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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristtscher Beilage.

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Nr. 119.

Mittwoch den 22. Mai

1889.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Unglücksfällen und zur Wahrung des Anstandes beim Baden die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1. Das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänzlich verboten.

2. Außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind.

3. Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aufsicht er­wachsener Personen gestattet.

4. Das Baden im offenen Main längs der Philippsruherstraße, des Schlosses Philippsruhe und des dazu gehörigen Schloß­gartens, sowie

5. das Baden im offenen Main, Rumpenheim gegenüber, ist verboten.

Uebcrtretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten gegen die mit Handhabung der Ordnung beauftragten Badeaufseher werden mit Geld­strafe von mindestens einer Mark oder bei Unvermögen mit Haft geahndet. Hanau am 9. Mai 1889.

Der Königliche Landrath

P. 2801 v. Oertzen.

Die auf einigen Gehöften der Gemeinde Kesselstadt ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

Hanau am irnJUiai 1889.

DèOKüMgttchë Landrath

V. 3235

v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Gebund Schlüssel. Eine Spannkette.

Verloren: Ein gelber Orden.

Hanau am 22. Mai 1889.

Tagesschau.

u. Aus dem Reichstage. Berlin, 20. Mai. Der Reichstag setzte die dritte Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Jnvaliditäts- uud Altersversicherung fort. In der Generaldebatte sprach zunächst Abg. v. Helldorff (deutschkons.) für das Gesetz, indem er namentlich darlegte, daß die Fürsorge dieses Gesetzes für die ländlichen Arbeiter im eigenen Interesse namentlich auch der kleinerm Landwirthschaft liege. Der Herr Reichskanzler habe mit Recht darauf hingewiesen, daß es sich bei diesem Gesetze vor Allem darum handele, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung zu erhalten. Wenn man Revolutionen vermeiden wolle, müsse man bei Zeiten reformiren. Abg. Bebel (Soz.-Dem.) wies die von dem Herrn Reichs­kanzler gegen die Führer der Sozialdemokratie erhobenen Beschuldigungen, daß sie gegen das Gesetz seien, weil dasselbe geeignet sei, die Unzufriedenheit im Volke zu vermindern, als unbegründet zurück. Die Sozialdemokratie denke nicht daran, Revolutionen zu machen, sie stehe vollständig auf dem Boden des Entwickelungsgesetzes, halte sich dabei aber streng innerhalb der gesetzlichen Schranken. Die Führer der Sozialdemokratie seien nur deshalb Gegner des Gesetzes, weil ihnen dasselbe nicht weit genug gehe. Abg. Dr. Miquel (nat.-lib.) trat mit Wärme für das Gesetz ein und vertheidigte insbesondere auch den Reichszuschuß, der nicht bloß die praktische Voraus­setzung für die Durchführbarkeit dieses Gesetzes, sondern auch eine Forde­rung der ausgleichenden Gerechtigkeit sei. Abg. Dr. Windthorst (Centr.) hebt noch einmal die schon früher gegen das Gesetz erhobenen Bedenken hervor. Durch dieses Gesetz würden unerfüllbare Hoffnungen in den Massen erregt und der Einfluß der Kirche beeinträchtigt werden. Abg. Fürst v. Hatzfeld-Trachenberg (Reichsp.) betonte, daß bei der Natur des vor­liegenden Gesetzes es ganz unmöglich sei, daß Jeder mit allen einzelnen Bestimmungen desselben einverstanden sein könne. Aber bei der Ueberein­stimmung mit den hauptsächlichsten Grundlagen könne man über Einzel­heiten hinwegsehen. Llugesichts der Zuwendungen, welche der Landwirth­schaft in den letzten zehn Jahren zu Theil geworden, habe sie überhaupt nicht das Recht, diese Vorlage zurückzuweisen. Abg. Rickert (deutschfreis.) tritt, nachdem er sich in scharser Weise gegen die vom Herrn Reichskanzler Kin Sonnabend an den verschiedenen Parteien geübte Kritik gewendet, noch

einmal für Ablehnung des Gesetzes ein. Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen und die nächste Sitzung zur Fortsetzung der Berathung auf morgen 11 Uhr anberaumt.

Berlin, 21. Mai. Se. Majestät der König von Italien und Se. Königliche Hoheit der Kronprinz Viktor Enianuel, Prinz von Neapel, sind heute Vormittag hierselbst eingetroffen und im Königlichen Schlosse abge­stiegen.

Berlin, 21. Mai. Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen ist zu kurzem Besuch heute früh aus Kiel hier eingetroffen und im Königlichen Schlosse abgestiegen.

Berlin, 21. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute Vormittag 10 Uhr zum Empfange Sr. Majestät des Königs und Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Italien nach dem An­halter Bahnhof. Der Kaiser begleitete den König nach dem Schlosse, wo­selbst Ihre Majestät die Kaiserin und Königin die Erlauchten Gäste im Garde du Corps-Saale empfing.

Berlin, 21. Mai. Der König und der Kronprinz von Italien sind Vormittags 10 Uhr 33 Minuten eingetroffen; sie wurden vom Kaiser, allen Prinzen, dem Reichskanzler und allen Ministern begrüßt. Der Kaiser und der König umarmten und küßten sich wiederholt. Nach dem Abschreiten der Front der Ehrenkompagnie fand die Vorstellung des beiderseitigen Ge­folges statt. Der König fuhr an der Seite des Kaisers, eine halbe Schwadron Gardekürassire vorauf, eine zweite folgend, durch die prachtvoll geschmückte Triumphstraße, wo die Truppen Spalier bildeten, nach dem Schloß. Die Feststraße war von dichten Menschenmassen besetzt, welche die Wetter^ff ^^^^f^''"^ sudelnden Zurufen begrüßten. Das

Berlin, 21. Mai. Seitens der Stadt wurde König Humbert durch den Oberbürgermeister und den Stadtverordnetenvorsteher begrüßt. Der Kaiser trug die Gardes-du-Korps-Unisorm mit dem Band des Militär- ordens von Savoyen, der König die Uniform des preußischen 13. Husaren­regiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, der Kronprinz von Italien ebenfalls die Uniform des 13. Husarenregiments. Die Ehren­kompagnie war von dem Garde-Füsilierregiment gestellt. Das Musikkorps des Regiments spielte bei der Einfahrt des Zuges die italienische Königs- hymne und beim Defiliren der Kompagnie den Bersaglierimarsch. Der Reichskanzler, welcher die Kürassier-Uniform mit dem Bande des Annun- ziaten-Ordens trug, begrüßte den Ministerpräsidenten Crispi, der das Band des Schwarzen Adlerordens trug, mit mehrmaligem Händedruck. Die Abordnung der Stadt, bestehend aus dem Oberbürgermeister v. Forckcnbeck uud dem Stadtverordnetenvorsteher Styck, wurde bei der Ankunft des Kaisers auf dem Bahnhof von demselben begrüßt; der Kaiser bemerkte, er gratulire zu der schönen Ausschmückung der Straßen, es sei alles herrlich gelungen. Nach Ankunst König Humbert's wurde die Abordnung von dem Kaiser persönlich dem Könige vorgestellt. Herr v. Forckenbeck sprach dem hohen Gaste die Sympathie der Stadt Berlin aus, welche dieselbe ihm und dem italienischen Volke freudig entgegenbringe. Beaucoup de grace, er­widerte der König, v. Forckenbeck und Stryck die Hand drückend. Im Pavillon vor dem Opernhause standen die Vertreter der Akademie und andere Korporationen, rechts davon Künstler in mittelalterlichen Kostümen und Landsknechte mit Hellebarden, links junge Damen in altdeutschem Kostüme, in der Nähe des Pavillons Sängerchöre, dirigirt von Joachim. Bei dem Herannahen des Wagenzuges mit dem König und dem Kaiser intonirten die Cängerchöre die für den Festeinzug komponirte Hymne: Evviva Umberto re d talia, t euvmuto in Germania V Darauf richtete Hosschauspielerin Hcchmburger eine von dem Direktor der National- gnllerie, Jordan, gedichtete Begrüßungsrede an den König, worauf der Zug unter brausenden Jubelrufen der Menschenmenge den Weg nach dem Schlosse fortsetzte. (Fr. N.)

Berlin, 21. Mai. S. M. FahrzeugLoreley", unter Kommando des I. Offiziers, Lieutenants zur See von Bassewitz, ist am 18. Mai er. in Caiffa eingetroffen und beabsichtigt am 20. desselben Monats wieder in See zu gehen.

Torlmimd, 22. Mai. DieRh.-Westf. Z." meldet: Die Zahl der heute Arbeitenden beträgt 73995. Die Wagenstcllung im Kohlenrevier beträgt 4 688 Doppelwagen, sür morgen sind 5850 leere verlangt. Im Dortmunder Revier mit 26 Zechen befinden sich nur noch einige Strikende,