Einzelbild herunterladen
 

Tagesschau.

Berkin, 6. Juni. Kaiser Wilhelm wird heute die Rückreise von Pröckelwitz antreten und morgen wieder in Friedrichskron eintreffen. Die Kaiserin hat die letztvergangenen Tage während der Abwesenheit des Kaisers in aller Stille verlebt, in den Abendstunden, nachdem das Wetter sich leid­lich abgekühlt, Ausfahrten in die nächste Umgebung von Schloß Friedrichs­kron unternommen und am heutigen Vormittage einen längern Spazierritt gemacht. _ (K. Z.)

Berlin, 6. Juni. In der heutigen Stadtverordneten-Versammlnng wurde ein Schreiben des Kaisers verlesen, worin er betont, wie überaus erfreulich es für ihn gewesen sei, Zeuge der herzlichen Verehrung zu sein, welche seinem erlauchten Gaste König Humbert seitens der Bürgerschaft Berlins allenthalben entgegengebracht worden sei. Die geschmackvolle sinnige Ausschmückung der Feststraße und Gebäude und die vieltausendstimmigen Zurufe gäben beredtes Zeugniß von den tiefen. Sympathien für den mächtigen Bundesgenossen und dessen gesegnetes Land. Er spreche deshalb den städ- tischeu Behörden und und der gesammten Bürgerschaft wärmsten Dank aus. (Fr. N.)

Berlin, 6. Juni. Dem zum Konsul der Republik Nicaragua in Bremen ernannten Herrn Heinrich Schaer ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 6. Juni. In der Ziehung der Marienburger Lotterie fiel der Hauptgewinn von 90 000 Mark auf die Nummer 98 280.

Berlin, 6. Juni. S. M. Fahrzeug Loreley unter Commando des 1. Offiziers, Lieutenants z. S. v. Bassewitz, ist am 5. ds. in Smyrna eingetroffeu und beabsichtigt am 7. wieder in See zu gehen.

Reichenbach im Vogtland, 6. Juni. An der überschwemmten Bachgasse entstand heute früh 3 Uhr Großfeuer. Die schon durch die Wasserfluthen schwer geschädigte Fabrik Schaarschmidt und 10 Wohnhäuser wurden eingeäschert.

München, 6. Juni. Der Prinzregent Luitpold ist heute Morgen um 6^/4 Uhr aus Wien hierher zurückgekehrt.

München, 6. Jnni. Die klerikaleAugsburger Postzeitung" meldet, die von extremer Seite betriebene Einberufnng eines bairischen Katholiken­tags habe wenig Aussicht; maßgebende Kreise womit die Bischöfe ge­meint sind hielten den Zeitpunkt nicht für gekommen. Das hiesige Fremdenblatt", sehr erbost über diese Meldung, sucht bereit Richtigkeit zu bemängeln und tadelt die Nachricht des Augsburger Blattes als schweren taktischen Fehler. (K. Z.)

Stuttgart, 6. Juni. In der Rottweiler Pulverfabrik fand gestern eine Explosion statt; ein Arbeiter wurde getödtet zwei andere wurden verletzt.

Wien, 6. Juni. Der König von Griechenland traf heute Morgen 7*/s Uhr aus Venedig, der Kronprinz Konstantin aus Gmunden hier ein. Beide setzten um 8V2 Uhr gemeinsam ihre Reise nach Petersburg fort. DiePolit. Korresp." meldet: Der Umstand, daß der griechische König und seine Familie auf der Reise nach Petersburg nicht, wie beabsichtigt war, sich in Wien aufhalten, ist darauf zurückzuführen, daß die Abreise von Athen um einige Tage sich verzögert hatte und die Vereinbarungen mit den Eisenbahnen wegen der Beförderung des königlichen Extrazuges keine Unter­brechung zuließen. Großfürst Paul reist seiner Brant, der Prinzessin Alexandra, bis Granica entgegen, wohin auch der zur Weiterbeförderung der Königsfamilie bestimmte russische Hofzug dirigirt wurde.

Lemberg, 5. Juni. Die russische Behörde des Grenzortes Ojcow hat 41 Dtudenren aus Krakau, welche einen Ausflug dorthin gemacht hatten, angeblich wegen Absingnng patriotischer Lieder, verhaftet.

Bern, 6. Juiti. Auch das Großherzogthum Luxemburg hat seine Theilnahme an der internationalen Konferenz, betreffend den Arbeiterschntz, zugesagt. Der Bundesrath verlangt für die Gotthardbefestigung einen Nachtragskredit von 600 000 Francs für das Jahr 1889. Die Gesammt- kosten übersteigen den Voranschlag um 6 Millionen Mark.

Rom, 6. Juni. Bei den Ergänzungswahlen für 17 aus der Budgetkommission der Kammer ausgeschiedene Mitglieder wurden nur Mit­glieder der Regierungspartei gewühlt.

Poris, 6. Juni. Die Offiziersabordnungen der fremden Mächte werden in diesem Jahre den Manövern 8. Korps (Hauptquartier Bourges) beiwohnen, die im Nivernais stattfinden. Deutschland und Italien sollen noch keinen Entschluß darüber gefaßt haben, ob sie Offiziere zu den Uebungen entsenden.

Paris, 5. Juni. Der General-Gouverneur von Indochina, Richaud, ist bei seiner Rückkehr nach Frankreich auf der Reise von Singapore nach Colombo am 31. Mai an der Cholera gestorben.

Der am Dienstag in Queenstown eingetroffene Dampfer Caspian von der Allan-Linie ist im nordatlantischen Ocean nicht weniger als 13 Eisbergen begegnet. Letzten Donnerstag segelte das Schiff an einem ganz nahe vorbei.

Petersburg, 6. Juni. (K. Z.) DasJournal de St. Peters- bourg" ist erstaunt über die an auswärtigen Börsen durch Gerüchte von russischen Rüstungen hervorgernfeue Beunruhigung und wiederholt, daß die russische Politik eine ausschließlich friedliche sei. Die Börse müßte das besser wissen als irgend jemand, weil angesichts der großen in der Aus­führung begriffenen Finanzoperationen von Rußland weder irgend eine That­sache, noch irgend eine Nachricht ausgehen könne, die geeignet wäre, das Vertrauen und das Gefühl der Beruhigung zu erschüttern. Bei diesen be-

unruhigenden Gerüchten könne es sich daher nur um Börsenspekulationen handeln. (Den Trinkspruch des Zaren sollte das offiziöse Blatt doch nicht mit L-tillschwcigeu übergehen, wenn die Börse die Bedeutung desselben viel­leicht auch übertrieben haben mag.)

Petersburg, 6. Juni. Ein Telegramm derNordischen Tele- graphenagentur" meldet: Die hier aus Berlin eingelaufenen Gerüchte, welche den dortigen Rückgang des Kurses der russischen Papiere als durch russische Rüstungen hervorgerufen bezeichnen, sind völlig unbegründet und absurd. Die russische Regierung ist von den friedlichsten Absichten beseelt.

Sun Francisco, 5. Juni. Ein Telegramm desBureau Reuter" meldet: Die bei einer hiesigen chinesischen Firma auf dem Drahtwege ein­gegangene Nachricht, ein verheerender Orkan habe Hongkong heimgesucht und Tausenden von Menschen das Leben gekostet, stellt sich als falsch heraus. Wahrscheinlich bezog sich das in der Stadt kursirende Gerücht auf das Gewitter in Hongkong Ende letzten Monats.

Rew-Nork, 5. Juni. Nach neuesten, besseren Berechnungen auf Grund des Einwohnerverzeichnisses und anderer statistischer Aufzeichnungen wird nunmehr die Zahl der Opfer bei der Johnstown-Katastrophe auf 12 000 bis 15 000 geschätzt. Die Durchsuchung und Wegschaffung der Trümmer wird fortgesetzt; 6000 Mann sind mit dieser Arbeit beschäftigt. An Lebensmitteln und Obdach fehlt es nicht mehr; eine große Menge Pro­vision ist angekommen.

Aus Studt, Provinz und Umgegend.

Landwirthschaftlicher Kreisvercin Hanau.

In der vergangenen Samstag stattgehabtcn Versammlung, welcher auch Herr Landrath v. O e r tz c 11 anwohnte, kamen unter Vorsitz des Herrn Rentmeister Bell folgende Punkte zur Verhandlung:

1) Vergebung eines Zuchtstiers. Herr Bürgermeister Hos- mann aus Hüttengesäß erklärt namens seiner Gemeinde, daß letztere be­reit sei solchen zu übernehmen. Ohne jede Debatte wurde beschlossen beim Centralverein in Cassel im Sinuc dieser abgegebenen Erklärung zu wirken.

2) D istr i kt s - Rind vie h s chau. Der Vorsitzende schlägt vor dieselbe in Langenselbold abzuhaltcn, womit die Versammlung einver­standen ist. Als Tag der Abhaltung wird der 6. September d. I. be­stimmt. Herr Bürgermeister Lehr- Langenselbold erklärt, vorbehaltlich der Genehmigung des Gemeinderaths, seine Zustimmung und verspricht die nö­thigen Vorkehrungen treffen zn wollen. Nachdem man sich dahin geeinigt, daß, mit Ausnahme der Viehtreiber, von jeder Person 30 Pfg. Eintritts­

-

ff

5

2

-1

3

*1

3

geld zu erheben sei und daß nur selbstgezüchtete Thiere auf Prämiirung 8 Anspruch haben, wurde beschlossen, zu letzterer etwa Mk. 700 zu vcrwen- 00 den und hierauf zur Wahl der Einzeln-Comitö's geschritten. Um die Er-! v laubniß einer Verloosung bei Königl. Regierung zn bitten beschloß man auf r allseitigen Wunsch. Ein Antrag des Herrn Wilh. K 0 ch-Bruderdiebacher! 3 Hof, dahin gehend, man möge bei den Krcisvereiuen Gelnhausen und A Schlüchtern einen Zuschuß zur Prämiirung erwirken, wogegen Aussteller Z aus genannten Kreisen mit denen des hiesigen Kreises gleiche Rechte theilen! &

und sogar Preisrichter ans jenen Kreisen miterwählt werden sollen, fanbj allgemeinen Beifall. Auf Prämiirung haben Anspruch Besitzer von^Rind-! vieh, Pferden und Schweinen. Zum Festplatz wurde das s. g. Sieb in Aussicht genommen.

3) Eingabe der Fleischerinnung wegen Ausschneidens der Schweine. Diese Eingabe besagt, daß den Metzgern die neue Schlachthausordnung nicht zusage und schlägt man als Muster die der Stadt Marburg vor. Es wird verlangt, daß der Käufer dem Verkäufer folgende Abzüge machen darf, nämlich von einem Schwein bis zu 125 Pfund 4 Pfund, von 126175 Pfund 6 Pfund, von 176250 Pfund 8 Pfund und von über 250 Pfund 4 /0 des Gewichts; ferner soll der Metzger be­rechtigt sein ohne Bezahlung auszuschneiden: 1) Mastdarm nebst Krone, 2) Nabel und Zunge ohne Fett und Fleisch, 3) das Kronfleisch (Zwergfell),

4) Lunge und Herz nebst Herzfett, 5) Ohrenmuschel und 6) Eingeweide. Die Metzger bemerken, daß, wenn die Landwirthc diese Vorschläge nicht annähmen, sie entschlossen seien in Zukunft ihren Bedarf nur bei aus­wärtigen Händlern zu decken (dem Vernehmen nach haben die Jnnungsmeister sich hierzu bei einer Konventionalstrafe von M. 1000 ver­pflichtet). Hierüber entspann sich eine lebhafte Debatte. Herr Peter Seitz erklärt, daß seitdem die neue Schlachthausordnung von der städtischen Behörde streng überwacht würde (nach derselben darf der Metzger die ge­nannten sechs Gegenstände ausschneiden und von jedem Schwein 4 Pfund sog. Waffergewicht abziehen) seien die Verkäufer allgemein zufrieden und Klagen über Ueberschreitungen in letzter Zeit nicht mehr gehört worden. Herr Karl Hofmann-Niederdorfelden weist die Schlachthausordnung zu Marburg als Muster zurück, empfiehlt dagegen, wenn eine Aenderung an der hiesigen vorgenommen werden solle, die unserer Nachbarstadt Frankfurt, woselbst der Käufer wohl einen Abzug von 4 Pfund, nicht aber die er­wähnten Ausschneidungen zu gewähren habe. Die Aeußerung, daß die Metzger von den Landwirthen nichts mehr kaufen wollen, wurde sehr kalt ausgenommen und dann wie folgt beschlossen: Der Verein nimmt keinen Anlaß, eine Abänderung der bestehenden Schlachthausordnung zu unter­stützen, wird vielmehr darauf hinzuwirken suchen, daß dieselbe korrekt auf-! recht erhalten und das Schlachten der Thiere mit Genauigkeit überwacht wird.

4) Ueber die 6rnb^ea u § j i d) t e n referirten die Herren Bürger­meister Zeh-KiliattstSV^' W. Koch-Bruderdiebacherhof, Georg Rausch-

CD

D

5 f