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Die »walt. Zeil, 20 Psz.

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30 Pfg

Nr. 172.

Freitag den 26. Juli

BekarmLmächrmgeu Königl. Landrathsamts.

Bei den Unteroffizier-Schulen zu Potsdam, Marienwerder und Biebrich können im Oktober d. I. noch Freiwillige zur Einstellung ge­langen. Anmeldungen hierzu können bei dem Königlichen Bezirks-Kommando zu Frankfurt a/M. stattfinden.

Hanau am 24. Juli 1889.

Der Königliche Landrath

N. 3324 v. O e r tz e n.

Das nicht, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Verfahren, welches Seitens einzelner Ortspolizeibehörden in Ausübung der als solchen obliegenden Funktionen bisher gehalten, und namentlich bei Auffindung von Leichen, Einbruchsdiebstählen, schweren Körperverletzungen und Bränden zu den nachtheiligsten Folgen führt, veranlaßt mich, in dieser Richtung Fol­gendes zur genauesten Beachtung in Erinnerung zu bringen.

Nach §. 157 St.-P.-O. sind, falls Anhaltspunkte dafür vorhanden sind, daß Jemand eines nicht natürlichen Todes gestorben ist, oder der Leichnam eines Unbekannten gefunden wird, die Polizei- und Gemeindebe­hörden zur sofortigen Anzeige an die Staatsanwaltschaft oder an den Amtsrichter verpflichtet.

Die Beerdigung darf in diesen Fällen nur auf Grund einer schrift­lichen Genehmigung der Staatsanwaltschaft oder des Amtsrichters erfolgen.

Da in den bei Weitem meisten Fällen der Amtsrichter rascher er­reichbar sein wird als die Staatsanwaltschaft in Hanau und da fernerhin nach §. 163 St.-G.-B. bei obwaltender Gefahr im Verzug der Amtsrichter die erforderlichen Untersuchunashandlungen von Amtswegen vorzunehmen hat, fonsetje ich die OrtspoUzeibehörden yiermu nuiyimua 'äuÄvruul-u-^ u«, in allen derartigen Fällen dem Amtsrichter umgehend event, durch Cilboten Nachricht zukommen zu lassen.

Ebenso ist es erforderlich, wenn anders §. 163 St.-P.-O. irgend welche Bedeutung haben soll, daß dem Amtsrichter von allen strafbaren Handlungen, bei welchen Verdunkelung des Thatbestandes oder Verlust der Beweismittel zu befürchten ist sz. B. Einbruchsdiebstähle, erhebliche Körper­verletzungen und dergl.), umgehend Nachricht gegeben wird.

Ferner ist von allen Bränden demselben sofortige Mittheilung zu machen, da bei diesen stets die schleunigste Feststellung des Befundes eintreten muß.

Hanau am 19. Juli 1889.

Der Königliche Landrath

V. 4519 v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Hunde-Marken Nr. 563 und 623. Zwei Hundemaulkörbe. Ein Portemonnaie mit 1 Pf. Ein Portemonnaie mit Geld.

Geländet: Am 4. v. Mts. im Main bei Höchst ein eichener Stamm; nähere Auskunft auf dem Bürgermeisteramt dortselbst.

Verloren: Ein Säckchen mit ca. 54 Pfd. Korn. Ein goldener Ohrring. Eine Brille mit Futteral. Ein neues Wagentuch.

Entlaufen: Ein gelber Spitz mit geschnittenen Ohren und Ruthe m. Geschl.

Hanau am 26. Juli 1889.

Diejenigen Militairpsüchtigen hiesiger Stadt, welche bei dem dies­jährigen Ober-Ersatzgeschäft dem Landsturm überwiesen, oder als dauernd untauglich anerkannt worden sind, haben ihre bezüglichen Scheine innerhalb drei Tagen beim hiesigen Meldeamte in Empfang zu nehmen.

Hanau am 23. Juli 1889.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: gez. H e r a e u s.

Tagesschau.

Berlin, 25. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König ließen Sich im Laufe des gestrigen Tages an Bord Allerhöchstseiner Aacht Vor­träge halten und trafen bei schönem Wetter um 5 Uhr Nachmittags in bestem Wohlsein vor Bergen ein. Die Weiterreise nach Wilhelmshaven ist für heute Nachmittag in Aussicht genommen.

1889.

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Berlin, 25. Juli. Ueber die Reise Sr. Majestät des Kaisers und Königs meldet derR. u. St.-A." : Bergen, 24. Juli, 11 Uhr 20 Min. Abends. Heute Nachmittag erfolgte die Ankunft in Bergen. Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelchem die Reise vortrefflich bekommen ist, blieb den Abend an Bord. Bei der Abendtafel brachte Se. Majestät das Wohl Ih­rer Königlichen Hoheit der Frau Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen aus, deren Geburtstag auf den heutigen Tag fällt. Von hier wird die direkte Ueberfahrt nach Wilhelmshaven erfolgen.

Berlin, 25. Juli. Die Kaiserin Augusta wird von Coblenz am 9. k. M. auf Schloß Babelsberg eintreffen. Das Befinden Ihrer Majestät ist zur Zeit ganz vortrefflich.

Berlin, 24. Juli. Das ganze Gefolge, das den Kaiser nach Eng­land begleiten wird, sowie die in Wilhelmshafen zum Vortrage befohlenen Minister werden am Samstag in einem Sonderzuge Berlin verlassen und am Sonntag Morgen in Wilhelmshaven eintreffen. Die Ankunft des Kaisers daselbst wird schon am Sanistag gegen Mittag erwartet. Das Gefolge, welches den Kaiser auf der Nordlandfahrt begleitet hat, wird sich voraussichtlich am Sonntag verabschieden und am Abend nach Berlin zurückkehren.

Berlin, 25. Juli. Der Kultusminister Dr. v. Goßler ist, nach derK. 3.", am Dienstag nach Varzin zum Besuche des Reichskanzlers gereist. Heute Abend wird er von dort hierselbst zurückerwartet.

Berlin, 25. Juli. DieNorddeutsche Allgem. Ztg." bespricht das Projekt eines Blitzzuges von Berlin nach Rom und hebt hervor, daß die zahlreichen kommerziellen und geistigen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien es. dringend wünschenswerth erscheinen lassen, die beiden Haupt- na^dem ^Suöen"ÄV>e^"âfie stljeüi\^tn<v ^1^^ RaU^den den begrüßen.

Zu der KebersendUttg des Bildes von der Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Zaren in Peterhof int vorigen Jahre wird der Kreuzzeitung" aus Petersburg geschrieben, daß das Bild in besonderer Audienz durch den Botschafter von Schweinitz in dem Sommerfchlößchen Alexandria im Peterhofer Park dem Zaren überreicht worden sei. In einem neben dem großen Speisesaale befindlichen Seitenkabinet, welches Kunstgegenstände enthält, hat das Bild Aufstellung gefunden. Der Audienz wohnten die Kaiserin und Großfürst Michael bei. Das Bild fand lebhafte Anerkennung. Der Zar sprach sich zum Botschafter von Schweinitz sehr erfreut aus. Die große Liebenswürdigkeit und herzliche Gesinnung, die Kaiser Wilhelm durch diese Aufmerksamkeit bekundete, mache in Petersburg einen nachhaltigen Eindruck.

Prinz Heinrich von Prentzen wird auch während des Winters ein Kommando übernehmen. Die Reise zur Hochzeit seiner Schwester tritt er zu Schiff mit seiner Gemahlin an. Prinzessin Heinrich wird den größten Theil des Winters außerhalb Kiels zubringen.

Während unter den Handelshäusern in Kalkutta das deutsche Element in hervorragender Weise vertreten ist, sind in Bombay deutsche Firmen bislang nur in spärlicher Anzahl anzutreffen, ungeachtet dessen, daß dieser wichtige Handelsplatz deutschen Waaren einen namhaften Absatz bietet, der in den letzten Jahren stets zugenommen hat. Es soll dieser Umstand das bekannte und seit einer Reihe von Jahren in London und Kalkutta ansässige Haus der Herren Ernsthausen u. Co. zu dem Entschluß veran­laßt haben, in nächster Zeit eine Zweigniederlassung in Bombay zu er­richten, deren Wirkungskreis in erster Linie, wie wir hören, sich auf die Einfuhr deutscher Erzeugnisse erstecken soll.

DerKreuzzeitung" zufolge steht unmittelbar die Errichtung eines deutschen evangelischen Bisthums Jerusalem aus dazu vorhandenen Fonds bevor. Für die Stelle werden genannt Pastor Graeber in Mül­heim an der Ruhr und Superintendent Trautvetter in Rudolstadt, welche beide früher in Kairo thätig waren.

Schweidnitz, 24. Juli. Das Schwurgericht fällte heute die Ur­theile gegen die erste Gruppe der aus Anlaß der Ausschreitungen im Wal­denburger Strikcgebiet Angeklagten. Es wurden wegen schweren Land­friedensbruchs verm theilt : der Arbeiter Henkel als Rädelsführer zu 5 Jahren Zuchthaus und 7 Jahre Ehrverlust, der Schlepper Sobeck zu 3 Jahren, Schlepper Büttner und Lehrbauer Schiller zu 4 Jahren, Schleppe, Scholz und Schlepper Schmidt zu je 5 Jahren, Schlepper Heydorn und Gruben­arbeiter Zimmer zu je 2 Jahren, Schlepper Wilsch zu 3 Jahren und