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Nr. 136

Freitag den 14. Juni

Amtliches.

Bekanntmachung.

Bei der Postagentur in Lohra ist am 28. Mai eine Telegraphen- nnstalt mit Fernsprechbetrieb eröffnet worden.

Cassel, 29. Mai 1889.

Der Kaiserliche k. Ober-Postdirektor.

In Vertretung:

gez. v. Rumohr.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Cylinder-Uhr. Ein Goldstück. Ein brauner Damenhandschuh. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine Vorstecknadel und ein Manschettenknopf mit Mechanik.

Auge flogen: Ein Kanarienvogel.

Gelandet am 8. ds. Mts. zu Offenbach: ein Boot mit Rudern, inwendig blau, auswendig weiß angestrichen; Empfangnahme bei dem Bade­besitzer Neumeyer zu Offenbach, Obermainstraße.

Verloren: Eine juchtlcderne dunkelrothe Mappe (vor ca. 8 Tagen). Ein Regenmantel und ein Kindermäntelchen (im Lamboywald).

Entlaufen: Ein schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichen mit vernickeltem Halsband.

Hanau am 14. Juni 1889.

Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.

9410 B. J. 5122/88. Das Ausschreiben vom 17. Jan. d. J. gegen die Haudelsfrau Lina Kastenbaum wird erneuert.

j B. 9449. J. 2071/89. Ueber den

Hugo Käßler, geb. 1./4. 1870 zu Nürnbera^mâMlMWDWegehrt.

A. 8490. J. 2771/87. Josefine

König aus Miltenberg und ^o f f e r aus Havre er­lassene Ausschreiben wird e»MW

9530 B. am 26. Januar 1888 gegen den ' Cigarrenmacher aus Hanau erlassene Ausschreiben ist erledigt.

A. 8677. J. 487/89. Das am 1. März 1889 erlassene Ausschreibeu gEr den Schmied Joseph Szcosczensky von Krotoschin wird zurückgeiMlmen.

B. 9^5. J. 2195/89. Ueber den Aufenthalt des Kellners $ Wilhelm emann von Düsseldorf wird Auskunft begehrt. ^mkfurt a. M. den 8. Juni 1889.______________________

' Tagesth a u.

jTOmitt, 13. Juni. Ueber die Abreise Sr. Majestät des Schahs Dvi^ßersien wird demR. u. St.-A." berichtet: Viele Tausende strömten 16 hmte Vormittag in der zehnten Stunde nach dem Thiergarten, um in der Böllevue-Allee, der Bellevuestraße und auf dem Potsdamer Platz Spalier . bildend, dem von der deutschen Reichshauptstadt scheidenden Herrscher Per- sien<s ein Lebewohl zuzurufen. Als die vierspännige offene Hofequipage mit Zh:<en Majestäten dem Schah und dem Kaiser die dichten Menschenmassen ir passierte, ertönten überall Hochrufe. Freudig bervegt und sich oftmals ver- iieigl end, dankte Se. Majestät der Schah für die dargebrachlen Huldigungen. $ Se. Majestät der Kaiser und König, Allerhöchftwclcher die Uniform Seines 1. , Garde-Regiments z. F. trug, hatte Seinen Hohen Gast von Schloß Bel levue abgeholt, um Ihm bis 311m Potsdamer Bahnhof und von dort is bi?' > zur Station Wildpark das Geleit zu geben. Auf dem Perron des B Mnhofes und in den Fürstenzimmern waren inzwischen das gesammte .0 ^persische Gefolge und die Staatswürdeuträger eingetroffen und hatten theils in dem Sonderzuge ihre Plätze eingenommen, theils erwarteten sie vor dem ?Auge das Eintreffen ihres Souveräns. Es waren ferner zugegen: Se.

Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold, begleitet von dem persön- gx ' 'lichen Adjutanten, Major Grafen Klinkowstroem, der Staats-Minister Graf !'Bismarck, welcher das ihm jüngst verliehene Bildniß des Schahinschah in jZi iBrillanten und Goldfassung zu dem breiten grünen Bande des persischen ," 'Sonnen Ordens trug und sich bis zum Eintreffen der Majestäten lebhaft 2, ^mit dem Amiu-es-Sultan, Ali Asghar-Khan, unterhielt; ferner der Gouver- neur von Berlin und Oberbefehlshaber in den Marken, General-Oberst v. oK Pape, der Kommandant General-Lieutenant Graf v. Schlieffen, die General- l- »Adjutanten v. Hahnke und v. Wittich,j der General-Major Graf Wedell

1889.

tnWBUTMMMMUTUWFII g' W,WBW8aBWBMmUkl«W^ M WnWMWBBgaBMimBWmmMMMmaHMMWCWaHM und die dienstthuenden Flügel-Adjutanten. Persischerseits waren anwesend der den Schah begleitende Gesandte General Mirza Reza-Kahn, der hiesige General-Konsul sowie derjenige Hainburgs. 10 Minuten nach 10 Uhr ver­kündeten lautschallende Hurrahrufe die Ankunft der Majestäten, und bald darauf betrat der Schah mit dem Kaiser und König, gefolgt von dem Ehrendienst der persischen Majestät, General der Infanterie v. Grolman und Major v. Brandis, den Perron. Der Schah verabschiedete sich von den anwesenden Personen mittels Händedrucks, mit jedem Einzelnen freund­liche Worte in französischer Sprache wechselnd. Längere Zeit unterhielt sich der Herrscher Persiens mit dem Grafen Bismarck, dem persischen Gesandten und dein Minister Ali Asghar-Khan. Der Schah gab dem Stnatsminister Grafen Bismarck wiederholt die Hand, und nachdem die Leibdienerschaft Höchstdesselben den Zug bestiegen, betraten Beide Majestäten das Coupä. Se. persische Majestät trat noch wiederholt an das geöffnete Fenster, die zur Verabschiedung erschienenen Personen militärisch grüßend. Um 10'4 Uhr verließ der Königliche Sonderzug die Bahnhofshalle, um den Schah nach Cassel zu führen.

Berlin, 13. Juni. DiePost" erfährt von zuständiger ^cite, daß, entgegen den Blättermeldungcu, von der eventuellen Abberufung des Gesandten v. Bülow aus Bern nichts bekannt sei. Ferner erfährt die Post", daß Andeutungen der Presse, als ob Deutschland auf der Samoa- konferenz ungünstige Erfolge verzeichnen müsse, auf mißliebige Tendenzen zurückzuführen seien. (Fr. N.)

Berlin, 13. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." sagt in einem Leitartikel über die 800jährige Wettiner Jubelfeier.Das sächsische Volk wird in freudigen» Bewußtsein der Antheilnahme aller Deutschen die Fest tage begehen. Das deutsche Volk wird in der Wettinfeier, eine neue Gewähr seines einheitlichen politischen Lebens erkennen iinb in diesem Gefühle dem erlauchten Hause der Wettiner, seinem erhabenen derzeitigen Oberhaupte und dem ganzen sächsischen Lande die innigsten Glückwünsche zurufen."

Dortmund, 13. Juni. DieRhein.-westfäl. Zeilg." meldet, daß sämmtliche Truppen aus den Kohlenreviere,» in ihre Garnisonen zurück- gekehrt seien.

Die Untersuchung der von ben westfälischen Bergarbeitern wegen ihres Arbeitsverhältnisses erhobenen Beschwerden ist derPost" zufolge be­reits eingeleitet. Mit der Führung der Untersuchung, welche sich auf die Feststellung der Betriebs- und Arbeitsverhältnisse und die Aufklärung der Beschwerdepunkte erstreckt, sind die Bergbehörde und die Allgemeine Landes­verwaltungsbehörde gemeinsam betraut, be.en Einzelkommissionen die be­sondere Aufgabe zufällt, beide Theile, mit DolIfommener und gleicher Un­befangenheit und Vorurtheilsfreiheit zu hören und daraufhin nach bestem Ermessen zu urtheilen. Neuerdings geben die Arbeitervertreter in den Tagesblüttern die Absicht kund, die schwebenden Beschwerden zu sammeln. Es scheint ratsam, diese Sammlung zu beschleunige»» und das Ergebniß der Behörde baldigst mitzutheilen. Bei der Vielseitigkeit der Beschwerde- puntte und der großen Zahl der in Betracht kommenden Gruben dürfte, wie wir hören, die Aufgabe einen bedeutenden Umfang annehmem und bet en Lösung eine geraume Zeit beanspruchen.

"Hirschberg, 13. Juni. In Folge eines dreistündigen heftigen Gewitters mit Wolkenbruch mürben alle Straßen des östlichen Stadtheils, sowie die Sandvorstadt überschwemmt. (Fr. M)

Weimar, 13. Juni. Die zahlreich besuchte General-Versammlung der Goethe- Gesellschaft wurde durch deu Rcichsgerichtspi äsidenten Dr. Sim­son eröffnet. Professor Bernays (München) hielt den Festvortrag über die Geschichte der Farbenlehre. Im Auftrage der Fra»» Großherzogin theilte der Direktor des Goethe-Archivs, Professor Suphan, die Uebertragung des gejammten Schillerarchivs durch Schillers Enkel, Freiherrn von Gleichen- Rußwurm, auf das Goethearchiv und die Bereinigung beider als Schillcr- Goethe-Archiv mit. Die Versammlung sprach telegraphisch dein Freiherrn non Gleichen-Rußwnrm ihren Dank und die Verleihung der Ehrenmitglied- schaft aus. (NH. K.)

Augsburg, 12. Juni. Die zweite Hauptsitzung der Lehrerver- sammlung war zahlreich besucht. Der Prinz-Regent beantwortete das an ihn gesandte Huldigungstelegramm und ließ den Wunsch aussprechen, daß die der Leserversammlung überwiesenen Aufgaben zur Förderung der Schulen beitragen mögen. Tas Telegramm des Prinz-Regenten wurde mit stürmischen Hochs begrüßt. In der Lehrervecsammlung veranlaßte die Frage der Einführung des Handfertigkeitsuuterrichts in der Schule und