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Erscheint täglich mit Ausnahme der Asnn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. "187.

Dienstag den 13. August

1889.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, nachstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise zur Kenntniß der , Ortseinwohner zu bringen.

Hanan am 2. August 1889.

□ “ Der Königliche Landrath

W. 4961 u. Oertzen.

Landwirthschaftlicher Kreis-Verein Hanau.

Freitag den 6. September d. Js. wird in Langenselbold unter dem Vorsitz des Herrn Landrath von Oertzen die Bezirks-Aus­stellung für die Kreise Hanau — Stadt und Land —, Gelnhausen und Schlüchtern abgehalten.

Ausgestellt können werden: Pferde, Rindvieh und Schweine der drei Kreise, sowie landwirthschaftliche Maschinen und Geräthe.

Zur Vertheilung an Prämien kommen. für Pferde 300 M., für Rindvieh 600 M. und für Schweine 50 M.

Gelegentlich dieser Ausstellung findet eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Gerathen statt. Loose sind durch den Vorstand des landwirthschaftlichen Kreisvereins in Hanau zu haben.

Den Herren Bürgermeistern des Kreises und den Vorständen der landwirthschaftlichen Kreisvereine zu Gelnhausen und Schlüchtern werden die Programme, welche alles Nähere besagen, zugesandt werden.

Der Vorstand.

LieNst-NachrWten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Regenschirm. Ein Hundezeichen Nr. 739. Eine weiße Kugel mit Figur. Ein Kinderstrohhut. Eine s. g. Schlinke in der Kastanien-Allee (Fasanerie-Philippsruhe). Auf der Straße nach Alzenau: eine Patent-Chaisen-Kapsel.

, Aufgefängen: Ein kleiner schwarzer Hahn.

Zugelaufen: Ein weiß- und schwarzgescheckter Hund w. Geschl.

Hanau am 13. August 1889.

t Kaiser Franz Josef in Berlin.

Kaiser Franz Josef, der erlauchte Freund und Verbündete unserer drei Kaiser, kommt nach Berlin um den Besuch zu erwidern, welchen Kaiser Wilhelm II. ihm im vergangenen Jahre in Wien abgestattet hat. Ein schweres Geschick ist seit jenen Oktobertagen über das österreichische Kaiser­zhaus dahingezogen. Die Trauer um den einzigen Sohn ist es, welche den »Besuch des verehrten verbündeten Monarchen in Berlin bis jetzt hinausschob und welche ihm auch den Wunsch nahelegte, daß von allen Empfangsfest­lichkeiten sowie überhaupt von allen rauschenden Veranstaltungen Abstand genommen werden möge. Die Stadt Berlin hatte beabsichtigt, dem Kaiser einen glänzenden Empfang in ähnlicher Weise wie dem Könige von Italien * zu bereiten, und nur mit Bedauern tragen die städtischen Behörden dem Wunsche des schwergeprüften Monarchen Rechnung. Aber was an äußeren Veranstaltungen fehlt, wird die Wärme der Begrüßung seitens der Berliner Einwohnerschaft doppelt ersetzen. Seit Kaiser Franz Josef zum letzten Male gelegentlich der Drei-Kaiser-Zusammenkunft im Jahre 1872 — in Berlin gewesen, sind die Geschicke der beiden Reiche eng mit einander verflochten worden durch jenes Bündniß voni 7. Oktober 1879, welches in wenigen Wochen sein erstes Jahrzehnt vollendet, in diesem Zeitraum aber vollständig eingewurzelt ist in allen deutschen Herzen und unserem Volke als ein unveräußerliches Gemeingut erscheint. Den obersten Träger dieser Anschauungen in Oesterreich-Ungarn verehren wir in dem Kaiser Franz Josef, und darum heißt ihn bei seinem Besuche in Berlin das gejammte Deutschland herzlich willkommen.

Zwischen den Aufgaben Oesterreich-Ungarns und denen des deutschen Reiches steht kein trennender Gedanke mehr. Die Interessengegensätze einer rückwärts liegenden Zeit sind überwunden, es haben sich im Gegentheil wichtige Interessengemeinschaften herausgebildet, welchen die Waffen­brüderschaft der beiderseitigen Heere zu einer unerschütterliche» Grundlage dient. Dieser Umstand hebt den Besuch des Kaisers Franz ' Josef weit ans dem Rahnien einer fürstlichen Höflichkeitspflicht, und macht rhn zu einer jener geschichtlichen Begebenheiten, welche gleichsam die Meilen­steine der Völkerentwickelung bilden. Die Herzlichkeit und Wärme, mit welcher — wie kürzlich die österreichische Turnerschaft in München — so

jetzt der Herrscher von Oesterreich-Ungarn in Berlin begrüßt wird, zeugt nicht nur von bem hohen Werthe, welchen unser gejammtes Volk dem Bundesverhältnisse beider Reiche beimißt, sondern mehr noch von jenem tiefen, brüderlichen Gefühl, welches in seiner Stärke unabhängig von der Form ist, die ihm zuni Ausdrucke dient. In diesem Sinne nimmt das ganze große Deutschland herzlich Theil an der Huldigung, welche die Bürgerschaft Berlins dem erlauchten Gast, dem treuen Freunde unserer drei Kaiser bereitet.

L «s g e s s ch a rr.

Berlin, 12 August. Der „ R. u. St. A." ruft dem Kaiser von Oesterreich an der Spitze des Blattes in einem mit der Ueberschrist „Dem Kaiser Franz Joseph" versehenen Artikel Willkommen zu nnd fährt dann fort: „Mit seinem Kaiser begrüßt das deutsche Volk heute in der Person des Kaisers von Oesterreich den Freund und Bundesgenossen unseres Monarchen, den Herrscher des mächtigen Nachbarreiches, mit welchem uns geschichtliche Traditionen, gemeinsame Jnterressen und gleiche Friedensliebe verbinden. Die schweren Prüfungen, womit der Kaiser Franz Joseph Heini- gesuchs ward, haben seinen Heldenmuth nicht gebrochen. Der Schmerz, der seine Seele erfüllte, ist niemals Meister geworden über sein moralisches Pflicht­gefühl, womit er seinem Volke als leuchtendes Beispiel vorangeht. Deutschland ehrt in dem hohen Gaste den Fürsten, der in vierzigjährigem Wirken dem be­freundeten Nachbarlande den Weg zur Größe und Wohlfahrt gewiesen, und bringt ihm tiefempfundene Huldigungen entgegen. Willkommen der Kaiser Franz Joseph, der Freund Deutschlands, der edle und mächtige Bundes- genosse. Gott erhalte ihn seinem Volke und uns."

Berlin, 12. August. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen gestern Vormittag um 11 Uhr den Botschafter am österreichisch- ungarischen Hofe, Heinrich > II. Prinzen Reuß, den Militär-Attachö Major und Flügel - Adjutanten v. Deines, sowie den General-Inspekteur des Militär - Erziehungs- und Bildungswesens, General der Infanterie v. Strubberg, und nahmen Meldungen entgegen. Von 12 Uhr ab hörten Se. Majestät den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck und nahmen um Vk Uhr die Meldung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold entgegen. Heute hörten Se. Majestät am Vormittage die Vortrüge des Militär- imb Civilkabinets, sowie des Ministers des Kö­niglichen Hauses v. Wedell.

Berlin, 12. Aug. Der Kaiser von Oesterreich ist mit dem Erz- herzog^Franz Ferdinand und großem Gefolge um 5 Uhr 10 Minuten bei schönstem Wetter am Thiergartenbahnhofe eingetroffen. Der Kaiser, sämmtliche Prinzen, Fürst Bismarck, die Grafen Moltke und v. Blumen­thal, die gejammte Generalität und Graf Herbert Bismarck waren anwesend. Die Begrüßung beider Kaiser war sehr herzlich und sichtlich bewegt. Die Ehrenwache präsentirte, und die Musik spielte die österreichische Hymne. Nach dem Abschreiten der Ehrenwache und der Begrüßung der Prinzen, des Fürsten Bismarck ’c. fuhren die Majestäten in offenem Vierspänner durch die Spalier bildenden Gardetruppen, von dem nad) Tausenden zählenden Publikum enthusiastisch begrüßt. Im zweiten Wagen saßen der Erzherzog Franz nnd Prinz Heinrich, in den weitern Wagen folgten die Prinzen, Graf Kalnoky mit dem Reichskanzler. Graf Herbert Bismarck nnd Gras Moltke mit dem Generalstabschef Beck. Im Schlosse präsentirte die Ehren­wache des Kaiser Franz-Regiments. Nach dem Abschreiten der Front und dem Parademarsch folgte die Begrüßung des Kaisers durch die Kaiserin und die Kaiserin-Großmutter in den oberen Gemächern.

Berlin, 12. August. Bei dem heute Abend um 7 Uhr stattgehabten Familiendiner saß die Kaiserin zwischen dem Kaiser von Oesterreich und dem Erzherzog Franz Ferdinand. Der Kaiserin gegenüber saß der Kaiser zwischen der Prinzeß Irene und Prinzeß Friedrich Leopold. Tafelmusik fand nicht statt. (Fr. N.)

Berlin, 12. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt am Schlüsse eines Begrüßungsartikels für den Kaiser von Oesterreich: „Als ein weithin sichtbares Zeichen unauflöslicher Bundesfrenndschaft stellt sich den Völkern beider Reiche die Berliner Kaiserbegegming dar und wird als solches mit der Zuversicht begrüßt, daß der Bestand des europäischen Friedens aus dieser Monarchenzusammenkunft erneute Kraft schöpfen möge." Alle anderen Abendblätter bringen ebenfalls äußerst sympathische Artikel.

Berlin, 12. August. Der General-Feldmarschall, Präses der Lan- des-Vertheidignngskominission, Graf v. Moltke, ist hier angekommen.