Einzelbild herunterladen
 

L»E*«e«tI- ®WiiI:

AiLrUch s Kerf. AsiSj.â SOPsg.

Oi««i^hilich

* Start *6 Pfg. Mr (»«»artige etenaenten

»V tarn betreffen« âee $«UaufWag. ââzsin« Stilm»

»er 10 Pfg.

Zugleich Amtliches glrgan für Stcröt- und Lcrnökvsis Kcrncru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

InsertionS- Preis:

Die ifpattige Barmondzeile »k deren Raum

10 Pfg.

Die LfPaU. Zeil, 20 Pfg.

Die SfpaltigeLetl« 30 Pfg

Nr. 170.

Mittwoch den 24. Juli

1889.

DieNft-Nachrichten aus dem Krerse.

Zugelaufen: Am 22. ds. Mts. ein mittelgroßer grauer Hund (Wolfsratze) m. Geschl.; Empfangnahme bei Werkführer Joh. Jakob Tag in Langendiebach. Am 20. d. Mts. zwei junge dänische Doggenhunde mit weißen Abzeichen, m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Eisenbahnstations­diener Heinrich Müller zu Wachenbuchen.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein grau-gelber Spitz m. Geschl. Gefunden: Ein Hundezeichen Nr. 623. Ein Kinderschuh.

Verloren: Ein schwarzer Herrenschirm (in der Wirthschaft zur Patrontasche stehen geblieben). Ein Portemonnaie mit über 14 Mark, einem Kassenschlüssel und anderen Sachen.

Entflogen: Zwei Kanarienvögel.

Hanau am 24. Juli 1889.

Steckbrief.

6181 C. M. 168/87. Der Agent Friedrich Salzer, geboren ani 20. Januar 1840 zu Heilbronn, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 13. April 1889 wegen Untreue zu einer Gefängnißstrase von sechs Wochen rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.

Es wird ersucht, auf den rc. Salzer zu fahnden, ihn im Betre- iungsfalle zu verhaften und mich von der Verhaftung zu beachrichtigen.

Frankfurt a. M. den 20. Juli 1889.

Königliche Staatsanwaltschaft.

. -.«w«. .. ...------- . ... «i<T.u«wa:rratwe«.' .- :MurMnBueaKnuneMa(u

NR Der Strikefeldjug dieses Sommers

hat für die Arbeiter mit einer Niederlage auf der ganzen Front geendet. So sehr jeder aufrichtige Freund der Volks- und insonderheit der Arbeiter­fache es beklagt, wenn eine nicht abzuwendende Krise über weite Schichten der Bevölkerung hereinbricht und den davon Betroffenen harte, materielle Opfer auferlegt, so wenig darf der unparteiische Beobachter des Lohnkampfes der letzten Monate sich verhehlen, daß seine Sympathien für die Arbeiter diesmal auf eine schwere Probe gestellt wurden. Man kann einen Aus­stand, der als letztes, gleichsam verzweifeltes Mittel angewendet wird, um einen Knoten, dessen Lösung nicht gelingen will, zu durchhauen, begreifen und allenfalls entschuldigen, obgleich das alte, gute Sprichwort: Friede er­nährt, Unfriede verzehrt, seine Gültigkeit noch in vollem Maße behauptet, aber nicht zu entschuldigen, geschweige denn zu rechtfertigen ist es, wenn viele Tausende erwachsener, verständiger, mündiger Männer so ganz und gar sich ihrer gesunden Vernunft, ihres sachlichen Urtheils entäußern, um blindlings einer Parole zu folgen, die von Seuten ausgegeben wird, welche gar nicht im Ernste wollen, daß es dem Arbeiter gut ergehe, sondern die lediglich auf den Gewinn und die Einübung von Rekruten für das große Heer der sozialen Revolution ausgehen. Gerade die Hauptstrikes sind total mißlungen; die Arbeiter müssen, als der unterlegene Theil, die Kriegskosten tragen; sie selbst sehen finster und gedrückt vor sich nieder, ihre Verführer aber lachen sich heimlich ins Fäustchen. Denn ihr Weizen blüht desto üppiger, je mehr Verbitterung und Unzufriedenheit mit sich selbst, mit der umgebenden Welt in die Kreise der Arbeiter einreißt. Das sind die Zu­stände und Strömungen, die den ehrlichen Volksfreund unmöglich mit Be­hagen erfüllen können. Seine einzige Hoffnung beruht darauf, daß der Periode hochgehender agitatorischer Wogen eine Zeit der Windstille folgen werde, die den Arbeiter zu sich kommen läßt und ihn lehrt, die üblen Er­fahrungen, welche ihm das vom Zaun gebrochene Striken, noch dazu meistens unter Bruch des eingegangenen Arbeitsvertrages, einbrachte, in ihrem rich- t^gen Licht zu erkennen und zu verwerthen. Das Wort des großen Schweigers Moltke: Jeder Krieg, auch der siegreiche, ist ein Unglück auch für die siegreiche Nation, gilt nicht minder von der wirthschaft- Uchen, wie von der politischen Kriegführung. Wären selbst die Strrkes erfolgreich für den Arbeiterstand abgelaufen, die Sieger hätten rhren Erfolg noch immer um Vieles zu theuer bezahlt, weil das Herzblut der nationalen Arbeit dabei fließt. Jetzt nun gar, wo der ungünstige Aus­gang des Strikefeldzuges sich mit doppelter Wucht aus die Schultern des unterlegenen Theiles wälzt, erhält der Ausspruch unseres großen Strategen eme um so grellere Beleuchtung. Möchte er den Arbeitern zur Beherzigung, Warnung und Lehre dienen! Dann werden die üblen Erfahrungen dieses Sommers den Wendepunkt zum Bessern bilden und die Arbeiter in Zukunft davor bewahren, zur Förderung ihrer Interessen verkehrte Wege einzu- Magen I

Tagesschau.

Bèvlin, 23. Jnli. DerR. u. St.-A." veröffentlicht eine Be­kanntmachung des. Reichskanzlers vom 16. Juli, betreffend den Aufruf und die Einziehung der Einhundertmarknoten der Hannoverschen Bank in Hannover.

Berlin, 23. Juli. In der Ersten Beilage desR. u. St.-A." Nr. 172 ist eineZusammenstellung der Betriebsergebnisse der Rüben- zuckerfabriken, Zuckerraffinerien und Melasse - Entzuckerungsanstalten des deutschen Zollgebiets im Monat Juni bezw. in der Feit vom 1. August 1888 bis 30. Juni 1889" enthalten.

Berlin, 23. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König trafen gestern, 22. Juli, um 4 Uhr Morgens in Bodö ein und setzten von dort aus in bestem Wohlsein die Heimreise durch den Baiern-Fjord nach dem Holand-Fjord fort. Daselbst begaben Sich Se. Majestät zur Besichtigung eines mächtigen Gletschers an Land und nahmen gegen 6' 2 Uhr Abends die Weiterreise bei sehr schönem stillen Wetter wieder auf. Die Dacht passirte auf der Weiterfahrt gegen 9 Uhr Abends die Telegraphenstation Selsövik, wo Depeschen ausgetauscht wurden. Heute, 23. Juli, wird vor­aussichtlich gegen 3 Uhr Nachmittags die Höhe 'von Trondhjem und nach weiteren 24 Stunden Bergen erreicht werden.

Berlin, 23. Juli. DieNordd. Allgem. Ztg." bespricht das gestern veröffentlichte Verbot der Einfuhr lebender Schweine aus Rußland und Oesterreich-Ungarn und bezeichnet als Veranlassung dazu die Sperr­maßregeln, welche kürzlich die deutsche Viehausfuhr nach Westen betroffen habe. England, Frankreich und Belgien erließen im letzten März Verbote der Vieheinfuhr gegen Deutschland, und wenn die Bemühungen Deutschlands um Herstellung eines seuchefreien Zustandes nicht vollen Erfolg hatten, müsse die Schuld hauptsächlich der fortgesetzten Einschleppung der Krankheit aus den östlichen Nachtharländern zugeschieben werden. In Oesterreich sei die Zahl der infiniten Gemeinden jüngstens erheblich gestiegen. Je ent­schiedener die deutscherseits getroffenen Sicherungsmaßregeln seien, desto eher sei die Beseitigang der vorhandenen Mißstände und die Rückkehr normaler Verkehrverhältuisse erwartbar.

Berlin, 23. Juli. (K. Z.) Die Meldung, daß der französische Botschafter Herbette nach Varzin gereist sei, ist vollständig unbegründet. Der Botschaster Herbette hat seit seiner Rückkehr von Paris Berlin nicht verlassen. Einen längeren Urlaub wird Herr Herbette erst in den Angust- tagen antreten, nachdem die Ueberführung der irdischen Ueberreste Carnots und Latour d'Auvergnes von Deutschland nach Frankreich stattgefunden hat.

Berlin, 22. Juli. DieK. Z." schreibt: Obwohl sich selbst der italienischen Regierung nahestehende Blätter ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigen, daß der Papst Rom und Italien verlassen könnte, glaubt man in diesseitigen politischen Kreisen nicht daran, daß diesen Erörterungen eine thatsächliche Bedeutung beizumessen sei. Man weist heraus hin, daß selbst der heißblütige Papst Pius X. im Jahre 1870 den Vorschlag der In­transigenten, Rom zu verlassen, ohne Besinnen abgelehnt hat, obwohl die damalige Lage der Kurie diesen Gedanken nahelegte. PiuL IN. erkannte die dauernde Gefahr, die aus einem solchen Schritt für die Stellung des Papstthums fraglos erwachsen müßte. Daß aber der kluge, vorsichtige und scharfblickende Papst Leo XIII. in dieser Frage minder besonnen urtheilen und vorgehen sollte als sein zu schnellen Entschlüssen weit eher geneigter Vorgänger, ist nicht anzunehmen.

Wilhelmshaven, 23. Juli. Die Geschwader, bestehend aus den Panzerschiffen Kaiser, Deutschland, Friedrich der Große und Preußen, den Panzerkorvetten Baden, Sachsen und Oldenburg, der gedeckten Korvette Irene und dem Aviso Zieten sind heute Nachmittag hier eingetroffen und ankern auf der Reede. Der Kaiser wird, nach derK. Z.", am 27. oder 28. Juli, die Kaiserin am 28. hier erwartet. Beide werden hier bis zum 31. Juli bleiben, an welchen: Tage der Kaiser an Bord der Dacht Hohen- zollern Wilhelmshaven verläßt und sich, begleitet von den Geschwadern, nach England begibt. Die Regierungsgeschäfte werden hier erledigt werden und zu dem Zweck werden u. a. Graf Herbert Bismarck, der Kriegsminister und der Geh. Kabinetsrath Dr. v. Lucanus hier eintreffen.

DieKreiszeitung" erklärt in einer Polemik gegen russische Blätter, daß kein Gegensatz zwischen Bismarck und Waldersee bestehe, und daß, so lange Preußen existirt, nie ein preußischer Militär Politik gemacht habe.