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Innauer Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssnn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 177.
Donnerstag Leu 1 August
i88y.
BâmrtmachuugeK Röntgt Landrathsamts.
Die nachfolgenden Polizeiverordnungen werden hiermit in Erinnerung gebracht.
Hanau am 8. Juni 1889.
Der Königliche Landrath
v. O e r tz e n.
Das Begießen der Straßen soll bei anhaltender großer Hitze täglich wenigstens einmal mit frischem Wasser mittelst Gießkanne stattfinden. Für die Befolgung dieser Anordnung ist der Hauseigenthümer bezw. da, wo diese die Häuser nicht selbst bewohnen, die Bewohner des unteren Stocks verantwortlich. Auch sollen die Rinnen der Straßen gehörig gereinigt werden. Str. 50 Pf. bis 1 M. Das Begießen soll laut Bekanntmachung des Königl. Landrathsamtes v. 7./6. 77 (Hanauer Anzeiger) in der Zeit von Abends 6—8 Uhr geschehen.
In der Zeit vom 15. März bis 1. November des Jahres sind bei trockener Witterung die Trottoirs und Straßen vor dem Kehren mit Wasser derart zu besprengen, daß ein Aufwirbeln von Staub nicht stattfinden kann. Str. 1 bis 9 M
Nachstehendes Ausschreiben wird veröffentlicht. Hanau am 29. Juli 1889.
Der Königliche Landrath
P. 4734 v. Oertze n.
Adam Reißerth I., vorh. Bauer, von Großwelzheim, 63 Jahre alt, 1,64 m groß, mit blonden Haaren, blauen Augen, rundem Gesichte, rother Gesichtsfarbe, breitem Kinn, zuletzt bekleidet mit einem weißen Hemde, einer schwarzen Jacke, schwarzer Hose und Weste, schwarzer Mütze, mit Rohrstiefeln, wird seit Sonntag den 21. ds. Mts. zwischen 9—10 Uhr, wo er seine Behausung Nr. 38 in Großwelzheim verlassen hat, vermißt.
Ich ersuche um sachdienliche Recherche und um gef. Mittheilung eines etwaigen Ergebnisses.
Alzenan den 25. Juli 1889.
Der kgl. bayer. Bezirksamtmann.
Dienst-Nachrichten aus bem Kreise.
Gefunden: Eine getragene seidene Kappe mit Schild nebst einem Regenschirm (vor längerer Zeit in einer Wirthschaft liegen geblieben). Eine Mahne mit grünen Bohnen (auf dem letzten Wochenmarkt stehen geblieben).
Verloren: Ein Notizbuch mit der Aufschrift „Julius Grünebaum".
Hanau am 1. August 1889.
Zeitungsstimmen.
Die Rede, welche Se. Königliche Hoheit der Prinz Ludwig von Bayern am 27. Juli zur Eröffnung des VII. deutschen Turnfestes in München hielt, hat in der Presse große Beachtung gefunden. So schreibt die „National-Zeitung: „Die Rede, in welcher Prinz Ludwig von Bayern die deutschen Turner in München willkommen hieß, wird nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa einen großen Eindruck Hervorrufen.^ Der Schwuug und die vaterländische Begeisterung, mit welcher der bayerische Thronerbe von unseren Kaisern sprach, der Wahlspruch: „Treu festhalten an Kaiser und Reich", zu dem er sich bekannte, können in Deutschland nur erhebend wirken. Die Worte des Prinzen werden aber auch da, wo man immer noch auf die deutsche Uneinigkeit spekulirt, wohl verstanden werden. Die Deutschen in Oesterreich werden aus der Rede des fürstlichen Sprechers eine Ermuthigung dafür finden, in dem schweren Kampf, den das Dcutschthum in Oesterreich eben kämpft, muthig auszuharren. Die Zuversicht, mit welcher Prinz Ludwig von dem mächtigen Bunde sprach,^ welcher im Staude sei, in kürzester Zeit Heere aufzustellen, wie sie die Welt nie gesehen hat, und der doch nur zum Frieden geschaffen sei, von dem zu hoffen, daß er ein lang dauernder sei — diese Zuversicht ist aus dem Bewußtsein des deutschen Volkes geschöpft. Die Einheit und Einigkeit Deutschlands bilden die Grundlage des Weltfriedens und damit Les Kulturfortschrittes, und es ist ein helles Zeichen für unsere Zukunft,
daß der bayerische Thronfolger in dieser Richtung so klar seinen Weg sieht und seine Ueberzeugung so kraftvoll und schön vertritt."
Auch die „Vossische Zeitung" nimmt Veranlassung, sich über die Rede zu äußern: „Die Wärme, mit welcher der bayerische Prinz von den deutschen Kaisern spricht, dem siegreichen Gründer des Reichs, dem zwiefachen Heldenkaiser Friedrich, dem durch seine Arbeiterfreundlichkeit ausgezeichneten heutigen Herrscher, wird ebenso wohlthuend berühren wie die Anerkennung, welche der künftige Bayernkönig seinen gleichnamigen Vorgängern zollt. Es ist ein günstiges Zeichen der Zeit, daß heute ein Wittelsbacher unbefangen von den früheren Zeiten sprechen kann, in denen Bayern die Königskrone aus Napoleon's Händen nahm, daß ein deutscher Fürst Jahn's gedenkt, der einst auf die Festung gebracht wurde, weil er „die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands erfunden" haben sollte. Und nichts vermag die Hoffnungen des feindlichen Auslandes auf die Wiederkehr deutscher Zerrissenheit und Zwietracht wirksamer zu entkräften, als daß derjenige Prinz, der als unversöhnlicher Gegner der Neugestaltung des Reichs galt, es als seine und aller Deutschen Aufgabe bezeichnet, „treu festzuhalten au Kaiser und Reich und einig zu bleiben". Diese Worte werden allenthalben Widerhall finden und auch über die deutschen Grenzen hinaus ihre Wirkung nicht verfehlen."
Die „Germania" bemerkt zu der Rede des Prinzen: „Diese Rede des Prinzen Ludwig ist eine gewaltige Demonstration für das Deutsche Reich und dessen bundesstaatliche, die Selbstständigkeit der Eiuzelmitglicder wahrende Organisation, sie ist eine hervorragende Kundgebung für die ruhmvolle habsburgische Monarchie und zu Gunsten der Tripelallianz. Prinz Ludwig bewies in seiner Rede den echten deutschen Patrioten und zeigte, wie Bayerns Herrscher so oft Vorkämpfer für den deutschen Gedanken gewesen sind. Prinz Ludwig ist deshalb auch mit Begeisterung und in Treue dem neuen Deutschen Reiche zugethan, er freut sich aufrichtig der Größe und Eiuigkeit des geeinten deutschen Vaterlandes. Als unsere Aufgabe in diesem neuen Deutschen Reiche stellte Prinz Ludwig hin, „treu festzuhalten an Kaiser und Reich und einig zu bleiben" (stürmischer Applaus), festzuhalten an dem „von sämnitlichcn deutschen Staaten freiwillig einge- gaugenen, freiwillig gehaltenen Bunde, der den Einzelstaaten je nach ihrer Bedeutung, je nach ihrer Geschichte verschiedene Rechte einräumt, dessen Ceutralgewalt genügt, um die nothwendige Einheitlichkeit nach innen und außen zu wahren; der aber auf der anderen Seite den einzelnen deutschen Staaten ermöglicht, die ihnen zukommenden Kulturaufgaben zu erfüllen." Mit diesen Worten hat Prinz Ludwig die Aufgaben der Deutschen in derselben Weise gezeichnet, wie es Kaiser Wilhelm in seiner Botschaft an den Reichstag vom 1. Dezember 1886 that, worin er sich verwahrte, daß die Rechte der Einzelstaaten in der Reichspolitik aufgehen sollen. Deutlich sprach Prinz Ludwig es aus, daß Bayern festhalten wird an den Verträgen, daß es Gut und Blut einsetzen wird für des großen deutschen Vaterlandes Ehre und Sicherheit, er wies auch hin auf die Bündnisse, die Deutschland mit Oesterreich, dem stammverwandten, und zum Friedensschutze mit Italien geschlossen hat, und stürmischer, donnernder Beifall bewies, wie sehr er den bayerischen und deutschen Turnern aus der Seele gesprochen hat. Aber eben so deutlich sprach er es aus, daß Bayerns Selbstständigkeit, die Erhaltung der ihm verbürgten Rechte absolut nothwendig sind. . . . Prinz Ludwig ist der künftige Herrscher Bayerns. Er ist ein tapferer Held, der nie Gefahren für seine Person scheut, wenn der Kampf sic bringt, sondern ihnen muthig begegnet, wie die letzten Kriege bewiesen, besonders der von 1866, wo Prinz Ludwig in einer Schlacht schwer verwundet worden ist. Prinz Ludwig leuchtet aber ebenso den Bayern in Werken des Friedens voran. Er ist ein vortrefflicher Jurist, kennt die Staatsverwaltung in allen ihren Einzelheiten, ist ein eifriger Förderer von Kunst und Wissenschaft, ein vortrefflicher Landwirth. Prinz Ludwig hat auch die deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte als aufmerksamer Beobachter und als thätiges Mitglied der bayerischen Reichsrathskammer miterlebt, wo er sich als tüchtiger schlagfertiger Redner bewährte. Wenn ein Mann mit diesem hohen Berufe, in dieser hohen Stellung, mit diesem Wissen und von solchen Eigenschaften spricht, dann fallen seine Worte schwer ins Gewicht, zumal im speziellen Falle anzunehmen ist, daß Prinz Ludwig im Einver- ständniß mit seinem Vater, dem Prinz-Regenten Luitpold, gesprochen. Die Kundgebung des Prinzen Ludwig bildet deshalb einen wichtigen Merkstein in der inneren deutschen Politik, wie sie auch ebenso für die äußere Politik von hervorragender Bedeutung ist, weil sie zeigt, mit welchen Mitteln und