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Nr. 115.
Freitag den 17. Mai
1889.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Jmpsordnung
für die diesjährigen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden: Langenselbold: Impfung den 21. Mai, Vormittags 8 Uhr,
Revision „ 28. „ „ 8 „
(im Rathhaussaal daselbst).
Hüttengesäß: Impfung den 22. Mai, Vormittags 8 Uhr, Revision „ 29. „ „ 8 „
(im Gasthaus zur Krone).
Neuwiedermuß: Impfung den 22. Mai, Vormittags 11 Uhr, Revision „ 29. „ „ 11 „
(im Schulsaal daselbst).
Die Herren Ortsvorstände der vorstehend genannten Orte mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäfts vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1886 Seite 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage III. für die Ortspolizeibehörden gegebenen Vorschriften.
Hanau am 11. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
A. 882 v. Oertzen.
Nachstehendes Ausschreiben wird veröffentlicht.
Hanau am 16. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
P. 2965 v. Oertzen.
Bekanntmachung.
Am 30. April d. Zs., Abends 6 Vs Uhr, wurde dahier in der Nähe der Holzschneiderei von Holzmann & Cie. eine unbekannte männliche Leiche aus dem Maine geländet, welche, wie folgt, beschrieben wird:
25—28 Jahre alt, mittelgroß, mit blonden Haaren, rundem bartlosen Gesicht.
Kleidung: Dunkler Jaquetrock, Hose und Weste, graue Strümpfe, Schnürschuhe, roth und grau gestreiftes Hemd, weißer Umlegekragen mit Ulla Shlips.
Der rechte Arm ist an der Schulter amputirt.
Die Leiche mag ca. 8—10 Tage im Wasser gelegen haben und mainabwärts getrieben sein.
Die Kleidungsstücke sind zur ev. Anerkennung hier asservirt.
Um Anzeige wird ersucht, falls die Persönlichkeit des Geländeten bekannt sein sollte.
Frankfurt a. M. den 4. Mai 1889.
Der Polizei-Präsident
J.-Nr. IIV 6380,___________von Köller.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein Korallenkettchen mit goldenem Schloß.
Gefunden: Am 15. ds. Mts. eine gestreifte Pferdedecke; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Rückingen. Statuten der Niederrodenbacher Lokal-Krankenunterstützungs-Kasse. Ein eiserner Schiebekarren.
Hanau am 17. Mai 1889.
Tagesschau.
Berlin, 16. Mai. Den „Frankf. Nachr." ging folgendes Telegramm zu: In der Audienz der Arbeitgeber bei dem Kaiser erschienen der Abgeordnete Dr. Hammacher, der geheime Kommerzienrath Haniel, Bergrath von Velsen und der Bergassessor Krabler. In der Audienz waren zugegen der Minister des Innern, Herrfurth. Dr. Hammacher als Präsident des Vereins für die bergbaulichen Interessen Rheinlands und Westfalens sprach zunächst dem Kaiser ehrfurchtsvollen Dank für die Bewilligung der Audienz, sowie für den Schutz der Staatsregierung in dem von dein Masfenstrcik erfaßten Theile des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirks aus. Indem er dem sehnlichsten Wunsche Ausdruck gab, bald wieder zu geordneten Verhältnissen in den dortigen Arbeitszuständen zu gelangen, erklärte Hammacher: Wir glauben, daß die Arbeitgeber durch die öffentliche Erklärung des Vereinsvorstandes vom 11. Mai ein weitgehendes. Entgegenkommen zwecks Herstellung friedlicher Verhältnisse bethätigt haben.
Nach gewissenhafter Untersuchung find wir als ehrliche Männer zur Ueberzeugung gekommen, daß ein wirklicher Grund zu der jetzt eingetretenen Benutzung des Koalitionsrechts seitens der Arbeiter, selbst abgesehen von den ungesetzlichen Formen, in der dieselben sich dieses Rechtes bedienten, nicht vorlag. Von den Forderungen der Arbeiter halten wir die auf Erhöhung der Löhne gerichtete für eine solche, zu deren Erreichung es der Arbeitseinstellung nicht bedurfte. Sachkundige wissen, daß die Bergarbeiter auch ohne Arbeitseinstellung bei fortgesetzt günstiger Entwicklung der Kohlenpreise in den Genuß höherer Löhne gelangen werden. Die zweite bedeutungsvolle Frage betrifft die Länge der Arbeitszeit; Niemand wird aber sagen können, daß die bei uns eingeführte Arbeitszeit von 8 Stunden unter Tagen, welche die kürzeste in allen Bergrevieren Deutschlands ist, für die Gesundheit und die Lebensverhültnisse des Arbeiters nachtheilig sei. Viele andere kleine Klagen hätte man zweckmäßig auf dem Beschwerdewege an die Bergbehörden und die Grubenverwaltung zu friedlichem und glücklichem Austrage bringen können; trotzdem beschlossen wir die Zusage der Lohnerhöhung, wenn die Arbeit wieder ausgenommen würde, obschon der Strike wie eine Fluthwelle über das Land kam und ohne Beachtung der gesetzmäßigen Kündigungszeit ausbrach; sie wurde gegeben im Bewußtsein der ganzen Verantwortlichkeit, die heute auf den Schultern der Arbeitgeber ruht, und in der Erkenntniß der verheerenden Folgen, welche die gewaltige Arbeitseinstellung bis in die weitesten Kreise des deutschen Vaterlandes fortgesetzt steigend ausübt. Jeder einzelne von uns bietet den feiernden Bergleuten die Hand zum Frieden; es giebt aber eine Grenze für die Nachgiebigkeit; diese ist gegeben durch die Pflichten, welche die Sorg) für die Ordnung und Sicherheit des Betriebes auferlegt. Gebe Gott, daß der Arbeitsausstand, der in ähnlichem Umfange Deutschlands Flur noch niemals heimsuchte, bald verschwinden möge. Der Kaiser antwortete, er habe ihnen die Audienz gestattet, weil es selbstverständlich Sache des Monarchen ist, daß, wenn seine Unterthanen in Streitigkeiten untereinander der Verständigung bedürfen und sich dann vertrauensvoll an das Staatsoberhaupt wenden, dann beide Partheien gehört werden. Er habe die Arbeiter vorgestern gehört und freue sich heute Arbeitgeber zu sehen. Was die Ursache des Streikes betrifft und die Mittel zur Beseitigung desselben, so erwarte ich eingehende Berichte meiner Behörden. Mir lammt es hauptsächlich darauf an, in Anbetracht der weitreichenden Schädigung der gejammten Bevölkerung, welche der Streik zur Folge hat, und nachdem ein zweiter Streik in Schlesien, übertragen aus Westfalen, im Ausbruch begriffen ist, möglichst bald bem großen westfälischen Streik ein Ende zu machen. Was ich den Arbeitern gesagt, wissen Sie; ich habe darin meinen Standpunkt in aller Schärfe gekennzeichnet; die Arbeiter haben mir übrigens einen guten Eindruck gemacht; sie haben sich einer Fühlung mit der Sozialdemokratie enthalten, und daß die Worte, die ich zu ihnen gesprochen, in den Arbeiterkreisen Westfalesis Anklang gefunden haben, ist mir durch die Telegramme bezeugt und ich habe mich gefreut, daß Einmischungsversuche der Sozialdemokratie von ihnen mit Energie abgewiesen worden sind. Die Verhandlungen, die Sie, Herr Hammacher, als Vorsitzender des Vereins, wie ich gern höre, mit der Ar- bciterdeputatiou geführt haben, sind mir durch das Ministerium des Innern zugegangen, und ich spreche meine Anerkennung für das Entgegenkommen aus, was Lie den Arbeitern gezeigt haben, wodurch die Grundlage zur Verständigung gewonnen worden ist. Ich werde mich freuen, wenn auf dieser Basis sich die Arbeiter vereinigen werden, und möchte von meinem Standpunkt noch Eins betonen: Wenn die Herren der Ansicht sind, daß die von mir gehörten Deputaten nicht maßgebende Vertreter der Kreise, die dort streiken, wären, so macht das nichts aus. Wenn sie auch nur einen Theil der Arbeiter hinter sich haben und die Meinung wiedergeben, die in ihren Kreisen besteht, so wird doch immer der Versuch einer Verständigung von hohem moralischen Werthe sein; sind sie aber wirklich Delegirtc derselben und haben sie die Ansicht der gejammten westfälischen Arbeiter vertreten und sind mit den Punkten, die Sie ihnen eröffnet haben, einverstanden, dann habe ich zu dem gesunden und vaterländischen Sinne dieser Männer das Vertrauen, daß sie und nicht ohne Erfolg alles daran setzen, möglichst bald ihre Kameraden wieder zur Arbeit zu bringen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit allen Betheiligten dringend empfehlen, daß die Bergwerksgesellschaften und ihre Organe in Zukunft eine möglichst nahe Fühlung mit den Arbeitern erhalten, damit ihnen solche Bewegungen nicht entgehen; denn ganz unerwartet kann der Streik sich unmöglich entwickelt haben. Es sind,