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Iugteich AmLttches Kvgan für SLcröt- und Landkreis ^anau.
Erscheint täglich mit AuWahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Samstag den 22. Juni
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1889.
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Mit dem 1. Juli 1889 beginnt ein nenes Abonnement auf den in seitheriger Weise erscheinenden
„Danauer Anzeiger", zugleich amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
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Die Expedition des Hanauer Anzeigers.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein abgetragener Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Eine Fibel. Ein Velozipedschlüssel. Eine Reitpeitsche.
Vom Wasenmeister am 21. d. M. ein gefangen: ein grau-gelber Spitz und ein schwarzer Hofhund mit weißen Pfoten, beide m. Geschl.
Verloren: Eine längliche mattgoldene Broche.
Hanau am 22. Juni 1889.
t Der Prozeß Dannenberg.
In Hannover ist kürzlich einer jener int Ganzen seltenen Strafprozesse verhandelt worden, welche durch die Klarstellung geschichtlicher Ereignisse vor Gericht eine historisch-politische Bedeutung erhalten. Angeklagt war der Redakteur des Welfenblattes „Hannoversche Volkszeitung", Rechtsanwalt Freiherr von Dannenberg, wegen Beleidigung des Oberpräsidenten von Bennigsen. Es hatte bisher zu den wirksamsten Agitationsmitteln der Welfen gegen die Nationalliberalen in Hannover der Vorwurf gehört, daß sie 'um äußerer Vortheile willen Hannover 1866 an Preußen verrathen hätten und daß namentlich ihr Führer, Herr von Bennigsen, als Führer des ehemaligen Nationalvereins schon im Frühjahr 1866 mit dem Grafen Bismarck wegen der Einverleibung verhandelt und Petitionen zu Gunsten der Annexion betrieben habe. Mochte sich auch Herr von Bennigsen bisher über den Vorwurf des Landesverraths erhaben fühlen, so mußte er doch, feit er als höchster Beamter an der Spitze der Provinz steht, gegen die Erneuerung solcher Angriffe zur Klage schreiten, um ein für alle Mal die welfische Legende auf ihren wahren Sachverhalt prüfen zu lassen.
Aus den zeugeneidlichen Aussagen von Bennigsens und Dr. Miquèls ergibt sich Folgendes: Ersterer hatte im Mai 1866, ebenso wie bald darauf sein hannoverischer Landsmann Miquèl, der neben ihm als Führer des Nationalvereins gelten durfte, bei einer gelegentlichen Anwesenheit in Berlin mit dem preußischen Ministerpräsidenten Herrn von Bismarck eine Unterredung über die deutschen Verhältnisse gehabt. Beide Herren standen damals Herrn von Bismarck mißtrauisch gegenüber, sie glaubten nicht an den Ernst seiner Reformpläne für Herbeiführung der Reichseinhcit, die sie selber erstrebten. Von jenen Unterredungen, in denen Bismarck bezweckte, die Führer des Nationalvereins eines Besseren zu belehren, wurde nur in derjenigen mit Miquèl die ungewisse Haltung Hannovers berührt und Miquèl hat bezeugt, daß Bismarck nichts weiter als die Neutralität Hannovers bei dem Ausbruche eines preußisch-österreichischen Kriegs verlangte. In Wirklichkeit war, wie Fürst Bismarck am 12. Januar 1887 ausgeführt hat, das Verhältniß der beiden Staaten im Frühjahr 1866 noch so freundlich, daß ernstlich die Verlobung einer hannöverischen Prinzessin mit einem preußischen Prinzen geplant wurde. Da trat plötzlich die verhängnißvolle Wendung ein: König Georg unterlag den österreichischen Einflüssen, welche auf Theilnahme am Kriege drängt en, er fing an zu rüsten und bereitete so gegen die preußischen Rathschläge und die Wünsche der hannöverschen Kammer, in welcher Herr v. Bennigsen für Neutralität zu wirken suchte, eigenwillig selber den Verlust seines Landes vor. Herr v. Bennigsen hat so wenig als Herr v. Bismarck die Einverleibung Hannovers betrieben, welche lediglich eine Folge der Kurzsichtigkeit und des Eigensinns des Königs Georg war.
Wie feindlich die hannöversche Regierung der deutschen Sache war,
und wie wenig Verständniß für die damalige politische Lage sie besaß, geht aus einem in Verbindung mit dem Prozeß Dannenberg bekannt gewordenen Reskripte vom 5. November 1859 hervor, nach welchem die Unterzeichner von Aufrufen und Erklärungen, die auf Bildung eines deutschen Parlaments und auf Unterordnung der Staaten unter Preußens Hegemonie gerichtet seien, bei keiner Anstellung, Beförderung, Gnadenbezeugung berücksichtigt, bei keiner Pachtung oder Arbeitslieferung zugelassen werden sollten. Gleichwohl hat von Bennigsen 1866 von hannoverischen Petitionen um Annexion abgerathen und seinerseits sich bestrebt, von der Selbstständigkeit Hannovers, als die Einverleibung unvermeidlich war, so viel als möglich zu erhalten.
Der Prozeß, welcher mit einer Verurtheilung des Beleidigers zu hoher Gefüngnißstrafe endigte, nachdem selbst einer seiner Vertheidiger anerkannt hatte, daß Herr v. Bennigsen vollständig gerechtfertigt aus den Verhandlungen hervorgehe, hat ein Lügengewebe zerstört, welches zu Gunsten der Welfenpartei immer und immer wieder erneuert worden war. Nicht diejenigen haben Laudesverrath getrieben, welche aus dem Elend des alten Bundestages sich heraussehnten und ein machtvolles Deutschland mit Preußen an der Spitze erstrebten; wohl aber treiben diejenigen im politischen Sinne Landesverrath, welche unempfänglich für die Schuld ihrer eigenen Führer und für die Verblendung eines unglücklichen Königs, der später sogar die Hilfe Napoleons anrief, die Geschichte rückwärts drehen wollen und für eine verlorene Sache an der Schwächnng des Reiches arbeiten. ___
Tagesschau.
Berlin, 21. Juni. Dem zum Deputy Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin ernannten Herrn George H. Murphy ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
Berlin, 21. Juni. Einem Petersburger Privattelegramm der „Nationalztg." zufolge reist der Großfürst Thronfolger heute von dort nach Stuttgart über Berlin ab; man glaubt, daß hier Ort und Zeitpunkt des Besuches des Zaren bei dem Kaiser Wilhelm festgestellt werden. (F. N.)
Berlin, 21. Juni. In der Zeit nom 12. bis 19. Juni hat im Kaiserlichen Gesundheitsamt unter dem Vorsitz des Direktors Köhler und unter Theilnahme von Mitgliedern des Amts der Ausschuß der ständigen Kommission für Bearbeitung der Pharmakopoe getagt. Demselben gehören an die Herren Professor Dr. Schmidt (Marburg), Apothekeubesitzer Dr. Schacht (Berlin), Hofrath Professor Dr. Hilger (Erlangen), Apothekenverwalter bei dem akademischen Krankenhause zu Heidelberg, Dr. Vulpius, Senator und Universitäts-Apotheker Dr. Brunuengräber (Rostock), Professor Dr. Flückinger (Straßburg i. Elf.). Außerdem ist mit Rücksicht auf die Verhältnisse der Militärverwaltung der Corps-Stabsapotheker Dr. Link (Berlin) zugezogen worden. Zn einer sehr erheblichen Zahl von Artikeln der zur Zeit in Geltung befindlichen Pharmakopoö haben Abänderungsvorschläge vorgelegen. Außerdem sind 99 Artikel zur Neuaufnahme in die Pharmakopoe vorgeschlagen worden. Wenn letztere auch nicht sämmtlich Berücksichtigung finden werden, so dürfte sich doch die Veranstaltung einer völlig neuen Ausgabe der Pharmakopoe kaum umgehen lassen. Zur Feststellung des Textes derselben steht die Berufung der gesummten ständigen Pharmakopoë-Kommission für Mitte Oktober d. J. in Anssicht.
Berlin, 21. Juni. Der frühere Direktor der königlichen Museen, Professor Dr. Karl Bötticher, ist hier im Alker von 83 Jahren gestorben; er gehörte zu unsern hervorragendsten Alterthumsforschern, wurde 1834 Lehrer am Gewerbe-Institut, 1838 Lehrer an der Akademie der Künste, 1844 Professor, 1849 Mitglied der Akademie der Künste; seit 1854 gehörte er der Berliner Museumsverwaltung an, in der er 1868 Direktor der Skulpturen- und Abgußsammlungen wurde; 1876 trat er in den Ruhestand. Besonders bekannt gemacht hat er sich durch seine gründlichen Forschungen über die Akropolis in Athen. lK. Z.)
Die Nntional-Zeitnng schreibt: Wie uns ein Privattelegramm aus Petersburg meldet, reift der russische Großfürst-Thronfolger heute von dort nach Stuttgart ab. Der Großfürst nimmt seinen Weg über Berlin. Man glaubt, daß bei seiner Anwesenheit hierselbst Art und Zeitpunkt des Besuches des Zaren bei Kaiser Wilhelm festgestellt werden wnd.
Ueber den Königsberger Getreidehandel verbreitet sich der Jahresbericht des Vorsteheramtes der Kaufmannschaft zu Königsberg wie folgt: Der Verlauf des Jahres 1888 bewies aus's Neue, daß das Gedeihen des