorvetteCarola" ist unter Führung des Kapitän-Lieutenants Hobein mit dem deutschen Reichs - PostdampferHohenzollern" am 14. August d. I. in Bremerhaven eingetroffen.

Münster, 15. Aug. (K. Z.) Dr. Dingelstad ist zum Bischof ge­wählt. (Der in der Öffentlichkeit bisher wenig hervorgetretene Gymna­siallehrer Dr. phil. Hermann Dingelstad, geboren am 2. März 1835 in der Bauerschaft Alst bei Bracht (Kreis Kempen, Rheinprovinz), ist der Sohn einfacher Landleute. Nach Vollendung seiner humanistischen Studien in der bischöflichen Lehranstalt zu Gaesdonk machte er das Abiturienten- Examen in Münster und studirte ebendort Theologie. Gleich nach der am 22. Juni 1859 erfolgten Priesterweihe wurde er als Lehrer in Gaesdonk angestellt. Seine Neigung zur Philosophie führte ihn 1862 zur Universi­tät Bonn und später nach Münster, wo er 1865 zum Doktor der Philo­sophie promovirte. Bis 1873 wirkte er wieder auf der bischöflichen Anstalt in Gaesdonk. Nachdem diese Anstalt geschlossen worden, war er als Rektor in Goch und später als Erzieher des jugendlichen Grafen v. Hoensbroich (aus Geldern) in Vechta thätig. 1875 wurde Dingelstad am Gymnasium in Vechta als Hülfslehrer, kurz darauf als ordentlicher Lehrer augestellt und in dieser Stellung blieb er bis heute.)

Straßburg, 15. Aug. Der Kaiser hat das ihm von der Stadt angebotene Fest angenommen. Nach neueren Bestimmungen trifft Se. Majestät bereits am 20. Nachmittags hier ein. An: 22. Abends werden