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Nr. 116.
Samstag den 18. Mai
1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Jmpfordnitng
für die diesjährigen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden: Langenselbold: Impfung den 21. Mai, Vormittags 8 Uhr, Revision „ 28. „ „ 8 „
(im Rathhaussaal daselbst).
Hüttengesäß: Impfung den 22. Mai, Vormittags 8 Uhr, Revision „ 29. „ „ 8 „
(im Gasthaus zur Krone).
Neuwiedermuß: Impfung den 22. Mai, Vormittags 11 Uhr, Revision „ 29. „ , „ 11 „
(im Schulsaal daselbst).
Die Herren Ortsvorstände der vorstehend genannten Orte mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäfts vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1886 Seite 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage III. für die Ortspolizeibehörden gegebenen Vorschriften.
Hanau am 11. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
A. 882 v. Oertzen.
Die nach den bestehenden Vorschriften von der Jsteinnahme rc. mit 3% bezw. l6/o zu berechnenden Veranlagungskosten der Klassensteuer und der Gewerbesteuer der IV. Ortsabtheilung pro 1888/89 gelangen an die einzelnen Gemeinden durch Vermittelung der betreffenden Steuerkassen zur Auszahlung.
Die Ortsvorstände werden hiervon zum Zwecke der alsbaldigen Abhebung der Beträge in Kenntniß gesetzt und bezüglich der Auszahlung und Quittungsleistung rc. über die Gewerbesteuer-Veranlagungsgebühren hiermit beschieden, daß die Königl. Steuerkassen als Beleg für die Gemeinderechnungen jeder Gemeinde bescheinigen, wie viel ihnen von den boll zu quittirenden Beträgen baar ausgezahlt und wie viel ihnen durch Anrechnung auf Formular rc. Kosten zugeführt ist.
Hanau am 16. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
St. 1912 v. Oertzen. ___________
Nachstehendes Ausschreiben wird veröffentlicht.
Hanau am 15. Mai 1889.
Der Königl. Landrath
P. 2934. v. Oertzen.
Die Reallehrerstochter Maria Perzl aus Würzburg hat sich am 11. d. Mts. aus dem elterlichen Hause unter dem Vorwande entfernt, auf dem Markte Einkäufe zu machen. Solche ist aber bis zur Stunde noch nicht zurückgekehrt, und man vermuthet, daß sich dieselbe int Maine ertränkt hat. Die Meinung wird hauptsächlich dadurch bestärkt, daß ihr Hut, Handkorb, Schirm und Portemonnaie im Laufe des heutigen Vormittags am rechtsseitigen Mainufer auf dem sog. Leinritte aufgefunden worden.
Die rc. Perzl ist 35 Jahre alt, 1,68—1,70 m groß, von kräftiger Statur mit dunkelbraunen Haaren. Ihre Kleidung bestand bei ihrer Entfernung aus einem hellbraunen Kleide mit braunem Ausputz, weißem Unterrock, unten roth ausgezackt, baumwollenen Hemd, viereckig ausgeschnitten, mit M. P. gezeichnet und ein Paar Gummistutzen. An den Fingern hatte dieselbe zwei goldene Ringe, einer mit rothem Stein, der andere wahrscheinlich mit mehreren kl. Steinchen besetzt. Die Farbe der letzteren kann nicht angegeben werden.
In den Ohren hatte die rc. Perzl goldene Ohrringe mit weißen Perlen.
Würzburg, den 13. Mai 1889.
____Der Stadtmagistrat.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur Kenntniß der Steuerpflichtigen gebracht, daß die Grund- und Gebäudesteuer-Rolle von der Stadt Hanau für 1889/90 vom 18. bis 25. Mai d. J. im Lokale der Königlichen Stcuerkasse I. hierselbst während der üblichen Geschäftsstunden zur Einsicht offen liegt.
Hanau den 14. Mai 1889.
Der Oberbürgermeister Westerburg.
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft z« Frankfurt a. M.
5521 D. Das Ausschreiben vom 18. April d. J. gegen den Steinmetzen Josef Glückte von Neustadt a/H. ist erledigt.
Frankfurt a. M. den 11. Mai 1889.
4027 C. — M. 11/88. Das Ausschreiben vom 17. Nov. v. J. gegen den Taglöhner Karl Jacoby, zuletzt hier wohnhaft, wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 14. Mai 1889.
5648 I'. — .1. 3729/87. Ueber den Aufenthalt des Buchdruckers Aloys Klein von Marienburg wird Auskunft begehrt.
7284 A. — J. 3660 88. Der am 14. Dezember 1888 gegen den Schornsteinfeger Karl Johann Ohlbach aus Rüdesheim erlassene Steckbrief ist erledigt.
7251 A. — L. 77 89. Ueber den Aufenthalt der Dienstmagd Susanne Braumann von Ginnheim wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 15. Mai 1889.
8269 B. — J. 1929 89. Ueber den Aufenthalt des Schuhmacher- lehrlings Johann Georg Spitzenberg er von hier wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 16. Mai 1889.__________________________
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 16. Mai. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde zunächst ohne Debatte der Bericht der Rechnungskommission über den Bericht der Reichsschuldcntommifsion erledigt und für die bezüglichen Rechnungen pro 1887/88 Entlastung ertheilt. Eine Petition, betreffend die Wiederaufnahme der in staatlichen Eiseubahnwerkstätten beschäftigten Personen in die Ortskrankenkasse zu Breslau, wurde dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Der Hauptantheil der heutigen Sitzung fiel auf die Berathung der Petitionen, betreffend den Kaffeeterminhaudel. Die Petenten führen aus, daß die Termingeschäfte nur höchst selten die reelle Lieferung der gekauften Waaren bezweckten, daß dieselben daher nicht ernsthafte Kaufgeschäfte, sondern in der Regel nichts Anderes seien, als börsenmäßige Differenz- und Spielgeschäfte. Derartige Geschäfte aber schädigten entweder den Produzenten oder den Konsumenten, und auf jeden Fall seien sic zum Nachtheile des reellen, die wirkliche Lieferung der gekauften Waaren bezweckenden Handels, weil sie bei den durch die reinen Differenz-Spekulationen hervorgerufenen Preisschwankungen eine jede vernünftige Preisberechnung unmöglich machten. Durch die am 11. Juni 1887 erfolgte Eröffnung der Waaren - Liquidationskasse zu Hamburg sei der Abschluß solcher Termingeschäfte für Kaffee derartig erleichtert und befördert worden, daß Abhilfe dringend geboten sei. Die Petilionskom- mission beantragt, diese Petitionen den verbündeten Regierungen zur Erwägung zu überweisen, während Abgeordnete Goldschmidt zdeutschfr.) Uebergang zur Tagesordnung beantragt, wobei er von dem Abg. Woermann (nat.-lib.) unterstützt wird, welcher die Nothwendigkeit des Kaffee - Terminhandels für Hamburg damit begründet, daß wenn man Hamburg den Weltmarkt für diesen Artikel erhalten wolle, diese neue Einrichtung nothwendig sei, die übrigens den behaupteten, wirthschaftlichen Schaden nicht habe. An der Debatte betheiligten sich für den Kommissionsbeschluß noch die Abgg. Gamp (Reichsp.), Hegel (deutschkons.) und auch Dr. Windthorst (Zentr.); derselbe wurde denn auch mit erheblicher Majorität angenommen. Um 5 Uhr wurden die Verhandlungen vertagt. Morgen 12 Uhr beginnt die dritte Berathung des Alters- und Jnvaliditätsgesetzes.
Berlin, 17. Mai. Se. Majestät der Kaiser haben am Donnerstag, den 16. d. Mts., um 7 Uhr Abends den von Sr. Majestät dem Sultan in Begleitung Höchstfeines Privat-Sekretärs Fark-Bey in Spezial-Mission hierher entsandten außerordentlichen Botschafter, Marsckall Ali Nizami Pascha, im hiesigen Königlichen Schlosse in Audienz empfangen und aus den Händen des Marschalls ein Schreiben des Sultans nebst den Insignien des Imtiaz-Ordens entgegcnzunehmen geruht. Der Audienz wohnte der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats - Minister Graf von Bismarck-Schönhausen bei. Unmittelbar nach dieser Audienz wurde den Mitgliedern der Mission die Ehre des Empfanges bei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zu Theil. Ihre Majestät geruhte aus den Händen des Marschalls Ali Nizami Pascha gleichfalls ein Schreiben Sr. Majestät des Sultans sowie die Insignien des Allerhöchstihr verliehenen Chafakat- Ordens entgegenzunehmen.
Berlin, 17. Mai. Bei der Ausschmückung der Straßenzüge,