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Mittwoch den 15. Mai
1889.
Bekanntmachungen König?. Landrathsamts.
Die Herren Ortsvorstände werden darauf aufmerksam gemacht, daß den mir namhaft gemachten Revisoren der Aepfelbäume Instruktionen zugesandt worden sind, nach welchen sie in der zweiten Hälfte dieses Monats die Revisionen vorzunehmen haben.
Die Apparate zur Vertilgung der etwa gefundenen Blutläuse stehen in meinem Bureau bereit und können jederzeit hier abgeholt werden. Die Anzeigen der Revisoren über das Ergebniß der Revisionen sind von diesen an die Ortsvorstände abzugeben, von diesen zu sammeln und mir nach Schluß des Monats einzusenden.
Hanau am 14. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
V. 2541 v. Oertzen.
Alusschretber» Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
7992 B. — J. 176/89. Ueber den Aufenthalt des Spenglers, jetzt Hausburschen Ferdinand Erbe von Weilburg wird Auskunft begehrt. Frankfurt a. M. den 10. Mai 1889.
8061 B. — N. 419/89. Ueber den Aufenthalt des Bäckers Friedrich Hermann Damies von Mittweida wird Auskunft begehrt.
8043 B. — N. 158/88. Das am 8. November 1888 gegen den Spengler Heinrich Christian aus Sulzbach erlassene Ausschreiben wird erneuert.
A. 7051. — M. 69/88. Das am 29. Dezember 1888 erlassene Ausschreiben gegen den Schreiner Georg Knauf von Lützelhausen wird erneuert.
B. 8119. — N. 995/88. Das am 3./11. 1888 gegen den Lumpensammler Johann Michael Kuhn aus Offenbach erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a. M. den 11. Mai 1889.
7145 A. —■ J. 1922/89. Der am 11. Mai 1889 gegen den Kaufmann Ernst Alfred Berthold aus Weida erlassene Steckbrief ist erledigt.
Frankfurt a. M. den 13. Mai 1889.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 14. Mai. Der Reichstag beschäftigte sich heute mit Anträgen, betreffend Abänderung des Vereinszoll- gesetzes und betreffend Errichtung eines Zolltarifamts, sowie mit Petitionen, welche das amtliche Waarenverzeichniß, beziehungsweise Herabsetzung des Zolltarifs zum Gegenstände hatten. Die Petitionen wurden durchweg nach den Vorschlägen der Budgetkommission theilweise der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen, theilweise durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Der Antrag auf Abänderung des Vereinszollgesetzes wurde einer besonderen Kommission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen; der Antrag betreffend die Errichtung eines Reichs-Zolltarifamtes wurde nach längerer Debatte, in welcher Staatssekretair des Reichsschatzamtes Frhr. v. Maltzahn auf seine bereits in der Sitzung vom 24. Januar abgegebene ablehnende Erklärung verwies, mit Majorität angenommen. Demnächst wurde zur Berathung des von dem Abg. Stöcker-Siegen (deutsch- kons.) und Genossen eingebrachten Antrages, betreffend den Handel mit Spirituosen in den deutschen Kolonien, übergegangen, der Reichstag wolle beschli-ßen: „die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in erneute Erwägung y ^nehmen, ob und wie dem Handel mit Spirituosen in den deutschen Ko- durch Verbot oder Einschränkung wirksam entgegenzutreten sei." An rohe So- lskussion über den Antrag betheiligten sich außer dem Antragsteller per Abg. Woermann (nat.-lib.) — welcher ein besonderes Bedürfniß für einen solchen Antrag nicht anerkennen kann, zumal die Regierung diese F^age nicht außer Acht gelassen habe — sowie Abg. Dr. Windthorst ^entr.), welcher für den Antrag eintritt und die Frage anregt, ob nicht auf internationalem Wege eine Regelung des Handels mit Spirituosen anzustreben sei, sowie Abg. Bebel (Soz.-Dem.), welcher den Ausführungen des Abg. Woermann entgegentritt und erklärt, in dieser Frage sich mit den Ausführungen des Antragstellers in Uebereinstimmung zu befinden; er betont indeß, daß ihm der Antrag noch nicht weit genug gehe. Schließlich wurde der Antrag, nachdem sich noch Abg. v. Kleist-Retzow (dentschkons.) für denselben erklärt, mit sehr erheblicher Majorität angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr (Bericht der Rechnungskommission; Petitions- berichte; Initiativanträge).
Verkitt, 14. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag nach 1 Uhr noch den Statthalter in Elsaß- Lothringen, Fürsten Hohenlohe, und hatten mit demselben eine längere Unterredung. Um 2^2 Uhr gewährten Allerhöchstdieselben einer japanischen Mission, in Gegenwart des Staats - Ministers Grafen Herbert Bismarck, die erbetene Audienz. Nach einem Ansritt hörten Se. Majestät um 6 Uhr den Vortrag des Chefs des Marinekabinets, Kapitäns z. S. Freiherrn v. Senden, und um 7 Uhr denjenigen des Chefs des Generalstabes, Grafen v. Waldersee. Heute früh um 7Us Uhr begaben Sich Se. Majestät der Kaiser mit Ihrer Majestät der Kaiserin nach dem Tempelhofer Felde und besichtigten daselbst das 2. Bataillon des Kaiser - Alexander- und das 1. Bataillon des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments sowie das Garde- Schützen-Bataillon. Der auf der Durchreise hier eingetroffene Großfürst Paul von Rußland, Kaiserliche Hoheit, wohnte einem Theil der Besichtigungen bei.
Berlin, 14. Mai. Kaiser Wilhelm wird heute Nachmittag um 3 Uhr die aus Westfalen hier eingetretene Abordnung der ausstehenden Bergarbeiter im Beisein des Ministers Herrfurth empfangen. Auch die Arbeitgeber haben den Kaiser gebeten, ihm ihre Wünsche durch eine Abordnung vorzutragen, eine solche wird voraussichtlich morgen hier eintreffen, und wohl auch in den nächsten Tagen empfangen werden. Bis jetzt sind aus den benachbarten Provinzen bereits etwa 250 Gendarmen in das Bergrevier kommandirt worden, die auf den einzelnen Zechen stationirt werden und dort für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, vor allem auch dafür sorgen sollen, daß diejenigen, die freiwillig die Arbeit wieder aufnehmen wollen, daran nicht dnrch andere nicht arbeitende Genossen verhindert werden. Die militärischen Kräfte sollen nicht allzusehr zerstreut werden und erst im allerdringendsten Falle zum Einschreiten aufgeboten werden.
Berlin, 14. Mai. Der kommandirende General des ersten Armeekorps, General v. Kleist, ist unter Belassung in seiner Stellung als Chef des Infanterie-Regiments „Gras Dönhoff" zur Disposition gestellt. — Die türkische besondere Gesandtschaft ist um 12'/, Uhr hier eingetroffen und vom türkischen Botschafter empfangen worden. Sie hat im Kaiseihof Wohnung genommen. (Fe. N.)
Das Kaiser Wilhelm-Denkmal in Köln soll, dem „Centralbl. d. Bauverw." zufolge, an dein nördlichen Schlußpnnkte des Kaiser Wilhelm- Ringes errichtet werden. Da man sich darüber nicht hat einigen können, ob das Denkmal in einem Reiterstandbild oder in einem architektonisch ans- gebauten Brunnenwert mit dem Standbild des Kaisers bestehen soll, so hat man die Ausschreibung einer öffentlichen Preisbewerbung beschlossen und will den Bewerbern freie Wahl in der Art des Denkmal-Aufbaues lassen. Die Kosten für das Denkmal sollen 400 000 Mk. betragen.
Kiel, 13. Mai. (K. Z.) Für S. M. Aviso „Grille" sind Briefsendungen zu richten bis zum 15. Mai nach Neufahrwasser, vom 16. bis 19. Mai nach Stralsund, vom 20. Mai bis auf weiteres nach Kiel. — Für S. M. Kreuzer-Korvette „Alexandrine" sind Briefsenduugen bis auf weiteres zu richten nach Auckland (Neu-Seeland) über Queensland San Franzisko, für S. M. Kanonenboot „Wolf" nach Apia (Samoa-Jnseln) denselben Weg.
Die „K. Z." schreibt zu den Forderungen der Arbeiter im Ruhr- kohlengebiet u. a. folgendes: „Der Arbeiter ist sich seiner wirthschaftlichen und politischen Macht bewußt geworden, er erhebt als freier deutscher Mann stolz sein Haupt und durchdringt sich mit einem starken Standes- und So- lidaritätsgefühl. Mit wachsender Erbitterung sah er, wie eine maßlose Börsentreiberei die Zechenwerthe in die Höhe trieb, wie die von ihm mühsam geförderten Kohlen im Preise stiegen, ohne daß er überall an der höheren Werthung des Ertrages seiner Arbeit entsprechend betheiligt wurde oder betheiligt worden zu sein glaubte. Das schroffe, hier und da auch wohl ungerechte Auftreten gerade der untergeordneten Beamten, das Nullen — gänzliches Nichtanrechnen — der geförderten Wagen, welches in bestimmten vorgesehenen Fallen — nichtvorschriftsmäßige Füllung, Vorkommen von Steinen — eintritt und leicht dem Mißbrauche ausgesetzt ist, hat viel dazu beigetragen, die Keime der Verbitterung zur vollen Entfaltung zu bringen. Die gänzliche Nichtanrechnung eines mangelhaften Arbeits- ergebniffes erscheint überhaupt hart und ungerecht, wenn auch natürlich die Berechtigung und die unbedingte Nothwendigkeit wirksamer Schutzvorrichtungen gegen Lotterarbeit anerkannt werden muß. Viel böses Blut hat I der Umstand gemacht, daß die Arbeiter zur Ueber schi cht angehalten werden können. Sachverständige Beurtheiler behaupten indessen, diese Be- I stimmung wahre vor allem das wohlverstandene Interesse der Arbeiter selbst;