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Nr. 181.

Dienstag den 6. August

1889

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Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Das 4. Bataillon Füsilier-Regiments von Gersdorff beabsichtigt künftigen Freitag den 9. (bezw. bei schlechtem Wetter Sonnabend den 10. b. Mts.) auf den Wiesen bei Groß-Auheim ein gefechtsmäßiges Abtheilungs­Schießen mit scharfen Patronen abzuhalten.

Den ausgestellten Absperrungs-Mannschaften ist seitens des Publikums bei Meidung von Strafe unbedingt Folge zu leisten.

Hanau am 6. August 1889.

M. 3458

Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

Dieust-Nachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Am 1. ds. Mts. ein weißes Schaaf mit schwarzem Kopf; Empfangnahme bei dem Mühlenbesitzer Karl Noß auf der Unter­wühle bei Langendiebach.

Gefunden: Ein Halsband mit dem Hundezeichen Nr. 516. Ein Arbeitsrock. Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Ein ein­reihiges Korallen-Halskettchen. Ein weißer Herrn-Kragen. Ein weißes unächtes Schlangenarmband. Ein Päckchen schwarzes Baumwollengarn (in einen: Laden liegen geblieben). Sechs Schlüssel (unbefugt von Knaben aus den Thüren gezogen). Ein Kinderstrumpf.

Verloren: Ein dreireihiges Korallenarmband. Ein schwarz-seidener Sonnenschirm.

Hanau am 6. August 1889.

Tagesschau.

Berlin, 5. August. DemR. u. St.-A." liegen über den Besuch Sr. Majestät des Kaisers in England folgende Telegramnie vor:

Cowes, 4. August, Nachts. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm machte gestern Nachmittag, nachdem die Witterung günstiger geworden war, in der Interims-Uniform eines britischen Admirals, Ihren Königlichen Ho­heiten dem Prinzen und der Prinzessin von Wales auf der DachtOs­borne" einen Besuch und nahm daselbst den Thee ein. Von da kehrte Se. Majestät nach Osborne House zurück, wo eine größere Tafel stattfand, zu welcher 44 Einladungen ergangen waren. Heute Vormittag wohnte Se. Majestät der Kaiser dem Gottesdienst in der Privatkapelle des Schlosses zu Osborne bei, an welchem auch Ihre Majestät die Königin und alle Mitglieder des Königlichen Hauses theilnahmen. Nach dem Gottesdienst 7 empfing Se. Majestät die aus den Herren Freiherr v. Schröder, v. Ernst­hausen, Dr. Felix Semon und Professor Lange bestehende Abordnung der Deutschen in London, welche von dem Botschafter Grafen Hatzfeldt vorge­stellt wurde und L>r. Majestät eine prachtvoll ausgestattet/ Ergebenheits­und Glückwunschadresse überreichte. Se. Majestät der Kaiser dankte für die kundgegebenen loyalen Gesinnungen. Nach dem Lunch begab Sich Se. Majestät der Kaiser, in der Interims-Uniform eines britischen Admirals, be­gleitet von Sr. Königlichen Hoheit den: Prinzen Christian zu Schleswig- Holstein, den: Contre-Admiral Schröder und den zur Dienstleistung kom- mandirten britischen Offizieren an Bord der JachtAlberta", woselbst auch bald darauf Se. Königliche Hoheit der Prinz von Wales mit seinen: Sohne, dem Prinzen Albert Viktor erschien. Die Jacht dampfte darauf nach den: Ankerplatz der englischen Flotte ab. Der Kaiser besuchte mit den Prinzen zuerst das britische PanzerschiffHowe", Flaggschiff des kommandirenden Admnals Commcrell, und sodann der Reihe nach die SchiffeJmmorta- 7 'Hero ,Medea",Serpent" undSharpshooter", welche die ver- Medenen Typm der englischen Kriegsschiffe zeigen. Se. Majestät nahn: nt ^aiarteiifhldjeit Eigenschaften eines jeden Schiffes eingehend in Augen- schem. Der Besuch der Schiffe erfolgte ohne besondere Förmlichkeiten; nur dre aufgestellten Ehrenwachen salutirten. Abends fand Familrentafel in ^sbotne statt. Borgen Vormittag wird der Prinz von Wales die dent- ^' Ee, zu welcher sich inzwischen das deutsche SchulschiffNixe" ge- sellt hat, lnspizrreu. Für die morgende Flottenschau gelten alle für gestern festgesetzten Arrangements. Die deutschen Matrosen besuchten heute in großer Anzahl Osborne, Cowes und Ryde, wo sie mit den britischen Ma­trosen fraternrprten. Das vorzügliche Benehmen der deutschen Matrosen wirb sehr bemerkt. 1

Portsmouth, 5. Aug. (K. Z.) Das Wetter klärt sich auf, sodaß

die Besichtigung der englischen Flotte heute Morgen und die der deutschen Flotte heute Nachmittag stattfinden. kann.

Berlin, 5. August. Der Gesande V. Schlözer ist heute nach Var- zin abgereift. (Fr. N.)

Berlin, 5. August. Fürst Bismarck wird voraussichtlich schon am 10. August aus Varzin hier eintreffen. Im hiesigen Reichskanzlergebäude sind alle Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen. Die Frau Fürstin Bismarck, die von ihrem jüngsten unbedeutenden Unwohlsein vollständig wieder hergestellt ist, wird ihren Gemahl hierher begleiten. Unmittelbar nach der Abreise des Kaisers von Oesterreich gedenkt sich Fürst Bisma:ck von hier nach Kissingen zu begeben.

Berlin, 5. Aug. S. M. Schiffsjungen-Schulschiff,Nixe", Kom­mandant Kapitän z. S. Büchsel, ist am 4. ds. in Cowes eingetroffeu; S. M. KreuzerkorvetteOlga", Kommandant Korvetten Kapitän Freiherr v. Erhardt, ist am 5. ds. in Aden eingetroffen und beabsichtigt am selben Tage wieder in See zu gehen. (K. Z.)

DieNordd. Allg. Ztg." meldet, daß eine Deputation des1. Garde - Dragoner - Regiments, Königin von Englund", bestehend aus dem Regiments Kommandeur Oberstlieutenant v. Kotze, einem Rittmeister, einem Premier- und einem Sekondelieutenant, nach London abgereift ist, um der Kö­nigin von England den Frontrapport des Regiments zu überreichen. Der Kaiser hat ferner dem Prinzen Georg von Wales den Schwarzen Adler- Orden verliehen.

Köln, 5. Aug. Der französische Botschafter in Berlin, Herr Jules Herbette traf gestern Abend, von Derneburg kommend, wo er als Gast des Grafen Münster zwei Tage verweilte, auf dem hiesigen Bahnhöfe ein und speiste dort mit den Konsuln Audisio und Brand im Fürstenzimmer. Vor­der Abfahrt nach Paris, wo er heute im Kreise seiner Familie seinen fünf­zigsten Geburtstag feiert, drückte er den anwesenden Herren seine Freude und seinen Dank für das liebenswürdige und ehrende Entgegenkonimen aus, welche die aus französischen Beamten und Offizieren bestehende Abordnung allenthalben in Deutschland gefunden habe und wodurch diesen Herren ihre Sendung so sehr erleichtert worden fei. o j

Halberstadt, 5. Aug. Amtliches Ergebniß der am 1. ds. er­folgten Reichstagsstichwahl im 8. Wahlkreise (Oscherslebcn-Halberstadt- Wernigerode) des Verwaltungsbezirks Magdeburg: Von den im ganzen ab­gegebenen 13,261 Stimmen erhielten: Bürgermeister a. D. John-Oster­wieck (konservativ) 6939, Stadtrath Dr. Weber-Berlin (naWib.) 6322 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Aus Sachsen, 4. Aug. Der Grenzbahnhof Voitersreuth bei Fran­zensbad an der Linie Leipzig-Eger ist gestern abgebrannt. Der Saal, in welchem bisher die Zollrevisionen stattfanden, und die Restauration sind von Grund aus zerstört. (^ Z )

Dresden, 5. August. Die Schriftstellerin Fanny Lewald ist heute Morgen um 5 Uhr gestorben.

Stuttgart, 5. August. Ein ärztliches Gutachten über das Be- finden des Königs besagt: Der gegenwärtige Zustand ist befriedigend, die Veränderungen in der Lunge und am Herzen dauert zwar noch fort, aber sie sind jetzt nicht störend. Immerhin ist fernerhin die Vermeidung größerer Anstrengungen und klimatischer Schädlichkeiten nothwendig. Das von: König der Universität Tübingen gegebene Gartenfest in Baben­hausen verlies glänzend. Der König trank auf das Wohl der Universität, der Professoren und der Studirenden aller Länder. Auf sein Wohl wurde ein Salamander gerieben. Geladen waren unter anderen Gäste die ehe­maligen Studiengenosfen des Königs. (Fr. N.)

Graz, 4. Aug. DieK. Z." schreibt: Heute Mittag fand her großartige, durchaus gelungene Festzug anläßlich des österreichischen Bundes­schießens statt. Im Zuge schritten auch Schützen aus Bayern, Preußen, Sachsen, Württemberg unb der Schweiz. Die Festwagen mit der Austria, Stiria, Tirolin waren prächtig, ebenso der Jagdwagen. Bürgermeister Portugall hielt ans dem Hauptlatz eine Ansprache. Die patriotische und nationale Bedeutung des Festes betonend, wies er auf das Wnbpiß mit Deutschland hin, auf die innige Freundschaft beider Kaiser zum Segen und zur Wohlfahrt beider Reiche. Erzherzog Karl Ludwig ließ den Zug an sich vorüberschreiten. Bei seiner gestrigen Ankunft sagte der Erzherzog zum Bürgermeister: Möge auch dieses Fest den Einheitsgedanken dks Reiches beurkunden und zur Hebung der Wehrkraft des Vaterlandes beitragen.