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müsse ihr Hauptaugenmerk auf die geistige und körperliche Ausbildung richten. Die Versammlung brachte telegraphisch Huldigungsgrüße dem Kaiser Wilhelm und dem Prinzregenten Luitpold dar. Schuldirektor Richter (Leipzig) sprach überVolksthum und Volksschule". (Fr. N.)

Wien, 10. Juni. Der Kaiser empfing heute Mittag den Fürsten von Montenegro in besonderer Audienz, welche etwa 10 Minuten währte.

Krakau, 10. Juni. Professor Cyfrowicz, welcher wegen der Ver­haftung der 41 Studenten nach Ojcow gesandt worden, ist von dort zu­rückgekehrt und berichtet, daß die russischen Behörden theils als Geldstrafe, theils als Kostenersatz die Zahlung von 500 Gulden beanspruchten. Außer­dem seien die Studenten zu dreitägigem Arrest verurtheilt. Professor Cyfrowicz hat heute das verlangte Geld nach Ojcow überbracht und vor­aussichtlich kehren die Studenten morgen hierher zurück.

Rom, 9. Juni, Vormittags. Zur Theilnahme an der Giordano Bruno-Feier sind zahlreiche Deputationen eingetroffen, welche von den Co- mitè's und den Studenten empfangen wurden. In der Stadt herrscht eine festliche Bewegung; Festtheilnehmer durchziehen mit Musik und ihren Fah­nen die Straßen. Die Studenten der hiesigen Universität begrüßten die Kommilitonen aus anderen Städten und dem Auslande gestern Abend im Universitätshofe, wo eine Büste Giordano Bruno's aufgestellt ist. Die Enthüllung des Giordano Bruno-Denkmals fand heute, um 11 Uhr, unter Betheiligung einer ungeheuren Menschenmenge statt. Die Feier, an welcher sich 6000 Vereine mit 1970 Fahnen betheiligten, verlief in größter Ord­nung. 10. Juni. Alle gestern erschienenen Blätter konstatiren, daß bei der Enthüllung des Giordano Bruno-Denkmals die Ordnung vollkommen aufrecht erhalten worden sei. Seit langer Zeit sei keine öffentliche Kund­gebung so imposant und so ruhig verlaufen; kein einziger gesetzwidriger Ruf sei erschollen. Der Vatikan war vollständig abgesperrt. Den ganzen Tag durchzogen Musikbanden, welche die Nationalhymne spielten, die Stadt. Der Blumenplatz war illuminirt und von einer großen Menschenmenge be­setzt. Die Musikkapellen spielten auf demselben und auf anderen Haupt­plätzen. Die Menge verlangte unaufhörlich die Königshymne sowie die Garibaldi-Hymne zu hören, spendete denselben begeisterten Beifall und brachte Hochrufe auf Giordano Bruno aus.

Pams, 10. Juni. Das große Turnfest in Vincennes wurde gestern entsetzlich verregnet und scheint sich auch heute keines günstigen Wetters erfreuen zu sollen. Es betheiligten sich an demselben 450 französische Ver­eine, 57 belgische, 39 schweizerische, 3 tschechische, 3 luxemburgische, 2 italienische, 1 dänischer, 1 holländischer, 1 schwedischer und 1 norwegischer Verein, im Ganzen 11 000 Mann. Bei dem Defilè war der größte Er­folg für die elsaß-lothringischen Vereine und für die Sokols, deren etwas theatralische Tracht das Interesse, welches das Verbot, korporativ nach Paris zu reifen, erregt hatte, für sie noch erhöhte. Der Präsident der Republik weilte drei Stunden auf dem Turnplätze, hatte für alle ein freund­liches Wort und wurde von der Zuschauermenge, wie von den Turnern lebhaft akklamirt. Er ließ sich die Vorstände der auswärtigen Vereine vor­stellen; derjenige der Schweizer begrüßte das Staatsoberhaupt in einer be­wegten Ansprache und überreicht ihm einen Blumenstrauß, während von allen Seiten der Ruf:Vive Carnot !" ertönte.

Paris, 11. Juni. Die in Angoulème bei einer Boulangisten- Versammlung wegen Widersetzlichkeit verhafteten Deroulède, Laisant und Laguerre sind noch nicht in Freiheit gesetzt, sondern haben sich heute vor dem Zuchtpolizeigerichte in Angoulème wegen Rebellion unb Bedrohung von Beamten zu verantworten. Die Boulangisten werden von der Einbringung einer Interpellation einstweilen absehen. (Rh. K.)

Paris, 11. Juni. Carnot überreichte den Erzbischöfen von Paris, Lyon und Bordeaux dem Kardinalshut. Der Erzbischof von Paris betonte, sein Herz sei immer von Eintracht und Patriotismus erfüllt. Carnot antwortete er kenne sehr wohl den Eifer, welchen die soeben ernannten Kardinäle immer gezeigt, um ein gntes Einvernehmen zwischen der welt­lichen und geistlichen Macht zu unterhalten, sie könnten dem Papst versichern, die Regierung sei glücklich, wenn das gute Einvernehmen sich immer mehr befestige; Carnot dankte den Kardinälen für die dem Staate und der Kirche bisher geleisteten Dienste. (Fr. N.)

Zanzibar, 9. Juni. (K. Z.) Von den deutschen Schiffen waren bei der Zerstörung Saadanis betheiligtLeipzig",Möwe",Pfeil" und Schwalbe". Die KorvetteKarola" ist gegenwärtig bei den Seychellen- Inseln abwesend. Der Verlust des Feindes wird auf etwa 400 Mann geschätzt. Das zerstörte Eigenthum gehört fast alles britisch-indischen Händ­lern. Admiral Deinhard hat vom Sultan das Großkreuz des Ordens vom strahlenden Stern erhalten. Die Kapitulation von Pangani wird als fraglich betrachtet.

Bremen, 9. Juni. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Aller" ist gestern in New-2)ork eingetroffen.

Triest, 10. Juni. Der LloyddampferVorwärts" ist gestern Nach­mittag aus Konstantinopel hier eingetroffen.

New -York, 7. Juni. Der DampferEgypt" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meffing'sche Linie) ist hier einge­troffen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Redaktionell. AM" Des Lamboyfestes halber erscheint die nächste Nummer erst Freitag den 14. Juni zu gewöhnlicher Stunde.

Für Fuhrwerksbesitzer. Nach einer landräthlichen Bekannt­machung ist von morgen Abend 8 bis 11 Uhr das Befahren der Lamboy- straße mit bespannten Wagen bei Strafe untersagt, worauf wir im In­teresse aller Fuhrwerksbesitzer auch an dieser Stelle noch einmal aufmerk­sam machen wollen.

Hochtrottoir. Soeben ist man damit beschäftigt demDeutschen Haus" entlang Hochtrottoir zu legen.

Attsgestellt. Im Schaufenster der Pracht'schen Hofbuchhand­lung finb.t sich eine von Herrn Diamantschleifer Friedrich Schmidt ge­schmackvoll zusammenstellte Halbedelstcingruppe, bestehend aus Amethystdrusen, Quarzdrusen, geschliffenen Achaten rc., ausgestellt.

Das macht die Hitze. Gestern schon geriethen im Lamboywalde verschiedene junge Leute, denen wahrscheinlich die Hitze, vielleicht auch das Bier arg zugesetzt, derart aneinander, daß es ohne tüchtige Prügel nicht abging.

Verstorben. Vorgestern verstarb im hiesigen Landkrankenhause eine Frau infolge der schweren Verletzungen, welche sie bei der Katastrophe auf dem Sandhose (Zusammenbruch des Stallgebäudes) davongetragen hatte.

Jsf. Witterungsausstchten. Der Barometerstand hat sich seit gestern Abend bis heute Morgen 10 Uhr nicht verändert und zeigt die Scala 27 Zoll 10 Linien; Windrichtung Nord - West. Behauptet das Barometer seinen jetzigen Stand oder es steigt noch, so dürften wir schönes Wetter, fällt dasselbe jedoch, so haben wir bedeckten Himmel zu erwarten. Das Taunusgebirge ist heute in dichten Nebel gehüllt.

Vorsicht schabet nichts. Obgleich bis jetzt die Witterungsaus­sichten für das morgige Lamboyfest keine ungünstigen sind, dürste es doch sehr angerathen sein, den Regenschirm, Regenmantel, Ueberzieher rc. mit in den Wald zu nehmen, weil Falb einen kritischen Tag zweiter Ordnung für den 13. Juni vorausgesagt hat, und daß die Wetterprophezeihungen dieses Mannes nicht so ganz ohne sind, hatten wir bereits mehrmals Ge­legenheit zu beobachten.

Versteigerungs- und Verpachtungs- re. Kalender

1) für Donnerstag den 13. Juni.

Nachmittags 1 Uhr soll an Ort und Stelle auf dem oberen Bruch von dem der Gemeinde Bruchköbel zustehenden s. g. Bârenloch, etwa 90 Morgen Wiesen, sowohl Heu als Grummet auf 1 Jahr parzellenweise verpachtet werden.

2) für Freitag den 14. Juni.

Vormittags 11 Uhr wird auf dem Rathhause zu Gronau die der Gemeinde zustehende Feldjagd auf einem Flächenraum von etwa 447 Hek­taren auf 6 Jahre verpachtet.

Für heute. Nachmittags von etwa 5 Uhr ab: Vorfeier zum Lamboyfeste.

Für morgen. Vormittags 9^2 Uhr gemeinschaftlicher Gottes­dienst der Johannis- und Marienkirche-Gemeinde in der Marienkirche.

Bebra. Die Generalversammlung des Hessischen Vereins für wirth- schaftliche Interessen findet am 30. Juni in Bebra statt. Auf der Tages­ordnung steht als erster Punktdie Reichsbankfrage", zu welchem der Reichstagsabgeordnete Polizeipräsident v. Rheinbaben in Wiesbaden das Referat und der Reichstagsabgeordnete v. Christen das Correferat über­nommen haben; ferner soll ein Dankschreiben an den Minister der öffent­lichen Arbeiten gerichtet werden für die zahlreichen und wesentlichen Ver­kehrserleichterungen, welche seit kurzem auf den thüringisch-hcssisch-westsälischm Eisenbahnen geschaffen.

Schmalkalden, 11. Juni. ImTh. H." lesen wir: Am ersten Feiertage kam bei dem Morgengottesdienst die von dem stellvertretenden Kantor, Herrn Appel, selbst komponirte Pfingstkantate und zwar unter der bereitwilligen hingebenden Mitwirkung der hiesigen Vereine Liedertafel, Germania, Harmonie und der Stadtkapelle unter der Leitung des Herrn Dellith, zur Aufführung. Der Inhalt der Kantate bildete die heil. Fest­geschichte mit dem Gebet schließend:Schaffe in mir Gott ein reines Herz" und in der zuversichtlichen Gewißheit, voll heller Pfingstfreude ausklingend. Die Leistung muß ein bewundernswerthe genannt werden. Nur der ver- ständnißvollen Einübung der Kapelle die Ouvertüre war wunderschön der Hingabe der Sänger und ihrer Freude an der Sache auch einige Lehrer fangen mit, sowie ältere geschulte Sänger, welche nur zu diesem schönen Zweck mitwirkten und der vortrefflichen Leitung des Kompo­nisten ist es zu verdanken, daß eine so ergreifend schöne erbauliche, daber streng kirchliche Leistung zu Stande kam. Allen Mitwirkenden den besten Dank.

Frankfurt a. M., 11. Juni. Auch in unserer Stadt rüsten sich die hier lebenden Sachsen, um die Feier des 800jährigen Jubiläums des Hauses Mettin, des alten thüringischen Dynastengeschlechtes, von welchem sämmtliche jetzt regierende sächsische Häuser abstammen, würdig zu begehen. Es hat sich hier ein Komitè gebildet, welches anläßlich dieses Jubiläums einen großen Festkommers, zu dem alle hier und in der Umgebung lebenden