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Nr. 138
Montag den 17. Juni
18W.
Dierch-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Zwei Regenschirme (auf dem hiesigen Wochenmarkt stehen geblieben). Zwei goldene Ohrringe mit Steinen. Ein evang. Gesangbuch (150 Kernlieder) mit der Inschrift „Scherff". Ein weißes Taschentuch. Ein Portemonnaie mit Geld.
Verloren: Zwei schwarzseidene Schirme mit weißen Griffen (im Lamboywald). Eine grau-bräunliche Kolter.
Hanau am 17. Juni 1889.
Artsschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
9448 B. —■ J. 1986/87. Das am 30. November 1887 erlassene Ausschreiben gegen die Arbeiterin Anna Geis aus Schweinfurt wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 9. Juni 1889.
9575 B. — N. 1309 88. Das Ausschreiben vom 25. Juli v. J. gegen das Dienstmädchen Susanne Er et er von Bessungen wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 11. Juni 1889.
6808 D. — J. 3598/88. Der Steckbrief vom 10. Dez. v. J. gegen den Schlosser Xaver Roth von Bornheim wird erneuert.
B. 9708. — N. 881/88. Der am 6./11. 1888 gegen den Weißbinder Gottlieb Schäfer von hier erlassene Steckbrief wird erneuert.
6873 D. — M. 435/88. Das am 23. Januar 1889 gegen die Elisabeth Tägner oder Täschner, geb. Oldendorf, aus Wersau erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a. M. den 12. Juni 1889.
8742 A. — J. 3841/87. Das am 5. März 1888 erlassene Ausschreiben gegen die Dienstmagd Emma Bisch aus Newyork wird erneuert.
A. 8745. — J. 344/88. Der am 7./2. 1888 gegen den Schlosser Adolf Traut aus Karlsruhe erlassene Steckbrief wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 13. Juni 1889.__
8691 A. — J. 2318/89/ Gegen den nuten beschriebenen Hausburschen Anton Besold von Tennenlohn, geb. 1. Juni 1869, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 12. Juni 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 20 Jahre, Größe mittel, Haare blond, Gesicht roth. Besondere Kennzeichen: der rechte Zeigefinger fehlt.
Tagesschau.
Berlin, 15. Juni. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzessin Friedrich Carl, der Prinz Friedrich Leopold, der Erbprinz und die Erbpinzessin von Meiningen und die übrigen in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder Fürstlicher Häuser wohnten, wie der „R. u. St.-A." aus Potsdam meldet, heute um 10 Uhr 'ber Gedächtnißfeier für weiland Kaiser Friedrich in der Friedenskirche bei, zu welcher von Berlin die gegenwärtig anwesenden Minister und zahlreiche Generäle, sowie von Potsdam die Spitzen der Behörden und die gesammten Offizier-Corps der Garnison erschienen waren. Ihre Majestäten hatten vorher an dem Sarge des Kaisers Friedrich prachtvolle Kränze niederlegen lassen; ebensolche waren von Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich und Deren Prinzessinnen Töchtern "eingegangen. Als Se. Majestät, Allerhöchstwelcher die Uniform des 1. Garde-Regiments trug, mit Ihrer Majestät die Kirche betrat, stimmte der Chor der Fwölf-Apostelkirche aus Berlin den Psalm an „Herr, Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für." Nach einer kurzen Liturgie mit Echriftverlesung hielt Hofprediger Windel die Gedächtnißrede im Anschluß an das Wort: „Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben." Von ergreifender Wirkung war der zum Schluß vom Chor ausgeführte Gesang des Lieblingsliedes Kaiser Friedrich's: „Wem der Herr ein Kreuze schickt. Nach beendigter Feier begaben Sich die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften, unter ihnen auch die drei ältesten Kaiserlichen Prinzen, zu stillem Gebet an den Sarg Kaiser Friedrich's.
Berlin, 15, Juni. Der „R. u. St. A." schreibt: Der heutige Tag ist dem Andenken des Kaisers Friedrich geweiht. Mit bem Kaiser und dem köiiiglichen Hause empfindet das ganze deutsche Volk bei der ersten
Wiederkehr des Todestages von neuem lebhaft den tiefen Schmerz, welchen die Krankheit und das allzufrühe Hinscheiden des edlen, in vollster Manneskraft stehenden, zuletzt so schwer geprüften Fürsten allen fühlenden Menschen, insbesondere dem preußischen und deutschen Vaterlande bereitete. Aber mit der Trauer um den geliebten Herrscher erneuert sich am heutigen Tage auch das Gedächtniß an sein reich gesegnetes Wirken, welches überall im Kreise der königlichen Familie, in der Geschichte Preußens und Deutschlands, iin Herzen aller Deutschen nimmer vergängliche Spuren hinterlassen hat und für die Lebenden wie für die Nachwelt immerdar eine Quelle patriotischer Erhebilng bilden wird. In diesem Sinne lenken sich heute alle Herzen und Sinne dem Andenken, des hochseligen Kaisers . Friedrich zu.
Berlin, 15. Juni. Der Kaiser hat auf Vorschlag des Statthalters Fürsten Hohenlohe den bisherigen Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M., frühern Reichstagsabgeordneten v. Köller, zum Unterstaatssekretär des Innern für Elsaß-Lothringen ernannt. Der neue Unterstaatssekretär vollendet im nächsten Monat sein 48. Lebensjahr. Vom Jahre 1868 war er Landrath im Kreise sammln in Pommern, wo er gleichzeitig angesessen ist, seit bem 1. Oktober 1887 wurde er als Nachfolger v. Hergenhans Polizeipräsident von Frankfurt a. M., bis dahin war er seit 1881 Mitglied des Reichstags, in bem er rasch es verstand, sich zu einem der redegewandtesten, stets schlagfertigen Führer der deutschkonservativen Partei aufzuschwingerr Als Verwaltungsbeamter hat er sich einen sehr guten Ruf erworben und insbesoirdere hat er es verstanden, sich in seiner Frankfurter Stellung schnell große Beliebtheit und großes Ansehen zu erringen.
Berlin, 15. Juni. Dem Vernehmen nach wird sich der Kaiser am 18. dK, Zrüh zur Zeitnahme an den Festlichkeiten von hier nach Dresden begeben, aber bereits in der Nacht zum 19. von dort wieder nach Schloß Friedrichskron zurückkehren.
Berlin, 15. Juni. (K. Z.) In verschiedenen Blättern ist aus Madrid berichtet worden, der Kaiser beabsichtige im Laufe des Sommers der Königin-Regentin von Spanien einen Besuch abzustatten. Von gut unterrichteter Seite erfahre ich, daß diese Nachricht jeder thatsächlichen Begründung entbehrt.
Berlin, 15. Juni. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Minister Graf von Bismarck-Schönhausen, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Derselbe wird während seiner Anwesenheit durch den Unter-Staatssekretär, Wirklichen Geheimen Legations-Rath Grafen von Berchem vertreten.
Berlin, 15. Juni. Gestern ist hierselbst der Landgerichtsrath Max Hollmann im 57. Jahre gestorben, der zu den hervorragendsten Untern snchungsrichtern im preußischen Staate gehörte, und sich hier in Berlin um die Strafrechtspflege die größten Verdienste erworben hat.
Der preußische Gesandte am bayerischen Hofe Graf Rantzau hat München verlassen, um sich nach Varzin zu begeben, um dort, wie in frühern Jahren, wieder den Dienst beim Fürsten Bismarck zu übernehmen. In München wird er inzwischen von bem Legationssekretär v. Lindenau vertreten.
Die Nachricht, daß die vorgestern gezeichnete Samoa-Akte vorläufig noch geheiin gehalten werden solle, wird mit der Einschränkung bestätigt, daß gewisse Vorschriften derselben schon vor der Vollziehung in Kraft treten sollen. Desgleichen wird beabsichtigt, die samoanische Regierung binnen kürzester Frist durch Vermittlung der Konsuln der Vertragsmächte in Apia zum Beitritt zu jener Akte einzuladen.
Dresden, 15. Juni. Die Stadt trägt bereits heute anläßlich des Wettinfestes reichen Schmuck. Nachmittags findet nach Empfang der Abordnung beider Ständekammern und der sächsischen Reichstags-Abgeordneten eine Hoftafel zu 170 Gedecken statt. lFr. N.)
Stuttgart, 15. Juni. Die Kammer genehmigte den Entwurf betreffend die Erhöhung der Apanage des Prinzen Wilhelm mit 69 Stimmen gegen 1 (Gröber, ultramontan).
Wien, 15. Juni. Das heutige Amtsblatt veiöffentlicht die Sue;- Uebereinkunft.
Wien, 15. Juni. Die „Deutsche Zeitung" erhebt Einspruch gegen die Haltung der Berliner Banquiers, welche mit deutschem Gelde russisches Pulver und Blei bezahlen wollten, was auch auf Oesterreich zutreffe. Der Patriotismus sollte die gierigen Berliner Geldmänner hindern, sich von Rußland zur materiellen 'Verkürzung ihrer Mitbürger und zur Schädigung der deutschen Reichsinteressen mißbrauchen zu lassen. — Die Staatseisen-